Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 35 (April 1974)
- Date
- 1974-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von Gustel und dem Omnibus (Ans einem unveröffentlichten Manuskript: “Der Sang von der Strasse”) Wie gesagt: es hat stets eine “Kaiserin Friedrich”, aber nie eine “Kaiserin Wilhelm” gegeben. Die Gattin des ersten Wilhelm nannte man bei ihrem Namen: Kaiserin Augusta oder die alte Kaiserin; die des zweiten Wilhelm aber war kurz die Kaiserin oder — die Kirchengustel. Sie war in ihrer frommen Gier, Kirchen zu bauen so eifrig, dass man einem Manne mit einer Glatze, der den Hut abnahm, bat, sich schnell zubedecken, sonst würde die Kaiserin eine Kirche auf seiner Glatze erstellen. Ein fiktiver Dialog des Kaiserpaares lautete so, dass er sie “Kirchengustel” nannte, sie aber ihm antwortete: “ach, denk’ mal, Wilhelm”. Übrigens war der Name Augusta und zwar in der volkstümlichen Form von Auguste oder Gustel ungemein populär, und wenn der Gast die Speisen loben wollte, so sagte er einfach: das hat Ihre Auguste vorzüglich zubereitet, und jeder wusste, dass er die Köchin meinte. Mit der Augustastrasse liegt es umgekehrt wie mit der Viktoriastrasse: die Ostseite ist überaus unansehnlich, schlauchartig und freudlos, die Westseite ist breit, modern und hell. Vor allem sind die Zugänge ganz verschieden: nach Osten zu geht es wie in einen Kanal hinein, im Westen ist eine Art freier Platz gebildet mit abgeschrägten Eckhäusern. Gleichzeitig geht es gradeaus in die breite Augustastrasse, links aber in die mindestens ebenso breite Charlottenstrasse hinein. An diese Stelle setzte man am Ende eine Art Landzunge auf hohem Sockel das Standbild Moltkes. ein hübsches, einfaches Denkmal, das an dieser offenen, hellen Stelle sehr wirkungsvoll war. Gegenüber errichtete man als schmückendes Gegenstück eine Steinbank. Von beiden Seiten der Augustastrasse sind kleine Dinge zu berichten, die zwar die Welt nicht erschütterten, aber in unserer Jugendzeit eine gewisse Rolle gespielt haben. Im Westen nämlich, also in dem schönen Teil, gab es auf der Nordseite ein hübsches Wohnhaus, dem man es nicht ansah, dass sich in seinem Hofe höchst Verrufenes begab. Durchschritt man nämlich die Durchfahrt neben der eigentlichen Eingangstür und gelangte unter dem Vorderhaus hindurch in das kleine Höfchen, so öffneten sich rechts im Seitenhaus zwei kleine Räume, die Stätte des Lasters, die Höhle der Sündemit den Augen eines sehr jungen Gymnasiasten gesehen. Das nämlich war das berühmte und berüchtigte Lokal von Giovanni Giacin, dem italienischen Eisfabrikanten, den man deutsch, also Giaein, aussprechen und der auf der Liste der für Schüler verbotenen Lokale obenan stand. Gott weiss, warum. Der Mann verstand sein Handwerk und machte herrliches Speiseeis in verschiedenen Qualitäten, dazu billig und in grossen Portionen. Das war alles. Was konnte in den kleinen, nach dem Hofe zu mit grossen Fenstern versehenen zwei Stuben, die wenig Menschen fassten, schon vor sich gehen: “Ein Küsschen in Ehren...” meinetwegen; denn auch die Backfische trugen ihre Spargroschen dorthin. Aber der Besuch war streng verboten, und ich kam mir sehr ausschweifend vor, wenn ich dorthin schlich, und mit einem Freunde — übrigens völlig einsameine Portion Eis ass. Wenn die Westseite der Augustastrasse durch die Firma Giacin nur für den kleinen Kreis der Jugend von Breslau-Süd bedeutsam war, — das was sich eine kurze Zeit lang auf der Ostseite abspielte, bewirkte eine Veränderung des gesamten Stadtbüdes, die “Strasse” hinauf bis zum Ringe. Und