Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 2191)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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EIN NACHTRAG ZUM GEDENKARTIKEL OBER RABBINER Dr. MORDECHAI BOHRER s.A. Süddeutsche Rundfunk Ich freute mich ln der letzten Pessach-Nummer der “Mitteilungen” (ein viel zu bescheidener Name für die so inhaltsreiche Zeitung...) die ausführliche Würdigung der Persoenlichkeit des Rabb. Dr. Bohrer — Gailingen zu lesen, und möchte dazu einen Beitrag leisten. In dem Gedenkaufsatz ist nicht erwähnt, dass Rabb. Bohrer im Jahre 1932 an einer dreiwöchigen Palästina - Gesellschaftsreise teilnahm, die von der Palästinazentrale der Agudath Israel in Frankfurt a/Main organisiert war. Ich hatte die Aufgabe und das Verdienst, als “technischer Reiseleiter” dieses einmaligen Unternermens zu dienen (ich war ein junger Referendar und dies war meine erste Auslandsreise, was mich wahrscheinlich für diese Aufgabe besonders qualifizierte...) Rabb. Bohrer s.A. war bei dieser Orientierungsfahrt begleitet von einigen seiner Gemeindemitglieder, und — was mir am Anfang seltsam vorkam — auch von Akademikern aus dem Gailingen benachbarten Konstanz, die nicht der orthodoxen Richtung des so wirklich frommen Rabbiners angehörten. Es wurde mir schnell klar, dass sie sich der Gesellschaft aus Verehrung, ja Liebe, für den Gailinger Rabbiner angeschlossen hatten, und auch wir anderen “Pilger” gehörten bald zu seinen, ich möchte beinahe sagen “Chassidim”, wäre ich nicht als ehemaliger Frankfurter ambivalent gegenüber dem Chassidismus... Die tiefe Frömmigkeit und Menschenliebe, verbunden mit beinahe kindlicher Begeisterungsfähigkeit, trugen dazu bei, dass wir alle den einzigen Rabbiner, der zu unserer etwa 20 köpfigen Gesellschaft gehörte, wirklich liebgewonnen haben. S. Schachnowitz, der langjährige Redakteur des Frankfurter “Israelit” und Verfasser einer Reihe Romane aus der jüdischen Vergangenheit (zum Teil in Iwrit hier erschienen), war unser “geistiger Reiseleiter” und verfasste s.Zt. einen Reisebericht, der ln Fortsetzungen im Israelit und später als Buch erschien. Was nun Rabb. Bohrer betrifft, so erzählt der Verfasser die folgende, kleine und für unseren “Reise-Rabbiner” charakteristische Geschichte — ich erinnere mich an den Vorfall genau, — die ich d. Lesern dieses Blattes nicht vorenthalten möchte: Die Sache trug sich zu, als wir an der heute nur allzu bekannten “Allenby Brücke” am Jordan standen: Einer in unserer Mitte, der uns so lieb gewordene junge Rabbiner an der Schweizer Grenze, als ein Mann, der im Grenzverkehr einige Routine hat, ist nicht zufrieden. Der Übergang über den Jordan nach Transjordanien ging ihm viel zu glatt und reibungslos. Wer wird es ihm in seiner Gemeinde glauben, dass er “jenseits des Flusses” war, wenn im Pass kein Vermerk und kein Stempel von diesem Abenteuer zeugt? Also geht er ins Brückenhäuschen und lässt sich seinen Pass mit Stempel und Wappen Abdullahs bemalen. Kostet... da hat aber Transjordaniens Aussenpolitik und Grenzschutz nicht mit der klugen Überlegenheit eines jungen Rabbiners, der das ganze Jahr “ben Hamzorim” zwischen 2 Grenzen lebt, gerechnet. “Augenblick”! ein rascher Sprung und hinüber ist er über die Kette. Ist nach Erez Israel geflüchtet... Ein Auslieferungsverfahren wurde bei den nicht allzu freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern hüben und drüben nicht eingeleitet. Die Baerenmütze auf der palästinensischen Seite grinzt schadenfroh. Sogar der Engländer lässt sich zu einem breiten Lächeln herab... Mordechai Noy (Manfred Neuberger) Ramat Chen (Fr. Frankfurt a/Main) Kirche und Gesellschaft Sendung: Christen zum Alltag Samstag, 7.12.74 6.05—6.10 6.55 — 7.00 Südfunk 1 Verfasserin: Dr. Barbara Just-Dahlmann. Liebe Hörer! Wenn ich mich recht erinnere, so hat Jeder von uns einmal gelernt, dass man den Schwachen und Einsamen helfen soll. Das ist nicht nur ein christliches Gebot, das ist ein Gebot allgemeiner Menschlichkeit. Und dieser Satz, dass man Schwachen und Einsamen helfen soll, gilt heute, wo unsere Welt so klein geworden ist, nicht nur gegenüber unseren Mitmenschen in der Nähe, sondern auch gegenüber Menschen in der Ferne, ja gegenüber ganzen Ländern, wenn sie schwach und einsam sind. Schwach und einsam, das heisst von aller Welt verlassen, ist heute Israel. Selbstverständlich haben Flüchtlinge — alle Flüchtlinge, wo auch immer — ein Recht auf Beendigung ihres Flüchtlingsdaseins. Auch die Palästinenser! Aber wie wäre es zum Beispiel, wenn die reichen arabischen Ölstaaten ihre vor 26 Jahren aus dem heutigen Israel geflohenen Landsleute in der “grossen arabischen Heimat", von der doch soviel die Rede ist, integriert hätten, so wie etwa Deutschland d. Flüchtlinge des letzten Weltkrieges? Und warum wird nie gesagt, das die Israel umgebenden Staaten sich bisher nie bereit erklärt