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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 17 (sequence 2093)
Language
German
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Erinnerung an einen Ausflug nach Zobten (EIN STIMMUNGSBILD) Dr. Walter Benjamin Goldsfein 80 Jahre Wir freuen uns auch in unserem Verbandsblatt unserem ständigen Mitarbeiter und interessierten Mitglied, Herrn Dr. Walter Goldstein einen Artikel zu widmen. Der Jubilar wurde in Breslau als Sohn des Handelskammer-Mitgliedes, Leo Goldstein, und seiner Frau Elise, geb. Hainauer, am 19.5.1893 geboren. Sein Grossvater war der in der Breslauer Gemeinde hochangesehene Hof-Buch und Musikalienhändler, Julius Hainauer. Er war überdies Handelsrichter, Kommisionsrat und Stadtverordneter. Als 1. Direktor der Gesellschaft der Freunde schrieb er die erste Geschichte dieser Vereinigung, von der in unseren Blättern bereits die Rede war. Nach Absolvierung des bekannten Real-Gymnasium am Zwinger, an der auch Gerhart Hauptmann, Haber und Delius (die 3 Nobel-Preisträger) lernten, begann er Jura zu studieren. Bereits 1909 wurde Goldstein mit vielen jüdischen Klassengenossen organisierter Zionist. Alle seine Kameraden fand er in Israel wieder. Vier Jahre lang diente er bei den “Elfern” in Breslau. 1920 machte Goldstein seinen Dr. jur. und ging in die pharmazeutische Branche, die er bis zu seiner Auswanderung im Jahre 1934 bekleidete. 1928 heiratete Dr. Goldstein Eva Hermstadt, ein Mädchen aus frommen, jüdischem Hause. Sie ist ihm im wahrsten Sinne des Wortes eine treue Gefährtin. Goldstein sah sofort, dass mit dem Anfang des Dritten Reiches das Schicksal der deutschen Juden besiegelt war. Als Geschichtskenner unserer eigenen Geschichte, hat er vorausgesehen, dass viele auf dem Wege bleiben werden. Schwere Einwanderungsjahre, die die Familie Goldstein, wie auch viele von uns ertragen mussten, liessen sie trotzdem nicht verzweifeln. Der hochbegabte Mann und seine Gattin nahmen jede Arbeit an, um sich über Wasser zu halten. Restaurant, Bauernwirtschaft mit Kühen und Hühnern, Arbeiter in den Raffinerien, Elektriker, Bau-Arbeiter und vieles andere, liessen sie trotzdem nicht verzweifeln. 1941 gingen Goldsteins nach Jerusalem, wo ihre Tochter am Misrachi-Lehrer-Seminar studierte. Im selben Jahre lernte Dr. G. Martin Buber kennen und es verband beide bis zum letzten Atemzuge Bubers eine innige Freundschaft. Walter Goldstein wurde zum Buber-Forscher. Der Jubilar hat im ganzen etwa 12 Bücher in Deuschland und Israel veröffentlicht. Sie zeugen von einer tiefen Kenntnis unserer Geschichte und sind oft tief philosophisch. Wir wünschen dem Jubilar, seiner Gattin und seinen 3 Töchtern,- dass sie das Positive im Leben herausnehmen und sich, wie bisher, in Treue verbunden fühlen. Dr. Walter Goldstein soll mit G’ttes Hilfe körperlich und geistig so bleiben, wie er es bisher gewesen ist. Wir sind sicher, dass aus seiner Feder noch manches dem jüdischen Kulturleben zu Gute kommen wird. Das ist unser innigster Wunsch zu seinem Ehrentage. Wir gratulieren Herrn Otto Isak, Tel-Aviv, King Georgestr. 58 zum 80. Geburtstage. Herr Isik war lange Jahre Prokurist der bekannten Fouchtwanger Bank in Tel-Aviv, später in der Bank Agudath Israel und ist immer der Vertraute und wirkliche Berater seiner Kunden bis zu seiner Pensionierung gewesen. Er geniesst in allen Kreisen wegen seiner Gradheit und seinem liebenswürdigen Wesen höchste Achtung. Wir wünschen ihm mit seiner Gattin noch viele viele gesunde und zufriedene Lebensjahre und viel Freude an seinem Sohn Professor Isak in Amerika, seiner Schwiegertochter und den Enkelkindern. Ad mea Weesrim! Das muss so kurz nach 1900 gewesen sein, als es noch Pferdebahnen und Pferdeomnibusse in Breslau gab. Und die Fabriken baute man, obwohl die Stadt stets unter Westwind lag, im Westen. Ihre Schornstiene kannten noch keinen Umweltschutz, daher bedienten sie die Stadt ständig mit Russ, der durch den Wind angeflogen kam. Die Hausfrauen waren also stets beim Putzen. Schwarzarbeit! Aber kurz und also: Es war ein schöner heller Sonntagmorgen, und es ging zum Hauptbahnhof. Damals hiess er “Zentral-Bahnhof”. Und die Pferdebahn aus der Stadt endete hier. Auch die grosse Verkehrshalle gab es noch nicht”. Wenn man aus dem Bahnhofsgebäude hinten heraustrat, waren schon die Geleise für Ankunft und Abfahrt. Die abgehenden Züge wurden vom Bahnsteigschaffner ausgeklingelt und ausgerufen. Es gab