Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 35 (April 1974)
- Date
- 1974-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fest-Matinee der jüdischen Schule Breslau Am Sonntag, den 29. März 1931, veranstaltete der Jüdische Schulverein Breslau anlässlich des elfjährigen Bestehens der Jüdischen Volksschule eine Festmatinee im grossen Konzerthaussaale, die überaus gut besucht war. Abgesehen von den zahlreichen Freunden des Schulwerks nahmen auch die Vertreter der Schulbehörden, der Synagogengemeinde und zahlreiche Organisationen an der Feier teil. Für die Entwicklung einer Schule ist bereits der Verlauf des ersten Jahrzehnts von grundlegender Bedeutung. Um so grössere Beachtung kommt den bisherigen Leistungen des Breslauer Schulwerks zu, da es trotz des kurzen Zeitraumes und der Schwierigkeiten, die es zu überwinden hatte, heute bereits als Bildungsstätte für eine selbstbewusste ihrer Vergangenheit stolze und die Zukunftsideale des Judentums bejahende neue Generation, ihre Existenzberechtigung genugsam erwiesen hat. Eine Reihe jüdischer führender Männer, an ihrer Spitze Rabbiner Dr. Simonsohn s. A., verehrt als Freund der Jugend, haben trotz vieler Widerstände, die dem Schulwerk von vielen Seiten bereitet wurden, nicht nur eine voll ausgebaute jüdische Volksschule geschaffen, sondern ihr auch eine höhere Schule angegliedert, die die Klassen von Sexta bis Obersekunda umfasst. Die Absicht besteht, sie bis zur Oberprima auszubauen, so dass dann der jüdische Schüler seine volle Ausbildung bis zum Universitätsstudium an dieser Anstalt erhalten kann. Durch hochherzige Stiftungen, insbesondere von seiten der Rabbiner Mugdanschen Erben und des in der jüdischen Welt wohlbekannten und verehrten Lippman Bloch hat die Schule jetzt auch ein eigenes Schulhaus erwerben können. Die grosse, für die Entwicklung der Breslauer Gemeinde geradezu geschichtliche Bedeutung, die dem bisher geleisteten Werk zukommt, äusserte sich in dem spontanen Beifall mit dem Rabbiner Dr. Simonsohn begrüsst wurde und in der ganzen weihevollen Stimmung, die über der Feier lag. Im Mittelpunkt dieser Feier stand die Festrede des Dr. Heinrich Speyer über “Das jüdische Bildimgsideal im Wandel der Zeiten.” Das sachlich und rhetorisch ausgezeichnete Referat behandelte das Verhältnis der jüdischen zur nicht jüdischen Kultur, an Hand der bedeutsamen Erscheinungen der jüdischen Geschichte. Das jüdische Bildungsideal der geschichtlichen Frühzeit war patriachalischer Art. Die Aufgabe des jüdischen Vaters bestand darin, den Sohn mit den geschichtlichen Begebenheiten des Volkes vertraut zu machen und ihm die wundersame Vergangenheit, wie sie die alten Überlieferungen des Schriftums darstellten, nahe zu bringen. Als Aufgabe des Sohnes dagegen galt es, “den Vater zu fragen, damit er ihm erzähle” und sich zu den Zukunftsidealen des eignen Volkstums zu bekennen. Im Verlauf der Geschichtsentwicklung aber erweiterte sich der Rahmen des jüdischen Bildungsideals. Schon die jüdische Diaspora, die sich von den Zeiten des verfallenden Zehnstämmereichs bildete, machte die Juden mit fremden Kulturen bekannt. Ägyptische, babylonische und persische Einflüsse drangen in das Judentum ein. Nun aber geschah das Seltsame, dass die fremden Bildungselemente nicht etwa das Judentum in seiner Entwicklung hemmten, sondern dass sie