Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 37 (April 1975)
- Date
- 1975-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Pessach - das Fest der offenen Türe! Sel,same Enthüllungen tO’l ’fl” l’DSVtO,, "noD’i ’D” rin t>3 In der gegenwärtigen, nach allen Richtungen hin leider so problematischen u. schwierigen Epoche der Geschichte des jungen Staates Israel als dem einzigen jüdischen Land der Welt drängt es uns immer v. neuem zur Auffindung der Parallelen der Jetztzeit zu denen unserer langen historischen Vergangenheit. War es nicht immer so, sind wir geneigt zu fragen? Wohnten nicht immer in unserer Gemeinschaft Freude und Trauer eng beisamen, löste nicht wiederholt eine Periode des kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstiegs des jüdischen Volkes eine schlimmere ab, von Mühen und Sorgen erfüllt? — Wir öffnen das Büchlein der Pessacherzählung, die "Hagadah”, und lesen von all den Wundern, die den Auszug aus Ägypten begleiteten und kennzeichneten, und jedes Jahr ist es uns immer wieder, als sei jeder von uns — genau, wie es hier berichtet wird — selbst aus der Fron mit ausgezogen. Haben wir es in übertragener Weise nicht alle selbst an uns erfahren, wir, die wir das Glück und die Gnade hatten, die jüdische Katastrophe dieses Jahrhunderts zu überleben, zu wissen, was es heisst, in die wahre Heimat zurück zu flüchten? Da erst wussten wir auch, was es bedeutet, nach langer Wanderschaft zurückzukehren, verstanden es erst, was wir meinen, wenn wir alljährlich jeden Hungrigen und Bedürftigen bitten, einzutreten, an unserem Tische Platz zu nehmen, die Sederfeier mit uns zu verbringen! Unsere Türe ist geöffnet für alle Gäste, die den einzigartigen Sederabend bei uns begehen wollen — wie immer es auch um den Status dieser Gäste bestellt sein mag, ganz gleich, ob sie materiell oder ideell, wirtschaftlich oder seelisch unserer Einladung bedürfen. Ist es doch in erster Linie das rein Menschliche, das jedem von uns (auch unausgesprochen!) gebietet, sich seines Nebenmenschen anzunehmen, besonders zu Pessach und diesem bedeutenden Abend. Alle sollen es ja hören und wissen, dass jeder Sedergebende — neben vielen anderen Geboten — alljährlich dazu auf gerufen ist, “seinem Sohn von diesem Auszug zu erzählen”, von Generation zu Generation soll es immer weiter berichtet werden. Und nicht nur aus Ägypten ist jeder mit ausgewandert, sondern aus vielen Ländern aller Erdteile kamen wir Inzwischen hierher — wie könnten wir es je vergessen? Wie könnten auch gerade wir Heutigen es hierzulande vergessen, dass wir einst “Fremdlinge in Mizraim” waren, woran uns die Tora bekanntlich während des ganzen Jahres wiederholt erinnert und woran auch das Schabattgesetz mahnt; der '‘Fremdling, der in deinen Toren weilt” — ist er nicht auch unser heutiger "Gastarbeiter”, unser potentieller Nachbar und PESSACH-EINHEITS ISRAELS (Fortsetzung von Seite 1) Merkürdige Vorschriften. Vielleicht darf darin eine Warnung gesehen werden gegen den Versuch, Israel in Parteien, Ideologien, Sektoren, Strömungen usw. zu zerbrechen. Die Freiheit von der Versklavung in Ägypthen kam erst nach der Opferung des Pessachopfers. Erst muss Israel lernen, dass wir ein unteilbares Volk sind — ein Volk vor G’tt und ein Volk vor der Welt. Juden in ihrem Land und Juden unter den Völkern müssen wissen, dass die Einheit der Erlösung voran geht. Wenn wir bereit sind, diese Einheit vor aller Welt zu bezeugen, dann kann keine Macht auf Erden uns zerbrechen. Alles andere ruht in der Hand des Hüter’s Israels. Freund von morgen? — Auch Demut lehrt uns die Hagadah! Aber noch waltet eine schwere Zeit über uns hier, in unserem eigenen kleinen Land, das uns allen, den plötzlich heimlos gewordenen, wenn auch unter Schwierigkeiten doch Zuflucht bot, als alles hoffnungslos schien... Wir haben dieses Land aufgebaut, es zu einem der offenen Türe und offenen Brücken gemacht, hoffend, dass sich endesendlich die feindlichen Nachbarn zu Freunden wandeln mögen, die bei uns eintreten, unsere ausgestreckte Hand zum Gruss ergreifen, sich mit uns zu Tisch setzen und unser Mahl mit uns teilen werden. Hoffend aber auch, dass die offenen Brücken dazu führen werden, doch endlich die Völker einander näher zu bringen, im guten Wollen, im gegenseitigen Verstehen im menschlich besten Sinne! — Durch die Jahrtausende sind wir es gewohnt, die Wunder in traditionell geschulter Geduld zu erwarten, Wunder als Folge jener Beschlüsse, nicht von Menschen gefasst — Wir haben sie immer erwartet, haben aber auch Millionen unserer Menschen in dieser Erwartung dahingehen sehen, mit dem "Schema, Israel” auf ihren Lippen. Aber auch danach versuchten wir, im Weltmasstab nur ein Häuflein von