Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 35 (April 1974)
- Date
- 1974-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7411685-7412391-7493589--0482-7412407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das erste Begräbnis auf dem neuen Oelberg-Friedhof Pessach 1939 EINE "BRESLAUER” ERINNERUNG Die folgende Schilderung, besonders von Interesse für uns ehemalige Breslauer, sandte uns Mordeachi Noy (früher Neuberger, aus Frankfurt am Main), einer der Gründer und Vizepräsident der “Chevra Kadisha Kehillat Jerushalayim”, der grössten unter den heute noch bestehenden 8 Chevroth, die für die Bedürfnisse von 45-50% der Jerusalemer Bevölkerung, ohne Unterschied der Zugehörigkeit zu dieser oder einer anderen "Landsmannschaft” seit 35 Jahren Sorge trägt. Ihre gepflegten Friedhöfe befinden sich auf dem Oelberg (im Wiederaufbau begriffen), Har Menuchoth, Sanhedria (mit der einzigen in Jerusalem bestehenden Beerdigungshalle), und dem seit 1949 nicht mehr “funktionierendem” in Schech Bader, unterhalb des Knesseth-Gebäudes, auf dem zivile Opfer des Unabhängigkeitskrieges bestattet wurden. Die Chevra Kadisha Kehillat Jeruschalayim wurde ln den dreissiger Jahren gegründet, als Reaktion auf die Misstände im Jerusalemer Beerdigungswesen — damals bestanden nicht weniger als 29 Beerdigungsgesellschaften, nur zu verstehen im Hinblick auf die Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung in Kollelim und “Landsmannschaften”. Besonders wir Einwanderer aus Europa litten unter den Misständen, dem Mangel an Würde vor und während der Bestattung, dem Unverständnis für die Gefühle der Leidtragenden und der Verwilderung auf den-ebenfalls in vielen Teile zerstückelnden-Gräbergrundstücken. Interessanterweise ging aber die Initiative zu einer grundlegenden Änderung durch Erwerb eines neuen, auf der höchsten Anhöhe des Oelberg gelegenen Friedhof-Komplexes und Gründung einer neuen Chevra Kadisha, unter den Auspizien des Oberrabinats, von einigen Mitgliedern alteingessener Jerusalemer Familien aus, die die bestehenden entarteten Zustände nicht länger dulden wollten. Wir Neuen Olim aus Deutschland begrüssten diese Initiative, und auf Wunsch zahlreicher Familien traten einige unter uns in die neue Chevra als aktive Verwaltungsmitglieder ein. Ich gedenke dabei meiner leider nicht mehr unter uns lebenden Kollegen Rabbiner Dr. Unna (Mannheim), Jakov Heckscher (Hamburg), Alexander Tachauer (Nürnberg) und Shimon Freudenthal (Breslau). Von den ersten Jahren des Bestehens der Chevra (nach Jerusalemer Tradition natürlich auch von verschiedenen Seiten angegriffen und verleumdet), wäre viel zu erzählen, aber begnügen wir uns mit einer Schilderung der ersten Bestattung auf dem nach der Tradition kurz vorher zeremoniell eingeweihten neuen Friedhof. Man wartete damit auf ein besonderes Ereignis u. dieses traf auch ein, als am 13 Nissan 1939 dem Direktor der Chevra, Israel Bardaki (später Bar-Sakkai, der viele Jahre Chasan der ehrwürdigen Churva Synagoge in der Altstadt war, selbst ein Nachkomme von Generationen von Altstadtbewohnern und Würdenträger), vorgeschlagen wurde, die sterblichenReste des drei Jahre vorher verstorbenen Breslauer Rabbiners Israel Meier SIMONSOHN s. A. auf diesem Beth Olam zur ewigen Ruhe zu bringen. Der Sarg sollte am 20. Nissan, d. h. Chol Hamoed Pessach, in Jerusalem eintreffen. Nach kurzer Beratung und schneller Vorbereitung aller notwendigen Schritte, wurde dieser ehrenvolle Vorschlag akzeptiert und die Lewajah fand noch am obigen Tage stattdas erste Grab war hiermit das des Breslauer Rabbiners. In den Annalen der Chevra Kadischa ist verzeichnet, dass die Beerdigung, die vom Bikkur Cholim Hospital begann, unter Beteiligung von Mitgliedern der Familie (darunter die bis Meah Ve’essrim Shana unter uns weilende Witwe) ehemaligen Breslauer, Schüler des Heimgegangenen und vielen anderen Jerusalemer und von auswärts gekommenen Verehrer stattfand unter strikter Beobachtung des Jerusalemer Minhag. Das betreffende Blatt in der Chronik der Chevra Kadisha trägt noch folgenden Vermerk: (übersetzt aus dem Hebräischen Original) Rabbiner Israel Meier ben Rabbi Shlomo Jehuda Simonsohn, Rabbiner in Breslau, wurde am 4. Nissan des Jahres 6648 (d. h. 1888) geboren, und verschied in Breslau am 20 Ijjar 6697 (d. h. 1937) Wie in seinem Testament bestimmt, wurde er in Jerusalem zur ewigen Ruhe gebracht. Er war sehr tätig auf den Gebieten des Kashruth und der jüdischen Erziehung in seiner Stadt, und durch seinen Einfluss wurde in vielen Familien Kashruth eingeführt. Er war ein bedeutender Thora- Gelehrter, gottesfürchtig hingebungsvoll und begeisterter Zions-Freund. Die Zahl seiner Schüler ist gross, und viele von ihnen leben jetzt in Erez Israel. Er besuchte das Land vor