Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-04-01 · No. 35 (April 1974) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 35 (April 1974)
Date
1974-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/7411685-7412391-7493589--0476-7412401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Breslau Am Sonntag, den 27. Januar 1935, fand nach altem Herkommen unseres Seminars in Anwesenheit des Breslauer Rabbinates, des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde und der Vertreter hiesiger jüdischer Organisationen die Gedächtnisfeier für den Stifter der Anstalt, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fraenckel, statt. Der Vorsitzende, Herr Seminarrabbiner Dr. Rabin, erstattet den Bericht über die Tätigkeit des Seminars im abgelaufenen Jahr und verkündete das Ergebnis der Preisarbeiten. Ss war nur eine Bearbeitung des für den Manuel Joel-Preis gestellten Themas: “Der religiöse Gehalt des jüdischen Kultus in seiner Bedeutung für eine systematische Theologie des Judentums” eingegangen. Der Arbeit wurde der halbe Preis zuerkannt. Ihr Verfasser ist Herr cand. theol. Bernhard Wechsberg. Für das Jahr 1935 konnten dank der dem Seminar bereitgestellten Stiftungen 6 Preisaufgaben ausgeschrieben werden. Nach Bekanngabe der vom Dozentenkollegium für die Preisarbeiten gestellten Themen übernahm der Unterzeichnete den Vorsitz. Sein Festvortrag behandelte das Thema: Religion und Philosophie im jüdischen Denken der Gegenwart. (Im Druck erschienen in MGWJ 79. Jahrg. 1935.) Hieran schloss sich die feierliche Entlassung folgender acht Rabbinatskandidaten durch den Herrn Seminarrabiner: Dr. Herbert Finkeischerer, Dr. Alfred Jospe, Max Loewenheim, Aron Ohrenstein, Karl Richter, Ulrich Steuer, Ephraim Urbach und Moses Ziegler. Herr Dr. Finkeischerer richtet hierauf zugleich im Namen seiner Kollegen an die Dozenten und an seine Studiengenossen herzliche Worte des Dankes und des Abschiedes. Die Feier wurde von Gesangsvorträgen des Herrn Kantor Wartenberger umrahmt. Die musikalische Begleitung hatte wie in früheren Jahren Herr Organist Schäffer übernommen. Beiden Herren sprechen wir unseren herzlichen Dank aus. Zu Beginn des Sommersemesters 1935 traten als ordentliche Hörer ein die Herren: Hans Baer aus Breslau, Dr. jur. Alfred Bloch aus Königshütte, Dr. jur. Alfred Fabian aus Breslau, Helmut Gins aus Breslau, Emst Hecht aus Glogau, Meinhardt Lembke aus Bromberg, Hans Schaal aus Breslau und Karlheinz Sober aus Breslau. Zu Beginn des Wintersemesters traten 8 Herren als ausserordentliche Hörer ein, die zur Aufnahme in ein palästinensisches Lehrerseminar vorbereitet werden. (S. Seite 11.) Sämtliche ordentliche und ausserordentliche Hörer besitzen das Reifezeugnis eines Gymnasiums. Zusammen mit den neuaufgenommenen Hörern zählte das Seminar in der 2. Hälfte des Berichtsjahres 32 ordentliche und 9 ausserordentliche Hörer. Von den ersteren sind 2 Hörer zu Studienzwecken beurlaubt. Ausserdem befinden sich 5 ordentliche Hörer in den Abschlussprüfungen. Der Staatsangehörigkeit nach sind von den ordentlichen Hörern 26 Reichsdeutsche, 7 Tschechoslowakei 3 Polen, 1 Staatenloser. Von den ehemaligen Hörern des Seminars ist Herr Rabb. Dr. Steckei zum 2. Rabbiner in Belgrad und Herr Rabb. Karl Richter zum Gemeinderabbiner