Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1975-09-01 · No. 38 (September 1975) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1975
Issue
No. 38 (September 1975)
Date
1975-09-01
Page
Seite 8 (sequence 2188)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/7411685-7412437-7412460--0544-7412468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 JAHRE NAHARIYA Als wir im April 1935 einen Lastwagen brauchten, um mit unserer Habe nach Nahariya zu fahren, erklärte der Chauffeur- “Den Ort kenne ich nicht, und hinter Akko gibt es überhaupt nichts mehr”. So erinnert sich einer der Grauköpfe, die vor vierzig Jahren das Wagnis unternahmen, — auf ein Prospekt und Versprechungen der “Nahariya Small Holdings Ltd." hin ihren gesamten Besitz und Kapitaltransfer in ein landwirtschaftliches Unternehmen zu stecken, das umstritten war. Eine private Siedlungsgesellschaft war es, die im Jahre 1934 für 34.000 gute Goldpfunde von der Familie Tüeni in Beirut 2000 Dunam Boden erwarb, der aus Sumpf und Dünen bestand. Die Familie Tueni verspielte den Kaufpreis in einer Nacht in Monte Carlo... Die Gründung einer Siedlung ausserhalb des von der Jewish Agency und dem Waad LeumI gezogenen Rahmens durch eine private Siedlungsgesellschaft auf privatem Boden — und nicht auf Böden des Keren Kajemeth, noch dazu in einer der jüdischen Kolonisation bis dahin verschlossenen Gegend — war ein Vabanquesplel ohnegleichen. Nichts war gesichert, weder die wirtschaftliche noch die kommunale noch die rein physische Existenz. Die Siedlung war “de jure” einfach nicht existent. In einer so wichtigen Frage wie der Postzustellung (nicht nur für blaue Haavara-Briefe) war es notwendig, dem Postmaster in Haifa eine gezeichnete Landkarte einzusenden, aus der er die Lage der neuen Siedlung ersehen konnte. Keine offizielle jüdische Organisation hatte ihn von der Gründung in Kenntnis gesetzt. Auf keiner Karte der nationalen Fonds erschien bis zur Staatsgründung jemals das Wort NAHARIA, wohl aber die Namen der Siedlungen von Schawei Zion bis Chanita und Eiion, deren Gründung erst durch die Pioniertat der Nahariya-Siedler möglich wurde. Wenn wir heute in alten Photoalben blättern, fallen uns Bilder aus den Anfangsjahren Nahariyas in die Hände, auf denen Siedler bei der Arbeit zu sehen sind: Da erscheint ein Mann mit einem grossen Strohhut und kurzen Hosen, die ihm bis über die Knie reichen. Er trägt ein verwaschenes Polohemd. Gebückt, mit beiden Händen einen Turia-Stiel packend, lächelt er in die Kamera. Neben ihm steht aufrecht, ein Kind auf dem Arm, ebenfalls in Shorts, ein Kopftuch auf dem kurz geschnittenen Haar, seine Frau. Im Hintergrund ein Lift, auf dem in grossen Buchstaben “Schenker & Cie” (oder eine andere Transportfirma) aufgepinselt ist. Kein Baum, kein Strauch auf dem Büdhintergrund. Es sind Umschichtler, ehemalige Anwälte, Aerzte, Beamte, Männer, die führende wirtschaftliche Positionen innehatten, die durch das Dritte Reich aus ihren gesicherten Existenzen herauskatapultiert wurden, und denen die körperliche Arbeit meist recht schwer fiel. Intellektuelle, die zum ersten Mal im Leben Schwielen bekamen... Es waren Männer und Frauen, die sich schwer einordnen und sich ln vielen stürmischen Sitzungen der Landwirtschaftlichen Cooperative, die bis ziun Jahre 1941 auch für alle