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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-09-01 · No. 36 (September 1974) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 36 (September 1974)
Date
1974-09-01
Page
Seite 3 (sequence 2131)
Language
German
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Die interessante Begegnung mit Friedrich dem Grossen, aus der Chronik der Familie PINCZOWER (s. vorige Nummer), der wohl ein wahrer Kern zugrunde liegen mag, regt mich zur Erzählung einer Episode in der Geschichte des Namens MÜH¬ SAM an, die ebenfalls auf des Preussenkönigs Gunst und menschlicher Gesinnung beruht. Des Königs Eingreifen in die Familienangelegenheiten unsrer Vorfahren, die damals PAP¬ PENHEIM hiessen, ist dokumentarisch belegt. Die Dokumente sind im Familienbuch der Familie Mühsam Festgehalten, das im Jahre 1912 von meinem Grossonkel Siegfried Mühsam geschrieben wurde. Also ist’s keine Legende. Held der Handlung ist mein Ur-Ur-Urgrossvater PINKUS SELIGMANN PAPPENHEIM, etwa 1740 in Schlesien geboren, Sohn von Seligmann Pappenheim, in Bayern gebürtig (der Name Pappenheim besagt es) und nach Schlesien übergesiedelt. Nun folgt Pinkus’ Geschichte: Zu Beginn des 7 jährigen Krieges meldete sich der junge Mann zu den Fahnen Friedrichs des Grossen und bewies sich bald als tüchtiger Rekrut. Sein grosser Tag kam, als er auf dem Schlachtfeld der Schlacht bei Leuthen, am 5.12.1757, einen schwer verwundeten Offizier aus den Händen der Österreicher befreite und ihn unter österreichischem Kugelregen, auf seinem Rücken tragend, ins preussische Lazarett schleppte. Friedrich der Grosse, dem diese gute Tat gemeldet wurde, liess ihn zu sich kommen, lobte ihn mit den Worten: “Er hat Seine Sache brav gemacht, Sein König ist mit Ihm zufrieden” (so die mündliche Überlieferung), und bot ihm Schutz und Hilfe an, sollte er deren einmal bedürftig sein. Nach Kriegsende lebte Pinkus einige Jahre in Zülz, heiratete, und zog, etwa 1770, mit seiner jungen Frau Barbara aufs Land nahe der Stadt Pitschen O/S. Die Schwierigkeiten begannen, als er nach einigen Jahren mit seiner Familie in die Stadt Pitschen überzusiedeln beschloss um dort einen Kramhandel zu betreiben. Er kaufte ein Gelände, und baute darauf ein Haus. Jedoch als es fertiggestellt war, 1780, und Pinkus mit seiner Familie und mit Sack und Pack erschien um einzuziehen, verweigerte ihm der Magistrat, unter dem Druck vieler Bürger der Stadt, das Wohnrecht, um Pitschen auch weiterhin judenrein zu halten. Traurig mussten sie aufs Land zurückkehren. Nun begann ein zäher bürokratischer Kampf um seine Rechte. Seine Beschwerden beim Magistrat blieben erfolglos. Da erinnerte er sich an das Versprechen seines Königs, ihm in Not zu helfen. Kurz entschlossen begab er sich mit seiner Frau, zu Fuss(i), nach Potsdam. Der König schenkte ihm Gehör und versprach ihm seinen Beistand. Daraufhin begann ein Hin und Her von Orders der Kriegs- und Domänenkammer zu Breslau an den Magistrat/ im Aufträge Seiner Majestät, und von Erwiderungen und Eingaben des Pitscheaer Magistrats an die Domänenkammer, in denen er hartnäckig auf seiner Weigerung bestand/ dem Juden Pinkus seine Rechte zuzugestehen. Hier ein Auszug aus einer der diesbezüglichen Eingaben des Magistrats an Seine Majestät, vom 19.9.1780: “Allerdurchlauchtigster pp Pitschen den 19ten September 1780. Tn allergehorsamst-Pflicht-schuldigster Folge des von Ewr. Königl. Majestät unterm 12ten huj. c. allerhöchst - erlassenen Befehls de Praes. hestemi überreichen wir in denen Einschlüssen allersubmissest das Privilegium der Bäudner; und auf eigenes Anverlangen der Commune auch das Haupt- Privilegium hiesiger Stadt in Copiis vidimatis. Nim gehet zwar aus beiden nicht hervor, dass hiesiger Ort specialiter priviligiret wäre, keine Juden zu dulden, indessen verdienet doch der Umstand dass dieselbe als eine der ältesten Städte in Schlesien noch immer von Juden rein und verschonet geblieben ist, eine nicht unerhebliche Betrachtung... Wollten Juden admittiret werden mit der Erlaubniss, Crambauden und Brauberechtigte Häuser zu aeqviriren, so würden für die Christlche Einwohner Handel, Brau- und Brandtwein Nahrung gar bald verlohren seyn, und ihnen nur die bürgerliche Lasten, dem Juden hingegen der Profit bleiben, mithin der Christliche Einwohner vollends ruiniret seyn, da die jüdische subtile Ränke nicht zu übersehen seyn ... Die wir p p ewr Königl. Majestät allerunterthänigste Director..., Pro-Consul... und Rath...” Trotz