Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1974
- Issue
- No. 35 (April 1974)
- Date
- 1974-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der „zweite" Auszug aus - ein Weg in die “Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist; spricht der Ewige der Heerscharen”. (Secharja-Zaharia 4/6) Noch heute, mehr als ein halbes Jahr nach dem mörderischsten und heimtückischsten Überfall, der je auf den jungen Staat Israel erfolgte, wirkt im israelischen Volk der ungeheure Schock der Ereignisse vom 6. Oktober 1973 unvermindert nach. Dies vermutlich auch besonders deshalb, weil dieser Überfall am höchsten und heiligsten jüdischen Feiertag, dem Jomhakippurim, von unseren leider noch immer feindlichen Nachbarn vereint gestartet wurde. Wie ein Blitz aus strahlend blauen Sommerhimmel fuhr es auf uns nieder; es vergingen Tage und Nächte, bis man sich langsam darüber klar wurde, dass hier die Heiligkeit in schlimmster Weise geschändet wurde, und dass diese Schändung — vielleicht bis heute noch immer nicht und nicht allerwärts genügend oder gebührend miterwähnt — in geradezu teuflischer Weise genau zu diesem Datum geplant worden war, lange, lange voraus. — Ja, mit “Macht und Stärke” hatten sie zugeschlagen, im Nu wurden Tausende von Familien für immer unglücklich gemacht: Söhne, Ehegatten, Brüder und Väter — mit einem Schlag war ihr junges Leben ausgelöscht, oft in eben diesem Augenblick, in dem sich ihre Angehörigen in den unzähligen Bethäusern des Landes anschickten, sich zur langen “Schemone Esre” zu verneigen oder, schon in derDämmerung des an sich schweren Tages, während Neila, als die Gemeinde mit lauter Stimme die ergreifenden “Schemoth” ihrem Vorbeter nachsprach. Gerade in diesem Augenblick meldeten in ganz Israel die örtlichen Alarmsirenen ein neuerliches Herannahen feindlicher Flugzeuge, gaben sie zum zweiten Mal an diesem Tag Kunde vom unheiligsten Geschehen in dieser Menschenwelt, vom Vorhaben zu Mord und Vernichtung. .. Und so, zwischen Hangen und Bangen, zwischen Angst und Hoffen, zwischen Verzweiflung und dem Willen zu neuem Mut vergingen die Wochen und Monate. Denn — mehr als bekannt — auch der nach einer Kriegsdauer von 17 Tagen verkündete Waffenstillstand war nicht nur kein echter, sondern darüber hinaus zunächst nur ein ganz schwaches, erstes Anzeichen für das kommende Kampfende. An der ägyptischen oder Süd-Front ging alles früher vonstatten als im Norden, im Golan und oberen Galil, wo unsere tapfere Jugend und die unermüdlichen Reservisten noch sehr viel länger dem leider noch immer kriegerisch gesinnten Syrien gegenüber Tag und Nacht auf der Hut sein müssen: immer in der Verteidigung gegen hinterhältige Angriffe, nicht nur auf unsere Soldaten, sondern auch auf alle Jene friedlichen israelischen Siedlungen, die schon seit Staatsbeginn besonders bedroht gewesen waren und eigentlich erst nach dem Sieg im Sechstagekrieg 1967 aufatmen, sich endlich mit der längst geplanten, landwirtschaftlichen Arbeit befassen durften und konnten. (Die grosse Welt schien auch damals zu glauben, es wäre hier alles so leicht gewesen, was, wir wissen es alle, keineswegs zutraf!) Alle diese blühenden Orte im Landesnorden, mit Tapferkeit und hingebungsvollem Opfermut durch die Jahrzehnte aufgebaut, dem oft steinigen und bis dahin unwirtlichen Gelände abgerungen, waren mm mit einem Schlag wiederum einer feindlichen Willkür preisgegeben. Wer das nicht miterlebt hat, ist oft selbst mit dem beinnere Freiheit? sten Willen nicht imstande, die Dinge genau zu verstehen, eben so, wie sie gesehen und verstanden werden müssen. Was wissen ausländische Staatsmänner davon, wenn sie für wenige Tage hierher kommen und der geplanten Route gemäss die Gegend "durchrasen”, wie viel hier an “Schweiss, Blut und Tränen” in schweigendem Pioniertum geleistet und gelitten wurde? Im Süden jedoch erfolgte der “zweite” Auszug aus Ägypten — die Soldaten nannten ihn “Zurück aus Afrika” — früher: genau 4 1/2 Monate nach Kriegsausbruch verliessen die letzten unserer Getreuen den feindlichen Boden, den sie zwangsläufig bis dahin besetzt halten mussten. Aber nicht nur dort, an den gefährdeten Fronten, war ganz unvermerkt ein Gesinnungswandel eingetreten, woll te man nach allem Schrecklichen so bald als möglich endlich nach Hause, zurück in die geliebte, so schwer verteidigte Heimat. Auch innerhalb des Landes verstand man mehr und mehr, dass man sich einer neuen veränderten Lage