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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-09-01 · No. 36 (September 1974) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 36 (September 1974)
Date
1974-09-01
Page
Seite 14 (sequence 2142)
Language
German
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holte es sich im Heisswasserladen. Das war ein an der Strasse gelegenes offenes Lokal, das einen grossen aus Lehmziegeln gemachten Ofen besass, in den mehrere Wasserkessel eingelassen waren. Für den Betrag von ein paar Shanghaicents erhielt man eine grosse Kelle heissen Wassers direkt in sein mitgebrachtes Gefäss geschüttet. Shanghai ist die Stadt der Thermosflaschen, es gab sie in allen Grössen und Ausführungen. Man nahm sich also eine grosse Thermosflasche, oft mit Stroh oder Korb überflochten, mit, gab ein paar Teeblätter oder auch gemahlenen Kaffee hinein und liess sich das kochende Wasser darübergiessen. Kam man dann nachhause, so hatte man den Frühstückstee oder Kaffee bereits fertig. Der Chinese isst im allgemeinen wenig, aber oft. Es gab daher viele Geschäfte und Strassenstände, die alle möglichen Kleinigkeiten zum essen anboten. f Sehr oft waren es Teigwaren, die mit Fleisch, oder Zwiebel oder Melasse gefüllt waren, die meistens warm von der Pfanne gegessen wurden. Auch gab es Stände, meistens offene Karren, wo man gebackenen Fisch oder Kartoffelpuffer oder hunderte andere Kleinigkeiten kaufen konnte. Da fast alle diese Speisen vor den Augen des Klienten in siedendem Fett gebacken oder gekocht wurden, war die Gefahr von Bazillen sehr gering. Dazu kam dass die bedienneden Chinesen äusserst sauber waren, in weissen Kitteln und Schürzen, und mit ihren schlanken Händen einen äusserst appetitlichen Anblick boten, sodass man keine Angst zu haben brauchte, sich etwas zu holen. Ich selbst habe hunderte von Malen an diesen Ständen gegessen und es war jedesmal ein Genuss. Wollte man in die Stadt fahren, so gab es keinen Mangel an Beförderungsmitteln. Es gab Strassenbahnen, ein- und zweistöckige Autobusse, Troleybusse, Taxis und vor allem tausende von Rickschah’s, den zweirädrigen Wagen, der von einem Kuli gezogen wurde. Die Rickschah ist zu bekannt und ich will mir daher eine nähere Beschreibung sparen. Nach dem Kriege gab es ausserdem noch das “Pedicab”, eine Kombination aus Rickschah und Fahrrad, das die Arbeit des Kulis etwas erleichterte, da er nicht mehr zwischen den Deichseln zu rennen brauchte sondern auf einem Fahrradsattel sass und in die Pedale trat um das Vehikel vorwärts zu bringen. Eine besondere Eigenart Shanghai’s ist der Handel mit gebrauchten Sachen aller Art. Herren und Damenbekleidung, Schuhe, Hüte, sowie Möbel, Geschirr, Haushalts- und Küchengeräte, Uhren, Maschinen aller Art, kurzgesagt alles, alles kann man in gebrauchtem Zustande kaufen. Diese “secondhand-shops” waren oft in bestimmten Strassen konzentriert, so gebrauchte Möbel meistens in der Peking Road, gebrauchte Herrenbekleidung in der Foochow Road usw. Auch die jüdischen Immigranten in Shanghai befassten sich viel mit dieser Art Handel, blieben aber mit ihren Geschäften meistens in Hogkew. Es fing im allgemeinen damit an, dass der Betreffende versuchte, seine eigenen Sachen zu verkaufen. Dann bekam er von anderen Leidensgenossen gebrauchte Sachen in Kommission und langsam aber sicher baute er sich ein Geschäft auf, dass oft in einem Geschäftslokal betrieben wurde, wenn der Betrieb schon etwas gewachsen war, oder in vielen Fällen baute man nach chinesischen Muster auf einer ausgebreiteten Schlafdecke einen Verkaufsstand auf der Strasse auf, den man allerdings jeden Abend wieder wegräumen musste. Die Ware wurde in Koffer verpackt und Abend für Abend nach Hause genommen. Es war ein mühseliges, aber scheinbar