das kam so: “s war einer, dem’s zu Herzen ging...”, dass die gesamte Bevölkerung der Neudorfstrasse, Lohestrasse und darüber hinaus zur “Strasse” und bis zum Ringe hin ohne jede öffentliche Fahrverbindung war; denn die “Elektrische” gab es zu dieser Zeit noch nicht, um wieviel weniger die “Rote”, die durch die Viktoriastrasse zur Lohestrasse fuhr. Die “alte Elektrische” aber hatte mit der Schweidnitzer Vorstadt garnichts zu tun, und kurz: es war tatsächlich so, dass die Anwohner der östlich der “Strasse” gelegenen Stadtteile in der Hauptsache auf ihre Beine angewiesen waren. So kam es zur Gründung der ersten Omnibuslinie der Stadt Breslau. “Omnibus” ist ein lateinisches Wort, die Dativform von omnes, alle. Ein Omnibus ist also ein Gefährt, das für alle” bestimmt ist, und Omnibusse gab es in allen grossen Städten Europas. Es war eine rechte Schande, dass in der Haupt- und Residenzstadt Breslau noch keine vorhanden waren. Diesem Übel wurde nun abgeholfen, und die hohen, ziemlich ungeschickten Gefährte trotteten vom Ringe Ecke Blücherplatz über die “Strasse” in die östliche Augustastrasse hinein. Vor der Lohestrasse war die Endstation. Es ist eine Tatsache, dass sich die Pferdeomnibusse in Breslau nie grosser Popularität erfeut haben. Die Pferdebahn war natürlich über die Konkurrenz auf der “Strasse” erbittert, ohne aber die Gegend der Lohestrasse mit einer Querverbindung zu bedienen. Die Omnibusse waren halb so billig wie die Pferdebahn, kosteten also nur einen Sechser statt eines Groschen, aber sie waren weder bequem noch angenehm. Benutzt wurden sie und waren auch meistens besetzt, was kein Wunder war, denn das Räumchen war ausserordentlich klein und gedrängt. Der hochgelegene Kutscherbock war von oben her in den Raum hineingebaut, und immer herrschte innen — mit Permission zu sagen-ein Gestank, wie im Pferdestall, was in der doch viel stärker frequentierten Pferdebahn notorisch nicht der Fall war. Hinten war ein kleiner, offener Perron, von dem aus es auf breiter Stufe direkt nach hinten, nicht nach der Seite zu, hinunterging. Das Aufspringen war kein Problem: man lief ein paar Schritte mit, packte an und stieg einfach hinauf. Aber das Abspringen war gefährlich: es musste von rückwärts sein, sonst fiel man auf die Nase, da es im Fahren geschah. Das aber forderten die Tierfreunde dringend zur Schonung der Pferde. Das hölzerne Fuhrwerk war sehr schwer, namentlich wenn es mit Menschen gefüllt war; das eine Pferd — nur an wenigen, etwas grösseren Wagen zogen zwei — konnte den Omnibus vom Stehen kaum ins Fahren bekommen. Gummiräder waren noch unbekannt, nur an vereinzelten Equipagen gab es welche. Die Pferdebahn schliesslich war kein Vergleich; denn da rollten die Wagen auf Schienen, die ständig geölt wurden, und der Wagen fuhr nicht, sondern er glitt sozusagen von selbst. Der Fahrer musste beim Anhalten fest die grosse Kurbel anziehen, damit der Wagen nicht von hinten in das Pferd hineinfuhr. Man sollte also von dem Kondukteur des Omnibus- Kästchens nicht verlangen, dass er das Haltezeichen gab; denn bstimmte Haltestellen gab es nur am Anfang und am Ende der Strecke. Man sollte im Fahren abspringen und nicht hinfallen. Junge und ältere Menschen haben es nie BITTE AN UNSERE LESER Wir benötigen dringend für eine Reihe von auswärtigen Bibliotheken die ersten 20 Nummern unserer Zeitung und bitten, diese an die Adresse von E. Lewin, Ramat-Gan, Mazadah Str. 27, per Drucksache zuzusenden. Unkosten wie Porto werden vergütet. Wir danken unseren Lesern im Voraus für die Erfüllung unserer Bitte. gelernt, und