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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-04-01 · No. 35 (April 1974) · p. Seite 17

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 35 (April 1974)
Date
1974-04-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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ZUM GEDENKEN AN JULIUS PRUEWER (Anlässlich seines 100. Geburtstages am 20.2.1974) In Breslau, war das Musikleben auf allerhöchster Stufe. Insbesondere fesselten den Breslauer Musikfreund die Opernaufführungen im Stadttheater, das von 1893 bis nach dem ersten Weltkrieg unter Leitung des Dr. Theodor Loewe stand, eines gewiegten Theatermannes. Nach Weggang von Alfred Hertz, der um 1900 an die Metro nach New York als erster Kapellmeister berufen wurde, war Julius Pruewer der Dirigent, von dem eine besondere Ausstrahlung auf den gesamten Bühnenapparat ausgihg. Wie er gleichzeitig das Orchester beherrschte, seine Art zu dirigieren, wie er Zeichen und Einsätze gab, wie rhytmische Präzision, Klangempfinden und Führung des Melos zu einem Klangwunder zusammenschmolzen, das war ein festliches Erlebnis. Seine Persönlichkeit als Orchesterchef überzeugte, sie gewann und entzündete die Hörer. Er hatte Sinn für dramatisches Geschehen, er stand dem Operngesang und den besonderen Erfordernissen des Musiktheaters voller Verständnis gegenüber und zauberte einen wundersamen Klang aus dem Orchester heraus. Er besass die leidenschaftliche Hingabe, die Besessenheit zur Oper. Er hatte Ausstrahlung, Augen, Suggestion und Schlagtechnik und wusste den Kontakt zwischen Partitur und Bühne vom ersten Takt an herzustellen, das heisst, das auf die Szene zu porjezieren, und das auf die Bühne zu werfen, womit der Komponist die Handlung und die agierenden Personen musikalisch ausgestattet hat. Und ebenso das, was nicht in den Noten steht! Er war ein Kontakt-Kapellmeister, er empfand jeden Atemzug des Darstellers, Sängers mit, er erlebte, hasste, liebte mit den Künstlern mit, er wusste um die theatralischen Wirkungen. Seine Wagner-Ausdeutungen waren ein einzigartiges Festival, wie zündend brachte er Smetana, Mussorgsky, Bizet und Verdi, wie durchsichtig gelang Mozart, wie festlich Richard Strauss. wie humorvoll Lortzing, Rossini und all die andereren heiteren Werke. Und wenn an Sylvester-Abenden klassische Operette in Opernbesetzung gegeben wurde, wie ausgelassen brachte er einen Strauss fideler Melodien der leichten Musik zum Erklingen, alle — Orchester, Bühne, Publikum — mitreissend. Am Pult der Breslauer Oper bis nach dem ersten Weltkrieg, schuf er Bleibendes, Unvergessenes. Man erinnert sich auch der Gesamtgastspiele der Breslauer Oper unter seiner Stabführung in Petersburg, wo er Wagner brachte, in Amsterdam, Budapest und Wien, wo er erstmalig Salome (in der Wiener Volksoper) dirigierte. Pruewer am Pult — das waren Stemstunden. Er braucht keinen Titel "General Musikdirektor”, er braucht keine Scheinwerferbeleuchtung. Jede Vorstellung unter Prüwer war ein Festival. Julius Sachs, Tel-Avir IM MEMORIAM AN UNSERE UNVERGESSLICHEN ELTERN GEORG HERZ, verst. 5. Januar 1954 ROSA HERZ, geb. NICKLAS, verst. 