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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 19 (sequence 2095)
Language
German
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Ernst Stössl 70 JAHRE ALT Als die mitteleuropäische Alijah in das damalige Palästina kam, sah sie sich selbstverständlich auch kulturellen Fragen gegenüber gestellt. Zwar gab es in diesem Land schon Sprechbühnen, doch nur solche in Hebräisch. Das wollte erst gelernt sein, was viel Zeit und “Köpfchen” in Anspruch nahm. So tat sich eine kleine Gruppe ehemaliger Künstler zusammen, um deutschsprachige Aufführungen zu schaffen. Man wollte zunächst eine Brücke zum hebräischen Theater bauen. Es kam zu Vorlesungen mit verteilten Rollen, ohne Dekoration, ohne Bühnenkostüm, also wenig bühnenmässig. Aber nach kurzer Zeit begann man, mit bühnenmässiger Ausstattung vor ein deutschsprechendes Publikum zu treten. Man empfand wirklich: Ohne richtiges Theater kann der deutsche oder österreichische Einwanderer nicht leben. Es kristallisierte sich trotz mancherlei Widerstände die Theater-Cooperative "Hagesher” heraus und man spielte eigenes Repertoire. Lustspiele und amüsante Komödien in kleiner Besetzung waren u.a. im Spielplan. Zu den Gruppen und Darstellern gehörte von Anfang an der Schauspieler Emst Stoessl, dessen 70. Geburtstag kürzlich gefeiert wurde. Stössl hat sich um das Bestehen dieser Theatergruppe hohe Verdienste erworben. Er ist künstlerischer Direktor, Regisseur und Darsteller in einer Person. Er ist es, der vieles, wenn auch nicht alles, an diesem Theaterchen macht, er ist auch der Dramaturg und besetzt die Rollen. Er bewirkt, dass die Vorstellung unter allen Umständen steigen muss, selbst im Falle von Erkrankungen oder anderen Störungen. Er sucht die Stücke aus, er hat Fingerspitzengefühl für das, was unsere “Jeckes” gern haben, er spielt temperamentvoll, humorvoll und “mit heissem Bemühen” Oft meint er, “er sei falsch besetzt”. Aber das Publikum findet ihn trotzdem immer richtig am Platze. Denn warum soll nicht der Wilhelm Teil mal den Gessler oder der dritte Vermummte nicht auch den vierten Vermummten spielen? Dass wir dem liebeswerten Künstler, mit netten Regieeinfällen, noch oft auf der Bühne begegnen, dass wir uns von seiner Liebe zum Theater keine Vorstellung, jedoch im Gegenteil noch recht viele Vorstellungen machen wollen, das sei ihm mit Szenenapplaüs und vielen Vorhängen — sofern einer da ist — allerherzlichst für die weiteren Spielzeiten von 50 Jahren gewünscht. Julius Sachs DR. FRANZ UNIKOWER LANGEN - OBERLINDEN ANEMONEN WEG 21 Die Universität Köln a/Rhein als Traditionsnachfolgerin der Schlesischen Friedrich-Wilhelm Universität, Breslau, hat das im Juli 1922 erteilte Dr. jur. Diplom erneuert, dh. sie hat das sogen. Goldene Dr. Diplom ausgestellt und mit einem herzlichen Schreiben der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Köln, übersandt. Der einzige, noch lebende Professor der Prüfungs-Kommission Eberhard Schmidt, in Heidelberg, hat handschriftlich Dr. U. sehr herzlich gratuliert. Wir schliessen uns den verschiedenen Glückwünschen der zahlreichen Behörden, der Juden in Deutschland und der Staatlichen, an, und wünschen unserem lieben Dr. Franz Unikower noch viele Jahre freudigen Schaffens. LOTTE HIRSCHBERG ZUM 75-TEN In Ramot Menasche (Israel) dem bekannten Kibbutz, beging Frau Lotte Hirschberg ihren 75ten Geburtstag. Wir wiederholen von dieser Stelle aus unsere Glückwünsche, die wir ihr seinerzeit bereits telegraphisch zum Ausdruck brachten. Da Frau Lotte Hirschberg, von hoher Intelligenz, aber sehr bescheiden ist, halten wir es für unsere Pflicht darauf hinzuweisen, was sie und ihr verstorbener Mann Dr. J. Hirschberg, in Santiago de Chile im Rahmen der aus Deutschland dorthin eingewanderten Juden geleistet haben. Die Deutsche Gemeinde in Santiago all ihre Einrichtungen, das schöne Beth Haknesseth, die würdigen Tefilloth, das Schulwesen, der Frauenverein, die soziale Hilfe und vieles andere, lagen in den Händen der Familie Dr. Hirschberg. Es war seinerzeit für die Gemeinde ein schwerer Schlag, a'.s sich die Hirschbergs dazu entschlossen, nach Israel zu gehen, wo bereits