von Stettin gewählt worden. Von den Hörern, die in oder kurz vor den Abschlussprüfungen stehen sind Herr Dr. Joseph Herbst als Bezirksrabbiner in Oldenburg, Herr Manfred Lubliner als Bezirksrabbiner in Kottbus, Herr Kurt Metzger als Prediger und Lehrer in Landau (Pfalz), Herr Isi Sud als Rabbinatsverweser in Eger C.S.R., Herr Dr. H. M. Saenger als Prediger der jüdischen Gemeinde in Berlin, Herr Wilhelm Teichner als Rabbinatsverweser in Hirschberg berufen worden. Im Gottesdienst der Seminarsynagoge wurde wie alljährlich der heimgegangenen Dozenten gedacht. Anlässlich des 60. Todestages des verewigten Direktors Dr. Zacharias Frankel und des 800. Geburtstages von Moses ben Maimon fand eine Gedächtnisfeier statt, bei der Herr Seminarrabbiner Dr. Rabin den Vortrag über das Thema hielt: Die religionsgesetzliche und geistesgeschichtliche Bedeutung des Lebenswerkes des Maimonides. Im Laufe des verflossenen Jahres konnte das Dozentenkollegium folgenden Korporationen und Gelehrten Glückwünsche aussprechen: Dem Maimonides-Komitee in Cordoba, das zur Teilnahme an den Festlichkeiten eingeladen hatte, zum 800. Geburtstag des Maimonides, dem Dozentenkollegium und Kuratorium der Hebräischen Universität in Jerusalem zum 10 jährigen Bestehen der Universität, Herrn Seminardirektor Dr. Felix Lazarus in Kassel und Herrn Religionslehrer Max Schönfeld in Breslau zum 70. Geburtstag, Herr Rabbiner Dr. Grzymisch in Bruchsal und Herrn Rabbiner Dr. Grünthal in Berlin zum 60. Gebutstag, Herrn Rabbiner Dr. Kahlberg in Halle und Herrn Rabbiner Dr. Steckelmacher in Dürkheim zum 25jährigen Amtsjubiläum. Wir hatten die Freude, Frau Dr. Ida Heinemann, der Mutter unseres verehrten Kollegen, zum 80. Geburtstage, Herrn R.-A. Dr. Alfred Klee, dem Vertreter des Preussischen Landesverbandes im Kuratorium, und Herrn Felix Perle, dem Freunde unserer Anstalt, zum 60. Geburtstage unsere herzlichsten Glückwünsche aussprechen zu können. Zu unserem grossen Schmerze hatten wir den Heimgang der aus unserem Seminar hervorgegangenen Rabbiner Dr. Einstein in Landau (Pfalz), Rabbiner Dr. Philipp de Haas in Oldenburg, Rabbiner Dr. Silberstein in Rostock und des Oberrabbiners Dr. B. L. Ritter in Rotterdam zu beklagen. Anlässlich des Todes des unserer Anstalt treu ergebenen Freundes, Herrn Wilhelm Kober, sprachen wir den Angehörigen unser herzliches Beileid aus. Am Ausgang des Versöhnungstages erhielten wir die uns tief erschütternde Nachricht vom Tode unseres lieben Kollegen, Herrn Dozenten Dr. Hein rieh Speyer, der in seiner Heimatstadt Frankfurt a.M. einer tückischen Krankheit im Alter von 38 Jahren erlegen war. Im Herbst 1933 erst war er in unseren Arbeitskreis getreten u. war bereits in der kurzen Zeit des gemeinsamen Wirkens uns ein lieber, hochgeschätzter Mitarbeiter und Freund, unseren Hörern durch die grosse Weite seiner Kenntnisse und durch den Einsatz seiner Persönlichkeit ein verehrter Lehrer und Führer geworden. Der Unterzeichnete und Herr Dr. med. Friedeberg nahmen als Vrtreter des Dozentenkollegiums und des Kuratoriums an der Beisetzung in Frankfurt a.M. teil. Der Vorstand der Synagogengemeinde Breslau, dem Dr. Speyer angehört hatte, und das Kuratorium des Seminars veranstalteten eine Trauerfeier, in der neben den Vertretern der Synagogengemeinde und verschiedener jüdischer Korporationen der Unterzeichnete dem Schmerze des Seminars und Herr cand. theol. B. Wechsberg der Trauer der Hörerschaft Ausdruck gaben. Vor Beginn des Wintersemesters entschloss sich unser verehrter Kollege, Herr Seminarrabbiner Dr. Rabin nach Palästina überzusiedeln. Wir SIEGFRIED SCHMUEL JAECKEL ZUM 90. Wir haben heute die besondere Freude, unserem hochverehrten Siegfried Jäckel zu seinem 90. