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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1974-04-01 · No. 35 (April 1974) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1974
Issue
No. 35 (April 1974)
Date
1974-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Zum Sederabend 1974 M&Stt&SS«SftW EINE HISTORISCHE BETRACHTUNG. Im Frühling, wenn die jungen Katzen mauen. Und alle Leute fröhlich Mazzen kauen, Da feiern wir das Fest des Auszugs aus Ägypten; Ob wohl die Juden auch schon damals Mazzeknödel in die Suppe stippten? Es will die Frage mir nicht aus dem Sinn. In Pharaonengräber Tiefen, Auf Tonscherben und Hieroglyphen Weist nichts drauf hin; Und ich zerbreche mir den Schädel: Wo war der Ursprung wohl der Mazzeknödel? Denn vor dem Auszug aus der Knechtschaft Platze Kannt man kein ungesäuert Brot, mit Namen Mazze, Und folglich gab’s auch keine Mazzeknödel, Nur Pyramiden, Sphinxe, Palmenwedel. Dann bei der Juden Wanderung durch die Wüste, Als Hungersnot das Dasein stark vermieste, Gab’s Mazzeknödel? Nein, nicht dass ich wüsste. Doch Wachteln schickt der Herr und Manna.- Denn wenn er Wunder wirken will das kanna- Begeistert rief da alles Volk: “Hosianna!” Wie aber hätten sie gebenscht und ihn gesegnet, Wenn es vom Himmel Mazzeknödel hätt’ geregnet. Auch schliesslich im Gelobten Land War noch von Mazzeknödeln nichts bekannt. Die Kundschafter berichten von Trauben, Milch und Honig- Von Mazzeknödeln hörte keinen Ton ich, Und auch die Bibel nirgendwo erwähnt, Was uns das Pessachfest verschönt. Selbst die Haggada nicht; die Weisen von Bne Brak, Die “klärten” bis zum nächsten Tag, Sie fanden keine Antwort auf die Frage’. Könnt auch mein Forschergeist den Ursprung nicht entdecken- Auf jeden Fall, wir lassen sie uns schmecken. ’S bleibt ein Mysterium, wie, wo, wann’s geschah, Jedoch auf einmal war’s sie da; Und meine Ur-Ur- Urgrossmutter hat schon, eh’ sie sterbt, Auf ihre Tochter das Rezept vererbt.- Gar heftig sich befehden die Adepten Von den verschiedenen Rezepten. Die einen schworen auf eingeweichte, abgebrannte Mazze, Damit man dann genüsslich schmatze. Ne andre Hausfrau nimmt nur Mazzemehl Mit Gänsefett; Und hatt’se Das nicht, dann geht es auch mit Oel. natürlich nimmt man ein paar Eier. Für Mazzeklöschen ist uns nichts zu teuer. (In mancher Gegend nennt man Mazzeknödel Klösschen.) Und ferner nimmt man Zucker, Salz und Pfeffer, Doch in kleinen Döschen Auch Ingwer oder bittre Mandeln Die Mazzeklösschen nicht verschandeln. Man lässt es stehen eine Stunde, Und dann zergehen sie im Munde. Drauf wird die Masse mit Geduld Zu kleinen Kugeln ausgekullt: Und schliesslich dann, nach soviel Mühe, Die Mazzeknödel schwimmen lieblich duftend in der Brühe.- Ach ja, es plagt die Hausfrau sich zu Pessach spät und frühe. Von Müdigkeit schier übermannt, Hat sie dann einen holden Traum, Sie träumt von dem Schlaraffenland, Dort wächst ein Mazzeknödelbaum. Es hängen, dran in Trauben und in Dolden, Die Mazzeknödel, diese Holden! Sie sagt nur: “Bäumchen, rüttel Dich, und schüttel Dich, Wirf Mazzeklösschen über mich!” Und Brunnen rinnen spät und frühe, Und spenden kräft’ge Hühnerbrühe. — Doch ach, dies bleibt ein Wunschtraum, Fürcht’ ich, selbst in künft’gen Tagen, Be Schana Haba, gehört’s ins Reich der Sagen. Jedoch, die Hausfrau tut sich nicht beklagen. Sie ist belohnt, wenn sie beim Pessachmahle Mit der Familie und dem Baale Und vielen Gästen sitzt am schön gedeckten Tische Und alle loben ihre Mazzeknödel, ihre Fische, Und ihren guten, saftgen Braten, Der ihr, wie immer, wohlgeraten. Von Herzen sagen wir: Toda raba! — Ach wäre uns doch, “Be schana haba In Jeruschalajim und in ganz Israel beschieden, Zu essen unsere Mazzeknödel In Frieden! Tel Aviv Jenny Breslauer Jüdisches Leben in Aus allen Teilen der Welt erhielten wir Photokopien über obiges Thema, das in der “New York Times” von Henry Kamm am 7. Dezember 1973 erschienen ist. Derselbe Artikel ist in