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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 18 (sequence 2094)
Language
German
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Erinnerungen an den Schlesischen Verlagsbuchändler Felix Priebatsch Die grossen Veränderungen nach dem Abschluss der barbarischen Epoche haben das Lebenswerk des schlesischen Verlagsbuchhändlers Felix Friebatsch zerstört; aber noch 1967, anlässlich seines 100. Geburtstags wurde in einem Gedenkaufsatz in der Zeitschrift “Der Schlesier” (Recklingshausen) seiner gedacht. Die Wechselwirkung zweier Berufe, seine Tätigkeit als Buchhändler und als Historiker hat ihn zu einer einzigartigen Persönlichkeit werden lassen, die auf die geistigen Menschen seiner Umwelt eine ungewöhnliche Anziehungskraft ausübte; so charakterisierte ihn Prof. Wendt in seinem Lebensbild, das 1928, zwei Jahre nach seinem Tode erschien. Nach dem Abschluss seines Geschichtsstudiums hatte er jahrelang im deutschen Archivdienst gearbeitet und historische Untersuchungen veröffentlicht. Da er als Jude geringe Aussichten für sich sah, verzichtete er auf die wissenschaftliche Laufbahn und trat 1899 in die väterliche Buchhandlung ein. Er hat den Abschied von der Wissenschaft als Beruf nie ganz verwunden, aber er wurde durch diesen Bruch nicht verbittert, sondern konnte In späteren Lebensjahren von sich sagen, dass er als Gelehrter ein besserer Kaufmann und als Kaufmann ein besserer Gelehrter geworden war. Die Buch- und Lehrmittelhandlung war schon im Anfang der 60-er Jahre von Vater und Onkel gegründet worden. Aber Felix Priebatsch gliederte ihr ein bedeutendes Verlagswesen an. Er erfasste die Bedeutung der Berufsschulen, die damals aufgebaut wurden und verlegte Unterrichtsbücher für diese Schulen, die auch in den Westprovinzen Deutschlands eingeführt wurden. Ein anderer wichtiger Zweig des Verlages waren die Jugendschriften und Heimatbücher; nur einige seien genannt: die Reihe “Aus dem deutschen Osten”, das Buch von Rektor Müller “Was die Heimat sah”, die kleine schlesische Literaturgeschichte "A wing Schläsch”, die Überblick über das Schrifttum, eine Auswahl schlesischer Dichter, Heinzei, Rössler. Holtei und einen Anhang über die schlesische Mundart gab. Noch unbekannte, besonders oberschlesische Autoren wurden von seinem Verlag unterstützt. Andererseits gab er aber auch die “Jahrbücher für Kultur und Geschichte der Slawen” vom Breslauer Osteuropa Institut heraus, tun auch den Blick für die benachbarte Kultur zu öffnen. Trotz der Energie, die der vielseitige Aufbau des Verlages erforderte, nahm er sich die Zeit, die historische Forschung fortzusetzen. Grundlegend ist seine Untersuchung über die “Judenpolitik des fürstlichen Absolutismus im 17. und 18. Jahrhundert”. Sie zeigt auf, dass das damals aufgeklärte, liberale preussische Beamtentum die Juden schützte und die politische und pädagogische Emanzipation vorbereitet. Auf seine Untersuchungen stützte sich auch Hanna Ahrendt in ihrem Buche “Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft”. Bemerkenswert Ist auch heute noch seine kurze Biographie des Historiker Heinrich Grätz, die in den von dem konservativen Verlag der “Schlesische Zeitung” herausgegebenen “Schlesischen Lebensbildern" erschien. Er vergleicht ihn mit den grossen europäischen Historikern, die für das Selbst-Verständnis erwachender Nationen entscheidend waren. So hat Grätz besonders auf das noch ungebrochene Judentum im Osten gewirkt, die jiddische und