Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 36 (September 1974)
- Date
- 1974-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2137)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VON DER SCHWEIDNITZERSTRASSE 1. Keine Strasse in Breslau hat ihr Äusseres so oft und so gründlich verändert wie die Schweidnitzerstrasse zwischen Ohle und Stadtgraben. Die ursprünglichen Gründer der deutschen Stadt Breslau (1241), in der Hauptsache Kaufleute und Handwerker, hatten zwei sehr richtige Erkenntnisse gehabt. Die erste war die, dass eine Menschengemeinschaft nur soviel Sicherheit und Beständigkeit hat, wie sie gegen äussere Feinde geschützt ist. Die zweite Erkenntnis war die, dass die schwachen Seiten der Stadt der Süden und Westen waren. Im Osten und Norden bildeten die Flussläufe mit ihren vielen Inseln einen leidlichen Schutz. Aber im Süden und Westen war offenes Land. Tatsächlich sind die Feinde vom Mongolensturm (1241) bis zum Russensturm (1945) immer von diesen Seiten gekommen. Frühzeitig hat man darum die Ohlau als Stadtohlau im Süden und Westen um die Stadt herumgeführt und ihren Lauf durch Mauern und Türme befestigt. Das war der erste Befestigungsring. An der Ohlau lag im Zuge der Schweidnitzschen Gasse das erste Schweidnitzsche Tor. Man muss sich gegenwärtig halten, dass die Achse der damaligen Stadt nicht die Nordsüdrichtung war, sondern die west-östliche. Was war denn auch hinter der Jungherrenstrasse noch viel zu holen? Da kam eben sogleich die nie nach Rosen duftende Ohlau mit ihren Befestigungen. Die Hauptachse der Stadt verlief im Zuge der Albrech'tgasse. Hier hatte es schon zu Urzeiten, schon vor dem Mongolensturm, eine deutsche Ansiedlung gegeben. Nicht zufällig war hier die erste Kirche südlich der Oder entstanden: die Adalbertkirche. Jahrhundertelang ist die Albrechtgasse die schönste, eleganteste und berühmteste Strasse der Stadt Breslau gewesen, gelobt und bewundert von vielen Fremden. Mit der Gasse, die vom Ringe nach Süden führte, war nicht viel Staat zu machen; die war kurz und wenig sauber. Überhaupt ist es mit den Gassen der Stadt jahrhundertelang ein ziemliches Elend gewesen: sie bestanden aus Sand und hatten zahllose Löcher. In diesen wühlten grunzend die Schweine und trugen nicht zur öffentlichen Sauberkeit bei. Dass es nachts keinerlei Beleuchtung gab, war ja selbstverständlich. Deshalb mussten d. Hausbesitzer bei einem Brand v. ihren Häusern Feuer anzuenden, damit die Wagen, die Wasser heranbrachten, nicht stürzten. Auf diese dunklen, schmutzigen Strassen warfen nachts böse Ehemänner ihre Frauen, wahrscheinlich im Schlafgewande und der Lärm war dann gross. Am nächsten Morgen rannte dann die Frau “mit einer Beschwerde zu der Behörde”, der Bösewicht wurde vorgeladen und ernsthaft ermahnt. Wenn das nichts fruchtete, wurde er eingesperrt. Aber keine Haft währte ewig, und kam er heraus, dann konnte sich Frauchen gratulieren. 2. Die Zeiten änderten sich, und es war ein grosser Andrang von frommen Stiftungen und Konventen, für die der Platz nicht mehr ausreichte. Wo nur sollte man die Augustiner-Eremiten unterbringen? Man gab ihnen einen Platz vor der Ohlau-Befestigung auf der westlichen Seite der Gasse. Und dort haben sie ihr Dorotheenkloster und die dazugehörige Kirche gebaut, die später an die Franziskaner-Minoriten kam, woran noch zu unserer Zeit der Minoritenhof erinnerte. Hier aber war dann endgültig Schluss. Gegenüber lag das Hieronymus-Hospital, also etwa auf dem Platze des schönen, roten Sandsteinhauses, das Schottländer erbauen liess und das das Schloss-Cafe enthielt, und des langgestreckten, hässlichen Baus des Realgymnasiums am Zwinger. Hier war Schluss, und darum erbaute man hier an dieser Stelle das zweite Schweidnitzertor, ein schönes, grosses, Bauwerk. Man kam bald zu der weiteren Erkenntnis, dass die schmale Ohlau-Befestigung nicht ausreiche, und so sollte es zum Bau einer neuen, grösseren Befestigungslinie kommen. An welcher Stelle? Die ergab sich von selbst: sie musste vor dem zweiten Schweidnitzschen Tor geführt werden, also etwa im Zuge der Wallstrasse, des Schlossplatzes und der Zwingerstrasse. Das war die sozusagen gottgewollte Lage. Da aber erhob sich grosser Lärm; denn wiederum vor dem zweiten Schweidnitzschen Tore hatte sich ein anderer Konvent angesiedelt und zwar in - grossem Umfange: das war der Johanniterkonvent, der auf der Westseite seine Wohnräume und auf der Ostseite seine grosse Kirche hatte, die Heilige Leichnamskirche, zu unserer Zeit Corpus Christi Kirche genannt. Diese fromme Vereinigung protestierte gewaltig; denn sie wäre bei der beabsichtigten Trassierung der neuen Befestigungen nach aussen gefallen. Wichtiger als ihr Protest war die Tatsache, dass man es sich ein