Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Israelische Satiren in englischer Übersetzung Der Dichter Eugöne Jonesco gab nach seiner Rückkehr von der Pen-Konferenz in Jerusalem (Dez. 74) in “Le Monde” seinem Erstaunen Ausdruck, dass die Menschen in Israel trotz der Erfahrungen des Jomkippur-Krieges u. trotz der Gefahren des Terrorismus tanzen und lachen. Sie lachen sogar über die eigenen Schwächen und Fehler, wie das soeben erschienene Buch: “Israeli Humor and Satire” von Yishai Afek (Sadan Publishing House, Tel-Aviv) zeigt. Schade, dass das Buch nicht schon früher erschienen ist. Vielleicht hätten die Führer sich dann nicht solange auf ihren Lorbeeren ausgeruht und gemerkt, dass die Israelis, wie andre sterbliche Menschen auch, unter Bürokratie, Inflation und Verantwortungslosigkeit leiden. Das Buch ist in englischer Sprache erschienen. Jede Erzählung wird mit prägnanten Illustrationen begleitet. Es zeigt Schattenseiten in schonungsloser Satire, sodass man es mit “einem lachenden und einem weinenden Auge” liest. Nicht nur Kischon finden wir in der Sammlung. Das wä- Meir Faerber: “Ringende Seelen”, Erzählungen, 1974, Verlag Atasa, Tel-Aviv, P.O.B. 1356, Kart, 196 Seiten. 10.— IL. Der aus Mährisch Ostrau stammende, seit 1934 in Israel lebende Autor ist bereits als Journalist, als Mitarbeiter von Zeitschriften (auch der Illustrierten Neuen Welt) und durch seine früher erschienenen Bücher “Das Parlament Israels”, “Dr. Emil Margulies, ein Lebenskampf für Wahrheit und Recht”, "Die Israel führen” (72 Biographien) vornehmlich als politischer Kommentator und Tagesschriftsteller bekannt, hat sich aber auch in der Literatur durch sein Antinazi-Drama “Auf der Flucht erschossen”, sein Schauspiel “Residenz Schuschan” und durch das Buch “Märchen und Sagen aus Israel” einen Namen gemacht. Das mm erschienene Buch “Ringende Seelen” umfasst 16 in sich abgeschlossene Erzählungen aus jüdischer Sphäre, durch die sich wie ein roter Faden die romantich, kabbalistisch, chassidische Weltanschauung der inherenten Einheit des Diesseits mit dem Jenseits, des Mikrokosmus im Leben auf Erden mit dem Makrokosmos des Alls, der Schöpfung und der Ewigkeit zieht. Manche dieser Erzählungen haben eine historische Note, die in längst vergangene Zelten zurückgreift, manche sind geistige Ausseinandersetzungen mit dem Schicksal unseres Volkes in d. letzten beiden Generationen. Der Leser lernt Gestalten der jüdischen Geisteswelt wie Rabbenu Gerschom und Raschi, “Machazit Haschekel”, Megaleh- Amukot” und andere, Epochen der jüdischen Geschichte, die Gedankenkomplexe der Kabbalistik und die Gefühlswelt des Chassidismus kennen und in der Erzählung “Wie Rabbi Menachem das Gleichgewicht der Welt rettete” sucht Faerber auch eine tief in das jüdisch-religiöse Weltbild hineinleuchtende Antwort auf die kaum beantwortbare Frage nach dem Sinn der Katastrophe und des Massenmordes zu geben, denen das jüdische Volk in der Zeit des Naziregimes ausgesetzt war. Der weiteren, auch jüdischen Kreisen kaum bekannte Begriff des Ibbur, der ein Gegenstück zum Dybbuk ist, wird dem Leser in fesselnder Weise verständlich gemacht. re Eulen nach Athen tragen; denn er wird im Ausland kaum weniger genossen als in Israel. Wir lernen auch junge, noch weniger bekannte Schriftsteller kennen. Arnos Kenan erzählt: Er hat neue Sandalen gekauft, Sohlen und Riemen sind gleich zerrissen. Streichhölzer entzünden sich nicht; die Zigaretten sind nur halb gefüllt und haben ihm die Lippen verbrannt. Von der neuen Hose sind die Knöpfe abgesprungen und die Nähte geplatzt. Verzweifelt fragt er: “Was für Hoffnung kann es für ein Land noch geben, das so voller Diebe ist?” Sein Freund gibt ihm die Antwort, er selber sei Schuld daran, da er in Israelpfunden bezahlt hat. Die Erzählung wird durch eine Illustration begleitet; er bläst Pfunde aus dem Glas und die Pfunde gehen in Seifenblasen auf. Ein ander Mal zeigt Kenan einen, der in ein falsches Haus gegangen ist und nicht einmal gewahr wird, dass er sich bei einer andern Familie befindet. Die Frau bittet ihn nur, die Nummer der Wohnung für das nächste Mal zu merken. Macht Auch die Kontroverse zwischen Chassidim und Misnagdim bildet, in der Erzählung “Die Knöpfelborte des Rabbi Aron”, den Stoff einer spannenden Handlung. Manche der Erählimgen geben minutiöse Milieuschilderungen aus dem Leben im Golus. im jüdischen Städtchen Osteuropas, wie “Die vier Verlobungen der Scheindl Dubowi”, und im Mitteleuropa vor der Katastrophe, wie “Rachel und die Schwagerehe”. Auch Alija und die Zustände in Erez Israel, Einordnungsprobleme und die unterschiedlichen Überlieferungen der einzelnen Landsmannschaften