Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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(Fortsetzung von Seite 3) Jellin aus Jerusalem stellte sich ein und beriet mft ihm über den Aufbau des Lehrer-Seminars in Beth Hakerem. Andere pädagogische Probleme, für die seine einflussreiche Hilfe bei den deutschen Juden gefunden werden sollte, wurden ihm von Dr. Biram aus Haifa und Dr. Lehmann aus Ben Schemen, vorgetragen. Geistige Führer der wegen des Bolschewismus geflüchteten russischen Juden, wie Staatsrat Teitel, kamen zur Beratung in sein Haus. Später kamen Flüchtlinge aus Polen, die ihn um seine Hilfe bei dem Erhalt eines Certifikates für Israel, baten. Er tat, was in seinen Kräften stand und noch mehr als dies. Er verhandelte mit den zionistischen Stellen in Berlin, interessierte einflussreiche Personen für die Auswanderer, so wie den Ministerialrat Dr. Hermann Badt, ein Breslauer Kind. Als die Verfolgung der Juden durch die Nazis einsetzte, wurde er vielen in ihren schmerzlichen Erlebnissen zum Helfer. Er selbst sehnte sich danach mit seiner Familie nach Israel zu übersiedeln. Die Freunde riefen ihn, sandten ein Certifikat. Er nahm es 1933 nicht an. Denn zu dieser Zeit verliess Prof. Dr. Guttmann, der Seminar Rabbiner, Breslau und kehrte nach Budapest zurück. Sein Amt, mit dem die talmudische Prüfung wie die Erteilung der Rabbinets-Autorisation an die Hörer verbunden war, konnte nur von einem Talmuddozenten übernommen werden. Dr. Rabin trat an seine Stelle Die Hörer, für die in Deutschland keine Existenzmöglichkeit mehr war, konnten ohne das Diplom im Auslande keinen Wirkungskreis finden. Dr. Rabin wollte sie nicht im Stiche lassen und blieb bis ende 1935 als Seminar-Rabbiner an der Lehrstätte, die 1938 aufgelöst wurde. In den letzten Jahren seine* Tätigkeit am Seminar hatte er noch versucht einen Teil der Bibliothek ihres wertvollsten Bestandes zu retten. Er hatte schriftlich, wie mündlich Verhandlungen mit der Prager jüdischen Gemeinde geführt, um wertvolle Manuskripte in ihre Obhut zu überführen. Das Kuratorium war gegen den Plan. Allerdings hätte auch Prag diese Schätzu nicht vor der Raubgier der Nazis bewahrt. Die gesamte Bibliothek in Breslau wurde beschlagnahmt und Manuskripte und Inkunabeln verkauft. Ein Teil der Bücher wurde nach dem 2. Weltkriege in Deutschland wieder aufgefunden und an die Universität in Jerusalem überwiesen. Dr. Rabin kam Ende Dezember 1935 mit seiner Familie nach Haifa und dort blieb er. Die Verhältnisse zwangen ihn, seine akademische Laufbahn aufzugeben. In Jerusalem waren die wenigen Lehrposten besetzt, die die Universität finanziell erhalten konnte. So übernahm Dr. Rabin die Leitung der Misrachi-Knabenschule in Haifa, Nezach Israel. Er sagte, wenn viele Akademiker den Spaten in die Hand nehmen, um die Erde umzugraben, sei es auch seine Pflicht, dort zu wirken, wo man ihn brauche. Wer heute den Ausbau des jüdischen Schulwesens im Staate Israel sieht, kann sich nicht vorstellen, welche Schwierigkeiten die Leitung einer Schule im Jahre 1936 brachte. Die Mandatsregierung unterstützte wohl die arabischen Schulen, die jüdischen erhielten ein Minimum. Der Jischuw war arm. Unter den Lehrern waren nicht alle für ein pädagogisches Amt regelrecht ausgebildet; doch es gelang Dr. Rabin Gymnasialkurse einzurichten, ln denen sich befähigte Schüler für den Übergang in eine Universität vorbereiten konnten. Zugleich verbreitete er wie überall in weiten Kreisen jüdisches Wissen. Er hielwt am Technikum Vorlesungen über jüdische Geschichte. Er stellte sich unausgesetzt Institutionen und Vereinen für Lehrkurse und Vorträge zur Verfügung. Zusammen mit Dozenten des Technikums beriet er allwöchentlich über die neuen Ausdrücke, die für die moderne Technikologie