Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 36 (September 1974)
- Date
- 1974-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2132)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7411685-7412391-7412412--0491-7412416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rabbiner Dr. Simonshon s.A. Von Dr. ALBERT LEWKOWITZ sei. And. ZEITWENDE, SCHICKSALSWENDE... (Fortsetzung von Seite 1) einer Generation aulgetragen, den Weg da fortzusetzen, wo ihn die vorhergehende beenden musste, und auch wir hülfen, dass unsere Jungen und Jüngsten an der Mitgestaltung unseres Landes als dem einzigen jüdischen Heimland dieser Erde weiterwirken, den Bau da fortsetzen werden, wo es uns selbst nicht mehr möglich sein wird, weiter Stein auf Stein aufzuschichten... Es war der berühmte Rav Tarfon, der in den “Sprüchen der Väter” (2/21 für alle Zeiten eindringlich postulierte, “Nicht dir liegt es ob die Arbeit zu vollenden, aber du bist nicht frei, dich ihrer zu entledigen.” Und dieser Vollendung auch nur zuzustreben, so lange es einem vergönnt ist, dieses allein lässt uns bei jeder neuen Wegbiegung, bei jedem Erreichen eines neuen Meilensteines immer von neuem der Worte gedenken, “... und uns diese Zeit hat erreichen lassen.” Dieses eigene kleine Ziel auf dem Wege der grossen Gesamtheit zum Hauptziel — all dies, was wir alljährlich mit und ohne Worte ln unserem Innern fühlen, denken, zu erreichen hoffen, mündet letztlich in SEINER Gnade, der “uns diese Zeit hat erreichen lassen.” — Wo aber suchen und finden IHN die ratlosen Menschen unserer wirren, verwirrenden Epoche, in einer Welj; voll Blut und Tränen, aber auch voller Verleumdung, Lüge und Verrat auf den verschiedensten Ebenen, politisch und menschlich schlechthin? — Kein Geringerer als Martin Buber s.A. schrieb es nieder in seinen “Hundert Chassidische Geschichten”, schrieb es in seiner Weise, die hier wörtlich wiedergegeben sei: "Wo wohnt G”tt?” Mit dieser Frage überraschte deij Kozker einige gelehrte Männer, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: “Wie redet Ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!” Er aber beantwortete die eigene Frage: “G”tt wohnt, wo man ihn einlässt.” — “ Kürzer kann dieses Allerwichtigste doch kaum gesagt werden, aber hinzuzufügen wäre doch, dass gerade in diesem Jahr 5734 viele, viele Menschen, die schon recht weit sich von dieser “Wohnung” entfernt hatten, endlich zurückgefunden haben. Das bedeutet, dass wir auch in dieser Richtung berechtigte Hoffnungen hegen dürfen, in den jetzigen “Jamim noraim” in überfüllten Stätten des Gebetes gar viele “Rückkehrer” zu finden, die von neuem in überzeugtem Vertrauen die altgewohnten Weisen und Melodien mitsagen und mitsingen werden... Gemeinsam werden wir Alle während der sicher für immer unvergesslichen Erinnerung ans furchtbare Geschehen, das am vorjährigen Jomhakipurim so völlig unerwartet begann, die gravierenden Worte mitsprechen, die wir nun tiefer als in den vergangenen Jahren mitempfinden, “... und uns diese Zeit erreichen hat lassen.” Aber auch unser Jiscor ist ein gemeinsamer, aufwühlend und schmerzlich wie von alters her: Die Liste unserer teuren Gefallenen umfasst Tausende von Namen — möge sie doch endlich, endlich für immer abgeschlossen werden. Mögen endlich unsere uns noch immer feindlich gesinnten Nachbarn zurückfinden auf den von uns schon längst ne?ss ersehnten Weg des Friedens, der nach allen Kämpfen und “Entflechtungen” nun auch ihnen der einzig richtige Weg bedeuten sollte! — Wie würde dann erst ein gemeinsam mit diesen Nachbarn anzustimmendes “Schehechejanu” erklingen, hoch über alle Wolken (und Flugzeugrekor- ■ s. > hinauf bis zu n wirklichen Himmel, der uns endesendlich möge diese Zeit erreichen lassen! Wie gross wäre da unser Dank... FRIEDA HEBEL Wenn ich als Studienfreund, der seit mehr als 30 Jahren den Lebensweg des so früh Vollendeten begleitete, sein Bild zeichnen darf, so fühle ich die Gradlinigkeit der Entwicklung, die zur Geschlossenheit seines Wesens und Wirkens führte. Als Absolvent des Elisabeth-Gymnasiums war dieser Sohn .einer durch Frömmigkeit und jüdisches Wissen in langer Ahnenreihe ausgezeichneten Familie 1905 in unser Seminar eingetreten, ein fein organisierter, froher und mit Liebe dem Wissen sich zuwendender junger Mensch. Schon nach einem Jahr erbat er einen Urlaub, um sich ausschlieslich talmudischen Studien zu widmen. 