Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Raw Schmuei Frilz G. Nathan - sechzig Jahre “Freund, was hast du angefangen, Dass du heute sechzig bist?” So möchte ich fragen, wie Alfred Kerr einst Richard Beer-Hofmann fragte. Im Jahre 1928, als ich als Mann seiner Cousine in die Familie kam, war Schmuei Fritz G. Nathan ein junges Bürschlein von 14 Jahren und heute kann er auf grosse Erfolgei n seiner Laufbahn von 14 Jahren und heute kann er auf grosse Erfolge in seiner Laufbahn und ein glückliches Familienleben sehen. Raw Nathan ist das älteste Kind einer angesehenen Breslauer Kaufmannsfamilie. Bei seinen Eltern Julius und Gertrud Nathan wuchs er mit seinen Geschwistern Hilde und David Ernst (beide aktive Zionisten) in einer gesetzestreuen Umgebung auf. So war es naheliegend, dass er nach Beendigung seiner Schulzeit im Elisabeth-Gymnasium ins Jüdisch-Theologische Seminar auf der Wallstrasse ging; dort beendete er sein Studium als Rabbiner im Jahre 1939. Als Schmuei F. G. Nathan im Jahre 1939 in Erez Israel eintraf, war sein Bruder David bereits mehrere Jahre am Toten Meer und im Kibbuz tätig gewesen. Doch Raw Nathan zog es von Anfang an nach Jerusalem, wo auch einige seiner Lehrer anwesend waren. Mit ungeheurer Energie u. unermüdlichem Fleiss gelang es ihm bald, die Stellung als Privatsekretär von Ben Zwi, dem damaligen Präsidenten des Waad Hakehilla und späteren 2. Präsidenten von Israel, zu erhalten. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges aber sah er es als seine Pflicht an, daran teilzunehmen. Raw Nathan ist ein grosser Erzähler, und eine seiner lustigsten stories ist die Geschichte, wie er als “private” in ein Militär-Camp ging u. dem Posten sagte, er werde als squadron-leader herauskommen. So geschah’s. Als senior-chaplain d. Royal Air Force und später als chief rabbi für den Mittleren Osten ist er vielen Kombattanten der Jüdischen Brigade ln Aegypten wohl bekannt geworden. Dass er in dieser grossen Stellung die Brust mit englischen Orden geziert bekam, sei nur am Rande erwähnt. Höher hinaus ging es für einen Rabbiner aus der Wallstrasse wirklich nicht mehr. Ais die Engländer das Land verliessen, wurde Raw Nathan nun Angestellter der Sochnuth und hatte das Glück, der Explosion des linken Flügels des Gebäudes zu entgehen. Nach der Staatsgründung aber haben viele deutsche Juden die Sochnuth verlassen, bei der sie wenig beliebt waren, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Raw Nathan fuhr nach Tel-Aviv, um sich bei der neuen Regierung um eine Stellung zu bewerben. Er war bereits Ehemann, verheiratet mit der schönen und gescheiten Eva aus dem frommen Hause Kahn, und Vater dreier Kinder. Nur mit den Wohnungen hatte er dank der englischen Gewaltmassnahmen Pech gehabt. Er wohnte nun neben dem Bezalel-Museum. Dort stand er auf dem Balkon und ich gegenüber in einem Büro der Sochnuth. Ich fragte ihn über die Strasse, was in Tel-Aviv geworden wäre, und er sagte ein Wort, das ich nicht begriff, auch nicht, als ich es verstand. Das Wort hiess; Tourismus. Man hatte einen Raw gesucht, der “nicht so aussah”. Und das galt ja schliesslich für ihn. Das ist schon lange her. Längst ist Raw Nathan Ministerialrat im Ministerium für Touristik und durch seine weltweiten Propagandareisen in allen Teilen der Erde bekannt. Seine Sprachbegabung kam ihm zustatten. Er ist auch Präsident der grössten Gemeinde in Jerusalem, der Congregation Jeschurun und Mitglied in, der Direktion anderer jüdischer Organisationen. Das ist die zweite grosse Karriere, die er im Lande gemacht hat. Ich denke, es werden sich viele meinem Wunsche anschliessen, dass Raw Schmuei Fritz G. Nathan noch viele Jahre lang in voller Gesundheit seiner zahlreichen Aemter walten könne, zum Segen des Staates Israel und der Jeschurun Gemeinde und zur Freude der Seinen und Freunde, die ihn lieben und verehren. W.B.G. Dr. MAZ TAU, Oslo Wie wir erfahren, hat Dr. Max Tau, Oslo, Karl Johanndte 41/3, Norwegen, den Schlesier- Preis, in Höhe von DM. 10.000.