schönes Stück Geld kosten liess. Das gab den Ausschlag: man verlängerte die Westseite der neuen Anlagen vom Nikolaitor bis zum Berlinerplatz, bog dann erst nach Süden um bis zur Taschenbastion (Liebigshöhe) und ging dann nach Osten zu. Das war der zweite Befestigungsring, den wir nach der Zerstörung der Wälle 1806 durch Napoleon als Stadtgraben und Promenaden gekannt haben. Neben der Heiligen Leichnamskirche war ein weiteres Hospital, das den gleichen Namen führte. Später ist auf diesem Terrain zur Erinnerung an die Johanniter der Kreuzherrenweg entstanden, der von der Hauptstrasse zur Zwingerstrasse führte. Auf dieser neu entstandenen Strecke zwischen Dorotheenkloster und zweitem Befestigungsring hat es mehrere Schweidnitzsche Tore gegeben. Zu ihnen ist nicht der grosse, geschlossene Verbindungsgang zu rechnen, der — eine vergrösserte ponte di sospiri — vom Johanniterkonvent zu der Kirche auf der andern Seite der Strasse führte. Dieser Übergang hatte mehrere Durchfahrten und war zu seiner Zeit sicherlich eine Zierde der schmutzigen Schweidnitzschen Gasse. Nicht weit entfernt von diesem Bogen scheint ein drittes Schweidnitzsches Tor gestanden zu haben und war lange Zeit in Betrieb. Das vierte Tor stand dann im Zuge der Befestigungen, also etwa in der Gegend der späteren Normaluhr. Es war ein wenig nach links gerichtet, ein deutliches Zeichen, dass niemand an eine gradlinige Verlängerung der Strasse dachte (ebenso wie später die schiefe Stellung des Tauentziendenkmals). Draussen blieb also nur die kleine Salvatorkirche, die in der Gegend unseres Salvatorplatzes stand. — Fast ein halbes Jahrtausend hat sich kein Feind an diese Befestigungen gewagt, soviele auch gierig um sie herumgeschlichen sind. Selbst Friedrich der Grosse hat Breslau nicht durch einen Frontalangriff, sondern durch List erobert. Diese neuen Befestigungen waren der kostbarste Besitz der mittelalterlichen Stadt Breslau und machten sie zu einer sicheren Oase in der Sturmflut der Zeiten; denn während Schlesien von den Hussiten und den Horden des dreissigjährigen Krieges verwüstet wurde, lebte man in Breslau in Sicherheit. Darum war eine Verbannung aus der Stadt eine so schwere Strafe; denn sie beraubte den Betroffenen eben dieser goldenen Sicherheit. Ich hatte einen schlechten Geschichtslehrer, einen wilden Nationalisten, dessen Geschichtsunterricht aus einem Dialog bestand: Womit werden wir unsre Westgrenze verteidigen? Mit unsern Festungen, Herr Professor. Womit aber werden wir unsre Ostgrenze verteidigen? Mit unsern Leibern, Herr Professor. Es war mir schon als Knabe unbegreiflich, wie man eine so riesige Ostgrenze, vom Memel bis Gotschalkowitz an der Weichsel, mit Leibern verteidigen wolle. Einmal im ersten Weltkriege ist es dank der russischen Revolution geglückt. Das zweitemal nicht mehr. Es war ein unbegreiflicher Fehler der preussischen Politik, die Ostgrenze ohne Festungen zu lassen; denn diese sogenannten Festungen, auch Breslau, waren keine. Eine Stadt wird nicht durch eine Deklaration zu einer Festung, sondern durch schwere Forts, und die hat es um Breslau herum nicht gegeben, sodass die Front schliesslich an der Friedrichstrasse verlief. 3. Aber gehen wir zurück zur Schweidnitzschen Gasse, die nun um ein tüchtiges Stück gewachsen war. Es ist die Januszeit des 19. Jahrhunderts gekommen mit dem ungeheuren Aufschwünge der Stadt und seinem Hinausspringen über den Schweidnitzer Anger bis hin nach Krietern. Es ist die Zeit des Bauens und des technischen Fortschritts gekommen, die Zeit der Kurzsichtigkeit und des Glaubens an einen ewigen Fortschritt des Menschengeschlechts zum Guten mit Hilfe eben der Technik. Diese Zeit hat unser Strassenstück zwischen Dorotheenkirche und Stadtgraben bis zur Unkenntlichkeit verändert und verschönt. Was einst die schmutzige Schweidnitzsche Gasse war, dunkel und von grunzenden Schweinen durchwühlt, das wurde nun das, was ich einmal an anderer Stelle die “Pracht” genannt habe, der einzige repräsentative Strassenzug Breslaus, der Grösse und Schönheit hatte und wirklich einer Grosstadt würdig war. Zunächst ist der Schwibbogen gefallen, und die Strasse wurde frei. Dann hat Napoleon durch Niederlegung der Mauern den Weiterweg ins Freie geöffnet. Dann fielen die beiden frommen Institutionen, das Dorotheenkloster und der Johanniterkonvent. Neben der Dorotheenkirche ent- (Fortsetzung Seite 10) m X I I I I I I I X I I X Cnb Willst du gute Speisen speisen, lasse dich zu TCHELET weisen. Ob es Chuppe oder Briss, Eine Sache ist gewiss: Waller weiss auf alle Fälle, wie er dich zufrieden stelle. Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! „TCHELET" TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. TEL. 22 05 45 71 3 1 \? 71 3 V b 9