7. Dezember 1963 Dr. HEINZ Z. Herz. New York/USA ALFRED HERZ, Ramat Chen, Israel. DR. ROBERT OLLENDORF s. A. Ein aussergewöhnlich begabter Mensch aus der grossen Familie Ollendorff ist auf einer Vortragsreise plötzlich verschieden, Geboren in Breslau als Sohn von Georg Ollendorff und Margarete geb. Muhr, hat er nach dem Abitur im Zwinger Gymnasium an der Universität, Breslau, Medizin, studiert. Im Jahre 1934 aus rassischen und politischen Gründen verhaftet, verbrachte er 9 Monate im Gefängnis und im KZ. 1936 wanderte er nach Tanganyka, Ost-Afrika aus und war bis 1947 als Sleeping Sickness Surveyor und in anderen Wohlfahrtsämtern tätig. Zwischen 1947 u. 1953 setzte er sein medezin. Studium in Cambridge, England, und Leeds, fort. Später arbeitete er als Psychiater an verschiedenen englischen Irren-Anstalten und erhielt das Diplom für psychologische Medizin in London. 1960 wurde er von der deutschen Regierung eingeladen, Hospitäler in Westdeutschland zu besuchen. Im Jahre 1963 bekam er von der Universität Bonn das med. Doktorat summa cum laude. Von 1962 bis zu seinem Tode war er auf den verschiedenen Sparten der Psychiatrie in London und auch beim Ministerium für Sozial-Versicherung in den verschiedensten Hospitälern tätig. Im Jahre 1967 machte er eine Vortragsreise nach den Vereinigten Staaten, die er jedes Jahr für 2 bis 4 Monate wiederholte. Am 1. Januar 1973 wurde er als Gast-Professor für die Universität in Florida, Miami, berufen. Auf einer Vortragreise nach Houston, Texas, starb er an einer Herz-Attacke. Er heiratete im Jahre 1948 in England, Christina Maxwell und hatte 3 Stiefkinder und 10 Enkelkinder. Sein Buch “The Juvenile Homosexual Experience” hat eine grosse Leserschaft gefunden. Dr. Robert Ollendorff wird uns unvergessen bleiben. LUCIE MOELLER GEB. KOBER, JERUSALEM, s. A. Vor einigen Wochen verstarb die Obengenannte nach kurzer Krankheit. Sie entstammte dem bekannten Hause Kober aus Breslau. Als Tochter von Josef Kober, dem ältesten der 3 Brüder Kober, der grossen weltbekannten Metallgrosshandlung, wurde sie ganz im zionistisch-traditionellem Sinne erzogen. Schon als Kind lief sie mit ihren Brüdern zu Vorträgen zionistischer Arbeit. Nach ihrer Verheiratung mit Iwan Möller aus Altona, war ihr Haus ein Mittelpunkt jüdischen Lebens. Lucie Möller war viele Jahre Vorsitzende der Misrachi Frauen- Organisation in Breslau, gebildet und begabt verstand sie die Vorträge, die Versammlungen, sowie die Tagungen mit ausserordentlichem Geschick zu leiten. Sie zog die besten Redner aus Mittel-Europa heran und gab durch ihre eigene Bildung der Organisation vieles. Im Jahre 1939, nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, fand noch im Haus Kober-Möller, in Breslau in der Willmannstrasse, an den Jamim Noraim (Hohe Feiertage) Gottesdienst statt. Die Gestapo erschien und behauptete, es sei ein geheimer Radiosender im Haus untergebracht. Man zeigte ihnen die Beter und sie entfernten sich. Es gelang der Familie nach Palästina einzuwandern. Hier gab es schwerste Einwanderungsjahre. Trotzdem hat Lucie Möller nach einem schweren Arbeitstag Zeit gefunden, sich der Gemeindearbeit zu widmen und war an den Freitagabenden, die Ichud Schiwat Zion veranstaltete, insbesondere für alleinstehende, ältere Menschen, Immer helfend dabei. Ihre Kinder befinden sich in Israel und setzen die Tradition des Elternhauses fort. Mit Lucie Möller — Kober ist wieder ein massgebender Teil der jüdischen Gemeinde Breslau dahingegangen. Sie