politisch und wirtschaftlich anzupassen hatte: Gebietsverzichte, die man noch "gestern” im Gespräch nicht einmal zu erwähnen gewagt hätte, waren schon “heute” aktuell, durften ohne weiteres ausgesprochen werden. — Die Faktoren von Inflation, Preissteigerung, schwankender Währung und steigenden Löhnen gewannen mehr und mehr an Gewicht. Endlich begann man, sich ernstlich einzuschränken. Das mehr oder weniger saturierte Leben während der letzten fast sieben (fetten?) Jahre wich einem neuen, vielleicht dem heraufziehenden der sieben (mageren?) Jahre, nächst diesem “zweiten Auszug” vielleicht ein weiteres biblisches Beispiel? Nicht nur, dass es die Geschichte liebt, sich zu wiederholen, sondern bekanntlich gibt es auch “nichts Neues unter der Sonne”... Genau in dem Augenblick aber, als man verstand, ein etwas weniger anspruchsvolles Dasein führen zu müssen und es vor allem auch zu wollen, setzte bei vielen von uns etwas ein, was wir wohl nur mit dem “Weg in die innere Freiheit” bezeichnen können. Persönliche Ambitionen und gesellschaftlicher Ehrgeiz werden zwangsläufig reduziert und gleichzeitig fühlt man sich freier, weil so manche Tabus unserer modernen Wohlstandsgesellschaft (erfreulicherweise) ins Wanken geraten infolge der neugeschaffenen Notlage auf vielen Gebieten. Doch soll entgegen den vorstehenden Feststellungen nicht vergessen werden, dass es hierzulande neben einigen besser gestellten Bevölkerungsschichten zu jeder Zeit auch viel I I Z' r-tüS&tfc l Lpbp \ k Willst du gute Speisen speisen, V lasse dich zu TCHELET weisen. | Ob es Chuppe oder Briss, | Eine Sache ist gewiss:? Waller weiss auf alle Fälle, I wie er dich zufrieden stelle. | Glaub mir, wenn ich dir erkläre, — Dort das Fest hat Athmosphäre! i „TCHEIET" | TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 6$. | TEL. 22 05 45 MOf mm am mm mm mmm mm mm am m Ägypten Armut und Elend gab und gibt, oft versteckt und verschämt, das aber, ebenfalls zu jeder Zeit, nicht nur durch die staatliche Sozialhilfe, sondern vor allem durch unermüdliliches Mitwirken von unzähligen Einzelnen im Lande so weit als möglich gemildert wird, wobei diese Einzelnen nie genannt oder offiziell in Erscheinung treten wollen. Sie berufen sich bei ihrer oft aufopfernden Tätigkeit auf nichts anderes als auf die Erfüllung einer der grössten Mizwoth, und die stellen ja bekanntlich nur dann, wenn ihre Erfüllung schwer ist, die echten Mizwoth dar. — Und eben dies, das Zurückschrauben eigener Bedürfnisse im Verein mit erhöhter Hilfeleistung darf sicher als eines der Hauptkriterien der Bemühungen im jüdischen Heimland angesehen werden! Um nochmals auf diese merkwürdige Konstellation zurückzukommen, in der sich der neuerliche Auszug aus “Goschen” mit der Suche zu einem neuen Weg zur persönlichen Selbstbefreiung überschneiden, gelangt man zu der Frage, ob sich dies alles wirklich nur “zufällig” zu diesem Zeitpunkt, zur Wiederkehr unseres Pessach als dem ‘Teste der Freiheit” begibt. Ja, wir wissen es alle und längst, dass es eben so unnütz als aussichtlos scheint, Fragen an das Schicksal zu stellen. Wir haben es hinzunehmen wie alle Fügungen in unserer Geschichte, Aber uns Einzelnen ergibt sich als beglückendes Omen in dieser schwierigen Epoche, dass Verzichte ein Gefühl neugewonnener moralischer Freiheit mit sich bringen — ein Gefühl, dass uns in diesen Tagen geradezu prädestiniert dazu, unser Pessachfest in seiner tiefen Bedeutung neu zu sehen, Mut und Hoffnung aus dieser neuen Sieht zu schöpfen! Wir glauben und ahnen es, es wird und muss gut werden! Wenn wir es alle gemeinsam wollen, uns alle gemeinsam anstrengen, um die nächste Zukunft so zu gestalten, wie es jene Kraft will, deren Sinn wir weder zu ergründen noch zu verstehen wagen, ohne die, dessen sind wir uns zutiefst bewusst, aber auch nicht das Allergeringste geschehen kann... Ja, Secharja wusste es lang vor uns: . nur durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen.” Fügen wir uns doch dem ewig und einzig gültigen Richtspruch und wünschen wir uns gegenseitig nur in diesem Sinne ein gutes Fest, ein erfolgreiches “Bauen”! Frieda Hebel Der Verband ehemaliger Oberschlesier in Israel wünscht allen seinen Mitgliedern und Freunden in Israel und im Ausland Einen Chag Sameach, ein gestfhdes und friedvolles Pessachfest! Geschäftsstelle, Tel-Aviv, Schikun Dan. Lipastr. 8 Karl — Heinz Kornfeld Telefon: 476537 PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 4