neuhebräische Literatur befruchtet, aus der die zionistische Bewegung und nachher die Besiedlung Palästinas hervorging. Ebenfalls in den “Schlesischen Lebensbildern” schilderte er die Biographie des Arbeiters Karl Fischer, als eines jener seltsamen Dokumente aus der Frühzeit des Arbeiterstandes, bevor noch der Sozialismus ihren Stil, der fern vom Kanzlei- oder Zeitschriftenstil Ist, als beeinflusst und gebildet vom schlichten und wahren Stil der Bibel. Die Aufgaben, die er sich stellte, verlangten äusserste Konzentration. So erinnere ich mich, dass am Familientisch Gespräche über Menschen und Dinge des täglichen Lebens von ihm abgelehnt wurden. Das “sei kein Gespräch für ernste Männer”, hiess es. Auch seine Ferientage dienten der Erweiterung seiner historischen Anschauung und der Betrachtung geographischer Merkwürdigkeiten. Die meist unorganisch entstandenen modernen Kurorte vermied er. Seine Reisen führten ihn an die Nordspitze von Dänemark, nach Skagen, wo Nord- und Ostsee zusammenstossen, in die Tatra, wo ihn die deutsche Enklave der Zips interessierte, in ein Dorf an einer berühmten Alpenpasstrasse, in den urwaldartigen böhmisch-bayrischen Wald und Im letzten Lebensjahre wurde seine Sehnsucht erfüllt, Rom zu sehen. Im 1. Weltkrieg verliess er sich nicht auf die deutsche Berichterstattung und vervollständigte das Bild geschichtlichen Geschehens durch das Lesen ausländischer Zeitungen. Bis Italien in den Krieg eintrat, las er den Corriere dela Sera und nachher die dänische Politiken. Hochbegabt, wie er war, übersetzte er mit Schwung und Rythmus Horazische Oden und las im Familienkreis aus lateinischen Chroniken des Mittelalters in deutscher Sprache vor. “Entrollst Du erst ein würdig Pergamen, so steigt der ganze Himmel Dir hernieder”; das war ein Wort nach seinem Herzen. Er erfand kleine Geschichten, Gedichte schüttelte er nur so aus dem Ärmel. So dichtete er auch einmal: “Doch was mit Erfolg wir untemommen/das Meiste war doch von den Eltern gekommen”, und drückte damit eine Empfindung aus, die auch mich ihm und meiner Mutter gegenüber erfüllt. Wir Kinder waren im Blauweiss aktiv geworden und erfüllt von zionistischen Ideen. Ob ein Gedicht, an das ich mich erinnere, eine ironische Antwort darauf sein sollte? Es enthielt gleichzeitig eine schreckliche Prophezeiung, von der damals niemand wusste, dass sie sich erfüllen würde: “In Israel hatte es schrecklich getagt,/aus allen Ländern der Erde verjagt,/ Zur gleichen Stund’ allenthalben verbannt/so zogen sie heim in der Väter Land.“/Die Schwierigkeiten des Miteinander-Einlebens der von den “vier Enden der Erde” Gekommenen, sah er voraus und zerbrach sich den Kopf über das jüdische Schicksal, wenn er es auch komisch ausdrückte: “Und der Herrgott sah seiner JudenZug/und zornig sprach er: jetzt ist es genug/Die aus England kamen mit 1000 Spleenen/, die aus Amerika mit dem Motto: Verdienen/Die aus Deutschland zeigen bei jedem Schritt/sie führen stets ihren Goethe mit/Sind das Siedler, sind das Fioniere?