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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-09-01 · No. 36 (September 1974) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 36 (September 1974)
Date
1974-09-01
Page
Seite 8 (sequence 2136)
Language
German
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Simon Pinczower, der Heid von Beuthen Simon Pinczower, der "Held von Beuthen”. Mit diesen Worten wurde ein Sohn des bekannten Ledergrosshändlers Emanuel Pinczower von einem seiner Freunde, dem bekannten Literatur- Historiker Max Tau in seinem Buche “Trotz Allem” bezeichnet. Eine kurze Schilderung dieses Helden scheint daher angebracht. Dr. F. A. Theilhaber berichtet in seinem Buche "Jüdische Flieger im Weltkrieg” darüber folgendes: Simon P. wurde am 12. Oktober 1895 in Beuthen geboren, besuchte dort das Gymnasium bis zur Obersekunda-Reife und ging im Jahre 1914 zur Erlernung eines kaufmännischen Berufes nach Breslau. Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig, trotzdem sein Jahrgang noch lange nicht aufgerufen war, zum deutschen Militär und wurde dem 156. Infantrie Regiment, das seinen Stand in Beuthen hatte, zugeteilt. Er kam dann an den östlichen Kriegsschauplatz, avancierte in kurzer Zeit und wurde im Juni 1916, als Vicefeldwebel und Maschinengewehrschütze einer Fliegerabteilung in Freiburg zugeteilt. Im Januar 1917 kam P. als ausgebildeter Flieger an die Westfront, wo seine Flugtätigkeit wiederholte Anerkennung fand, im ganzen brachte er es auf 108 Feindflüge, wofür er "in Anerkennung seines vorbildlichen Schneides und seiner hervorragenden Verdienste” als Maschinengewehrschütze (in Flandern und der Cambraischlacht 1917) das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt. Kurz darauf wurde er zum Reserve-Offizier der Fliegertruppen befördert und zu einem Beobachter Vorkursus nach Brieg kommandiert, wo er eine alte abgewirtschaftete Maschine fliegen sollte... Er kam dem Befehl nach. Nach einer Version soll das Flugzeug infolge eines Vergaserbrandes abgestütrzt sein, andere sagen, ein Propeller wäre gebrochen. Nur das eine steht fest, dass Pinczower, als das Flugzeug Feuer fing, heraussprang und sich auf diese Weise zu retten versuchte. Damals waren die Fallschirme noch nicht _ so entwickelt wie heute. Sein Versuch sich zu retten misslang und er fand seinen Tod. Ausser dem auf dieser Seite gebrachten Nachrufe einer Beuthener Tageszeitung mag hier noch eine Abschrift eines Briefes Platz finden, der von dem Führer seiner Truppe Herrn Rittmeister Voelkel, stammte, und an die Eltern von Simon P. gerichtet war: “Die Abteilung, insbesondere das Offizierskorps bedauert mit Ihnen und Ihrer Gattin aufs tiefste den Heimgang Ihres Sohnes. Uns allen wird er unauslöschlich in der Erinnerung bleiben. Als ein Soldat, der stets sein Blut, sein Leben, sein ganzes Können, sein Fühlen und Denken für seinen Kaiser und sein Vaterland eingesetzt hat, dem von Seiten seiner Vorgesetzten und Untergebenen stets das vollste Vertrauen entgegengebracht wurde, als Kamerad, der die Liebe des gesamten Offizierskorps besass”. Wie bereits erwähnt war Simon P. mit dem damals noch jungen Schriftsteller und späterem Literatur Historiker Max Tau befreundet. In seinen Memoiren “Trotz Allem” schrieb er Folgendes: “Zu den erfolgreichsten Kampffliegern gehört einer meiner Jugendfreunde, Simon Pinczower, Sohn des frommen jüdischen Lederhändlers, Emanuel P. der mit meinem Vater befreundet war. Überall, wo Simon “der Held von Beuthen”, sich zeigte, zog man den Hut, die Soldaten grüssten, und höhere Offiziere unterhielten sich mit ihm... Ich war stolz, als Simon mir vorschlug, wir sollten uns bei seiner Tante in Breslau (Frau Von FELIX DANIEL PINCZOWER, Tel-Aviv Hirschberg) treffen. “Wenn du schon eine Stunde in der Eisenbahn sitzt und ich starte, dann bin ich noch früher als du in Breslau”, meinte er beim Abschied. Ich brauchte sonst nie zu klingeln, Frau Hirschberg kam immer von selbst zur Tür. Sie erwartete mich zur festgesetzten Zeit. Diesmal klingelte ich, und als sie öffnete erschien sie mir krank. Ich hatte das Empfinden sie zu stören. Am liebsten wäre ich weggelaufen. Sie sagte Hi “komm nur” u. liess mich allein im Zimmer. Ich sah die vertrauten Gegenstände, die Vasen auf den Bücherschränken, die herrliche