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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-04-01 · No. 35 (April 1974) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 35 (April 1974)
Date
1974-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Aus dem Leben unserer Schule 1933—1934 — JÜDISCHES REFORM REALGYMNASIUM Das abgelaufene Schuljahr darf wohl als das bisher bedeutsamste in der Geschichte unserer Anstalt verzeichnet werden. Neue Aufgaben, neue Tatsachen neue Menschen, neue Schüler und neue Lehrer hat es uns gebracht. Und alles Neue, was es uns brachte, durften wir schliesslich bejahen, und freudigen Herzens bejahen. Waren die letzten Ursachen der Ereignisse nicht immer dazu angetan, diese Stimmung zu verbreiten, so glaubten wir doch, die Schule stelle sich dann am unmittelbarsten ins Leben hinein, wenn sie nicht mit Bedauern rückwärts, sondern mit freudigen Mut vorwärts schaute. Grundlegend gewandelt hat sich in diesem Jahr die Einstellung der jüdischen Eltern zur jüdischen Schule. Nicht nur, dass die Zahl unserer Schüler zwischen dem 1. März und dem 1. Juni 1933 von 118 auf 291 stieg, veranschaulitch diese Wandlung. Vor allem kamen Kinder aus Kreisen zu uns, die sich der jüdischen Schule früher verschliessen zu müssen glaubten, die aber jetzt nicht nur die jüdische Schule hinnahmen, sondern von ihr die jüdische Erziehung ihrer Kinder erwarteten. Freilich waren sich diese Eltern darüber im klaren, dass die heutige Zeit eine gründlichere Jüdische Erziehung verlangt, als sie selbst sie erhielten und geben konnten, und sie begrüssten die Möglichkeit der jüdischen Erziehung in der Jüdische Schule dankbar. Manche theoretische Erörterung hat darüber stattgefunden, ob nicht ein Zwiespalt zwischen Schule und Haus Eltern und Kinder auseinander - zureissen drohe. Die Praxis aber hat ein erstaunliches Ergebnis gezeitigt: kein einziges Kind ist mit dieser Begründung von unserer Schule genommen worden; auch dann nicht, als Gelegenheit war, privatim in jüdischem Kreis eine vollwertige Ausbildung zu erhalten. Niemals sind Eltern gekommen und haben geklagt, dass ihr Kind seelisch unter der Tendenz der Schule leide oder ihnen entfremdet werde, oder zuviel jüdischen Unterricht erhalte. Dankbar bekennen wir, dass die Eltern unserer Schüler uns die schwere Aufgabe erleichtert haben, eine Tradition neu zu pflanzen, die ihren Kindern in dieser Zeit Halt und Festigkeit schenkt. So konnten wir uns mit Aussicht auf Erfolg bemühen, gerade die erzieherischen Seiten des Schullebens immer stärker zu betonen. Wo das jüdische Jahr dazu Anlass gab, haben wir uns mit unseren Schülern zu ernster oder heiterer Feier zusammengefunden (Lag Baomer, Chanukkah, Purim) und sind, um den erzieherischen Wert dieser Zusammenkünfte nicht zu schmälern, nicht mit ihnen an die Öffentlichkeit getreten. Zu unserer Freude haben unsere Schüler gelegentlich auch schon selbst die Stücke geschrieben, die bei diesen Feiern gespielt wurden. In den Dienst der erzieherischen Aufgaben spannten wir natürlich auch den Unterricht ein. Organisatorische Veränderungen waren hierzu kaum nötig. Denn seit langer Zeit erteilen wir den hebräischen Unterricht nicht in den Klassen, sondern in Gruppen, die nach Vorkenntnissen und Begabung zusammengestellt sind. So konnten wir die neuen Schüler immer in Gruppen unterbringen, die ihrem Wissen und ihrer Begabung entsprachen. Versuchsweise fassten wir auch ln einzelnen Stunden gelegentlich die oberen Klassen zu einem Gesamtunterricht zusammen, der der Aussprache über allgemeine und jüdische Fragen dienen sollte. In einem aber glaubten wir streng sein zu müssen und wussten uns darin mit den Eltern unserer Schüler, mit dem Schulverein und mit unserer Vorgesetzten Behörde einig: Die Anforderungen an Leistungen und Disziplin unserer Schüler haben wir bewusst hoch gestellt. Gerade heute, wo keine Aussicht besteht, die Zahl der höheren jüdischen Schulen in Deutschland zu vermehren, so dass im ganzen Osten vorläufig unsere Reformrealgymnasium die einzige höhere jüdische Schule bleibt, kommt es darauf an, das Niveau dieser Schule hoch zu erhalten. Die jüdische Gemeinschaft hat hierauf einen Anspruch, aber auch jedes jüdische Kind. Es darf heute nicht mehr letztes Ziel jüdischer Eltern sein, ihre Kinder mit aller Gewalt und allen Umständen durch eine höhere Schule hindurchzupressen. Eine dem schwach befähigten Kind gemässe Schulausbildung auf der Volksschule nützt tausendmal mehr als eine erfolglose chronische Quälerei auf der höheren Schule. So haben wir im abgelaufenen Jahr 28 Schüler veranlasst, auf die jüdische Volksschule überzugehen, und diese Kinder entwickelten sich meistens zu guten und tüchtigen Schülern ihrer neuen Schule. Im abgelaufenen Schuljahr galten alle Klassen bis Obertertia als berechtigte Klassen des Reformrealgymnasiums. Im kommenden Schuljahr ist daher auch die