kommunalen Belange zuständig war, auch schwer unterordenten. Die "Kompression“ intellektueller Fähigkeiten und Kräfte die kein Ventil fanden, der anstrengende Wachdienst während der Unruhen v. 1936 u. 1939 (nördlich v. Akko in d. Küstenebene!) und der offensichtliche Misserfolg des ursprünglichen Siedlungsplanes schufen eine Atmosphäre, die mit der Aussage eines Siedlers klar definiert ist: "Sein Schicksal mit dem von Nahariya zu verbinden, hier zu leben, hier zu siedeln und auszuharren, bedeutete für uns, die physischen, psychischen und moralischen Kräfte, die in uns wohnten, bis an ihre Grenze zu beanspruchen.” Erst zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entdeckten die Nahariyaner, dass ihre Siedlung am Mittelmeer lag: der Kurort Nahariya entstand zunächst mit Hotel-Pensionen, in denen der persönliche Kontakt mit dem Gast eine der wichtigsten Erfolgsvoraussetzungen war. Wie in Jerusalem Grete Ascher und in Tel-Aviv Käthe Dan, so waren es auch in Nahariya Frauen, die ihren deutschen Vornamen in ein Gütezeichen verwandelten. Dazu kamen grosse Cafö-Restaurants, eine für die damalige Zeit gezielte Strandentwicklung und die Gründung von Industrien und Landwirtschaften, die sich als entwicklungsfähig erwiesen und das wirtschaftliche überleben der Siedlung ermöglichten. Bei Staatsgründung hatte Nahariya nur 1200 Einwohner. Der UNO-Beschluss vom 29. November 1947 und die Abschnürung Nahariyas von den übrigen, Teilen des Landes (für lange Wochen wurden Nahariya und die Provinz Westgalil nur über das Meer versorgt, da die Landverbindung abgeschnitten war) trugen mit ihrer seelischen Belastung viel dazu bei, dass die Zahl derer, die auswanderten oder in das "Kernland” Israels abwanderten, in Jenen Jahren sehr gross war. Dass es sich zum Teil um Führungskräfte handelte,, machte diese Erscheinung besonders schmerzlich spürbar. Ein Ruhmesblatt ln der Geschichte Nahariyas ist ohne Zweifel, dass es im ganzen Lande Israel keine Stadt und keine Siedlung gibt, die im Verhältnis zu ihrer ursprünglichen Grösse so viele Neueinwanderer aufgenommen hat. Es ist heute ein Gemeinwesen von ungefähr 33.000 Einwohnern, das einem totalen Strukturwandel unterworfen war. Nahariya hat allerdings dafür einen hohen Preis gezahlt. Von der idyllischen Siedlung mit den schönen Gärten und der gepflegten Ruhe und Sauberkeit ist wenig übrig geblieben. Nahariya ist Herrn ERICH LEWIN Verband Ehemaliger Breslauer und Schlesier, 27, Mazada Str. Ramat Gan, Israel Lieber Herr Lewin, Anstatt eines Artikels möchte ich heute folgende Zuschrift an Sie richten: In der allwöchentlich in New York erscheinenden Amerikanisch Jüdischen Zeitschrift “Aufbau” wird häufig hervorgehoben, wie durch die Zeitung alte persönliche Verbindungen wiederhergestellt werden, von jüdischen Menschen, die über die ganze Welt zerstreut sind. Ihre Verbandszeitung, ist zwar nicht so umfangreich wie der Aufbau und auch nicht so verbreitet, wie dieser, aber ich glaube aus Erfahrung sagen zu können, dass Ihre Zeitung, wenn sie auch nur zwei Mal im Jahre erscheint, mit gleicher Berechtigung sich damit rühmen kann sehr wertvolle Verbindungen geschaffen zu haben resp. wiederhergestellt zu haben, an die man längst vergessen hatte. So hatte ich gerade in den letzten Tagen eine für meine Frau und mich selbst sehr