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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-09-01 · No. 36 (September 1974) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 36 (September 1974)
Date
1974-09-01
Page
Seite 5 (sequence 2133)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 4) monsohn in allen, allen Kreisen, religiösen, sozialen, kulturellen, in denen er wirkte, und nicht zuletzt in unserem Seminar, dem er stets willig und freudig sich zur Verfügung stellte, schmerzlichst vermisst werden. Denn in jedem Kreise wirkte er als sich ganz einsetzende, begeisterte, echte jüdische Persönlichkeit. Mächtig mahnt uns dieses Leben, dass nur Liebe und Treue zum Judentum unserem Leben Sinn und Segen gibt. So sei sein Andenken, das Andenken eines Frommen, gesegnet! * DIE BEISETZUNG Der Trauerzug, der die sterblichen Überreste Rabbiners Dr. Max Simonsohn s.A. am Dienstag nach Cosel überführte, hielt eine Trauerminute vor dem Gebäude des Jüdischen Reform-Real- Gymnasiums und der Jüdischen Volksschule am Rhedigerplatz. Die Trauerhalle des Coseler Friedhofs mit seinen sämtlichen Nebenräumen konnte die Zahl der Teilnehmer an der Beisetzung am Mittwoch kaum fassen. Rabbiner waren aus allen Gegenden des Deutschen Reiches herbeigeeilt, um dem verehrten Freunde und Kollegen das letzte Geleit zu geben. Als erster widmete Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann seinem langjährigen Freunde und Kollegen an der Alten Synagoge tiefbewegte Worte der Würdigung und des Abschieds. “Wenn ein Weiser stirbt, sind alle seine Angehörige”, so begann er seine Trauer-Ansprache und zeichnete das traurige Geschick, das dem Verblichenen aus der Blüte seines Lebens herausgerissen, eines Lebens, das voll gewesen sei von Sehnsucht nach dem Lande der Väter, voll von Plänen und Hoffnungen. Dem Verstorbenen, der die Synthese zwischen “Chassid”, als getreuer Wahrer jüdischen Gesetzes und Leben der Gegenwart fand, verdankten viele ihren Existenzaufbau. Seine “Emuna”, seine Treue und hingebungsvolle Liebe zum jüdischen Volke, habe er der Jugend bewahrt, die er in Schiurim um sich sammelte, um in ihr Im gemeinsamen “Lernen” das jüdische Heiligtum zu gründen. Wie Jakob einst im Traum die Himmelsleiter schaute, die Erde und Himmel verband, so habe der Verstorbene in der Erde Erez Israels, und im Himmel die Thora gesehen. Sein Name “Israel Meier Chajim ben Schlomo Jehuda” deutet in seinen einzelnen Bestandteilen auf das Wesen Simonsohns: die unumschränkte Liebe zum jüdischen Volke, den Willen dieses Volk in stetem "Lernen” an das Licht der Thora heranzuführen, die Vorbereitung zum ewigen Leben und das echte und ehrliche Bekenntnis des Judentums. Die Bejahung der Tradition liess den Verstorbenen seine Menschen zur Rückkehr zum Erbe Erez Israel und zur Familie, zur grossen Familie Israels mahnen. In steter Sorge um sein Volk habe er in der Erziehung der jüdischen Jugend den Sinn seines Lebens gesehen, das er an der Seite seiner alles mit ihm teilenden Gattin STATIONERY — BOOKSELLER Josef Freyhan formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 ^el-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Special-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 n a i \) n j w verbrachte. In seinem Sinne und Geiste müssten die Ideen Erez Israel und Thora min Haschomajim erhalten bleiben. Gemeinde Rabbiner Dr. Vogelstein zeichnete in