Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 35 (April 1974)
- Date
- 1974-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7411685-7412391-7493589--0474-7412399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(Fortsetzung von Seite 7) eigenen Zauber. Jeder lacht, selbst der Ernsteste unter ihnen Nach Tisch, so man nicht ein Schläfchen vorzieht, sitzt man in der Bar, die mit den Juden freilich herzlich schlechte Geschäfte macht: ein Glas Bier, eine Limonade — die Hitze wird täglich grösser. Mit unverhohlener Bewunderung blicken dagegen die Juden auf einen Tisch, an dem fünf Engländer von früh morgen bis spät abend mit unentwegter Hingabe zechen und einen Whisky nach d. anderen hinter die Binde schütten. Der Freitag Abend lässt seine Schatten herniedersenken, im kleinen Bethaus erklingen die uralten Gesänge. Schabbathstimmung herrscht an Bord, die noch trauter wird, als im Speisesaal, wo der traditionelle Fisch als erster Gang gereicht wird, an verschiedenen Tischen im Chorgesang die Semirot steigen. Als Schabbathgeschenk tauchen gedruckte Einladungen zum Bordfest “Oneg Mozae Schabbath” auf. Und richtig am Schabbathausgang erscheint das Kinodeck im neuen Gewände: bewimpelt und durch bunte Lampionen erhellt. Rings herum sitzt ein verehrungswürdiges Publikum und dem mit Planen überzogenen Podium gegenüber nehmen die Fahrgäste erster Klasse samt den Offizieren Platz. Nach der Eröffnung ln ivrith folgen in bunter Reihe Lieder und Vorträge, durch einige Kurzreden gewürzt. In der grossen Pause hebt die praktische Arbeit für den Aufbau an: für den Keren Kayemeth wird gesammelt. Sechzehn Pfund Sterling in acht verschiedenen Währungen ist das Ergebnis. Am nächsten Tag werden die Fahrgäste von einer seltsamen Krankheit gepackt. Sie werden vom Erez Jisrael-Fieber geschüttelt. Es ist, weiss Gott, kein Wunder, rückt doch das Ziel in greifbare Nähe. In den vier Tagen der Reise entstand eine Art jüdischen Gemeinwesens, das dem ganzen Leben an Bord seinen Stempel aufdrückt. Schon seit Mittag fahren wir längs der felsigen Küste von Zypern. In dem einst heissen Streite um den Besitz dieses Eilands spielten jüdische Menschen zweimal eine entscheidende Rolle. 1571 veranlasst Don Josef Nassi Sultan Selim II. d. Insel den Venezianern zu entreissen und vier Jahrhunderte später brachte sie Disraeli an England. In Larnaca, einem armseligen Städtchen, legt unser Schiff an. Der Ausflug lohnt kaum, die meisten Ausflügler kehren enttäuscht an Bord zurück. Nun dämmert der letzte Tag heran. Noch funkelt der Morgenstern, da sind schon alle Mann an Bord. Die Barrikaden verrammeln den Weg in den Korridoren, alles harrt d. kommenden Dinge mit einem ein klein wenig Angst im Herzen ob der Strenge der Einwanderungskommission. Dann taucht das Land am Horizont auf, ein Land, von dem wir immer geträumt haben. Alles verstummt für einige Minuten, dann ertönt ein furchtbares Kriegsgeschrei, wild fuchtelnde und brüllende Araber fahren in Booten ans Schiff heran, als gälte es, die "Gerusalemme” zu stürmen. Bald erscheint auch die Kommission an Bord, die die Passagiere auf Herz und Nieren zu prüfen scheint, aber zum Schluss doch allen die Pforten des Landes erschliesst, man steigt ins Boot, sieht mit Beklemmung zu, wie die Araber mit den Koffern jonglieren und schon nähert man sich dem Kai von Jaffa. Die an Bord Gebliebenen