wertvolle Korrespondenz gehabt, die ausschliesslich durch Ihre Zeitung und ganz speziell durch ihre persönliche sorgfältige Beobachtung — lieber Herr Redakteur Lewin — herbeigeführt wurde. Es war heute der wirtschaftliche, administrative und industrielle Mittelpunkt der Provinz Westgalil. Der Traum vom “internationalen Kurort” ist ausgeträumt. Es fehlen alle Voraussetzungen dafür. Es wurde einfach versäumt, rechtzeitig eine Kurort- Entwicklung zu planen, welche — nach europäischen Vorbildern — unabhängig vom städtischen “Bauboom” dem Seebadeplatz ein Eigenleben gesichert hätte. Die legalen Voraussetzungen für eine städtische Entwicklung waren von der ersten Stunde Nahariyas an gegeben. Jeder Siedler erhielt von der privaten Siedlungsgesellschaft seinen “Kuschan“, seine bestätigte Eintragung ins Grundbuch, die ihm die Möglichkeit gab, im Gegensatz zu K.K.L.-Land, seinen landwirtschaftlichen Boden zu parzellieren und als Bauland zu verkaufen. Dazu kam noch eine sehr weitherzige Auslegung städtischer Baubestimmungen... So unbegründet waren also die Bedenken der nationalen Instanzen von 1935 hinsichtlich einer landwirtschaftlichen Siedlung auf privaten Böden nicht. Aber mit Stolz darf Nahariya darauf hinweisen, dass es die einzige Stadt der Welt ist, die von Juden aus Deutschland gegründet wurde! ERICH M. LEHMANN ERICH M. LEHMANN, Nahariya Wir freuen uns, dem Verfasser des Aufsatzes "40 Jahre Nahariya”, der ein bekannter Journalist in Israel und auch in der Welt ist, diese Zeilen zu widmen. Erich M Lehmann ist 1912 in Stuttgart geboren, lebt seit 1936 in Naharia und hat sich mit dieser Stadt von Anfang an verbunden. Er arbeitete als Milchmann, Verkäufer in einem Konsum-Laden, als landwirtschaftlicher Arbeiter und als Friseur. Der Industrie Kaufmann ist seit vielen Jahren Journalistisch tätig. Seit Jahrzehnten berichtet er in der deutschsprachigen Tageszeitung, die in Tel-Aviv erscheint, früher “Jedioth Chadaschoth”, jetzt “Chadaschot Israel” über Nahariya und die Provinz West Galilea. Er ist der Verfasser des Buches ■ “Naharia” ein Beitrag der mittleuropäischen Einwanderung zum Aufbau des Landes Israel. Wir wünscnen unserem 1b. Erich Lehmann weiter die Kraft, die Liebe zur Journalistik und die schönen Artikel, die von tiefer Liebe zum Lande zeugen, all dies auszuführen. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL die Adresse von Heinz Nothmann, die Sie mir mitteilten, die bei uns besonderes Interesse hervorrief. Ich möchte hiermit Ihnen für die so wertvolle Arbeit, die Sie für die Zeitung und für viele Menschen leisten, meine besondere Anerkennung aussprechen. Ich kann es ja gut beurteilen, was es heisst, eine Zeitung zu redigieren, nachdem ich selbst in meinen Jungen Jahren, wie Ihnen Ja bekannt ist, in der Redaktion der damaligen ersten Zionistischen Zeitung in Deutschland — der “Jüdischen Rundschau” in Berlin — gearbeitet habe und einige Zeit auch für sie "Verantwortlich” gezeichnet habe. Lassen Sie mich zum bevorstehenden Rosch Haschanah den besonderen Wunsch aussprechen, dass es Ihnen noch lange vergönnt sei durch Ihre Redaktion den Jüdischen Menschen viel Freude zu bereiten. Mit herzlichen Griissen und nochmaligem Dank sowie nii» mv Freundschaftlich Ihr 8ALO TRANSLATEUR Miami Beach. 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.