lebt in uns allen weiter fort. BERNHARD ITZKOWITZ s. A. Ein treues Mieglied unseres Verbandes, der immer lebhaftes Interesse für unsere Arbeit hatte, ist leider nicht mehr. Der Heimgegangene kam aus der Westmark im Jahre 1920 nach Breslau, als begeisterter Zionist arbeitete er schon damals für den KJV. Seine ganze Familie befindet sich in Amerika, wohin man ihn des öfteren rief. Bereits 1926 wollte er nach dem damaligen Palästina auswandern, konnte aber wegen einer grossen Krankheit dies nicht zur Ausführung bringen. Im Jahre 1931 heiratete er Lucie Weissbart. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die im Jahre 1950 heiratete und deren Ehe 2 Kinder entprossen. Ein vorbildlicher Ehemann, Vater, Schwiegervater und Grossvater. Uber Jugoslawien bereits im Jahre 1933 konnte die Familie nach grossen Schwierigkeiten erst 1937 in Haifa ankommen, Bernhard Itzkowitz gründete trotz schwerer Einwanderungsjahre ein kleines Mlnjan “Ahawat Zion, Haifa,” an dem bis zu seinem Heimgang der Dozent des Breslauer Rabbiner- Seminars, Prof. Dr. Lewkowitz wirkte. Man fand ihn in der zion. Arbeit im “Oleh Merkas Europa”, in der “Haganah” und später betätigte er sich in der grossen Synagoge von “Newe Schaanan". Ein arbeitsamer, pflichttreuer Mensch, der immer ein Herz für den anderen hatte, ist dahingegangen. Wir trauern mit der Gattin, den Kindern und Enkelkindern und den vielen Bekannten und Freunden. Er bleibt uns unvergessen. MAX MORITZ s. A. Wieder einmal hat das Judentum aus Mittel- Europa einen seiner Besten verloren. Max Moritz, in Gelnhausen, in der Nähe von Frankfurt a/Main geboren, hat er, nach Absolvierung des Gymnasiums, an der Universität Heidelberg Jura studiert und sich als Rechtsanwalt niedergelassen. Nach seiner Übersiedlung nach Palästina im Jahre 1934 war er einige Zeit mit dem bekannten Rechtsanwalt Sammi Gronemann in Bürogemeinschaft. Später gründete er die bekannte Firma Moritz u. Tuchler, die sich wegen ihrer Reelität eines besonders guten Namens erfreut. Max Moritz war allezeit der Vertrauensmann, der gute Berater seiner Kunden. Alle, die mit ihm in Beruehrung kamen, schenkten ihm blindes Vertrauen. Bereits im Jahre 1934 gründete er die Chewra Kadischa “Ichud”, die aus der Gmeinde Ichud Schiwat Zion hervorging. Trotz schwerster Arbeit hat Max Moritz die Chewra Kadischa als ihr Gründer und erster Vorsitzender jahrelang mit Hingebung und Opferbereitschaft geleitet, erschien selbst zu Taharoth und gab viele Stunden für dieses heilige Amt hin. Bei Gründung der Chewra hat man ihr einige Monate des Bestehens gegeben, da man sicher war, dass sich nicht genügend Männer und Frauen finden werden, die dieses Amt übernehmen können. Indessen besteht die Chewra Kadischa G. s D. bereits 40 Jahre. All diese Pflichten hätte Max Moritz nicht erfüllen können, wenn ihm nicht seine Gattin Else (bis 120) ständig zur Seite gewesen wäre. Seine Kinder sind im Geiste des Hauses Moritz erzogen und sowohl der Sohn, als auch der Schwiegersohn sind bekannte Anwälte. Das Andenken von Max Moritz, der eine Persönlichkeit ersten Ranges war, wird nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gemeinde Ichud Schiwat Zion, der Chewra Kadischa “Ichud” u. auch bei seinen vielen Freunden in ehrendem Andenken bleiben. 17

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