Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Liebe Freunde in Israel, Dies ist nicht ein Schwanengesang der Breslauer Freunde in New York. Wir sind nur zu dem Entschluss gekommen, uns offiziell aufzulösen und uns freundschaftlich weiter zu treffen. Interessierte können über den Treffpunkt und die Zeiten Auskunft erhalten durch einen Anruf bei mir: 923-4691 morgens oder abends 9 Uhr. Da ich die Einzige bin, die alle Einzelheiten unserer Gründung noch weiss, will ich Ihnen einen kurzen überblick geben, wie es zu der Gründung eines Vereins im Jahre 1940 kam. Arno Stein, der zur Zeit mit in unserem Haushalt lebte, hatte den Gedanken zuerst und überzeugte seine ehemaligen Oddfellow-Logenbrüder, Prof. Hans Biberstein, meinen Vater Leopold Rosenthal von der Notwendigkeit eines näheren Zusammenhalts unter den Neu-Einwandereren von Breslau und Umgegend. Wir alle hatten grosse Probleme, viele waren Besucher noch ohne Familie und sehr einsam. Sein Motto war: “Geteiltes Leid ist halbes Leid”. Sehr schnell fanden sich Gleichgesinnte zusammen, im eigenen Kreise fanden sie einem inneren Halt. Da wir "enemy-aliens” waren, mussten wir uns als Verein eintragen, Zusammenkünfte anmelden, Protokolle führen und natürlich einen Vorstand wählen. Professor Hans Biberstein übernahm das Amt und hat es bis zu Beginn seiner Krankheit in bekannter humorvoller Art fast 25 Jahre geführt. In den letzten Jahren hat Dr. Fred Singer uns geleitet und als er zu leidend war, haben wir halt “fortgewurstelt”, wie man in Schlesien sagte. Alter, Wetter und andere Umstände überzeugten uns jetzt, dass unsere “offizielle” Zeit vorbei ist, auch unsere Pflichten sind nicht mehr so gross. Was haben wir getan, was haben wir erreicht? Für Jahre waren wir nicht nur ein Treffpunkt für unsere Freunde, wir waren mehr, wir halfen, wo es notwendig war. In Schwierigkeiten aller Art, in Krankheiten, Affidavit-Suchen, Gestrandeten in fremden Ländern war ein anderer Teil unserer Arbeit, Pakete nach Shanghai, Paris, Palästina damals. Wir selber hatten nicht viel, aber wir teilten mit unseren Mitbrüdern, wo immer sie lebten. Es haben sich Wenige dieser Aufgabe entzogen. Feiertage wurden gemeinsam gefeiert, ich erinnere mich, Purim mit mehr als 300 Teilnehmern. Wir hatten Vorträge, die uns halfen uns in das neue Leben einzufügen, Vorträge, das Leben zu erheitern, leider Trauerfeiern, wenn uns jemand verlassen hatte. Sie wollen Namen wissen?? Ich weigerte mich, Einzelne herauszusuchen, das war nicht der Geist, in dem wir zusammen arbeiteten. Es tut mir nur leid, dass alle diese Briefe, die wir in diesen Jahren erhielten und die zeigten, was wir geleistet hatten, irgendwo verloren gegangen sind; immerhin es sind 35 Jahre verflossen, wir hatten viele Schriftführer, Kassenführer und alle haben mit Liebe ihr Amt versorgt. Unsere Versammlungslokale haben oft gewechselt, das längste war wohl “Beacon” am Broadway. Besucher vom Ausland waren sicher alte Freunde bei unseren Treffen zu finden und kamen gern zu uns. Wir hatten oft die Möglichkeit, Auskünfte zu geben, wir gaben nicht nur einen Platz, wo man sich heimisch fühlte, wir fühlten uns verantwortlich, wenn es jemandem schlecht ging. Der Krieg hatte den meisten