insbesondere orientalischer Gemeinden im Lande gelangen zur Darstellung. Meir Faerber, der von Max Brod in dessen autobiographischem Buche "Der Prager Kreis” literarisch anerkannt wurde, schrieb diese Geschichten in einem Stile, als würde er sich mit der kabbalistischen Weltanschauung kritiklos identifizieren, aber hie und da merkt man hintergründig zwischen den Zeilen auch einen gewissen Humor der Distanzierung, wo es um ausgesprochenen Aberglauben geht, der ungebildete Volksschichten beeinflusst. Wie sich der Schauspieler in seine Rollen hineinlebt, um sie überzeugend darzustellen, so zeichnet der Erzähler seine Gestalten und deren Gedanken und Gefühle als wären sie seine eigenen. Das gibt manchen dieser Geschichten die Tiefe und Überzeugungskraft, die sie zu Dokumenten der jüdischen Literatur macht. Auch die Bedeutung der Zionssehnsucht im Volke bildet einen der Aspekte dieser Erzählungen, die dem Leser in unterhaltender Form ein tieferes Verständnis für das Geistesgut, den Lebensinhalt und die Charakteristik des jüdischen Volkes vermitteln, als es das mühselige Studium wissenschaftlicher Werke geben könnte. “Ringende Seelen” ist eines jener Bücher, die man nicht nur mit Genuss sondern auch mit geistigem Gewinn liest und es verdient weiteste Verbreitung sowohl unter jüdischen Lesern als auch unter Nichtjuden, die das jüdische Volk kennen und verstehen lernen wollen. LEO SPANN er sich damit lustig über die Gleichförmigkeit von Wohn- und Lebensverhältnissen? Jakov Rotblit, noch in den Zwanzigen, schildert einen ehrgeizigen Journalisten, der sich durch eine sensationelle Nachricht einen Namen machen will. In stets andrer Verkleidung und Barttracht verfolgt er einen Politiker, von dem eine wichtige Aktion erwartet wird. Auf einem Baum, in dem er sich versteckt hat, bricht ein Zweig; er wird für einen Dieb gehalten und fällt in die Hände der Polizei. Als er erschöpft und verzweifelt nach Haus kommt, erfährt er von seiner Frau, dass eben dieser Politiker ihn mehrfach telephonisch gesucht habe. In einer andern Satire zeigt Rotblit die grenzenlose Freude eines Forschers, der eine unheilbare Krankheit entdeckt hat; mit dem Wissen darum wird sein Name immer verbunden bleiben. Er hat also den Kampf um Ewigkeit gewonnen. Aber Rotblit fügt hinzu, dass er auch gern berühmt und imvergesslich sein würde, aber nicht durch Entdekkung einer bösartigen Krankheit. Da möcht er lieber selbst verbrennen. Diese beiden Satiren könnten in jedem Land geschrieben werden. Eine dritte ist charakteristisch für die israelischen Verhältnisse. Er lobt Israels Schönheit, seine herrlichen Früchte und Blumen. Aber gefragt, was dort getan wird, antwortet er: “Wir bringen uns gegenseitig um”. Dazu muss man wissen, dass Rotblit im Sechs Tagekrieg gekämpft hat und durch seinen “Gesang des Friedens” bekannt geworden ist, der die Sehnsucht seiner Generation ausdrückt, mit dem Feinde zur Versöhnung zu kommen. Dan Ben-Amotz beschreibt die Werbetechnik eines Verischerungsagenten, der dem Kunden alle Möglichkeiten von Unglücksfällen so erschrekkend beschreibt, dass der Kunde davonläuft. Er selbst aber glaubt, das Geschäft sei ihm entgangen, weil er den Kunden nicht darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Versicherungssumme von der Einkommensteuer abzugsfähig ist. Menachem Talmi beschreibt einen Pechvogel, der immer hereinfällt. Ein alter Bekannter will bei ihm übernachten: dass die Polizei hinter ihm her ist, erfährt er erst, als er mitverhaftet wird. Abwechslungsreich und amüsant sind Aron Meggeds Erinnerungen aus der Zeit, als er der Londoner Israelgesandtschaft zugeteilt war und der Königin begegnete. Über eine Satire von Kischon sei berichtet, die den Nagel auf den Kopf trifft. Er hat das Informationsministerium angegriffen; weder hat man ihn verklagt, noch hat sich etwas geändert. Das Steuersystem des Staates hat er beschuldigt, die Bevölkerung in Schwindler zu verwandeln. Man hat ihn nicht gelyncht; aber geändert hat sich nichts. Er klagt die ungerechte Verteilung von Staatsböden an, aber die Korruption geht weiter. Da beginnt er an seinem eigenen Verstand zu zweifeln und geht zum Nervenarzt. Dass die Satire trotz des Schusses keine Resignation ausdrücken soll, sagt die Überschrift: “Verschon mich nicht, sondern stich mich!” Eine gute Satire ist mit einer Stufenrakete verglichen worden, deren Zündteile: Menschlichkeit, Wahrheit, Distanz zu sich selbst und Selbstkritik, sind. Die Sammlung von Yshai Afek enthält diese Elemente. Hoffentlich übt die “Rakete” ihre Wirkung aus. ANNI LÖWENSTEIN-PRIEBATSCH Ramat-Chen. Erzählungen mit folkloristisch transzendentalem Hintergrund 6