seiner Ansprache die Persönlichkeit und die Gedanken des Verstorbenen, die dieser mit glühender Begeisterung verfochten. Im Austausch der Ansichten schwebte Simonsohn und ihm stets das gleiche Ziel vor: Jüdische Gemeinde und Judentum. Seine Selbsthingebung und Aufopferung, sein stets offenes Haus haben das Bild vervollständigt. Die Achtung vor der Persönlichkeit, der innerste Überzeugung, heilige Pflicht gewesen sei, liesse Simonsohn als das Beispiel vor uns stehen, in dessen Sinne wir den Aufbau des Judentums geloben. Für die Familie des Verstorbenen sprach Rabbiner Dr. Freimann — Berlin und am Schluss Dr. Levy. Für den Allgemeinen Rabbinerverband sprach Rabbiner Dr. J. Horovitz, Frankfurt a/Main, der auch die Teilnahme des Preussischen Landesverbandes übermittelte. Für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Breslau, sprach der stellvertretende Vorsitzende Dr. Freyhan. Eine Persönlichkeit wie Dr. Simonsohn, die alle in ihren Bann zog, habe mit beiden Füssen in den Mizwoth (Gesetze) und in Talmud Thora (Lernen) gestanden. Wir können G”tt danken, dass Simonsohn unser war und mit uns beweine ganz Israel den Verlust. In seinem Sinne würden wir sein Werk fortsetzen. Für das Breslauer Rabbinerseminar sprach Prof. Dr. Heinemann. In seiner glühenden Liebe für den Klall Israel, für Mizwoth und zur Welt habe dem Verstorbenen dauernd das Vorbild seines unvergessenen Lehrers, Israel Lewy sei. And. vor Augen gestanden. Dr. Simonsohn habe immer sich zur Verfügung gestellt, wenn man ihn gerufen habe. Den Gedanken des Sohar, der auf der einen Seite die unbedingte Treue zum Gesetz fordert, auf der anderen aber von der ewigen Existenz des jüdischen Volkes überzeugt ist, selbst wenn es an seine Pflicht gemahnt werden müsste, hat sich der Verblichene zu eigen gemacht. Seine Bejahung des Geistes, der aus Erez Israel komme, habe er in seiner Liebe zur hebräischen Sprache, zur Religion und zur Jugend zum Ausdruck kommen lassen. Er habe nicht gewollt, dass wir die Sprache ändern, weil er nicht gewollt habe, dass wir den Namen G”ttes ändern. Er sei Mitstreiter für den Bau der Seele des jüdischen Volkes gewesen, ein Vorbild der Menschlichkeit, die er seinen Hörern vermittelte. Ihm war das Wort “Limud” mehr als Lernen, bei ihm hiess es “gewöhnen” — und das sei seine Persönlichkeit gewesen. Für die Schulzweige des Jüdischen Schulvereins sprach Direktor Dr. Abt. Die Jüdische Schule, die sein Werk und sein einziges Kind gewesen sei, verliere in ihm ihren Vater. Sein Sinn sei gewesen, die Schüler, seine Kinder, emporzuführen zu den höheren jüdischen Werten. Der Kaddisch, das Zeichen der Pietät, solle auch den Mut zum Bekenntnis des ehernen “Schma Jisrael” schaffen. Das kel male rachamim sang Oberkantor Weiss. Dem Sarge folgte auf dem Wege zum Grabe eine unübersehbare Trauergemeinde, voran schritten Schüler. Als der Sarg in die Gruft gesenkt war, sprach R. A. Dr. Apt für die Loge. F.G.N. Die vorstehenden Artikel über unseren unvergesslichen Rabbiner Dr. Simonsohn sei. And. verdanken wir Herrn Dr. Rudolf Daniel, Haifa, der sie uns aus d. Breslauer Jüdischen Gemeindeblatt vom 15. Mai 1936 zum Abdruck überlassen hat. Leo Baeck und die mystische Tradition Zum 100. Geburtstag von Leo Baeck hielt der aus Trier stammende und jetzt in Amerika lebende konservative Rabbiner Alexander Altmann eine Gedächtnisrede, die vom Leo Baeck Institute New York veröffentlicht