zu einem job verholten und wir lebten wieder auf. Späterhin als die Wiedergutmachung kam, haben wir weiter Auskunft geben können und so geholfen. Den meisten von uns geht es wirtschaftlich leidlich, die nächste Generation ist nicht sentimental und hat sich vollkommen losgelöst. Wir Alten, Getreuen werden uns nicht vollkommen verlieren, aber ein “VEREIN DER FREUNDE VON BRESLAU” besteht nicht mehr.. Wer immer dazu gehört hat, wird denen, die mitgearbeitet haben, ein treues Gedenken bewahren. Der Gedanke, den Arno Stein 1940 hatte, hat 35 Jahre uns geleitet und zusammen gehalten. Um einige Zahlen zu nennen: 1945 kamen mehr als 100 Breslauer in unser Haus, tun meinem Vater zum 70. Geburtstag zu gratulieren. Der Besuch unserer Versammlungen war zwischen 150—200. Mitglieds-Beitrag wurde von mindestens 125—150 Freunden bezahlt, er war erst $ 5.—, später $ 6.— und durch Spenden bei fröhlichen oder traurigen Angelegenheiten war unsere Kasse stets gefüllt. Die Versammlungskosten wurden durch Eintrittsgeld bezahlt. Ich habe die Unterlagen nicht, wir haben aber in den ersten Jahren Mitglieder geldlich unterstützen müssen. Nach der Gründung des Wir alle horchten auf, als die Pianistin Judith Jaschuwi, früher Judith Rosenthal, uns vom Musikleben im Lande vor fünfzig Jahren erzählte. Damals spielten Telma Yellin, Margory Bentwich und ich Trio. Ich selbst spielte einmal bei der Eröffnung des Technions in Haifa im Jahre 1925 in Gegenwart von Lady Mont Bachs Chromatische Fuge. Am 100. Todestage von Beethoven im Jahre 1927 hatten wir uns vorgenommen, sämtliche Violinsonaten von Beethoven zu Gehör zu bringen. So spielten in Haifa die Violinistin Jenny Schmerzier und ich, Judith Rosental, an den ersten drei Abenden je 3 Sonaten, am vierten Abend eine Sonate, das Violinkonzert und das Klavierkonzert in C-moll. Da es noch kein Orchester gab, so wurde das Orchester durch ein Klavier ersetzt und die Pianistin Irma Bullach übernahm die Begleitung (allgemeines Lächeln der Zuhörer, als sie als Orchester vorgestellt wurde). Sie werden mich nun fragen,'wo diese Abende stattfanden? Die drei ersten im Zeichensaal der Realschule in Haifa, wo mein Mann Lehrer war. Meinen grossen schweren Flügel brachten wir mit Hilfe in den Saal. Ein solches Instrument war den Helfern noch nicht unter die Augen gekommen. Die drei Sonaten-Abende wurden dort mit grossem Erfolg zu Gehör gebracht, für das vierte Konzert wurde uns ein Raum im Technion zur Verfügung gestellt. Jetzt mischte sich Herr Jaschuwi in das Gespräch: meine Frau hat Ihnen von der musikalischen Seite der Konzerte erzählt. Ich will Ihnen berichten, unter welchen äusseren Umständen man damals ein Konzert veranstaltete. Es gab in Haifa keinen Saal. So dachte ich zuerst an eine leer stehende Scheune. Aber dann bot mir Biram, der Leiter der Realschule, an der ich damals Lehrer war, seinen Zeichensaal an, “Sie können den Zeichensaal für Ihr Konzert jedes Mal haben”, sagte er, “von 6 Uhr Abend an. Sie müssen ihn aber selbst ausräumen”, — der Zeichensaal stand voll von Tischen u. Zeichengeräten—“und am nächsten Morgen um 7 Uhr muss alles wieder an Ort und Stelle stehen.” Ein Konzert wirkt nicht, wenn der Flügel nicht etwas erhöht steht. Ein