auch deshalb war die Pferdebahn beliebter. Die alten Omnibusse sind dann nach Schaffung der “Elektrischen” eingegangen und sang- und klanglos aus dem Stadtbild wieder verschwunden. Omnibusse gab es erst zwanzig Jahre später wieder, als nach dem ersten Weltkriege die riesigen, weissen Autobusse eingesetzt wurden. Die aber überquerten die “Strasse” nicht auf der Augustasondern auf der Goethestrasse. — Der Osten der Schweidnitzer Vorstadt erhielt eine Verbindung durch die rote Städtische Elektrische, die von der Höfchenstrasse über die Viktoriastrasse nach der Lohestrasse fuhr, wo ein grosses Depot installiert wurde. Walter B. Goldstein C E N T R A DACHVERBAND MITTELEUROPÄISCHER LANDSMANNSCHAFTEN IN ISRAEL Im Laufe des Winters hat die Centra eine rege Tätigkeit entwickelt. Ausser den 2 Mal im Monat stattfindenden Arbeitssitzungen, an denen Vertreter aller Landsmannschaften teilnehmen, die in ernster Arbeit Planung, Richtung und Arbeitsweise festlegen, werden Grossveranstaltungen abgehalten, aber den einzelnen Landsmannschaften Gelegenheit gegeben, ln ihrem Rahmen weiter zu wirken. Wir Breslauer sind mit 3 Vertretern im Vorstand der Centra und haben in angenehmer Atmosphäre, ein wichtiges Wort mitzureden. Bei der freiwilligen Kriegsanleihe haben sich die Landsmannschaften je nach Stärke beteiligt, die Summen liegen von 1000.— IL bis 120.000 IL pro Landsmannschaft. Die Centra unterhält eine Touristikabteilung, die hunderte von Exemplaren zur Werbung “Reisen nach Israel” versandt hat und dadurch sogar gleich nach dem Waffenstillstand eine Gruppe aus Kassel ins Land kam. Es fanden Grossveranstaltungen statt, an denen 600 bis 700 Personen teilnahmen, so ein Podiumsgespräch in Tel-Aviv, unter Leitung von Fritz Levinson (ehemalige Berliner), Teilnehmer des Gesprächs waren: Rudolf Küstermeier (Deutschlandfunk), Inge Ponger (Süddeutsche Zeitung) an Stelle des erkrankten Herrn Schröder, Inge Deutschkron (Maariw), Martin Bielski (Jedioth Chadaschoth). Ausserdem ein Empfang des Oberbürgermeisters aus Berlin Klaus Schuetz mit Gattin, wo massgebende Persönlichkeiten erschienen u.a. der neue Oberbürgermeister von Tel-Aviv Lahat, der Deutsche Botschafter Jesko von Puttkammer, die Iwrith und die Deutsche Presse in Israel. — Es sprachen Dr. Max Flesch sowie Fritz Levinson von den ehemaligen Berlinern. Die Herren Looser, Flaster und Österreich haben die Organisation übernommen, die ausgezeichnet war. Aus Kassel waren bereits 2 Mal Gruppen in Israel, aus Hannover eine Gruppe für politische Bildung und es werden in diesen Tagen weitere Gruppen aus der Bundesrepublik erwartet. Die Herren Ernst Freudenthal (ehemaliger Kasseler) sowie Emanuel Egra (ehemaliger Hannover), haben mit Geschick und Takt die einzelnen Gruppen betreut bezw. die Empfangs und Abschiedsabende geleitet. Legationsrat Dr. Hoffmann Löss von der Deutschen Botschaft betonte die gute Zusammenarbeit mit der “Centra”. Die ehemaligen Frankfurter hatten eine gut gelungene Chanukkafeier, Die Breslauer und Oberschlesier einen Vortragsabend von Herr “Abraham Frank” über jüdischen Humor. Es soll 1 Mal im Monat ein Vortrag oder Kulturabend der Centra stattfinden. Der President der Centra Dr. Joseph Kaufmann (Kölner und Rheinländer) gibt sich grosse Mühe und arbeitet unentwegt, um die Arbeit auch in Jerusalem bezw. Haifa auszubauen. Es ist in diesem Rahmen unmöglich alle Namen zu nennen, die mitarbelten aber wir wissen, dass es für die “Zentrale Arbeit” von grossem Nutzen ist dass die Landsmannschaften sich in einem Dachverband zusammengeschlossen haben. 5