übriggebliebenen, in unserer Trauer weiter in Geduld zu verharren. Da war jeder eine von uns Hiob, leidend und klagend... Und wieder geschah ein Wunder: Land und Volk Israel erlebten ihre nationale Wiedergeburt, die Medinah wurde geschaffen! Da hatte nicht nur unsere eigene Leistung Früchte getragen — die Hilfe, die ebenfalls nicht von Menschen ausgeht, hatte uns beigestanden im Kampf um’s jüdische Heimland! Eine neue Nation, ein jüdischer Staat, der sich sehr bald zum nützlichen Mitglied der grossen Völkerfamilie entwickelte. Wie sollten wir nicht sicher sein im Gefühl unserer inneren Dankes für all dies? Sicher auch, dass uns dieses Bewusstsein der Tatsache, diese grosse Zeit der schwierigen Staatswerdung Israels mitzuerleben, hoffentlich auch über die jetzigen Klippen hinweg in eine bessere Zukunft führen wird. — Türe und Brücken werden wir offen halten für jenen Tag, der doch kommen muss, an dem unsere Nachbarn endlich in friedlicher Absicht bei uns eintreten werden. Viele der grossen jüdischen Literaten, früher und heute, haben sich in ihren Erzählungen mit Pessach beschäftigt: Perez, Heine, Joseph Roth, Felix Salten, Agnon, um nur einige zu nennen. Sie sprechen vom "Brot der Armut”, der Mazza, die die Ahnen im ägyptischen Exil assen, von Flucht und Verfolgung, lauscheu aber auch mit uns, gegen Schluss des Sederabends, auf den ersehnten Eintritt unseres “Eliyahu hanavi” durch die für ihn geöffnete Türe — zusätzliches Symbol für die endliche Verwirklichung eines lange ersehnten Wunders. Ihm gilt unser Beten, Bitten u. Hoffen, heute mehr denn je. Mögen wir es doch miterleben, in unserer Zeit! In diesem Wunsche sind wir alle miteinander tief verbunden alle jüdischen Menschen in aller Welt — ihnen dort und uns hier sei ein gutes, schönes Pessachfest gewünscht! FRIEDA HEBEL ENTSCHULDIGUNG Aus unverhergesehenen technischen Schwierigkeiten erscheint unser Blatt diesmal erst nach Pessach und bitten um Verständnis unserer Leser. DIE REDAKTION. Prof. Gershon Scholem, der hervorragende Kenner der Bewegung der der Pseudo-Messias Schabtai Zvi seinen Namen gab, veröffentlichte vor kurzem eine Neuherausgabe einiger seiner Forschungsarbeiten auf diesem Gebiete, unter dem Titel (übersetzt aus dem Hebräischen Original): “Forschung und Quellen zur Geschichte des Sabbatianertums und dessen Nachwirkungen” (Jerusalem, 1974). Bekanntlich zeugte das Sabbatianertum als letzte Auswirkung die Sekte der “Frankisten”, genannt nach ihrem “Propheten”, dem Abenteurer und wahrscheinlich Schwindler Jacob Frank, und unter ihren Anhängern manche Gutgläubige zählend. Scholem deutet daraufhin, dass Frankisten die im öffentlichen Leben standen, ihre Zugehörigkeit zur Sekte meistens verheimlichten. Als hervorstechendes Beispiel führt er den in Breslau gebürtigen Arzt und Schriftsteller David Ferdinand Koreff (1783—1851) an. Er war ein Nachkomme der Gelehrtenfamilie Karoff aus Prag, und sein Name ist die "aschkenasierte” Form dieses Familiennamens. Er machte sich einen Namen durch Anwendung origineller Heilmethoden, die er an Geisteskranken übte, und laut “Encyclopedia Judaica” (Jerusalem, 1971, Band 10, Seite 1202) heilte er viele Patienten, die von anderen Aerzten als unheilbar aufgegeben waren. Er betätigte sich auch als Schriftsteller, Übersetzer medizinischer Schriften aus den klassischen Sprachen und lyrischer Dichter. Bei der Gründung der Bonner Universität soll er eine massgebende Rolle gespielt haben. Er lebte während mehrerer Perioden seines Lebens in Paris, war Arzt angesehener Persönlichkeiten und gehörte zum Kreise der berühmten Autoren Stendhal, Merimee, Müsset, Hugo und Dumas, auch war er ein Freund von Heine und Meyerbeer. König Friedrich Wilhelm III. von Preussen ernannte ihn zum Leibarzt, und auf Drängen, des Kanzlers Hardenberg liess Koreff sich lutheranisch taufen. Der seltsamen Laufbahn des Dr. Koreff sind zwei Biographien gewidmet, die eine von M. Martin, “Le docteur Koreff”, 1920, die andere “David Ferdinand Koreff”, von F. von Oppeln-Bronikowski, 1928. Scholem stellt fest, dass diese Biographen nichts von der Verbindung des Doktors mit den Frankisten wussten, jedenfalls schweigen sie über diesen Punkt. Die Tatsache als solche ist bezeugt in den Erinnerungen des Rabbiner Klein, im Literaturblatt des Orients, 1848, und diese geniessen nach Scholem volles Vertrauen. Dort wjrd bezeugt, dass Koreff ein “Sabbatianer” war, was soll heissen “Frankist”. Schon sein Grossvater Salman Karov aus Prag wurde von Seiten des berühmten Talmudgelehrten und Bekämpfers der Sabbatianer des geheimen Sabbatianertums angeklagt. Mitgeteilt von , MORDECHAI NOY, Ramat-Chen PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. C25420 II 2