Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2182)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte ln der Nähe von Oppeln, nordöstlich der Stadt Zülz mit ihrer alten grossen Judengemeinde liegt der kleine Marktflecken Proskau (Pruskow), der einstmal durch eine Fayence-Fabrik (unter Leitung des getauften Berliner Juden Bach) und später durch ein pomologisches Institut bekannt gewesen war. Von diesem Ort ist der Name Proskauer abgeleitet, den Nachkommen ehemaliger schlesischer Juden auch heute noch führen. Von 1680 bis 1919 haben dort Juden gelebt, die aber wohl nie eine eigene Gemeinde gebildet haben dürften. Ihren Gottesdienst hielten sie bis zuletzt in gemieteten Räumen ab, zuletzt (um 1900) in einem, der Familie Proskauer gehörenden Hinterhaus auf dem Ring. Im 17. und 18. Jahrhundert gehörten die dortigen Juden zur benachbarten Judengemeinde von Zülz, wohin sie ihre Steuern zahlten. Sie beerdigten auch auf dem dortigen Friedhof ihre Verstorbenen. Seit der Bildung der Synagogenbezirke aufgrund der preussischen Gesetzgebung in der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die Juden in Proskau zum Synagogen- Bezirk Oppeln und begruben dann ihre Toten auf dem dortigen Friedhof. Der erste namentlich bekannte Jude von Proskau war (nach einer Liste vom 3.6.1680) Marcus Abraham aus dem benachbarten, im österreichischen gelegenen Städtchen Hotzenplotz, wo es auch eine grosse alte Judengemeinde, sozusagen eine Schwestergemeinde von Zülz, mit einem eigenen Rabblnat gab. Marcus Abraham war vor 1680 als Pächter (Arrendator) des Herrschaftlichen Branntweinausschanks in Proskau von der dortigen Herrschaft aufgenommen worden und zahlte seinen Schutzgroschen an die Herrschaft in Schloss Zülz. Seitdem blieb der Branntweinausschank in den Händen Jüdischer Pächter. Zwischen 1730 und 1740 war dieser Pächter Löbel Isaac. Er zog dann ln das Dörfchen Schätzke bei Trachenberg, wo er zusammen mit seinem Schwager und Kompagnon Lazarus Isaac Tischler Hacohen, (der sich der Abstammung von den Makabäern rühmte und dessen Familienname Tischler von dem Frauennamen Tischei abgeleitet ist), die Branntweinpacht übernahm. 1737 gab es in Proskau einen Jüdischen Pottaschpächter, namens Moses Marcus. 1738 hielt sich dort Elias Mendel Hock, wahrscheinlich ein aus Prag eingewanderter Jude auf. n- Auch nach der preussischen Besitznahme Schlesiens gab es dort jüdische Branntweinschankpächter (Arrendatoren) bzw. “Bestandsjuden”. Der erste scheint Abraham Nathan gewesen zu sein, der nach Zülz zuständig war, wo er 1750 ein Haus für 300 Thaler von Elle, der Witwe des Pincus Sachs, kaufte. Seine Toleranzsteuer zahlte er an das Toleranzamt von Oppeln. Er führte auch einen Kramhandel und übernahm ferner das Pottaschbrennen, wobei er einen Jüdischen Knecht namens Joseph David beschäftigte. Chaja, die Tochter des Abraham aus Proskau, war mit Koppel ben Chajim (Graetzer) aus Tworog (Krs. Tost O.S.) verheiratet, der wohl ein Bruder des in Gross-Strehlitz lebenden Simon ben Chajim Graetzer aus Tworog war und zugleich ein Verwandter der nach den USA um 1754 bzw. 1759 ausgewanderten Brüder Michael und Bernard Graetz aus Langendorf). Dieses Ehepaar schenkte im Jahre 1783 einen wunderbaren Thoravorhang (Porauches) der Synagogengemeinde Langendorf, der auf der im Februar-März 1929 vom Verein Jüdisches Museum in Breslau veranstalteten Ausstellung "Das Judentum in der Geschichte Schlesiens” gezeigt, im Katalog abgebildet und unter Nr. 148 auch beschrieben war. (Später, im April 1929, war er auf dem Umschlag bzw. Titelblatt der Juden in Proskau (Oberschlesien) Von Rabbiner Dr. B. BRILLING Akadem. Oberrat LR. 44 Münster, Hollenbeckerstr. 23 des Berliner Jüdischen Gemeindeblattes abgebildet.) Ob auch die beiden aus Proskau gebürtigen Söhne eines Abraham, namens Samuel und Seligmann, die vor 1800 nach Gross-Wartenberg gezogen und dort 1812 den Familiennamen Rosenfeld angenommen hatten, die Söhne dieses Abraham Nathan gewesen sind, steht nicht fest. '•nr'iwttifiM $ $?a»nrr| \ OTTOS.;] .