Podium war nicht vorhanden. Durch Zufall kam ich mit den Bibe- Staates Israel haben wir immer eine offene Hand gezeigt, ausser dass persönliche Spenden hingeleitet wurden. Viele Bäume in Israel sind von uns gepflanzt worden. Jetzt, bei der Auflösung unseres Vereinskontos war Israel an erster Reihe bedacht worden. Als ich zum 25 jährigen Bestehen plötzlich einspringen musste, um die Festrede zu halten, da Prof. Biberstein zu leidend war, hatte ich nicht geglaubt, dass mir die Aufgabe zufallen würde, diesen Schlussatz zu schreiben. Für mich ist es ein Abschiednehmen von einer Epoche in meinem Leben, die trotz aller Sorgen und Arbeit fruchtbar war. Ich hatte dafür gekämpft, es zu erreichen, aber ich habe mich der Mehrheit unseres Kommlttees gefügt. Ein Verein sind wir nicht mehr, aber Freunde bleiben wir. Das Kommittee bestand aus: Mrs. Besen, Mrs. Freund, Mrs. Holz, Mrs. Weissbart, Mrs. Wimmer und Mr. Wiener. CHARLOTTE WEISSBART, (geb. Rosenthal), die auch das erste Protokoll 1940 geschrieben hat. ranern, in Tira (neben Haifa) in Verbindung, die eine Gruppe von Chaluzim waren, die eine Hachscharah in Biberach am Rhein durchgemacht hatten. Sie hörten von meinen Nöten und sagten uns: “Wir haben soeben ein Podium für unsere eigenen Zwecke gezimmert. Das könnt Ihr haben, aber den Transport hin und zurück können wir nicht bezahlen, das müsst Ihr übernehmen”. Ich fand einen Fuhrmann, der das Podium transportierte. Der Konzertflügel meiner Frau, der in unserer Wohnung stand, musste natürlich in den Zeichensaal geschafft werden. Wie transportierte man damals einen Konzertflügel? Wir fanden 3 Saloniker die ja schon ln ihrer Heimat Lastträger gewesen waren. Sie kamen und staunten. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Klaviere kannten sie, die nahm einer einfach auf den Rücken. Aber einen Flügel? Ich zeigte ihnen wie man einen Flügel erst auf die Seite stellt, dann die Flisse abschraubt. Aber wie kann man dann zu mehreren anpacken? Nach langem Überlegen fanden sie die Lösung. Sie holten vom Hafen starke Seile und umwickelten den Flügel mit diesen Seilen. So transportierten sie jedes Mal das Instrument hin und zurück. Ein Konzert bringt Ausgaben mit sich, und wie finanzierte man das, wenn man kein Geld hatte. Wir veranstalteten jedes Konzert zweimal, das erste für zahlungsfähige Gäste, und das zweite umsonst für Chawerim. Die Verteilung der Karten für das Freikonzert überliessen wir der Moezat Poalei Haifa. Aber es gab viel mehr Interessenten, als die Moeza Karten zur Verfügung hatte. So fanden wir einmal, als wir kamen, 12 Chawerim ohne Karten im Zeichensaal, die sich benachteiligt fühlten und sich das Konzert nicht entgehen lassen wollten. Wir begannen, den Saal von den Tischen zu räumen. Sie blieben nicht nur, bald waren es 20, dann 30. Ich erklärte ihnen, so könnten wir den Saal nicht vorbereiten, und tatsächlich fand dieses Konzert nicht statt. Etwas abweichend war die Prozedur beim vierten Konzert, bei der eine Sonate, das Violinkonzert und ein Klavierkonzert gespielt wurden. Dafür wurde uns ein Raum in dem damals ganz neuen Technion zur Verfügung gestellt. Vom Musikleben in Israel vor 50 Jahren Ein Interview von LOTTE BALL (Senger), Tel-Aviv T