Untersekunda anerkannt, so dass unsere Schüler die Möglichkeit haben, an unserer Schule die Prüfung für die Obersekundareife abzulegen. Unseren Einrichtungen haben wir in diesem Jahr besondere Pflege zugewandt, denn wenn wir von unseren Schülern gesteigerte Leistungen erwarten, so müssen wir unsere Lehrmittel auf den Normalstand bringen. Hierüber wird weiter unten berichtet. Kurz sei nur hingewiesen auf die Werkräume für Papparbeit, Holzarbeit und Metallarbeit, auf den physikalischen Übungssaal und auf die Ergänzung der biologischen, chemischen und physikalischen Sammlung und auf das neuerdings eröffnete Schülerlesezimmer. Vielfältige Beziehungen verbanden uns mit der Jüdischen Volksschule, mit der wir Hausgemeinschaft halten. Fachkonferenzen führten Lehrer beider Schulen zusammen, und die Schüler die von dort zu uns und von uns dorthin kamen, waren häufig Gegenstand gemeinsamer Aussprache. Auch die Lehrkräfte der technischen Fächer unterrichteten zum Teil an beiden Schulen. Schliesslich hat uns dieses Jahr auch mit unsereren Schwesteranstalten, den acht anderen höheren jüdischen Schulen in Berlin, Frankfurt a. Main, Fürth, Hamburg, Köln und Leipzig in enge Verbindung gebracht. Viermal konnten wir uns auf Direktorenkonferenzen dieser Schulen vertreten lassen, und in der letzten Zeit bahnt sich auch eine gemeinsame Lehrplanarbeit dieser Schulen an. Wir haben für die Fächer Biologie und Zeichnen die Ausarbeitung der Vorschläge übernommen, die unsere Kolleginnen Frau Studienrätin Bluhm und Frau Zeichenlehrerin Hadda den anderen Schulen vorlegen werden. Auch mit der hiesigen Arbeitsgemeinschaft der jüdischen akademischen Lehrkräfte verband uns kollegiale Zusammenarbeit, die sich im kommenden Schuljahr durch die Eingliederung dieser Institution als Schulzweig in die jüdische Volksschule noch enger gestalten wird. Schüler der Arbeitsgemeinschaft nahmen an unserem Turnunterricht teil. Mit den Lehrkräften veranstalteten wir gemeinsam einen jüdischen Geschichtskurs unter Leitung unseres Kollegen Dr. H. Speyer. DIE LEHRER Die veränderten Verhältnisse machten naturgemäss eine Erweiterung des Kollegiums nötig, zumal im Laufe des Schuljahres die Herren Gerhard Neumann, Alfred Hein und Frau Grete Feilehenfeld ausschieden. Das Kollegium besteht z. Zt. aus den folgenden Damen und Herren: Daniel Aaron, Lehramtskandidat, Rose Bluhm, Studienrätin i. R., Amandus Czollack, Studienassessor i. R., Dr. Rudolf Daniel, akademischer Religionslehrer Max Feuchtwanger, Direktor, Betty Foerder, Studienassessorin i. R., Berta Hadda, Zeichenlehrerin, Erika Helft, Studienassessorin i. R., Edith Lewy, Lyzeallehrerin, Dr. Martin Perle, Else Sabel, Lehrerin für Turnen und Nadelarbeit, Alice Schüller, Studienrätin i. R., Dr. Heinrich Speyer, Dozent, Fritz Stein, Studienassessor i. R., Joseph Walk, Lehramtskandidat, Hannah Weingarten, Lehrerin. Während des Sommerhalbjahres hatte Frl. Edith Lewin einige Stunden Turnen an unserer Anstalt übernommen. Zum Ende des Schuljahres scheidet aus dem Kollegium nach neunjähriger segensreicher Tätigkeit für unsere Schule Herr Dr. Heinrich Speyer aus, der eine ehrenvolle Berufung als hauptamtlicher Dozent an das hiesige Jüdisch-theologische Seminar erhalten hat. Auch an dieser Stelle sei ihm für alles gedankt, was er unserer Schule durch seine unterrichtliche und öffentliche Tätigkeit geleistet hat. Leider verlässt uns auch unser verdienstvooler Werklehrer Herr Max Wagschal, der nach Palästina übersiedelt. Wir hoffen bald einen geeigneten Ersatz für ihn zu finden. Ein Wort schmerzlichen Gedenkens schliesst diese Übersicht. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt erlag am 18. Oktober 1933 einem schweren Leiden, das er monatelang standhaft ertragen hatte. Vom 1. April 1926 bis 31. Juli 1929, in einer Zeit, da die Arbeit an der Schule mit Widerständen zu kämpfen hatte, die heute glücklich überwunden sind, hatte er die Leitung der Schule inne, um sie später jüngeren Händen anzuvertrauen. Mit Beginn des Schuljahres hatte er wieder einige hebräische Unterrichtsstunden übernommen und sich, obwohl doppelt so alt wie die meisten seiner Mitarbeiter, in vorbildlicher Kollegialität in die Gemeinschaft der Lehrer eingefügt. Aber schon nach wenigen Wochen wurde er uns entrissen. Er war ein Mann eigenen Stiles, kernig und kantig, abhold aller Selbsttäuschnug, klar und zielsicher im Denken und Wollen und von in sich gekehrter, verhaltener Frömmigkeit. Seine Gestalt wird in unserer Erinnerung wach bleiben. Vor unserer Schulgemeinde hat Herr Rabbiner Dr. Simonsohn am 20. Oktober 1933 einen Nachruf auf ihn gehalten. STATIONERY — BOOKSELLER Josef Freyhan formerly Dr. Wilhelm Freyhan 63431 Tel-Aviv, Ben Jehudastr. 60 empfiehlt: Lehrbücher, Lehrmittel NEUESTE LANDKARTEN IN ALLEN MASSTAEBEN Special-Abteil.: Israel Reiseführer TEL. 280564 12

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