haben noch eine Vierstündige Fahrt vor sich. Nachher harrt noch ihrer dieselbe Prozedur, nur die Ausbootung bleibt ihnen erspart, sintemalen man in Haifa über die Schiffsstiege glatt an Land geht. Hier grüsst einen der Berg Karmel, der die weite Bucht beherrscht, ein unvergleichlicher Anblick. Nun verlassen die letzten Fahrgäste das Schiff. Wir sind in Erez Jisrael. Die Entstehung des jüdischen Museums Von Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz. Wie soll man unseren Kindern, wie Aussenstehenden alte Kulte, alte Gebräuche unserer Religion glaubhaft machen, wie kann man sie ihnen nahe bringen? Es ist kein Zufall, dass in unserem auf das Auge eingestellten Zeitalter allerorten der Wunsch rege wird, jüdische Altertümer zu sammeln und auszustellen, um so die erwachende Renaissance des Judentums auch nach dieser Seite hin auszubauen und auszudehnen. Als im Oktober 1927 die Soziale Gruppe für erwerbstätige jüdische Frauen und Mädchen in Breslau, wohl aus anderen Beweggründen, erstmalig in ihrer Ausstellung: Die jüdische Frau — Das jüdische Haus — einen Begriff vermittelte von den auch im Osten vorhandenen jüdischen Kult- und Kunstgegenständen, da war der Beifall so nachhaltig, dass im Vorstande der Breslauer Synagogen-Gemeinde erwogen werden konnte, inwieweit die Zeit heute günstig wäre, aus dieser einmaligen Veranstaltung eine bleibende Einrichtung für unsere Grossgemeinde zu schaffen. Unsere Lage im Osten schien besonders günstig, diesen Plan in die Tat umzusetzen, weil aus den abgetretenen Gebieten besonders reichliches Material zum Vorschein kommen musste, das sonst unrettbar verloren sein würde. In klarer Erkenntnis der Grösse und Vielseitigkeit der Aufgaben, die ein jüdisches Museum in unserer Zeit zu erfüllen hat, wollte der Vorstand der Synagogen-Gemeinde den Plan nur dann durchführen, wenn sich Freunde fänden, die Lust, Zeit und Liebe opfern würden, um im Osten ein Wahrzeichen jüdischer Kunst aufzurichten. So winde zur Vorbereitung und Absteckung des Aufgabengebietes ein Ausschuss eingesetzt, der in eifrigen Beratungen die Vorarbeiten zur Gründung des Jüdischen Museums-Vereins erledigte. Es kam nicht darauf an, einen neuen Verein zu schaffen, viemehr musste diese juristische Form gewählt werden, um die Freunde und Förderer dieser Idee am wirkungsvollsten zusammenzufassen. Die Versammlung vom 29. März 1928 wählte den in Teil 4 genannten Vorstand, der sich in der Zwischenzeit bemüht hat, den Kreis seiner Freunde zu vergrössern, um so möglichst allen in Frage kommenden Persönlichkeiten in Stadt und Provinz seine Ideen nahe zu bringen. Dass ein jüdisches Museum nicht nur eine Angelegenheit unserer Glaubensgemeinschaft, sondern gleichzeitig eine Bereicherung der Allgemeinheit sein würde, erkannten massgebende Kunstkreise unserer Stadt. Insbesondere ist es Herrn Professor Hintze, dem Leiter des Breslauer Schlossmuseums, zu danken, dass er in Erkennung der grossen und vielseitigen Aufgaben sich dafür einsetzte, dass im Schlossmuseum unsere Museumsabteilung ihr Heim aufschlagen darf. So können wir hoffen, dass wir mit der Eröffnung des Museums eine neue Stätte schaffen die unserer Stadt und Provinz, sowie unserer Gemeinde zur Zierde gereichen wird. Werden aber auch, so wird der Zweifler fragen, genügend Kunstgegenstände vorhanden sein, die eine Sammeltätigkeit rechtfertigen? Trotzdem