des Verbotes war Pinkus unterdessen mit Frau und Kindern in sein Haus eingezogen, den Behörden zum Trotz. Das lebhafte Hin und Her der amtlichen, versiegelten Schriftstücke (das Familienbuch enthält etwa 20) währte 5 Jahre lang ohne Hoffnung auf Sinnesänderung des Magistrats, der dem Druck der um ihre Existenz besorgten Bürger unterlag. (Allerdings hielt ein beachtlicher Teil der Bürger treu zu Pinkus)., Friedrich der Grosse und der Name Mühsam Bevor es zu seiner ihm angedrohten zwangsweisen Ausweisung aus Pitschen kam, entschloss sich Pinkus, in höchster Not, zu einem erneuten Bittgang nach Potsdam. Im strengen Winter begab er sich, wieder zu Fuss, mit Barbara zu seinem Gönner. Lt. mündlicher überlieferung empfing ihn seine Majestät huldvoll, lobte seine Ausdauer und sein Rechtsbewusstsein, versprach schnellste Hilfe, und fügte hinzu: “mühsam habe er sein Recht erstreiten müssen und mühsam sei die lobenswerte Tat in Leuthen gewesen, und um seiner Gnade einen bleibenden Ausdruck zu geben, befehle er, dass der eines eigentlichen Familiennamens noch entbehrende Pinkus Seligmann Pappenheim fortan den Namen MÜHSAM zu führen habe, damit auch seine Nachkommen bis in das späteste Geschlecht erfahren sollen, dass ihr Ahn ein braver Soldat und treuer Untertan seines Königs war.” (Dies der Wortlaut im Familienbuch.) Prompt erfolgte eine energische Order des Königs an den Magistrat von Pitschen zum Schutze Pinkus’, und Wohn- und Existenzrecht wurden ihm auf den strikten Befehl hin schnellstens gewährt. Hier die königliche Order im Auszug: “FRIEDRICH KÖNIG p p Unsern gnädigen Grass und geneigten Willen zuvor: Auf Eure, in Sachen des von den Bäudnern zu Pitschen in Ansehung seiner Baudengerechtigfceit angefochtenen Juden Pinkus Seligmann (Pappenheim)... eingereichte alleranterthänigste Vorstellung, gereichet Euch hiermit zum gnädigen Bescheide, dass... nach Vorschrift Unserer Allerhöchsten Cabinets-Ordre vom 19ten Julii 1780 dem Pinkus Seligmann und seiner Familie... der fernere Aufenthalt zu Pitschen zu gestatten sei, und ists der Billigkeit und Gerechtigkeit gemäss, dass der Jude die zu gleicher Zeit... wohlerworbene Baudengerechtigkeit exercire, da seine Baude eine von den 7 privilegirten ist, und folglich derselbe den übrigen privilegirten Bäudnern keinen Eintrag thut, sondern gleicher Gerechtsame theilhaftig ist. Ihr habt also den Pinkus Seligmann nebst seiner Familie... bereits befohlenermassen in seinem Hause einzuweisen, und der Bürgerschaft alle Aufwieglungen und Unordnungen bey unausbleiblicher Strafe und Ahndung zu untersagen... Breslau den 18ten December 1785. Königl. Preuss. Bresl. Krieges- und Domainen Cammer...” Somit hatte unser braver Vorfahre seine gerechte Sache mit der Hilfe seines Königs durchgefochten bis zum guten Ende. Hugo Hartung, in seinem Buch: “Deutschland deine Schlesier” (in der vorigen Ausgabe dieses Blattes besprochen), setzt Pinkus Seligmann ein schönes Denkmal. Unter dessen Nachkommen erwähnt er “Paul Mühsam den Dichter und Mystiker” (mein Vater, bis zu seiner Auswanderung, 1933, in Görlitz in Schlesien lebend und 1960 in Jerusalem gestorben), und “Erich Mühsam den Lyriker, Dramatiker und Revolutionär” (vor 40 Jahren im KZ umgekommen.) LOTTE MARKOWICZ-MUHSAM * NACHBEMERKUNG: (Mühsam) Somit war der Pinkus Seligman-Pappenheim-Müsahm der Begründer der Jüdischen Gemeinde in Pitschen O/S, die leider den Geschehnissen des 3. Reiches nach anderthalb Jahrhunderten zum Opfer gefallen ist. Der Schluss-Gottesdienst wurde von Bezirks- Rabbiner Dr. Nachum Wahrmann, — Oels, unter Assistenz von Kantor Lewin, Konstadt O/S, durchgeführt. Der Redakteur dieses Blattes war bei dieser Feierstunde anwesend und konnte das von Dr. Siegfried Matzdorff aus Pitschen jetzt in Natania wohnhaft, gerettete Parochet (Thora- Vorhang) in Sde Warburg im Jahre 1941 wieder einweihen. Dr. Siegfried Matzdorff ist ebenfalls ein Nachkomme der berühmten Familie Mühsam. Allen unseren Freunden, Verwandten und Bekannten wünschen wir von ganzem Herzen ein gesundes, glückliches und friedliches NEUES JAHR Paul u. Marga FALKENBURG, geb. Weiss und Kinder Kiryat Haim-Haifa, 85/D Moshe Sharetstr. Der VERBAND EHEMALIGER OBERSCHLESIER IN ISRAEL wünscht allen seinen Mitgliedern und Freunden in Israel und im Ausland EIN GESUNDES, ZUFRIEDENES NEUES JAHR Geschäftsstelle: Tel-Aviv, Schikun Dan, Lipastr. 8 Karl — Heinz Kornfeld PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 3

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