Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbiner Dr. Mordechai Bohrer, Gailingen s.A. Mit diesen Zeilen wollen wir eines Mannes gedenken, der in schwerster Zeit auf seinem Posten ausgeharrt hat, bis zum bitteren Ende. Er starb in Dachau, an dem Tage, an dem ihm das Certifikat zur Einreise nach dem damaligen Palästina erteilt wurde und ihn leider nicht mehr erreichen konnte. Der Heimgegangene ist am 9. September 1895 in Ansbach in Bayern, geboren. Dort verbrachte er seine Kindheit und besuchte auch dort die Volksschule. Seine Eltern übersiedelten nach München, wo er nach dem Abitur sein Studium am Hildesheimer Rabbiner-Seminar in Berlin, zugleich mit dem Studium er Geschichte und Philosophie an der Berliner Universität, verband. Unter dem Einfluss des leider so früh verstorbenen und bekannten Rabbiners Kaplan, Dozent am Hildesheimer Seminar, ging er auf die bekannte litauische Jeschiwa (Talmud-Hochschule) Tclsch, wo er im Laufe von 6 Jahren sich grosse Kenntnisse in allen Sparten der Jüdischkeit aneignete. Er machte die Nächte zum Tage und lernte mit einem Eifer, der als übermenschlich zu bezeichnen wäre. Rabbiner Josef Bloch, der Direktor der Jeschiwa Telsch schrieb in sein Abschlusszeugnis: Glücklich wird die Gemeinde sein, die Rabbiner Dr. Bohrer zu ihrem geistigen Oberhaupt wählen wird. Im Jahre 1924 heiratete er Frau Jenny geb. Lachs, die ihm bis zu seiner Inhaftierung am 10. November 1938. eine Kraftquelle war, aus der er Mut und Stärkung in den schwersten Jahren der Nazi-Verfolgung schöpfte. Nachdem er die Leitung der Talmud Thoraschule in Königsberg 1 Jahr lang übernahm, wurde er einstimmig zum Rabbiner der Dorfgemeinde Gailingen in Baden, gewählt, an die sich auch Landgemeinden, wie Randegg, Diesenhofen, etc. anschlossen. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, würden wir all die Phasen seiner Gailinger Tätigkeit aufzählen. Rabb. Dr. Bohrer, ein feuriger Redner, ein glühender Jude, ein Seelsorger in des Wortes bester Bedeutung, hat es verstanden, diese Gemeinde und seinen Bezirk in bestem Sinne zu beeinflussen. Geehrt und beliebt bei allen, musste er bereits im Jahre 1933 Demütigungen schwerster Art von den Nazis erfahren. Immer wieder ist er auf das Rathaus gerufen worden, schwerste Verhöre, Einzelhaft und dauernde Drohungen und Angriffe hat er über sich ergehen lassen, und seinen Posten nicht verlassen. Das Schmuei Jaeckel war viele Jahrzehnte Prediger und Lehrer der jüdischen Gemeinde Oberhausen- Rheinland. Als junger Mann kam er in die Gemeinde und verstand es unaufdringlich, schlicht und feinfühlig Generationen von Schülern auszubilden, ihr jüdisches Wissen zu bereichern und sie so vorzubereiten, dass der grösste Teil der absolut nicht zionistischen Gemeinde nach Israel auswanderte. Er war Lehrer von Berufung und nicht als Beruf. Er hat die Beziehungen zu den Juden seiner Gemeinde gepflegt, die abseits der Synagoge standen. Er hat vor 70 Jahren bereits pädagogisch gewirkt, sodass seine Art für heute als fortschrittlich bezeichnet werden kann. Er hat es verstanden, durch Takt und Feinfühligkeit Menschen aus assimilierten Familien zum Judentum zurückzuführen. Eine besondere Liebe hat er den Ostjuden der Gemeinde Oberhausen entgegengebracht und so die Spaltung vermieden, die seinerzeit leider in vielen Gemeinden Deutschlands