Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 5 (sequence 2185)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Jahre der Frau (Fortsetzung von Seite 1) Solcher Art sind unsere Gedanken, die uns nicht nur während der Hohen Feiertage beschäftigen, sondern auch oft Im Ablauf des täglichen Daseins. So sehen wir dieses “Jahr der Frau” hier und heute auch in seiner Beziehung zur modernen Israelin, sie aufstrebend auf vielen Gebieten, in vielerlei Berufen und Berufungen: Unsere Aerztinnen und Krankenschwestern, unsere Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, Beamtinnen und Polizistinnen, Haushaltshilfen und Verkäuferinnen, aber auch unsere Richterinnen und Anwältinnen, unsere geistigen Arbeiterinnen und Künstlerinnen, die oft weltbekannte Schöpfungen hervorbringen — Theater, Dichtung, Tanz, Musik, um nur einige dieser Sparten zu nennen — sie alle nehmen einen ehrenvollen Platz ein in diesem “Frauenjahr”. Nicht alle können ausgezeichnet und öffentlich genannt werden, aber das Heer der Ungenannten (dies bes. auch der Sozialarbeiterinnen!), der "Stillen im Lande”, die oft so Grosses leisten und so wenig “die Trommel rühren”, auch sie tragen bei zum Renomee der Israelin, das sie sich inzwischen schon so gut wie in aller Welt geschaffen hat. Und ob wir es wahr haben wollen oder nicht, es ist doch so, dass die sich immer mehr durchsetzende Tatsache von der Existenz Israels letzten Endes wie jede Gegenwart nur auf der Vergangenheit beruht, nur die Brücke bildet zwischen dieser und der schon morgen beginnenden Zukunft! Immer wird die jüdische Frau ihren Anteil an dieser Zukunft haben, und immer wird es der Urbegriff dieser “Eschet chajil” sein und bleiben, der die Basis zur mannigfaltigen Entwicklung unserer Israelinnen bildet und bilden wird. Um nun nochmals auf Channa’s Erlebnis zurückzukommen, sei mit der freundlichen Erlaubnis der Leser hier eine kleine Abschweifung gestattet, eben deshalb, weil deren Inhalt eng mit dem Sinn der biblischen Erzählung zusammenhängt: Als 1967 nach dem Sechstage-Krieg die endliche, durch alle Zeiten hindurch erträumte und immer vom jüdischen Volk ersehnte Wiedervereinigung Jerusalems zur Wahrheit wurde, weilte unter den Tausenden von Besuchern auch die hier Unterzeichnete für einen Tag in der damals freudebeschwingten Stadt; da hielt sich der Dank für das Erreichte die Waage mit dem Gefühl der Trauer um die Gefallenen... Etwas von jener einmaligen, bis heute unvergesslichen Atmosphäre sprang wie ein Funke auf jeden der unzähligen Besucher über; seltsamerweise erinnerte ich mich Schlesisch Verlag von Wilhelm Gottl. Korn 173. Jahrgang EXTRA-BLATT Breslau, Montag, den 27. Juli 1914 Wien, 27. Juli 4 Uhr 55 Min. vormittag (Tel. der Schlesischen Zeitung). Die Wiener “Reichspost” meldet aus Semlin: Die Batterien am Belgrader Ufer sind niüht geräumt und auch in den serbischen Schanzen donauabwärts herrscht eine erkennbare Bewegung. Wenn die serbische Armee hier auch keinen dauernden Widerstand leisten will, so scheint sie doch den Stromübergang erschweren zu wollen. Heute trafen mit rumänischen Schiffen österreichische und ungarische Flüchtlinge hier ein, welche erzählen, dass gestern abend und nachts grosse Demonstrationen gegen Österreich stattgefunden hätten. Die Menge schrie nach Krieg. Gegen 2000 Österreicher und Ungarn befinden sich in Belgrad am Ufer und flehen die Schiffer tun überfahrt an. Der deutsche Gesandte - auch in Israel... gerade jetzt der Geschichte der Channa, fühlte uns alle gleichermassen bittend und dankend an heiliger Stelle stehen. Man konnte nicht anders, man musste diese gewaltigen Eindrücke einfach festhalten, sie niederschreiben, in welcher Form auch immer. (Wie viele Berichte, aber auch Schulaufsätze von Kindern, wie viele Tagebücher entstanden damals im Nu.) So seien hier abschliessend die Verse eines Gedichtes angeführt, die später in ivrith übersetzt wurden — eines meiner Gedichte, das in der damaligen aussergewöhnlichen Situation unabweisbar schien und doch so sehr mit einem der vorstehend behandelten Themen zusammenhängt. “JERUSALEM” : “Nicht tranken, Herr, steh' ich im Volksgewühl und forme lautlos Worte zum Gebet — lausche verzückt dem Engelsharfenspiel, das aus der alten Stadt herüberweht — der Engel Rühmen, noch von alters her von Dank und Jubel wiederum erfüllt- Nicht trunken, Herr steh’ ich im Volksgewühl und forme lautlos Worte zum Gebet, mein eigen Herz, zugleich mir froh und schwer, vom Dankenwollen schmerzend überqoillt — Schmerz um Verlor’ne ringsumher, den keiner Mutter Träne stillt — Nie ward Jerusalem in solchem Glanz geschaut als sei