einigen Jahren.” Das Grab des heimgegangenen Breslauer Rabbiners wurde nach dem 6-Tage-Krieg auf dem wieder in israelischer Hand befindlichen Friedhof gefunden, allerdings war der Grabstein, wie dies bekanntlich von arabischer Frevlerland tausenden Grabsteinen der Fall war, zerstört, und wurde inzwischen erneuert. DR. ERNST HEPPNER s. A. Vor einigen Wochen verstarb nach kurzer Krankheit Dr. Emst Heppner, der allseits bekannte und beliebte Frauenarzt und Mensch. In Koschmin (Provinz Posen) als Sohn des in unserem Blatt immer wieder zitierten Rabbiners Dr. Aron Heppner, und seiner Gattin Selma geb. Goldmann, studierte er an den Universitäten Heidelberg, München und Berlin und war in Hamburg lange Zeit ein bekannter und beliebter Frauenarzt. Er war d. erste Schiffsarzt auf einem Jüdischen Schiff. Dem Zeire Misrachi angehörend, wanderte er mit seiner Familie im Jahre 1934 in Jerusalem ein. Dort erwarb er sich durch seine ausserordentlich guten Fachkenntnisse das Vertrauen seiner Patienten. Er war in seinen Anschauungen ein starker Charakter, der z. Zt. der englischen Mandatsmacht die Untergrundkämpfer behandelte und deswegen von Haussuchungen Repressalien nicht verschont war. Lange Zeit verbrachte er im Gefängnis. Seine Kinder erzog er in seinem Geiste und auch sie gehörten der Untergrundbewegung an. Er war in allen Kreisen ausserordentlich beliebt, da er für seine Ideale einstand. Sein Haus stand allen offen, die Rat und Hilfe suchten. Sein Vater, Rabb. Dr. Aron Heppner sei. And. war der Archivar der Breslauer jüd. Gemeinde, bekannt durch den Abreisskalender mit allen historischen Begebenheiten d. Tages, durch das Werk “Jüdische Gemeinden in den Posener Landen” und durch viele Broschüren, archivmässiger Entstammung. Wir verbinden uns mit seiner Gattin, seinen Kindern und seiner Schwester in ehrendem Andenken an ihn. MAX EHRLICH s. A. Vor einigen Monaten starb im Eltemheim ln Natanya Max Ehrlich, der mit seiner Gattin Minna geb. Friedmann, seinem Sohn Felix und dessen Familie sowie mit seiner Schwägerin Rose Muhr geb. Friedmann aus Chile nach Israel einwanderte. Max Ehrlich war in Breslau eine bekannte Persönlichkeit, Prokurist der Firma Josef Kober, Metallgrosshandlung, fand er nach der schweren Arbeit im Büro Immer Zeit für die jüdischen Belange. In den verschiedensten Gremien war er tätig. In der Chewra Kadischa, wann man ihn rief, als ehrenamtlicher Vorbeter oder Baal Koreh, als Baal Tokea im Verein Gemiluth Chesed Umischan Awelim. Sein Herz war immer aufgeschlossen für soziale Arbeit. Er war der letzte Friedhofsinspektor der jüdischen Gemeinde Breslau, hat sich aber auch in Chile trotz grosser Einwanderungsschwierigkeiten der Gemeinde in allen erforderlichn Dingen zur Verfügung gestellt. Wir verbinden uns im Gedenken an diesen vorzüglichen jüdischen Menschen mit seiner Gattin, seinen Kindern und der weiteren Familie. Max Ehrlich gehört mit in die Geschichte der einst blühenden Gemeinde Breslau. Sein Weg soll uns Richtschnur sein für unser Leben. SIEGFRIED (SIDNEY) SIMONS s. A. In Haifa verstarb vor einigen Wochen der Obengenannte, der 1903 in Rogasen (Provinz Posen) geboren wurde. In seiner Jugend war er tätiger Blau-Weisser, ging 1917 nach Berlin zum Studium und war im Makkabi Trainer bei den Ringern. Er arbeitete viele Jahre bei der Gemeinde in Berlin bis zu seiner Auswanderung nach England . Dort war er während des 2. Weltkrieges beim Militär, wanderte später nach Israel aus und arbeitete ehrenamtlich bei der Oleh Britannia, deren Bibliothek er gründete. Er heiratete in Haifa Frau Lea Riesel-Simmons geb. Falk, Tochter von Ismar Falk und seiner Frau Rosa geb. Levy. Er verstand es, durch seine Herzensgüte seiner Gattin, den Kindern seiner Frau, ein liebender Gatte und guter Vater zu sein. Er erwarb sich Freunde und Ansehen durch seine Herzenswärme und Grosszügigkeit. Sein Andenken wird bei seiner Familie und dem grossen Freundeskreis in Ehren gehalten werden. DR. FRANZ APT s. A. Die Society of Friends from Breslau, New York, hat leider wieder einen ihrer früheren Vorsitzenden, verloren. Dr. Franz Apt war bis zu seiner Krankheit ein rühriger Arbeiter des Verbandes. In Breslau ein angesehener Anwalt, war er in jüdischen Kreisen führend tätig, Vorsitzender des Centralvereins und Präsident der Silesia-Loge. In New York arbeitete er als Buchprüfer. Ausserordent lieh gebildet, galt er als einer der besten Redner. Wo er auftrat, gab es volle Säle. Er wurde des öftern als Redner von der Deutschen Literarischen Gesellschaft in New York, eingeladen. Wir sprechen von dieser Stelle aus seiner Witwe Lotte, seinen 2 Söhnen und deren Familien, sowie der Society of Friends from Breslau, unsere aufrichtige Teilnahme aus. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL. 16