auch ein einbringliches Geschäft, da viele der Immigranten auf diese Weise Geld verdienten. — Wer sich die Haare schneiden lassen wollte, hatte reichliche Auswahl. Fast in jeder Strasse gab es einen oder mehrere dieser Salons. Da jeder etwa 6—8 Stühle hatte, nahm ich an, dass es sich um grössere Betriebe handelte. Das war aber nicht so, es war mehr ein kommunales Unternehmen. Jeder einzelne Stuhl gehörte einem Besitzer und nur der grösseren Bequemlichkeit halber hatten sich diese zusammengeschlossen und ein gemeinsames Lokal gemietet. Die Behandlung in jedem einzelnen dieser Salons war ziemlich uniform. Der Chinese ist ein Künstler im Haareschneiden. Wer sich rasieren lassen wollte, bekam den Bart erst erweicht mit Hilfe von Frottiertüchern, die einem mit heissem Wasser durchtränk nass aufs Gesicht gelegt wurden. Die Haut nach einer derartigen Rasur war deartig glatt, dass man sich mehrere Tage lang überhaupt nicht zu rasieren brauchte. Musste man warten, so bekam man eine Zigarette angeboten oder man bekam Tee serviert. Wer an einem heissen Tage aus dem Frisiersalon kam, fühlte sich wie neugeboren. Daneben gab es aber auch sogenannte “fliegende Frisöre”, d.h. solche, die ihren Beruf nicht in einem Geschäftslokal, sondern einfach auf der Strasse ausübten. Sie hatten alles mit sich, einen Stuhl für die Kunden, ein Becken, einen chinesischen tragbaren Ofen um heisses Wasser zu machen, Rasiermesser, Scheeren usw. usw. Auch konnte man sich dort die Ohren und die Nase ausputzen lassen. — Die herrschende grosse Hitze machte es unerlässlich, dass man Hemden und Unterwäsche zwei Mal täglich wechselte. Diese Wäsche musste nun sofort gewaschen werden, damit sie der Schweiss nicht zefrass. Die chinesischen Frauen wuschen den ganzen Tag, da sie viel weniger Wäsche besassen, als beispielsweise wir. Ein chinesischer Arbeiter besass nicht mehr als zwei oder höchstens drei Garnituren Unterwäsche, sodass eine Garnitur immer auf dem Körper, die andere auf der Leine oder Stange war. Der Chinese ist von Natur aus oder aus religiösen Gründen äusserst reinlich. Ich habe genug andere Völker, Rassen und Stämme gesehen, wo es nicht so ist. Ein chinesischer Rickschah Kuli oder einer der tagsüber die grossen gummibereiften Lastkarren zieht, geht bei der Rückkehr von der Arbeit auf dem Nachhausewege erst an einem Heisswasserladen vorbei, kauft sich eine grosse Holzschüssel voll mit warmen Wasser und beginnt sich mit Hilfe einer Bürste und eines Stückes Seife auf offener Strasse Oberkörper, Beine und Füsse zu waschen. Kommt er dann in seine Wohnung, so hält ihm seine Frau oder seine Mutter die am Vorabend ausgezogene Wäsche und Hose bereit, die sie im Laufe des Vormittags gewaschen und getrocknet hat. Diese körperliche Reinlichkeit und wahrscheinlich auch die Ernährung sind wohl der Grund dafür, dass es in China eine stinkende Menschenmenge nicht gibt. Ich bin wiederholt ohne jegliche Belästigung dieser Art in überfüllten Strassenbahnen und Autobussen gefahren. — Für die Ausländer oder solche Chinesen, die sich die Wäsche nicht selbst waschen wollen, gibt es hunderte von Waschanstalten. Es gibt grössere, die mehrere Leute beschäftigen und auch ganz kleine Einmannbetriebe. Wir hatten einen Wäscher jahrelang, der uns von Wohnung zu Wohnung folgte. Er hatte allerdings schon einen etwas grösseren Betrieb zusammen mit seinem Bruder und den dazugehörenden Frauen und Kindern. Konnten wir, was oft genug vorkam, nicht gleich bezahlen, so gab er uns unbegrenzten Kredit, da er ja, wie er sagte, die neue Wäsche, die er zum Waschen mitnahm, als Sicherheit hätte. In den letzten Jahren hatten wir am Eingang der Lane in der Kwenming Road einen Wäscher, dem man Hemden, Blusen und Unterwäsche abgab, bevor man spazieren ging. Bei der Rückkehr zwei bis