Wartesäle zweiter bis vierter Klasse. Wir wollten nach Zobten. Ein Schild belehrte uns, wo der betreffende Bahnsteig zu finden war — ausserhalb der Bahnhofshalle, ganz hinten, Richtung Teichäcker. Hier also begann unsere Ausflugsfahrt. Eigenartig: Zobten liegt von Breslau aus ziemlich in Südwestlicher Richtung, während der “Zobten - Express” gen Osten gerichtet auf dem Bahnsteig stand. Es musste also ein grosser Bogen um die Herdain Dürrgoy Vorstadt gefahren und die Umgehungsbahn gekreuzt werden. Wie dem auch sei: Es war sehr voll, Leute mit Fahrädern gaben d. Gepäck am Gepäckwagen ab, und bald hiess es “Einsteigen! — Abfahrt”. Eigenartig — von diesem Moment an glaubte man in Zobten zu sein, Gebirgsluft zu atmen und die Fliederdolden zu gemiessen. Es war sehr heiss in den Abteilen, und die Leute wurden gesprächig, biederten sich an. Essvorräte wurden ausgepackt, belegte Sammeln und Brote, von Muttern vorsorglich vorbereitet, die “gute Schläsische” war nicht vergessen. Zu trinken gab es auch, einer packte aus seinem grossen Paket Erfrischungen aus. Wintersonne im Carmelgebirge JIZCHAK AKAWJAHU Winter im Tal, Wer hofft auf diese Gnade noch Von müder Nachsicht und von spätem Sonnenglanz? Es schweigt das All. Halb nur ist’s hell. Durch kahle Feigenbäume schimmert es Wie feines japanblaues Porzellan Oder Pastell. Das Panorama: Grün senkt es sich zur Bucht hinab, Die Berge des Galil, der Hermon schneebedeckt! — Ist’s Fudjijama? Gewundner Pfad. Und Duft von Pilzen im Gesträuch Steigt auf, mit ihm Erinnerung. Vor ihrem Ubermass Wer weiss sich Rat! Im Silberschein Schleicht Trauer mit dem Blätterfall. Was gleicht wohl dieses Tags Zerbrechlichkeit? .. Der Abend bricht herein. Aus dem Hebräischen übersetzt von JUDITH PERITZ, Haifa Was konnte es sein? Natürlich Pfefferminzplätzchen von Carl Micksch, die berühmten. Er sollte sie an einen Kiosk zum Verkauf auf den Heiratsmarkt überbringen. Reinen Atem schätzt man da bei dieser Gelegenheit ganz besonders! Es wurde gesungen. Es ging plötzlich fröhlich und ein bischen laut zu. Aeltere Leute summten verständnisvoll mit, ein Mädchen sang zur Gitarre — jedes Abteil war wie eine Familie. Draussen liefen die Wiesen und Felder in hellen Farben vorbei, man sah Dörfer, man erblickte Kirchgänger, sonntäglich angezogen, immer tauchte etwas anderes Neues auf. Es kam Hartlieb, Klettendorf, Wirrwitz, Puschkowa; Leute stiegen ein und aus, ein Kälbchen wurde abgeladen. In Koberwitz war etwas länger Aufenthalt, weil der Gegenzug abgewartet werden musste. Ein Teil der Strecke war noch eingleisig. Dann ging es weiter. Das Bähnle schnaufte und keuchte ein wenig bergan — es durchfuhr Albrechtsdorf, Rogau-Rosenau, und wer auf der nächsten Station stand und auf das Zügle wartete, hörte diese Bimmelbahn bereits sozusagen “um die Ecke”. Nun war man am Ziel, einige fuhren bis Stroebel weiter, einige nach Charlottenbrunn. Jedoch — auf dem Heiratsmarkt ging es lustig zu, und manche Kontakte wurden hergestellt, und so weiter und so weiter! Wer, wie und was — das muss der liebe Leser die Beteiligten selbst fragen. Denn das Interview mit dem Pfingstausflug nach dem lieben alten Zobten endet gerade kurz vorher. Unser Besuch galt Herrn A. Eckstein, dem Besitzer des Stadtgutes Zoblen, einem Freund meiner Eltern. Nur eines wäre noch zu klären: Warum gab es keine direkte Schnellbahn (Triebwagen) damals von Breslau ins Zobten-Gebirge? es hätte sich doch gelohnt. Sabbathruhe Du weisst, dass Jude-sein verpflichtet. Drum höre, was ich Dir jetzt sag. Wern Du sechs Tag' lang Werk verrichtet, Sei der Tag drauf ein Ruhetag! Fass’ dies nun auf als ein Geschenk Und schmücke Dich dann wie zum Fest. Heisst’s doch: des Sabbathtags gedenk’! Und dann: Dass Du ihn heiligest. Wenn dies in Zukunft wird gescheh’n, Wirst glücklich sein Du ganz im Stillen, Wirst anderen Tags zur Arbeit geh’n Mit freudigem, gestärktem Willen. Du wirst in kürzerer Zeit verdienen, Was Samstags Dir verloren geht, Dafür mag Dir der Sabbath dienen Zu Rast, Erbauung und Gebet! — Dr. Lowenstam ZUR GEFL. BEACHTUNG Für Mitglieder der in der “CENTRA” zusammengeschlossenen Vereinigungen ist eine allgemeine unentgeltliche Beratungsstelle im Büro der Centra, Tel-Aviv, Balfourstr. 31 (Dr. Kaufmann) eingerichtet worden. Die Beratungsstelle ist zunächst an jedem Montag von 9—11 vormittags geöffnet. Die Arbeit beginnt wieder nach allen Feiertagen. Julius Sachs 17

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