haben, die Existenz des Staates Israel anzuerkennen? Und warum redet niemand von den jüdischen Flüchtlingen aus den arabischen Ländern — es sind nämlich genauso viel wie umgekehrt —, warum spricht davon niemand? Ich will es Ihnen sagen. Vor etwa zwei Wochen hat man in der UNO die Katze aus dem Sack gelassen: Man hat endlich einmal deutlich und unmissverständlich erklärt, was man mit dem Recht der Palästinenser eigentlich wirklich meint. Ich wusste es schon lange, denn es steht seit 1968 im palästinensischen Manifest schwarz auf weiss. Aber die meisten wollten es gar nicht so genau wissen, weil sie so die Alibifunktion ihrer vordergründigen angeblichen DAS JÜDISCHE BRESLAU (Fortsetzung von Seite 10) dem den Geldbeutel des Schwiegervaters geheiratet hatten, den die Inflation leerte. Und ferner war ein Absinken bei den jüdischen Juristen spürbar: die alten jüdischen Justizräte des 19. Jahrhunderts waren anders und besser gewesen als die jungen Anwälte des 20. Jahrhunderts,, die zum Teil aus sehr kleinen Verhältnissen hervorgegangen waren und nicht mehr aus alten, kultivierten Familien stammten. Es ist besser, über diese Kriegsfolgen den Schleier der Vergessenheit zu breiten, aber das Gesamtbild wäre unwahr, wenn man diese notorischen Tatsachen verschweigen würde. Ich aber habe bei meiner philosophischen Doktorpromotion auf die Bibel schwören müssen, stets nur die Wahrheit zu sagen. Bei Beginn des dritten Reiches war das deutsche Judentum auch in Breslau nicht mehr das, was es im 19. Jahrhundert gewesen war: es war allzu “liberal”, allzu unjüdisch, allzu unbedenklich geworden. Der deutscre Liberalismus hat ja nicht einmal über zwei Generationen weg gehalten. Heut, im Zeitalter von Jean-Paul Sartre, dem Witwer Gottes, gefallen sich viele deutsche Juden, auch solche aus Breslau, in einem Zustande, den man den sogenannten alten Heiden nicht nachsagen kann: denn die hatten doch ihren Zeus und Jupiter. Nein: diese Ausführungen gehörten nicht ln mein Breslau-Buch. WALTER B. GOLDSTEIN, Jerusalem Humanität besser vor sich selbst verdrängen konnten. Vor zwei Wochen nun wurde es endlich laut ausgesprochen: Die Palästinenser wollen nicht einen eigenen Staat irgendwo, zum Beispiel auf dem West-Jordanufer, “sie haben ein Recht” — so hiess es nach unseren Zeitungsberichten — “jeder in seine früheren Besitzungen, jeder in seine alte Wohnung zurückzukehren”. Von dem Existenzrecht des Staates Israel war mit keinem Wort die Rede. Liebe Hörer, wissen Sie, was das heisst, Ich bin 1945, also etwa zur gleichen Zelt wie die Palästinenser aus Israel, aus Polen geflohen, wo meine Familie seit mehreren Generationen lebte. Wie, wenn ich heute in meine alte Wohnung und meinen alten Besitz zurückkehren wollte? — das würde doch wohl eindeutig heissen, dass die Menschen, die Jetzt dort leben, dort geboren, dort auf gewachsen sind, vertrieben werden müssten! Und genau das würde es in Israel bedeutetn, wenn die Palästinenser in ihre alte Wohnung, in ihren früheren Besitz zurückkehren würden — Blut und Tod und neues Flüchtlingselend. Wie kann man dazu schweigen? Das Schlimme, das — wie ich meine — sehr Schlimme an der Sache aber ist, dass fast die ganze Welt zu einer solchen Resolution Ja gesagt oder geschwiegen hat. Nur acht Neinstimmen hat es gegeben, eine davon war die Stimme Israels — und die Stimme der Bundesrepublik war nicht dabei. Und darüber bin ich entsetzt. Rückkehr von Menschen, die vor fünfundzwanzig Jahren ein Land verlassen haben, in ihre früheren Wohnungen und ihren alten Besitz bedeutet geplanten Völkermord. Da aber hört die Grenze des Zweckmässigkeitsdenkens in der Politik auf; da ist die Grenze gekommen, wo schon die Enthaltung der Stimme, statt eines klaren Nein, Unmoral bedeutet. Israel ist klein. Es ist von der ganzen Welt verlassen, Terrorakte mit Opfern an Männern, Frauen und Kindern sind an der Tagesordnung und der Krieg droht ununterbrochen. Ich frage: wo bleibt da die Moral in unserer Politik, wo bleibt das Engagement von Jedem von uns, der Einsatz für die Schwachen und Einsamen? Die Christen unter uns täten gut daran, heute die Kapitel 9 bis 11 im Brief des Paulus an die Römer genauer zu lesen als Je zuvor; sie werden entdecken, dass das Gottesvolk im biblischen Sinn zwar gespalten ist, dass es aber immer noch aus Christen und Juden besteht, dass der Bund Gottes mit Israel nicht gekündigt ist, dass also uns alles Geschehen in Israel unmittelbar ans Mark geht. Hier schreit vor unseren Augen die Not eines mit Untergang bedrohten Volkes zum Himmel. “Wer Ohren hat zu hören, der höre!" Und er tue etwas! 1 WJIUCC Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weisen. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, wie er dich zufrieden stelle. Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! „TCHEIET" TEL-AVTV, S HE INKIN STR. 59. TEL 22 05 45 W i i 3 Ü I I I I 1 I! \ 1 ii