heute naturgemäss noch kein überblick über die Gesamtschätze vorliegt, so bürgt die Geschichte Schlesiens und der abgetretenen Gebiete bereits für die Ergiebigkeit der Sammeltätigkeit. Man vergesse doch nicht, dass Ostdeuschland und insbesondere Schlesien durch das Zusammenstossen Wiener u. italienischer Kunst reiche Aufschlüsse vermittelt, d. anderen Landesteilen, welche weniger stark als Völkerbrücke in Frage kommen, fehlen müssen. Täglich stürmen auf die leitenden Persönlichkeiten des Vereins neue Anregungen ein, die neue Blickrichtung, neue Zusammenschlüsse ergeben. Eine Aufbauarbeit für ein Museum muss sich naturgemäss im Verborgenen abspielen. Hier, wo Kulturarbeit auf lange Sicht getrieben wird, kann nicht nach kurzen Wochen und Monaten von Erfolgen berichtet werden, das würde die Einstellung zur Gesamtarbeit gefährden. Je grösser der Kreis der Freunde und Förderer ist, desto schneller wird auch in immer weitere Kreise die Befruchtung dringen, die eine derartige Pflegestätte für Wissenschaft und Kunst bedeutet. Dass über dem Sammeln der Vergangenheit der lebende Künstler im Osten nicht vernachlässigt werden wird, bedarf wohl keiner Erwähnung. Wo sind die Frauen und Männer, in Stadt und Provinz, die bereit sind, dem Verein Jüdisches Museum E. V. die Mittel zur Verfügung zu stellen, die er zur Verwirklichung seiner Ziele und Aufgaben benötigt!? HUGO HARTUNG: DEUTSCHLAND DEINE SCHLESIER (jetzt: Pocket bei Rowohlt, 1973) Motto: Vergangenheit und Erinnerungen H haben eine unendliche Kraft Humboldt Ganz bestimmt nicht nur für einstige “Einheimische” ist obiges Büchlein geschrieben. Diese interessante Kulturgeschichte und Topographie von Breslau und Schlesien gibt fabelhafte Informationen über derartige Ereignisse, kulturhistorische und künstlerische Angelegenheiten. Der Verfasser zeigt auch Begebnisse heiterer Art, die sich in Breslau und den “umliegenden Ortschaften” abgespielt haben. Er gibt farbige Beschreibungen von vielen Persönlichkeiten. Er zeigt Typen und unruhige, aber auch beherrschte Geister aus dieser Gegend. Man liest von der Sorma, Käte Kruse, Ruth Hoffmann, Pölzig und vielen anderen. Das meiste ist beschwingt und witzig geschildert. Mit besonderer Liebe sind jüdische Gestalten erwähnt und gezeichnet, die damals geholfen haben, aus Breslau eine bedeutende Metropole zu machen. So nennt der Verfasser als bemerkenswert u.a. Lassalle, Neisser, Bergius, Stern, Pinkus, Ernst Scheyer, Spiro, Barnay, Dr. Löwe, Arnold Zweig, Kerr und wie gesagt viele andere. Diese Männer haben es dem Verfasser vor allem durch ihre Leistungen für die Künste und Wissenschaften angetan. Wir alle sollten uns an dieser Rückblende, die ungewöhnlich reizvoll ausgestrahlt wird, so recht erfreuen. Denn der Verfasser ist jener Hugo Hartung, einst Dramaturg in Breslau, dessen Film “Ich denke oft an Piroschka” Sie sicher gesehen haben. Und er zeigt unsere Geburtsstadt und ihre Menschen ebenso vergnügt wie die Piroschka und so plastisch als wäre er einer von unsere Leut”. Ja, und wie se ei “Gruss Brassei” sprecha täta, das liest man auch z. B. “bis ock stille, Madla, un noatsch nich, sei so gutt, du aale Gaake” Jujuneenee. Un nu sei nich ticksch un mach ock keene Sperenzel nich un liss jetze glei die schiene Schwaarte vuin Hartung, da taedste aber lacha. Nich bluus a wing. Gleebt mersch, ihr Leute! Julius Sachs 8