‘fearrasM :NfKrrtsa! raro O jssarswöritf S' s—o Nr. 148. Thoravorhang von 1783 Synagogen-Gemeinde langendorf OS. Sein Nachfolger als Branntweinpächter in Proskau war Joseph, Sohn des Michel Hirschei Friedländer (so genannt nach dem oberschlesischen Örtchen Friedland bei Falkenberg O.S., wo auch eine jüdische Gemeinde existiert hatte). Als die jüdischen Pächter in Schlesien gemäss einer Verfügung Friedrichs des Grossen vom Jahre 1780 ihre Arrenden, dJi. Pachten aufgeben mussten, wurde Joseph Michel in Proskau nebst seinem Vater Michel Hirschei in Friedland OS. (daher der Familienname Friedländer), sowie Salomon Moses in Oberglogau, Joseph Hirschei in Czellitz (dem Herkunftsort der Familie Czellitzer), sowie Mendel Kiewe in Mikultschütz (Krs. Beuthen O.S.) und Isaac Löbels Witwe ln Troplowitz davon ausgenommen. Sie durften ihre “Arrenden” also weiterbehalten. Joseph Michel, der an Toleranzsteuern nach Oppeln 16 Rtlr und 20 Sgr zu zahlen hatte, gehörte zu den wohlhabendsten Juden der schlesischen Landjudenschaft und wurde daher 1784 bei einer Sonderumlage der preussischen Regierung zu 40 Rtlr. veranlagt. Am 1. April desselben Jahres erwarb er im “Städtel Proskau” vom Bürger und Lohgerbermeister Johann Joseph Ramisch ein bürgerliches Haus nebst Stall, Acker und Zubehör für 606 Rtlr. Dieses Haus wurde 1799 an den Schutzjuden Moses Joachim Epstein aus Schönwitz (Krs. Falkenberg OS) für 720 Rtlr. verkauft. Moses Epstein kaufte ferner im Jahre 1801 für 900 Rtlr. vom Amtsrat Leopold die Ost’sche Gerberei, wozu sein Schwiegervater Löbel Joachim (Friedländer) aus Rybna (Krs. Beuthen) die königliche Kammerkonzession am 16. Mai erhalten hatte. in. Aufgrund des preussischen Judengesetzes vom 24.3.1812 erhielten sechs Familien in Proskau das preussische Staatsbürgerrecht: die Witwe Rahel Epstein (wahrscheinlich Witwe des Moses Epstein), Joseph Friedländer, Joseph Landsberger, sowie Abraham, Meyer und Nathan Proskau. Merkwürdigerweise hless ein grosser Teil der in Proskau im 19. Jahrhundert erwähnten Juden: Proskauer, wohl die Nachkommen der eben erwähnten drei Familien. Daneben gab es dort noch weitere jüdische Familien mit dem Namen Bandman (1860), Getzel Goldstein (1827) Heymann (1829 ff.) Lewy, Schiftan, Totzek (1838) und Ziegler (1820 ff.) Am Krieg 1864/66 nahm Moritz Schiftan aus Proskau, am Krieg 1870/71 Siegfried Proskauer aus Proskau teil. Die Mitgliederzahl nahm im 19. Jahrhundert etwas zu, ging aber nach 1900 rapide zurück. 1845 gab es in Proskau 48 Juden; 1890 nur noch 20. 1919 starb, wie mir berichtet wurde, als letzte Jüdin in Proskau ein Fräulein Heymann. IV Der Familienname Proskauer, der auf die Herkunft aus Proskau hinweist, erscheint bereits 1756 in einer Zülzer Judenliste. Darin werden aufgeführt: Neta und Abraham ben Mose, die vielleicht Söhne des 1737 erwähnten Moses Marcus sein könnten, und Jacob ben Abraham Proskauer. 1812 nahmen in Schlesien acht Familien den namen Proskauer an. Davon wohnten drei in Proskau (Abraham, Meyer und Nathan), zwei in Zülz (Joseph Jacob und Joseph Mayer) und je eine in Kreuzburg, (Hirschei) Leobschütz (Moses) und Neu-Katscher (Krs. Leobschütz), (Mendel Marcus), d.h. sie wohnten alle in Oberschlesien, in der Nähe ihres Heimatortes Proskau. Ob diese Familien untereinander verwandt waren, ist fraglich, denn eine von ihnen gehörte dem Lewitenstamm an. Durch einige Träger dieses Namens ist der Name Proskauer im In- und Ausland bekannt geworden. Der 1851 in Ratibor geborene Professor Dr. med. Bernhard Proskauer (gest. 1915) war Lei-r ter des Berliner Untersuchungsamtes für gewerbliche und hygienische Zwecke. Der 1887 in Breslau geborene und 1938 nach USA ausgewanderte Zahnarzt Kurt Proskauer ist als Historiker der Zahnheilkunde bekannt. Im 19. Jahrhundert wanderten Angehörige dieser Familien auch nach USA aus, wo ein Adolf Proskauer als Kapitän am Sezessionskriege (1861— 64) teünahm. Der bekannteste Träger dieses Familiennamens aber war der aus einer Breslauer (nach Mobile (Alabama) ausgewanderten) Familie stammende Jurist Joseph M. Proskauer (geb. 1877 als Sohn des Alfred und der Rebecca Proskauer gest. 1971), ehemaliger Vorsitzender des American Jewish Commitee und Mitglied des Supreme Court von New York. Er war an verschiedenen wichtigen Ereignissen der jüdischen Geschichte der Hitler- und Nachkriegszeit führend beteiligt, so an den Verhandlungen über die Rettung europäischer Juden, über Palästinafragen und über die Schaffung des Staates Israel. Als Vorsitzender des American Jewish Committee trat er gegen das Weissbuch und für die unbeschränkte Einwanderung von Juden in Palästina ein. Seine Memoiren sind in New York 1950 unter dem Titel “Segment of my Times” erschienen; s. meine Besprechung in dem in Tel- Aviv erscheinenden Mitteüungsblatt des Irgun Olej Merkas Europa vom 29.9.1950. Die Angaben dieses Artikels beruhen auf den Akten des ehemaligen Staatsarchivs Breslau, sowie den Listen, die ich seinerzeit bei einem Besuch im Proskauer Standesamt eingesehen habe. Dem inzwischen in der Emigration verstorbenen Georg Wiener aus Oppeln bin ich auch für einige Angaben zu grossem Dank verpflichtet. 2