'n * * Nach seiner Rückkehr wurde er Schüler des Mannes, den er sein ganzes Leben aufs innigste als seinen Meister verehrte, Prof. Israel Lewy sei. And. Die zarte Erscheinung dieses genialen Gelehrten, der mit jugendlichem Feuer die Lösung einer textlichen Schwierigkeit als ein beglückendes Erlebnis empfand und in seinen Hörern die Freude an solcher Forscherarbeit zu entfachen wüste, der die grösste Ehrfurcht in der Befolgung der religions-gesetzlichen Vorschriften des Judentums mit dem rückhaltlosen Mut zur objektiven Erkenntnis des Entwicklungs-Ganges der Halacha vereinte, die glühende Inbrunst seines Gebetes und seine feinsinnige Güte im Verkehr mit Menschen, all das erlebte Simonsohn als die Verkörperung ursprünglicher, heroischer, echt jüdischer Lebensform. Hier gestaltete sich in seiner Seele das Lebensideal, dem er unablässig nachstrebte. So empfing er 1913 aus der Hand Israel Lewys das Rabbinatsdiplom mit dem stillen Gelöbnis, ein echter wahrer Lehrer in Israel zu sein: zu lernen und zu lehren, zu beobachten und zu tun. Im gleichen Jahre erhielt er die Berufung als Rabbiner unserer Gemeinde an der Seite des unvergesslichen Rabbiner Dr. Rosenthal sei. And., gleichzeitig wurde er mit der Leitung der konservativen Religionsunterrichtsanstalt betraut. Ir. 7 Jahren ernstester Hingabe an sein Amt, in unablässiger Vertiefung seines Wissens erlebte er mit Erschütterung die Unzulänglichkeit eines Religions-Unterrichtes, der in einen Schul-Organismus eingegliedert war, der mit dem Geist des Religions-Unterrichtes keinen inneren Zusammenhang hatte. Simonsohn konnte sich mit diesem Widerspruch zwischen dem Sinn des Religions-Unterrichtes und seiner Stellung im Schulorganismus nicht zufrieden geben. Diesen Widerspruch im Geiste des Primats des Judentums zu lösen, verband er sich mit dem hierzu bereiten und mit seinen Zielen übereinstimmenden Kräften des Thoratreuen Judentums und des Zionismus. Im Jahre 1920 begründete er den, “Jüdischen Schulverein”, dessen Vorsitzender er wurde. Die jüdische Volksschule und 3 Jahre später die jüdische höhere Schule, das Reform- Real- Gymnasium, wurden unter schmerzlichsten Kämpfen und mit rückhaltlosem Einsatz seiner Persönlichkeit geschaffen. Hier sollte das Judentum aus seiner Randstellung erlöst und in der Verschmelzung religiöser und nationaler Energien zum Lebensquell der Jugend werden. Die Beherrschung der hebräischen Sprache, die Verbundenheit mit Erez-Israel, ein religiös-nationales Gemeinschaftsgefühl, die Verwurzelung in der religiösen Tradition, die Durchdringung' des gesamten Unterrichtes mit jüdischem Geist sollten die Atmosphäre bilden, in der jüdische Jugend zum Bürgen einer jüdischen Zukunft heranwachse. Und sein Vertrauen auf die Bereitschaft der Jugend, mit ihm diesen Weg zur Erneuerung des Judentums zu gehen, wurde nicht enttäuscht. Wer bei der Feier des zehnjährigen Bestehens der jüdischen Schule im Jahre 1931 im grossen Konzerthaus-Saal es miterleben durfte, mit welcher aus dem Herzen kommenden Begeisterung jüdische Jugend in Lied und Wort sich zum ewig lebendigen Judentum bekannte, der fühlte tief ergriffen: Hier ist ein Heiligtum, das in seiner Eigenart der Liebe und Pflege der ganzen Gemeinde würdig ist, das Werk eines echten Lehrers in Israel. Als solchen Lehrer und Führer der Jugend empfanden ihn immer weitere Kreise unserer Gemeinde, auch solche, die seiner Lebensanschauung fern standen. Und wie war er mit ganzer Seele bemüht, grade in den dem Judentum Entfremdeten eine neue Liebe zum Judentum zu erwecken! Daher die grosse Verehrung, die ihm zuteil wurde, und die so unvergänglich sein wird, wie der Segen, der von seinem Lebenswerk ausgeht. Das Judentum, dem er eine Stätte der Lehre bereitet hatte, betätigte er aber auch mit der gleichen Unbedingtheit in seinem Hause. Sein Haus war eine Verkörperung des jüdischen Lebens, das sich in seiner Schule entfalten sollte. Hier fand die Jugend in Rabbiner Dr. Simonsohn und seiner gleichgesinnten, edlen Gattin, die jüdischen Menschen, die gütig und fröhlich das Judentum als den Sinn und den Segen ihres Lebens empfanden und glücklich waren, die Jugend an diesen teilnehmen zu lassen. Hier wurde gelernt und gesungen, gebetet und religiöse Feste gefeiert. Schule und Haus bildeten eine unlösliche Einheit. Und wie viele Menschen, jung und alt, fanden hier Aufrichtung und Trost, Kraft und Mut und Hilfe in der harten Kämpfen des Lebens! Wie viele Menschen aus Erez Israel gedenken dieses Rabbinerhauses in Treue und Dankbarkeit und werden es wie einen Verlust des Elternhauses empfinden, dass dieses Haus nicht mehr ist. Und so wird Dr. Si- (Fortsetzung Seite 5) 4