stattfand. Als die Wahl eines Rabbiners für die Gemeinde zur Debatte stand hat der erste Vor- Rabbinerhaus Bohrer mit seinen 7 Kindern, direkt an der Schweizer Grenze, war Mittelpunkt für Durchwanderer, die mit Rat und Tat dort betreut wurden. Viele Stellen im In- und Ausland haben sich bemüht, der Familie Bohrer die Auswanderung zu ermöglichen, und es wäre ein Leichtes gewesen, die wenigen Schritte nach der Schweiz zu gehen, wo Rabb. Dr. Bohrer auch Religions-Unterricht erteilte. Pflichttreue und Verantwortungsgefühl seiner, ihm anvertrauten Gemeinde, Hessen dies nicht zu. Unsere Leser werden sich wundem, dass wir in unserem Blatt eines Menschen gedenken, der garnichts mit Breslau und Schlesien zu tun hatte. Aber wir haben festgestellt, dass unsere Zeitung in der ganzen Welt von vielen Juden und Christen gelesen wird, die nicht direkt mit Breslau zu tun haben. Daher halten wir es für unsere Pflicht, einem so ausgezeichneten Menschen im Rahmen unseres Blattes ein Gedenken zu widmen. In unserer Hand befinden sich die Nachrufe der Gemeinden Badens, des Ober-Rabbinats des Synagogenverbandes Hamburg, mit der eingehändigen Unterschrift von Ober-Rabbiner Dr Josef Carlebach, der mit seiner Familie in Riga, erschossen wurde, die grosse Persönlichkeit des deutschen Judentums. Es ist unmöglich, die Nachrufe wörtlich zu bringen, aber sie zeugen von der grossen Wertschätzung und der Hochachtung, die Rabbiner Dr. Mordechai Bohrer, im Judentum Deutschlands und darüber hinaus, genossen hat. In aller Stille ist er in München beigesetzt worden. Seine tapfere Frau konnte mit ihren 7 Kindern im Jahre 1939 nach Palästina gelangen. Alle Kinder waren damals klein. Was diese Frau an Schwerem mit ihren Kindern in Gailingen durchgemacht hat, ist nicht zu beschreiben. Viele Jahre schwerster Einordnung mit einer Genügsamkeit ohnegleichen, hat sich Frau Jenny Bohrer mit Fähigkeit und Fleiss. in Palästina und dem heutigen Israel, durchgesetzt. Wir wünschen ihr, ihren Kindern und Enkeln, dass sie weiterhin die Kraft haben, ihr Leben zu meistern und im Gedenken an diesen hervorragenden Gatten, Vater und Grossvater Mut schöpfen, in dieser, für uns aUe so schweren Zeit. Rabbiner Dr. Mordechai Bohrer gehört zu den Leuchten des untergegangenen deutschen Judentums und wird unvergessen bleiben. sitzende gedroht, sein Amt niederzulegen, da Prediger Jaeckel all die Vorzüge in sich vereinte, die für einen Beamten einer jüdischen Gemeinde vorbildlich in seiner Art gewesen ist und somit von der Wahl eines Rabbiners Abstand genommen wurde. Beliebt bei Juden und Christen hat er bis in seine letzten Tage die Verbindung mit seinen Schülern In Israel und der ganzen Welt aufrechterhalten. Mit einer unbeschreibUchen Liebe erzählen die heute schon selbst betagten Schüler von der Wirkung, die dieser seltene Mensch auf sie und ihr Leben ausgeübt hat. E.L. WIR KONDOLIEREN: Der GEMEINDE EMETH WAZEDEK, New- York, und der Familie von Rabbiner DR. MAX KOPPEL, der auf so tragische Weise ums Leben kam. Sein Wirkungskreis war Hirschberg in Schlesien, Reform-Gemeinde, Berlin, und zuletzt in der vorgenannten Gemeinde in New York. LEHRE UND LEBEN VON RABBINER DR. ISAK UNNA S.A. MANNHEIM Rabbiner Dr. Isak Unna S.A. war eine der hervorragendsten Persönlichkeiten unter den Führern der deutschen Orthodoxie