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. War er doch in Oberhausen/Rheinland, Jahrzehnte Prediger und Lehrer im Staatsdienst und hat Generationen von Schülern ausgebildet, die heute noch an ihm hängen. Sein Lehrsystem galt für die damalige Zeit als besonders fortschrittlich, sodass die Volksschüler der jüdischen Schule beim Einschulen in das Gymnasium immer die Besten waren. Seine ausserordentliche Menschenliebe, seine Bescheidenheit und sein Leben für die Allgemeinheit sind sprichwörtlich. So ist er vor einigen Jahren vom Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet worden. Hier in Israel hat er jede Arbeit angenommen .niemals geklagt trotz schwerster Einordnungsschwierigkeiten und seine Arbeit mit Fleiss, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit erfüllt. Trotz seines labilen Körperzustandes verfügt er auch heute noch über ein ausserordentlich gutes Gedächtnis, Tenach, Klassiker und allgemeines Schriftum sind ihm geläufig. Er lebt mit seiner' Schwester, die älter ist als er zusammen und wird von seiner Nichte betreut. Die Familie hält vorbildlich zusammen. Wir wünschen ihm viele gesunde Lebensjahre und fühlen uns mit ihm eng verbunden. Ad Mea Weesrim! E. L. ZUR BEACHTUNG: Herr Rektor Hermann Gramatte, Augsburg, (West Germany) hat im Alter von 89 Jahren eine Autobus-Reise von Augsburg nach Breslan, Schlesien und Oberschlesien gemacht und legt im Schlesierbriefe seine hochinteressanten Eindrücke fest. Wir haben uns gefreut von Herrn Rektor Gramatte diesen Bericht erhalten zu haben und danken ihm von dieser Stelle aus herzlichst. Direktor Hermann Gramatte war jahrelang Leiter der Breslauer Gaudig-Schule und grüsst auf diesem Wege seine früheren Schüler und Schülerinnen in Israel und in der ganzen Welt. Direktor Gramatte war vor einigen Jahren auch in Israel und in ständiger Korrespondenz mit unserem unvergesslichen Gründer und Ersten Vorsitzenden Dr. Wilhelm Seew Freyhan, s.A. Wir wünschen Herr G. weiter körperliche und geistige Frische. bedauern sein Ausscheiden aus unserem Kollegium, dem er fast 15 Jahre, zunächst als Dozent für Bibel- und Geschichtswissenschaft, sodann als Nachfolger von Herrn Prof. Michael Guttmann als Seminarrabbiner angehört hatte, aufs tiefste. Wir danken ihm auch von dieser Stelle herzlich für seine hingebungsvolle Lehrtätigkeit auf so umfassenden Gebieten und für seine Leitung unserer Seminarbibliothek. Dank der opferbereiten Treue unserer ehemaligen Hörer gelang es uns, zu Beginn des Wintersemesters die Vorlesungen gleichwohl in vollem Umfang aufzunehmen. Die Vorlesungen des Seminarrabbiners übernahmen Herr Rabbiner Dr. Ochs aus Gleiwitz und Herr Bezirksrabbiner Dr. Wahrmann aus Oels, die Vorlesungen des Herrn Dr. Speyer s. A. und die Leitung der Seminar-Bibliothek Herr Dr. Urbach. Dr. Lewkowitz 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.