drei Stunden später fand man schon alles gewaschen und gebügelt vor. Eines Tages, als wir noch in der Ward Road wohnten, schickte eine Schwester meiner Frau, Flora, die nach England ausgewandert war und dort als Dienstmädchen arbeitete, uns zehn Shilling britischer Währung. Da wir im Moment keine besonderen Sorgen hatten, beschlossen wir, uns für diesen Betrag mal etwas anzutun. Wir luden einen Bekannten' ein und machten einen Ausflug in den Jessfield Park. Ich bezeichne es als Ausflug, weil dieser Park am anderen Ende der Stadt lag und nur mit Hilfe von "öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden konnte. Nach einer Strassenbahnfahrt von Hongkew bis zur Gardenbridge (von den Chinesen, die kein R sprechen können “Galdenblidge” genannt) gingen wir den Bund entlang bis zur Ecke Nanking Road. Dort bestiegen wir den oberen Teil eines doppelstöckigen Autobusses, der uns in etwa dreiviertelstündiger Fahrt zum Eingang des Jessfield Parkes brachte. Die Fahrt ging durch das ganze Internationale Settlement am Pferderennplatz vorbei und endete wie gesagt am Jessfield Park in der Great Western Road. Am Parkeingang lungerten ein paar chinesische Bettlerjungen herum, die uns mit weinerlicher Stimme darauf aufmerksam machten, dass sie keinen Vater, keine Mutter, kein Auto und keinen Whisky-Soda hätten, ein Zustand, der selbstverständlich unhaltbar war und dem wir mit einer Spende von einem Copper (der kleinsten chinesischen Kupfermünze) abzuhelfen versuchten. Vater und Mutter konnten wir ihnen zwar nicht damit beschaffen, aber ein Anfang für den Whisky-Soda oder das Auto war wenigstens gemacht. Nachdem wir am Parkeingang unseren Eintritt von wenigen Cents bezahlt hatten (die Stadtverwaltung von Shanghai lebte ausser von den Zollgebühren nur v. dieser Art Einnahmen, da es irgendwelche direkte Steuern nicht gab) betraten wir zum ersten Mal diese herrlichen Anlagen. Auch ein kleiner Zoologischer Garten ist angeschlossen. Der Park ist im englischen Stil angelegt mit Reihen von Bueschen und Bäumen am Rande von ausgedehnten Rasenflächen. F.inpn Vergleich mit beispielsweise dem Scheitniger Park in Breslau hält er nicht aus; aber nach vielen Monaten in dieser riesigen Steinwüste Shanghai war es eine angenehme Abwechslung. Wir setzten uns dann noch eine halbe Stunde ins Parkrestaurant, wo wir eine riesige Platte Käsebrote und Coca-Cola für den enormen Preis von einem Shanghaidollar (umgerechnet etwa US $ 0,12) verzehrten, bevor wir am späten Nachmittag befrie digt und erholt nach Hause zurückkehrten. — Aber der Jessfield Park war nicht etwa der einzige Park in Shanghai. Es gab noch den French- Park, etwas kleiner aber nicht minder hübsch als der Jessfield Park. Es gab ferner eine herrliche Gartenanlage “Public Garden” genannt und direkt neben der Gardenbridge gelegen, sowie zwei kleinere Parkanlagen bei uns in Hongkew gelegen und einen Park, der das wundervolle Hongkew Bad umschloss, ein gekacheltes Freiluftbad, das sich in der ganzen Welt sehen lassen kann. — Der Shanghaier Hafen, der einer der grössten der Welt ist, zieht sich von Soochow am Meer bis nach dem Bund in Shanghai, das etwa 20 km. landeinwärts liegt. Es ist der einzige Hafen in der Welt, wo nicht . mit Kränen gearbeitet wird, sondern nur mit Menschen. Alles wird von den Schiffen in die Lagerhäuser getragen oder auch umgekehrt. Dort hatte die Maschine den Menschen noch nicht verdrängt. — Der Postdienst ist ausgezeichnet. Das Hauptpostamt in der. Tiendong Road ist ein grosses modernes Gebäude, die in allen Stadtteilen liegenden Nebenpostämter sind nicht so schön, aber immer zweckmässig. Ich habe wiederholt die Probe gemacht; Briefe die man um 12 Uhr mittags in den Briefkasten steckte, waren bereits 14

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