wurde. Leo Baeck wurde in der furchtbaren Zeit der Heimsuchung der Repräsentant des deutschen Judentums. Er hat darauf verzichtet, um dem KZ zu entgehen, ins Ausland zu gehen. Als Freunde in Jerusalem den päpstlichen Delegierten Kardinal Hughes aufsuchten, damit er zur Freilassung von Leo Baeck verhülfe, antwortete er ihnen: “Liebe Freunde, Eure Bemühung ist vergeblich. Ein Mann, so wie Ihr ihn beschrieben habt, wird seine Herde niemals verlassen”. (Aus: Worte des Gedenkens für Leo Baeck von Eva Reichmann. Verl. Lambert Schneider, Heidelberg). Seine Vorträge über Philosophie in den Wohnbaracken des KZ halfen dem Volk seine eigene Wertskala der Umgebung entgegenzusetzen. Die Untersuchung von Altmann zeigt die geistige Entwicklung, durch die diese Persönlichkeit durchgegangen ist. Schon als junger Rabbiner hatte er die Zivilcourage, den Protest der Protestrabbiner gegen den ersten Zionistenkongress nicht zu unterschreiben. Wissenschaftlich noch unbekannt, übte er Kritik an dem Buch; “Das Wesen des Christentums”, in dem der führende protestantische Theologe Harnack das “pharisäische” Alte Testament vom ethischen Monotheismus des Neuen Testaments aus verwarf. 1905 veröffentlichte Baeck ' sein Hauptwerk “Wesen des Judentums", dessen Titel provozierend an den des Gegners anklang, ohne ihn zu nennen, und das grade das Judentum als die Religion des ethischen Monotheismus par excellence enthüllte. Verständnisvoll folgt Altmann dem weiteren geistigen Weg. Baeck war von seinem Lehrer Heinrich Grätz in der rationalistischen Auffassung des Judentums erzogen. In seinem ersten Werk bezeichnete er die Kabbala noch als “Irrwahn”. Doch unter dem Einfluss von neuromantischen Dichtern wie Rilke, Hoffmannsthal gewann er Verständnis auch für die mystische Seite des Judentums. Aber im Gegensatz zur Sehnsucht nach Erleuchtung in einer unio mystica, die zu Passivität, zur Selbstaufgabe, zur “Entwertung”’, wie in der indischen, persischen, mohamedanischen Mystik führt, erkannte Baeck, dass die Kabbalah auf der moralischen Ordnung der Welt, auf dem Willen G”ttes beruht. Nicht .^durch esoterische Meditation sucht die jüdische Mystik einen Weg'in den verborgenen Grund des Seins, sondern durch Erfüllung des ethischen Gebots. Als deutlich illustrierendes Beispiel gibt uns Altmann das tragende Wort “Kavvanah” aus der mittelalterlichen Kabbalah. Das Wort umschliesst nämlich sowohl ethisches Gefühl, Verantwortung also, als auch mystische Kontemplation. Die jüdische Mystik steht in der Polarität und Spannung von “Geheimnis und Gebot”, wie übrigens auch die christliche Mystik bei Eckehard eine aktive, ethische Seite hat, worauf Rudolf Otto in "Westliche und östliche Mystik” im Gegensatz zu den asiatischen mystischen Strömungen hinweisst. Durch fromme Taten und Demut kann der Mensch nahe bei G”tt leben. Baeck empfand auch den Schabbath als mystische Zeit und als mystischen Tag; ohne ihn würde der Jude die Kraft zur geistigen Wiedergeburt verloren haben. Hier erkennt man, dass es Baeck gelungen ist, zu neuem Verstehen des Judentums, das weit über das Verständnis des 19. Jahrhunderts hinausging, fortzuschreiten. Die Untersuchung von Altmann lässt uns verstehen, wie das “gebietende Geheimnis” Baeck in den schweren Jahren der Heimsuchung geführt hat, dass er ein Trost für das Volk sein konnte. Anni Löwenstein (Priebatsch) i

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