verschiedenen Variationen in allen Teilen der Welt, auch in Israel, in der deutschsprachigen Presse, erschienen. Wir danken unseren Lesern in aller Welt für die Zusendung der Photokopien, ein Zeichen des Interesses unserer Leser. Wir beschränken uns heute darauf leider festzustellen, dass die Jüd. Gemeinde, Breslau, heute nur noch ca 1000 Seelen aufweisst. G’ttdienste finden in der völlig vernachlässigten “Storch-Synagoge” statt. Das Rabbiner Seminar in der Wallstr. dient heute als Kindergarten für die Kinder der polnischen Polizei. Die Religionsschule am Anger, zuletzt Hauptquartier der Gestapo, ist heute ein Militär-Klubhaus. Von einer Jüd. Gemeinde in unserem Sinne ist leider keine Rede mehr. Der Unterzeichnete war mit seiner Frau vor 10 Jahren in Breslau. Damals waren noch ca. 4000 Juden wohnhaft. Er betete in der Storch- Synagoge vor, wo am Schabbat 40 Beter anwesend waren. Davon ist heute leider keine Rede mehr. Es ist sehr bedauernswert, dass das Friedhofsbuch, ausserordentlich peinlich geschrieben, datiert von 1926 bis 1942, der Deportierung des Beamten, der dies führte, nicht in unsere Hände Melodien die Freude bereifen KLASSISCHE UND MODERNSTE SCHALLPLATTEN in grosser Auswahl warten auf Sie RADIO - UNION H. W. ROBERT (früher Breslau) Tel-Aviv, Dizengoff Str. 116, Tel. 248526 Die Tagebücher des Walter Tausfc Polnisches Buch über Breslauer Judentum “Die Pest in der Stadt Breslau” — unter diesem Titel hat der Warschauer Verlag “Buch und Wissen” jetzt einen Teil der Tagebücher des jüdischen Schriftstellers und Handelsvertreters Walter Tausk (1890 bis 1941) herausgegeben. In einem Vorwort wird darauf hingewiesen, dass das Buch, das die Jahre 1925 bis 1940 umfasst, Zeugnis der Leiden und Verfolgung sein soll, von denen vor allen Dingen die jüdische Bevölkerung betroffen war. Die Tagebücher des Juden und Deutschen Patrioten Tausk geben einen genauen Einblick in das Leben des Breslauer Judentums der zwanziger und dreissiger Jahre und ihrer engen Beziehungen zum Judentum der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Tausk selber, war mit dem Berliner Bankdirektor Moritz Friedländer verwandt. Er war Mitarbeiter zahlreicher Berliner Verlage und gehörte zu den heftigsten Kritikern von Erich Maria Remarque. In Breslau hat er vor allen Dingen in buddhistischen Zirkeln eine Rolle gespielt. Am 25. November 1941 wurde Tausk mit dem ersten Transport Breslauer Juden ins Ghetto Kowno (Litauen) gebracht, das bald darauf liquidiert wurde. Die Tagebücher von Walter Tausk, die von der Gestapo beschlagnahmt worden waren, sind 1949 gefunden und in der Breslauer Universitätsbibliothek archiviert worden. Wroclaw (Breslau) gelangen kann. Das Buch weisst alle Namen der Verstorbenen mit Todesdatum, Beerdigungstag, sogar Anordnung der Klasse des Begräbnisses, auf und wäre für die Nachwelt ein wichtiges Dokument. Der Unterzeichnete sass stundenlang im Gemeindebüro, Wallstr. 5 und zog Namen heraus, deren Gräber er zu 80% fand. Leider gibt die jüd. Gemeinde in Breslau auf Anfragen keine Auskunft. Vielleicht wäre es möglich, dass einer unserer Miglieder aus der Welt, der nach Breslau kommt, eine Photo-Kopy des so hoch interessanten Buches macht, damit dieses wichtige Dokument nicht verloren geht. Wir ehemaligen Breslauer wären für diese Arbeit sehr dankbar. Erich Elieser Lewin, Ramat Gan, Mazadastr. 27, Israel. Schalom means Peace! Schalom in Israel heisst Frieden. Von Herzen wünschen sie’s dort dir und mir! Ruhe und Frieden herrsch’ da für und für! Wann ist ihnen Frieden in Ehren beschieden!? Menschen, entrissen aus ihrem Sein, Wanderten von Landen zu Landen, Eh’ sie das Land ihrer Vorväter fanden, Land von Steppe, von Sand vnd Gestein. In schwerster Arbeit fanden sie Frieden, Machten aus Steppe fruchtbares Land, Pflanzten Bäume und Früchte im Sand. Schalom Uwracha, steter Frieden sei Euch beschieden!! DR. ARTHUR LOWENSTAM 6

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