/Das sind Touristen und Sommerfrischler. Sie bleiben Berliner und Neutomischler/ Mit Fussball und Goethe und französischer Küche/ bleiben sie Johns und Jeans und Friederiche/”. Aber wir finden auch zukunftsreiche Verheissung in den Strophen: “In die Heimat, die letzte, doch last not least/sie blieb das Land, wo Milch und Honig fliesst/Dorthin zogen die Juden und bauten sich an/und im Nu kam in Blüte ganz Kanaan.” An den letzten Sederabenden pflegte der Vater eine eigene Geschichte zu erzählen, die aus gegenwärtigen Situationen erwachsen war. Er fragte: “Warum sollen wir nur die vorgeschriebenen Geschichten erzählen?” In der Geschichte vom LANDES-RABBINER DR. ELIESER FRITZ BLOCH ZUM 70TEN Es ist uns eine Genugtuung dem Jubilar zu seinem runden Geburtstag alles Gute zu wünschen. In München geboren, studierte Dr. Bloch in Breslau Geschichte und promovierte auf Anregung von Stud. Rat Willy Cohn, sA. dessen Tagebücher wir Ende des Jahres s.G.w. herausbringen, über “die Juden in Militsch”. Ein Kapitel aus der Wander-Bewegung der Juden aus Polen nach Schlesien. In Litauen besuchte er mehrere Jeschiwoth, die durch ihr besonderes Lern-System berühmt waren. Vom Berliner Hildesheimer Seminar erhielt er sein Rabbiner-Diplom. Seine Tätigkeit in München (Blau-Weiss) und in Breslau (Misrachi-Wandergruppe) und Esra) sind Vielen von uns noch gut in Erinnerung. Von 1932 bis 38 war er Rabbiner in Aschaffenburg. In Palästina hatte er — wie wir alle — schwere Einwanderungsjahre. Trotz angestrengter Arbeit im Laufe der Woche hatte er eine ehrenamtliche Rabbinische Funktion in der deutsch-jüdischen Gemeinde “Achduth” in Bat Jam. Seine Gattin lebt in Israel als Aerztin, das Ehepaar hat 4 Künder und 11 Enkel. Im Jahre 1953 wurde er zum Landes-Rabbiner nach Stuttgart berufen. Dr. Bloch hat weit über den Rahmen seiner Gemeinde sein Arbeitsfeld. Die Stuttgarter Gemeinde ist als Vorbild bekannt, alle Einrichtungen sind nach strengster Tradition geführt. Es war eine schwere Aufgabe für Dr. Bloch diese vollkommene Umstellung in dem neuen Kreis vorzunehmen. Aber wir können sie heute als gelungen bezeichnen. Sein Tätigkeitsfeld ist ausserhalb der jüd. Gemeinde im Rahmen von Vorträgen, Arbeitskreisen etc. in der nichtjüd. Welt mit Studenten und Schülern. Wir wünschen Herrn Landes Rabb. Dr. Fritz Bloch noch viele, viele Jahre in Gesundheit und die Kraft erfolgreicher Tätigkeit. Ad mea weesrim! N. B. Der Vorgänger von Dr. Bloch war unser hochgeschätzter treuer Mitarbeiter und Freund, Rabb. Dr. Neufeld s_A., dem wir ein gutes Gedenken bewahren. HEINRICH GOLDSTEIN 80 JAHRE, JUNG. Am 5. Juni vollendete der Vorsitzende der Jüd. Gemeinde Mannheim und Mitglied des Badenser Jüdischen Oberrates, Herr Heinrich Goldstein sein 80. Lebensjahr. Der Jubilar, früher in Tel-Aviv, widmet sich heute den wichtigen Aufgaben der Gemeinde und giebt seine beste Kraft für diese Tätigkeit. Sie ist ihm trotz aller Schwierigkeiten und Verantwortung Herzenssache. Im allerbesten Sinne ist von dieser Arbeit sein Dasein bereichert und erfüllt. Mit Frische, Vitalität und Liebe beherrscht er jegliche, auch die kompliziertesten Probleme, seiner Gemeinde. Für sie lebt er mit Emst und Würde. Sein Wort ist massgebend, seine Ansichten wertvoll und fördernd. Von seinem Rat profitiert das Gemeindeleben Ein Weiser sagte einst: Das Wichtigste im Leben ist, für die Menschheit etwas zu tun, für sie da zu sein. Möge es dem Jugendlichen ACHTZIGER vergönnt sein, in diesem Sinne noch recht viele gute Jahre vollkräftig diesen schönen Zielen zu dienen. Dies wünschen dem liebenswerten Mann alle seine Freunde in Deutschland und Israel. Julius Sachs, Tel-Avlv, Mazestr. 51 letzten Sederabend trat die Gestalt des “ewigen Juden” auf, die uns beim Erzählen gradezu erschreckte. Es lag eine solche Weihe über dem Tisch: hier personifizierte sich wohl schon der Geist, der den Vater zu seinen Vätern heimholte. Anni Loewenstein (Priebatsch) 18

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