— für seine literarische und autobiographische Tätigkeit seine frühere Heimat betreffend, erhalten. Dr. Max Tau ist in Beuthen, O.S. geboren, und war Lector des Cassirer-Verlages, Berlin. Er hat den gesamten Betrag der Max Tau-Schule in Kiel zur Verfügung gestellt. Wir gratulieren ihm auf diesem Wege von Herzen zu diesem Erfolge, der einer der vielen in seiner Tätigkeit ist und wünschen ihm noch viele Jahre erfolgreichen Schaffens. Verband ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel Die herzlichsten Glückwünsche unserem geliebten Vater und Opi, MARKUS LUBASZ, Quito, Ecuador zum 89ten Geburtstag Seine Kinder, Enkel und Ur-Enkel LESERBRIEFE Wieder erwarten wir mit Sehnsucht Ihr Zeitung. Lassen Sie mich Ihnen fuer die kommenden, so bemerkenswerten Feiertage alles Gute und Gottes Segen wuenschen. Dank fuer die gesandte wirklich faszinierende Zeitung. AJM. London ADOLF EBSTEIN (Zu seinem 85. Geburtstag) Von unserem gemeinsamen Freund Herrn Felix Ehrlich, Natania erfahren wir, dass Herr Adolf Ebstein, Santiago de Chile in diesen Tagen seinen 85. Geburtstag feiert. Ich hatte schon vor einem Jahr Gelegenheit an dieser Stelle die Verdienste des ehemaligen Breslauers Adolf Ebstein um Gemeinde, Altersheim, Sozialwerk, K.K.L. und Magbit zu würdigen. Aber aus diesem Anlass soll noch einmal zum Ausdruck gebracht werden, wie dankbar wir als Zionisten ihm sind. Er versteht es die Bedürfnisse einer jüdischen Gemeinde mit den Interessen und Notwendigkeiten unseres Staates in Einklang zu bringen. Darin ist er Vorbild. Er möge es in geistiger Frische bleiben bis 120 Jahre. .Für die Leser dieser Zeitung soll auch unterstrichen werden, dass Herr Ebstein der Vater der in Israel bestens bekannten “Lilianette” ist, die uns gerade erst wieder vor einigen Wochen mit ihrer Kunst erfreut hat. So senden wir ihm aus der Ferne unsere herzlichsten Glückwünsche. E.I. Löwenstein. VORBETER FÜR DIE HOHEN FEIERTAGE geboren 1921 in Breslau, sucht Posten IM LAND ODER IM AUSLAND. Sephardische Aussprache, Nussah Aschkenas. Zuschriften erbeten an D. Amali, Haifa, T.O.B. 88 (Israel). Ein Sederabend im Breslauer Stadliheater Nicht sehr zahlreich sind die jüdischen Gestalten auf der musikalischen Bühne, aber ein Meister der französischen Oper hat ein Werk in Musik gesetzt, in dem nicht nur jüdische Gestalten,, sondern auch ein jüdisches Fest gezeigt wird. Wir haben die Oper “Die Jüdin” von I. F. Halövy, Text von Scribe, im Breslauer Stadttheater gesehen. Man erinnert sich genau der Ereignisse auf der Bühne. Es handelt sich um des Goldschmieds Eleazars Tochter Recha, und ihr und ihres Vaters Schicksal. Erschütternd wird der tragische Konflikt mittelalterlichen Religionshasses zum Mittelpunkt der Geschehnisse. Die Handlung spielt im 15. Jahrhundert in Konstanz. Eleazar hat das Kind des späteren Kardinals Brogni bei einem Brand in Rom gerettet und es als eigen aufgezogen. Recha lebt bei Eleazar, sie weiss nichts um ihre Herkunft und wird als Jüdin erzogen. Sie verliebt sich in einen Fürsten, der aber nach anderer Seite hin gebunden ist. Ihr Liebesglück wird zerstört, sie will sich rächen, klagt gegen den Fürsten, wird aber nach damaligem Gesetz aus bestimmten Gründen zum Tode verurteilt und eingekerkert. Eleasar lässt Brogni wissen, dass er den wahren Sachverhalt kenne, dass dessen Tochter noch am Leben sei, nur wolle er ihr ferneres (Schicksal nicht verraten. Erst als Recha die Todesstrafe erlitten, gibt er Brogni bekannt, dass Recha eigentlich Brognis längst vermisstes Kind sei. Eleasar geht selbst in den Tod — unversöhnlich. Halövys Musik, untermalt die Begebenheiten mit leidenschaftlicher Musik, das Werk war einst ein enormer Erfolg, die Partitur enthält musikalische Werte und Köstlichkeiten, insbesondere im 2. Akt die Feier des Sederabends mit der österlichen Festtafel. Hier erglingt das Gebet: Kehr, o Gott unserer Väter... Höchst wirkungsvoll auch die Arien, Duette, Terzette und Chöre; im 1. Akt, während der Siegsfeier für den Fürsten, ist auch Ballet eingefügt. I.F. Halevy war der Schwiegervater Bizets und ein Verwandter des bekannten Carmen-Librettisten, Ludovic Halevy. In Breslau sang einst (nach 1910) Leo Slezak die Partie des Eleasar. Es war eine seiner berühmtesten Rollen (Jadlowker spielte den Eleasar in der Berliner Hofoper unter Leo ' Blech). In der Breslauer Aufführung, die um 1910 war, sah und hörte man als Kardinal den Bassisten Rudolf Wittekopf. Der Fürst Leopold war Hans Siewert, den Eleasar sang zeitweise auch Fritz Trostorff, d. Recha war—alternierend—Agnes Klebe, Eva von der Osten (als Gast) und Fanchette Verhunk. Am Pult war der damalige Dirigent Julian Schmiedel, abwechselnd mit Kapellmeister Karl Ohnesorg. Regie: Oberregisseur Hugo Kirchner (zeitweise änderte sich die Besetzung und Stabführung.) Auch in Tel-Aviv und Jerusalem wurde die “Jüdin” seinerzeit unter Maestro Golinkin aufgeführt. Julius Sachs NEU ERSCHEINUNG Als Jude in Breslau 1941 (Aus den Tagebuechern des Studienrats Dr. WILLI COHN s.A.).Das Erscheinen obigen Buches, das wir angekuendigt haben, steht unmittelbar bevor. Das Buch erscheint mit Unterstuetzung unseres Verbandes. Bestellungen an den Verband ehemaliger Breslauer in Israel (Erich Lewin), Ramat Gan, Mazadastr. 27 (Israel). Preis I.L. 25.— Israel, $ 5. fuers Ausland. Buecher, die bereits bestellt sind, gehen ihnen in Kuerze zu. 11