notwendig waren. Seine Ratschläge waren für viele Formulierungen massgeblich. Denn kaum einer war ihm gleich in der Kenntnis des klassischen und mittelalterlichen Hebräisch wie der modernen Literatursprache. Er weihte seine Kraft auch dem allgemeinen Leben des Jischuw. Er war bis zu seinem Tode Vorsitzender der Waadah datit, des religiösen Departements der Haifaer Gemeinde. Die Rabbinen im Lande hatten ihm für die Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu danken. Unter der Last der Berufsarbeit und seiner allgemeinen Tätigkeit litt die körperliche Kraft Dr. Rabins. Er starb 1951 noch nicht 70 Jahre alt. Die Haifaer Gemeinde gab ihrem unermüdlichen Mitarbeiter ein Ehrengrab auf ihrem Friedhof. Die Stadtverwaltung ehrte das Andenken an seine pädagogische Tätigkeit 1963 durch die Benennung eines grossen religiösen Gymnasiums auf seinen Namen. Das Schicksal hatte Dr. Rabin aus seiner eigenen akademischen Laufbahn gerissen. Es versagte ihm zu sehen, dass seine Söhne in Israel an führender Stelle in akademischer Lehrtätigkeit wirken. Sein ältester Sohn Dr. Chaim Rabin, ausgestattet mit der grossen väterlichen philologischen Begabung und weitem Wissen auf allen Gebieten der semitischen Sprachen, lehrt sie als Professor an der hebräischen Universität in Jerusalem. Seine Tochter Miriam ben Peretz lehrt Pädagogik an der Universität ln Haifa und beteiligt sich durch Forschung wie Organisation an der Reform des Schulwesens nach modernem System. Sein jüngster Sohn Michael Oser Rabin ist Professor für Mathematik an der Jerusalemer Universität und wurde vor 2 Jahren zum Rektor dieser ältesten Pflanzstätte der Wissenschaft in Israel gewählt. Als Mathematiker von Weltruf ist er ständig Gastprofessor an den bedeutendsten ausländischen Universitäten. Bei einem Bericht über das Leben von Dr. Israel Rabin muss man von den Werken sprechen, die er als Wissenschaftler in der ruhigen Zeit seines Wirkens am Breslauer Seminar veröffentlichte. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich von ihnen zu berichten. Dies ist nach seinem Tode in wissenschaftlicher Fachliteratur vielfach geschehen. 1958 brachte das Sammelwerk “Chochmat Israel bemaaraw Europa” eine ihm gewidmete Biographie. Nur kurz sei hier die wissenschaftliche Ausgabe des korrupten halachischen Midrasch zum 2. Buche der Thora, die “Mechilta des Rabbi Ischmael” genannt. Sein Vorgänger im Lehramt der Bibelwissenschaft Rabb. Dr. Horovitz hatte sie im Aufträge der Gesellschaft zur Föderung der Wissenschaft des Judentums bis zur Hälfte durchgeführt. Dr. Rabin fügte die weiteren Druckbogen textlich überprüft mit den Anmerkungen und Deutungen der Kommentatoren hinzu. Die Ausgabe Horovitz - Rabin erschien in Deutschland 1930, in einer Neuauflage 1961 in Jerusalem und ist heute ein wichtiger Bestandteil jeder judaistischen Bibliothek. Im Jahre 1929 veröffentlichte Dr. Rabin in der Festschrift anlässlich des 75. jährigen Bestehens des Seminars eine Abhandlung “Studien zur vormosaischen G”ttesvorstellung”, in der er den Kampf gegen die Bibelkritik aufnahm. Wellhausen und seine Nachbeter hatten die Bibel als ein Werk hingestellt, das aus Fragmenten zusammengeflickt, von verschiedenen Persönlichkeiten zu verschiedenen Zeiten geschrieben wurde. Dr. Rabin wies durch seine Untersuchung der G”ttesnamen den Kritikern die Unhaltbarkeit missverstandener sprachlicher Begriffe und ihre irrtümliche Auffassung nach. In der oben erwähnten “Chochmat Israel” heisst es: “Die Abhandlung Dr. Rabins bringt Richtlinien für die Arbeit eines Geschlechtes von Forschern, die eine Revolution gegen die mechanisch-rationale Auffassung der Bibel wollen.” In dieser Zeitung, die verdienstvoll der Kenntnis jüdischen Lebens in der Vergangenheit Schlesiens gewidmet ist, sei