vielmehr als Bestandteile jüdischen Wissens in der jüdischen Kultur ihren Platz fanden. Erst der Hellenismus drohte das Judentum zu verschlingen. Da waren es die Makkabäer, die vor die Frage des Seins oder Nichtseins gestellt, mutig d. Kampf aufnahmen für die Ideale der Väter. Zwar war die Einwirkung des Hellenismus eine ungeheuere. Dies zeigen die zahlreichen griechischen Lehnworte im jüdischen Schrifttum, die Einbürgerung griechischer Sitten und Namen und besonders die grossartige Entwicklung, die das alexandrinische Judentum nahm. Das jüdische Alexandrien wusste nichtjüdische und jüdische Bildungsideale harmonisch zu verschmelzen. Die Religionsphilosophie, deren bedeutendster Vertreter Philo war, schuf die theoretischen Grundlagen für die Entstehung des Christentums. In Palästina dagegen hat die Auseinandersetzung mit dem Hellenismus den Entschluss reifen lassen, um des Judeseins willen, auf die Aneignung fremder Bildungsideale zu verzichten. Die talmudische Zeit bedeutet auch keinen völligen Abschluss von den Kultureinflüssen, die von aussen kamen. Obwohl das Bildungsideal des Talmudjudentums sich beschränkte auf die Auslegung und Beherrschung des Gesetzes, die Ausübung der religiösen Gebote, erwies es sich stets fruchtbar und bedeutsam für die Fortentwicklung der Menschheit, wenn der Rahmen gesprengt wird. So geschah es in der Frühzeit des Islam, der spanisch-jüdischen Epoche, die durch ihre aristotelisch-jüdisch Religionsphilosophie die christliche Scholastik befruchtete, bei der kabbalistisch gefärbten Philosopie Spinozas und den vereinzelten Schöpfungen deutsch-jüdischer Dichtkunst. Die grosse Erfurcht der Juden zu allen Zeiten auch vor den Bildungsidealen der anderen hat allerdings oft dazu geführt, dass sie um des Neuen willen das Alte vergassen. Dann ging es ihnen wie “jenen Asras, welche sterben, wenn sie lieben”. Der Festrede folgten mehrere Bgrüssungsansprachen. Der 150 starke Schulchor der Jüdischen Schule eröffnete die Veranstaltung mit dem Händelschen Chor aus Judas Maccabäus “Seht, er kommt” und beschloss die Feier mit dem achten Psalm “Herr unser Gott, wie gross bist Du” in der Vertonung von Joseph Schnabel mit Orchester- und Orgelbegleitung, dirigiert von David Tichauer. David Tichlauer 3 Chatsworth Avenue, Hendon London NWi 1HW MERIAN: Jerusalem (Das Monatsheft der Städte und Landschaften Verlag: Hoff mann und Campe, Hamburg, Dezember 1973). Wer von Touristen noch nicht persönlich in Jerusalem war, dem wird der neue “Merian” eine willkommene Vorbereitung zum Besuch der heiligen Stadt sein, eine angenehme Einführung in ihren Pulschlag. Aber auch, wer Jerusalem kennt, wird diese Veröffentlichung mit grossem Interesse lesen. Es genügen nicht ein, zwei Tage Aufenthalt, viel mehr sind nötig, um die Schönheit dieser Stadt in sich aufzunehmen. Drei Religionen haben sich hier mit drei Zeitaltern ein Stelldichein gegeben. Eine jede zeigt sich in diesem Querschnitt von ihrer besten Seite. Der Frömmigkeit sind viele Seiten gewidmet, der Toleranz, den Ausgrabungen, der Einwanderung, den mancherlei Differenzen des Nebeneinander und vielen anderen Themen. Das Leben mit oder neben der Vergangenheit wird geschildert. Wie ein Märchen wird dieser “Traum einer Stadt” von Persönlichkeiten beschrieben und geträumt, die die heilige Stadt mit dem Herzen sehen. Sie alle sind