dem Frieden neu es angetraut, bereit, Glückseligkeiten neu zu schenken, auch dem, der tief beklommen abseits steht und Worte lautlos formet zum Gebet...” Und wieder haben wir "lautlos zu beten”, um die endliche Erreichung unseres höchsten Zieles, des Friedens mit unseren Nachbarvölkern und mit aller Welt! — Ein “Schana tova!” in seinem tiefsten, umfassendsten Sinne, ein gutes, gesundes, neues Jahr!!! FRIEDA HEBEL e Zeitung vermittelte bei der serbischen Regierung, dass die Flüchtlinge nach Semlin gebracht werden. Die "Reichspost” meldet aus St. Petersburg: Eine hervorragende Persönlichkeit erklärte die Stimmung am russischen Hofe ausgesprochen für den Frieden. Der Zar habe hierüber bestimmte Aeusserungen getan. Es sei die Absicht der massgebenden Kreise, sich dafür zu verwenden, dass, wenn der Ausbruch des Krieges unvermeidlich sei, Österreich den Bestand Serbiens nicht antaste und dass man dafür vorerst nur in diplomatischem Wege Sicherungen zu schaffen suche. Die Nationalisten fordern ein militärisches Eingreifen. Eine Klärung werde erst in einigen Tagen erwartet. Die südslawische Korrespondenz meldet, die serbische Armee werde bei Semdria konzentriert. Montenegro habe die allgemeine Mobilisierung beschlossen. In Cetinje hätten grosse Demostrationen für ein gemeinsames Vorgehen mit Serbien stattgefunden. CENTRA-MATERIALSAMMLUNG ZUR GESCHICHTE DES DEUTSCHEN JUDENTUMS Wo befindet sich noch historisches Material? Der Vorstand der CENTRA (Dachorganisation der centraleuropäischen Landsmannschaften) hat beschlossen, eine Sammlung von historischem Material zur Geschichte des deutschen Judentums zu veranstalten, das sich noch in Privatbesitz befindet, und dieses Material den zuständigen Archiven (Biblotheken, Museen) im Lande zuzuführen. Die Leitung der Sammlung ist dem bekannten Historiker Dr. K. J. Ball-Kaduri, Vorstandsmitglied der CENTRA, übertragen worden. Der Grundgedanke der Sammlung ist, dass deratiges Material für die historische Forschung verloren geht, wenn es in Privatbesitz bleibt, weil die nächste Generation daran nicht mehr interessiert ist. Darum wird jeder Bewohner von Israel (nicht nur Mitglieder der CENTRA) gebeten, zu überlegen, was er von seinem mitgebrachten Stücken zur Verfügung stellen kann. Soweit jemand sich aus Erinnerungsgründen nicht von dem Originalmaterial trennen wül, so sind wir durchaus interessiert, statt dessen Photokopien zu erhalten. Was kommt als solches Material in Betracht? — Alles, auch das Kleinste, was zur Geschichte des deutschen Judentums gehört. Auch die kleinste Mitteilung kann später, in Zusammenhang mit anderem historischen Material, Bedeutung erlangen. In Betracht kommen unter anderem: alte Zeitschriften mit Aufsätzen über jüdische Themen, Originalurkunden Jeder Art, alte Lebenserinnerungen, selten gewordene Bücher usw. usw. Wir haben in kleinstem Kreise mit dieser Sammlung bereits begonnen. Um deutlich zu machen, wie verschiedenes Material von Interesse ist, geben wir im folgenden einige Beispiele von schon erhaltenen Gegenständen an: Eine Ausgabe des “Soester Heimatkalenders” vom Jahre 1930 mit einem Beitrag “Die Synagogengemeinde in Soest”, — 38 Originalflugblätter aus der Zeit vom 9. November 1918 bis zum März 1920, d.h. von der Revolution bis zum Kapp-Putsch (die Ereignisse vom November 1918 waren ja auch für die Juden in Deutschland von entscheidender Bedeutung) — mehrere Stiftungsurkunden aus der Gemeinde Hannover vom Jahre 1919; eine Briefmarke der DDR aus dem Jahre 1961 mit einem Bild des Mahnmals im Konzentrationslager Sachsenhausen. Sendungen und Anfragen sind zu richten an Dr. Ball-Kaduri, Tel-Aviv 63424, Bernstein Cohen Str. 14. Telefonische Anfragen (vorm. 8.30—9.30; nachm, nach 4 Uhr), Tel. 298458. CENTRA — MATERIALSAMMLUNG Aus dem bisher eingegangenen Material erwähnen wir als besonders interessant: Originalflugblätter aus der deutschen Revolution 1918 bis zum Kapp-Putsch 1920. Besuch beim König von Preussen 1848 (s. Seite) Amtliche Bescheinigung der Annahme eines Familiennamens, 1814. Bürgerbrief von Berlin, 1841, mit vorgedruckter Eidesformel: "ich schwöre beim G”tte Israels”. Erlaubnis zur Reise von Cöln (britisch-besetzes Gebiet) nach Berlin und zurück, 1923. Kurzgeschichte der jüdischen Schiffahrtslinien FAIR PLAY in Hamburg und ATID in Haifa, aus der Erinnerung erzählt. tr maa am mm mar cm tarn janr mar arm ara mrtrrr /arr. DANKSAGUNG Wir danken auf diesem Wege Frau VERA AMBROSE 111 Higher Lane Whitefield-Manchester M 25 7 E Y (England) für die Übersendung der Landkarte aus Breslau vom Jahre 1703, die wir unserer Dokumentensammlung einverleibt haben.