besonders auf Rabins Schriften zur Geschichforschung hingewiesen. Nur kurz auf die allgemeinen. Zu seiner Schrift “Die Geschichtsauffassung der Profeten” fügte er die Arbeit “Stoff und Idee in der jüdischen Geschichtsschreibung”. Sie erschien zuerst in einer Festschrift für Dubnow und wurde wegen ihrer geschichtsphilosophischen Grundrichtung erneut zum Abdruck gebracht in dem Gedächtniswerk, das Professor Guido Kisch unter dem Titel veröffentlichte: “Das Breslauer Seminar, 1854—1938”. Ausführlicher sei hier von Dr. Rabins Schriften zur Geschichte der Juden in Schlesien gesprochen. In der Sammelfolge “Schlesische Lebensbilder” veröffentlichte er eine Biographie “Jonas Fraenkel”, des Abkömmlings einer in Breslau seit dem frühen 18. Jahrhundert wirkenden Rabbiner u. Kaufmannsfamilie. Fraenckel leistete seine kulturelle Tat für das Judentum durch die Stiftung der Mittel für die Gründung des Jüdischen Theologischen Seminars. Seine allgemeinen sozialen Stiftungen dienten zur Abhilfe des Wohnelends ünd der Armut des Proletariats in Breslau. In seiner Schrift “Aus Dyhernfurths jüdischer Vergangenheit” beschrieb Dr. Rabin das Wirken der ersten hebräischen Druckerei in Deutschland mit den Worten: “Aus der Stille des kleinen Dyhemfurth drang die jüdische Lehre in den von Sch. Bass und seinen emsigen Nachfolgern in rascher Folge und reicher Fuelle gedruckten hebräischen Werken in die Welt. Sie brachten Quellen wie Kommentare, Schriften zur Erbauung und Belehrung, gewissenhaft geprüfte Vollständigkeit wie geschickt zusammengestellte Auswahl in praktischer Brauchbarkeit und in sorgfältiger Form. Mit diesen Erzeugnissen gewann der Name Dyhemfurth weithin in der jüdischen Welt einen guten Klang”. In Dyhernfurth wurde auch 1772 die erste jüdische Zeitung in Deutschland herausgegeben. Dr. Rabins grundlegende Hauptwerke zur Geschichte der schlesischen Juden sind: “Die Juden in Zuelz” (1926) und seine beiden Abhandlungen: "Der Rechtskampf der Juden in Schlesien (1582— 1713)”, “Zur Rechts und Wirtschaftgeschichte der Juden in Schlesien im 18. Jahrhundert (1713— 1740).” Zwei jüdische Gemeinschaften in Schlesien haben den Ruhmestitel, dass sie den Kampf für das Recht' der immer verfolgten und mit Ausweisung bedrohten Juden aufgenommen und durchgeführt haben: Glogau und Zuelz. Die Geschichte der Juden in Glogau hat Professor Brann erschöpfend behandelt. Dr. Rabin schilderte bis ins Kleinste eingehend das soziale u. religiöse Leben, die wirtschaftliche Notlage des jüdischen Kleinhändlers, den ungeheuren Steuerdruck, der auf ihm lastete und seine wenigen, immer bedrohten Rechte im Lande, bei den Jahrmärkten zu erscheinen, in einer Stadt zu wohnen und Handel zu führen. Aus Polen, Boehmen und Maehren kamen die Juden nach Schlesien, einzeln oder in Gruppen, wenn sie die Kriegswirren veranlassten, eine andere Heimat zu suchen. Fürsten und Stände, Kaufmannschaft wie Zuenfte, Gutsherren und Volk wünschten ihre Vertreibung. Die Kirche war ihnen ein erbitterter Feind. Der Habsburgische Kaiser, in dessen Reich Schlesien inkorporiert war, schwankte in seiner Haltung. Als gläubiger Sohn der katholischen Kirche durfte er ihrer Klagen nicht sein Ohr verschliessen, dass die Juden “Fremdlinge und Heiden seien, verstockte Widersacher und Erbfeinde Christi unseres Heilands, seines g”ttlichen Namens und allein selig machenden Worten, sowie unseres allgemein christlichen heiligen Glaubens”. Dr. Rabin baute die Ergebnisse seiner Forschung auf das genaueste Studium der Aktenbündel auf, die in den Archiven des Staates, der Städte, den Bibliotheken Schlesiens und Berlins ruhten. Hinzu traten die städtischen Urbarien, die die Steuern und Abgaben der Juden in Consignationen aufbewahrt hatten. — Und ferner die (Schluss auf Seite 5) 4