bewährte Namen auf dem Gebiet der einschlägigen Berichterstattung. Diese Veröffentlichung liest sich wie ein Dokumentarfilm und die Rückblende ist blendend. Nach Jerusalem reist man mit dem “Merian”. Er zeigt, was zu sehen, wie zu sehen, wo zu sehen. Er hilft zu verstehen. Er führt sorgsam durch ein einzigartiges Erlebnis. Julius Sachs Pastor Achenbach “Und es war: Wenn Moshe seine Hand erhob, siegte Israel: wenn er aber seine Hand sinken liess, siegte Amalek. Aber die Hände Moshes waren schwer: Aharon und Hur aber stützten seine Hände, hier einer und da einer: so blieben seine Hände fest bis zum Untergang der Sonne. — Da baute Moshe einen Alter und nannte ihn: “Der EWIGE ist mein Panier.” Exodus 17,11-16 Verehrte Staatsleitung und liebe Freunde in Israel! Mit obigem Wort möchten wir Ihnen zu Beginn des Jahres 1974 unsere herzlichen Segenswünsche übermitteln. Angesichts der überaus ernsten und schicksalsschweren Lage, in der sich Ihr Volk befindet, möchten wir Ihnen versichern, dass nicht nur wir, sondern viele bibelgläubige Christen in d. Bundesrepublik wie in der Schweiz sich den Betern in Israel zur Seite stellen, wie einst Aharon) und Hur den Moshe in seinem Gebetsringen unterstützten, bis dass der EWIGE das Geschick Israels wende. Auch wir wurden zutiefst vom Schock gepackt, als am 6. Oktober, am Yom Kippur, dem Heiligsten aller jüdischen Feste, d. Nachricht durch den Äther drang, dass dem kleinen Volk Israel von 2 Seiten der Krieg aufgezwungen worden war. Der hohe Verlust an Menschenleben, die Lage derer, die in der Gefangenschaft einem ungewissen Schicksal ausgesetzt sind, die Trauer der Hinterbliebenen, der Hass der feindlichen Brüder liegt auch uns schwer auf dem Herzen. Laufend orientieren wir uns über Radio, Fernsehen, durch Zeitungsberichte über die Lage in und um Israel und sehen mit Schmerz, wie die Völker von Israel abrücken und der Freunde weniger werden. Darum richteten wir an unsere Freunde die dringende Bitte, einen gesonderten Fasten-Gebets-und Opfertag einzulegen. Manches Echo ist darauf bei uns eingegangen und das Flehen zum ALLERHÖCHSTEN ist gewiss dort aufgehoben, denn: “Der Herr ist nahe allen, die IHN anrufen, allen, die IHN mit Ernst anrufen. ER tut, was die Gottesfürchtigen begehren und hilft ihnen.” Psalm 145,18 u. 19 Manch kleines und grösseres Opfer ging seitdem bei uns ein, und wir konnten in den letzten Tagen etliche Schecks nach Israel für besondere Notfälle senden. Auch sind wir froh, dass es uns möglich war, aus Ersparnissen DM 5000 an die Beraterin der Präsidenten, Frau Sh. Nardi, Jerusalem, zu senden, um schwer verwundeten Soldaten wohlzutun oder Familien, die durch den Verlust ihres Ernährers neben dem Schmerz noch in finanzielle Not geraten sind. Wir grüssen die Freunde, mit denen wir seit 15 Jahren durch Liebeswerkaufgaben verbunden sind; wir grüssen das Land Israel, das Land der Offenbarung des EWIGEN, SEIN Eigentum, das Land der Zukunft, der Verheissung, wie keinem anderen Land und Volk gegeben und flehen mit Moshe: “HERR, sieh doch, dass dies Volk DEIN Volk ist!” AMEN!Exodus 33,13 In steter Fürbitte verbleiben mit Shalom ergebenst Paul und Karoline Achenbach Herrn JULIUS SACHS, Tel-Aviv wurde in Anerkennung der Verdienste, um die liebevolle Pflege und Förderung der ROBERT STOLZ WERKE, die Robert Stolz Medaille verliehen. 15