alte Kommode, Blumen auf dem Tisch. Aber die Angst nahm überhand, ich begann ohne Grund zu zittern. Ich fühlte es war etwas passiert. Die Tante kam und sagte nicht “Ein Unglück ist geschehen” sondern: “ich kann es nicht begreifen vor den Feinden hat er seine Tapferkeit bewiesen und nun ist sein Flugzeug auf dem Wege nach hier abgestürzt und verbrannt. Vor einer Stunde habe ich die Nachricht bekommen”. Ich blieb an den Stuhl gebannt sitzen, brachte kein Wort hervor. Dann nahm ich mich zusammen, ging auf die Tür zu und artikulierte “ich weiss, du hast es noch viel schwerer...” In Beuthen konnte niemand verstehen, warum ich die Eltern meines Freundes nicht besuchen wollte. Es war mir unmöglich seiner Mutter die Hand zu geben, so mitgenommen war ich von ihrem Schmerz. Eine Schwermut, die kein Licht zuliess, umfing mich. Immer, wenn ich von Heldentaten las, dachte ich an den Tod von Simon Pinczower. Oft ging ich an seinem Hause vorbei, und hatte nicht die Kraft, die Treppe hinaufzusteigen”. Soweit Max Tau in seinem Memoiren-Buche, das vor etwa 6 Jahren in Siebenstern Taschenbuch-Verlag Hamburg erschien. Wie tief muss die Freundschaft dieser beiden Menschen gewesen sein, wenn die oben geschilderten Vorgänge in seinem Gedächtnis haften geblieben sind. Die Beerdigung von Simon P. gestaltete sich zu einer grosen Kundgebung an der alle Teile der Bevölkerung Beuthens teilnahmen. Neben der Grab-Rede des Rabbiners und anderer Persönlichkeiten, hatten seine Flieger-Kameraden ihm eine besondere Ehrung zugedacht und zwar aus einem das Grab überfliegendem Flugzeug einen Kranz herunterzuwerfen. Simon P. war nicht der Einzige, der damals für sein “Vaterland” fiel. Das Gedenkbuch der jüdischen Kriegsgefallenen im 1. Weltkriege weist eine Liste von 12.000 Namen auf. Das entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 600.000 Juden in Deutschland genau 2%, ein sehr hoher Prozentsatz. Wir leben heute in Israel in einer Zeit, die gewisse Paraleien mit den Jahren nach dem 1. Weltkriege hat. Die Gesamtverluste in den Kriegen von 1948 bis 1974 dürften nicht wesentlich unter obiger Zahl liegen. Auch heute trauern Tausende von Eltern um ihre Söhne, Tausende Witwen um ihre Männer und Tausende von Kindern um ihren Vater. Aber trotz allem besteht ein grosser Unterschied zwischen 1918 und 1974. Die Verluste des Deutschen Judentums waren umsonst. Das zeigte sich deutlich bereits im Jahre 1933, das heisst 15 Jahre nach Beendigung des 1. Weltkrieges. Vergessen waren die Helden und die Gefallenen. Der “Dank des Vaterlandes” wurde zur leeren Phrase. Dagegen die von dem Verlust ihrer Angehörigen Betroffenen in Israel wissen, dass ihre Kinder nicht umsonst sondern in Verteidigung ihres Landes gefallen sind zum Schutze und zum Weiterbestehen des Staates Israel. Auch das Schicksal der Angehörigen von Simon P. unterscheidet sich nicht von dem Gesamtschicksal der Deutschen Juden. Emanuel P. der Vater von Simon starb 1932. Ihm blieb es erspart die Verbrennung seiner Synagoge in Beuthen, deren Vorstand er Jahrzehnte angehört hatte, zu sehen. Seine Söhne dagegen mussten den bitteren Weg in die Emigration antreten. Die Familie wurde zerrissen. Fritz P. starb in einem deutschen K.Z. Felix P. wanderte nach Chile aus und starb dort im Jahre 1950. Er war verheiratet und hinterliess 2 Töchter. Hugo P. wanderte 1939 nach Australien aus und starb dort im Alter von 59 Jahren. Er hinterliess 3 Kinder. Seinen ältesten Sohn nannte er nach seinem Bruder dem Fliegeroffizier Simon. Weitere Söhne sind Jochanan und Emanuel, die verheiratet sind und auch Kinder haben, sodass sich der Schwerpunkt der Familie von dem sei. Emanuel P. nach Australien verlagert hat. Am 15. Mai 1918 fand den Fliegertod durch Absturz mit einem Flugzeuge in Schüsselndorf bei Brieg der Beobachter-Vorschüler Leutnant der Reserve SIMON PINCZOWER Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse Die Abteilung beklagt tief den Verlust dieses tüchtigen, vor dem Feinde bewährten Offiziers und hochgeschätzten Kameraden, dessen besonderer persönlicher Schneid für unsere Waffe zu den besten Hoffnungen berechtigte. Die Abteilung wird ihm ein treues Andenken bewahren. HILDEBRANDT, Hauptmann und Kom..iandeur der Flieger- Ersatzabteilung 11. 8

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