in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts vor der Vernichtung der gesamten Judenheit Deutschlands. Seine Tätigkeit, die er mit der bescheidenen Stelle des Klausrabbiners in Mannheim begann, bot ihm nur ein begrenztes Wirkungsfeld, welches das Stadtrabbinat noch nach MögHchkeit einzuengen sich bemühte. Trotz aller Hindernisse kämpfte er konsequent und unerschrocken für seine Ideale, die Ideale des überUeferten Judentums. Im Laufe der Jahre erkämpfte er sich die ihm gebührende Stellung und Anerkennung, in seiner Gemeinde, bei den Gesetzestreuen in ganz Deutschland u. in weiten Kreisen darüber hinaus. In zahlreichen Veröffentlichungen erhob er seine Stimme und vertrat seine Ansichten vor der Öffentlichkeit, imgeachtet der häufigen und zuweilen heftigen Angriffe der Gegner und der mangelhaften Unterstützung der Gleichgesinnten, die nicht selten vorzogen zu schweigen. Die uns hier vorliegende Auswahl aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen bringt überwiegend solche, deren Inhalt auch heute noch von aktueller Bedeutng für uns ist. Insgesamt geben sie uns ein Bild von der PersönUchkeit des Verfassers, von seiner jüdischen Gelehrsamkeit und seinem allgemeinen Wissen, seinem vornehmen Charakter und seiner moralischen Integrität. Voran geht eine Darstellung des Lebens und Werkes von Rabbiner Unna geschrieben von Mosche Unna. In lebendiger Beschreibung zeigt er uns den Weg des gesetzestreuen Judentums in Deutschland in den letzten 100 Jahren vor seinem Untergang. Wir verfolgen seinen Niedergang zu Beginn dieser Periode und seinen Wiederaufstieg unter der Führung von Rabbiner Unna und gleichgesinnten Persönlichkeiten, seinen Lehrern und Mitstreitern. Dieser Kampf gab der deutschen Orthodoxie die ihr gebührende Stellung innerhalb der deutschen Judenheit wieder. Die persönUchen Erinnerungen aus dem Hause Unna von Raw Viktor Unna geben uns ein lebendiges Bild eines jüdischen Hauses In Deutschland, in dem gelebtes Judentum, strengste Beobachtung der überlieferten Gesetze und Gebräuche, jüdisches Lernen und Wissen mit europäischer Kultur in derem besten Sinn sich harmonisch vereinigten. Schlomo Rtilf ergängst das Gesamtbild in seiner kurzen Darstellung der letzten Jahre der Klaus nach der Alijah von Rabbiner Unna nach Erez- Jisrael im Jahre 1935 bis zu ihrer endgültigen Zerstörung durch die Nazis und den Krieg im Jahre 1943. Dem Text sind eine vollständige BibHographie und ein Index beigegeben. Das Buch ist in Iwrith geschrieben und zu beziehen bei Rabbiner Avigdor Unna, Jerusalem, Ussischkinstr. 11 B. ZUM GEDENKEN Ein Jahr ist es her, dass Rabbiner Dr. LOTHAR ROTHSCHILD, St. Gallen, (Schweiz) in die Ewigkeit abberufen wurde. Ein Absolvent des Breslauer Rabbiner-Seminars war er in den Gemeinden Saarbruecken (West Germany) und bis zu seinem Heimgang in St. Gallen taetig. Von tiefem juedischem Wissen erfuellt hat er neben seinen ausgezeichneten Predigten und seiner Seelsorge als Forscher sich einen Ruf in der juedischen Welt erworben. Nach seiner Pensionierung, die leider nur kurz dauerte, lebte er fuer die Wissenschaft. An den hohen Feiertagen predigte er in den verschiedensten Gemeinden, so in Lugano, Frankfurt a/Main im Rahmen des liberalen Gottesdienstes und an vielen anderen Plätzen. Sin Wirken bleibt unvergessen. Siegfried Schmuei Jäckel s.A. ZU DEN SCHLOSCHIM 18