ihre Kinder waren. Leider hat Dr. Hirschberg nur kurze Zeit in Israel seine Tätigkeit als Arzt ausüben können. Er verstarb in verhältnismässig jungen Jahren. Er gehörte zu den Mitbegründern der “Kameraden”. Wir wünschen Frau Lotte Hirschberg, dass sie sich trotz aller Schwere ihren Lebensmut weiter behalte. Möge sie in Gesundheit weiter im Kreis des Kibbutz, ihrer Freunde und der Familie sobeliebt sein, wie bisher. Das ist unser aufrichtiger Wunsch. Verband ehemaliger Breslauer in Israel Irene Milifscher ZUM 75-TEN Wir freuen uns von dieser Stelle aus Frau Irene Militscher, geb. Glaser, zu ihrem 75-ten Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. In Ostrowo (Provinz Posen), geboren, heiratete sie im Jahre 1918 Rechtsanwalt Alfons Militscher, der der älteste Anwalt in Deutschland bis zu seinem Heimgange war. Er war einer der wenigen jüdischen Anwälte, die das polnische Staatsexamen nach der Besetzung der Provinz Posen gemacht hat. Von 1920—1939 in Breslau gelebt, waren Militschers bis 1952 in Israel. In dem selben Jahre verlegte R. A. Militscher seine Praxis nach Frankfurt a/Main. Irene Militscher ist in der Frankfurter Gemeinde eine sehr bekannte Persönlichkeit, im Gemeinderat als stellvertretende Schriftführerin, im Sozialamt, in der Chewra Kadischa, in der Organisierung der Krankenbetreuung ist die Jubilarin in besonderer Weise tätig. Der Klub für alte Leute in der Frankfurter Gemeinde steht unter, ihrer Führung. Sie ist die Mitbegründerin des liberalen G’ttesdienstes in der Gemeinde. Mit Israel steht sie durch ihren Sohn, der hier mit seiner Familie lebt, in ständigem Kontakt und weilt oft viele Wochen in Israel. Ihre Tochter in Amerika, mit ihrer Familie, haben durch ständige Reisen eine innige Verbindung mit der Mutter. Wir wünschen der Jubilarin weiter Erfolg in ihrer Arbeit und Freude an Kindern und Enkeln. Bis 1201 WIR GRAUTLIEREN: Herrn Prof. Franz Rosenstein, sowie seiner Gattin Lori A. de Rosenstein geb. Angres, Guatemala City, 10a, Calle 6 — 86, Zona 2, zur Vermählung ihrer Tochter Ellen. Franz Rosenstein Ist bekannt als Lehrer der jüdischen Volksschule in Breslau. Er war jahrelang der Lehrer der Anfangsklasse der Schule, beliebt und geehrt von Schülern und Eltern. Viele Breslauer werden sich gern an Franz Rosenstein erinnern und können durch unsere Zeitung Verbindung mit ihm aufnehmen. Musikalische Erinnerungen aus meiner Im Alter, in dem man eine 3/4 Geige halten kann, wurde ich dem Mitglied des Breslauer Orchesters, Herrn Specht zu Violin-Instruction übergeben. Herr Specht war meinen Eltern empfohlen als guter Geigerlehrer durch den Flötisten Tschirner, der meinen Bruder Julius im Flötenspiel unterwies. — Herr Specht führte mich in die Tücken der Violintechnik ein und ich kann im Interesse der Patienten meines Vaters nur hoffen, dass sie die von meinem Spiel ausgehenden kratzenden Geräusche nicht gehört haben. Besagter Herr Specht hatte anscheinend die Gelegenheit Klavier zu spielen bei sich zu Hause nicht gehabt, denn er gab sich während des Unterrichts ausgiebig dem Klavierspiel hin, wodurch ich schon mit 7 Jahren fast die gesamte symphonische Literatur kennen lernte. Eines Tages wurde Herr Herwig, ein ursächsischer Typ mein Geigenlehrer. Er hatte infolge fortgeschrittener Gelenkentzündung versteifte Fingergelenke, so dass er mir nie etwas Vorspielen konnte. Sein Steckenpferd war der sogenannte “Fingerstrich”, worunter ich mir — mangels praktischer Anleitung — nichts vorstellen konnte. Worauf seine Popularität als Gelgenlehrer beruhte, ist mir noch heute schleierhaft. Immerhin muss ich schon manchmal normale Tonfolgen produziert haben, denn ich bekam eine Bratsche und wurde oft gebeten, im Quartett mitzuspielen. Auch spielte Ich im Schulorchester des Johannes Gymnasiums, das von Dr. Freund geleitet wurde. Einmal war ich in der Schule nicht sehr erfolgreich, sodass die Gefahr des “Sitzenbleibens” drohte. Da teilte mir Dr. Freund mit, im Laufe einer Orchesterprobe, dass Ich vesetzt worden sei trotz “Drei Minus” in einigen Fächern. Meine Schwester Edith war eine vorzügliche Pianistin, Schülerin von Frl. Pilchowski. So hatten wir ein nettes Haus-trio, Flöte, Violine und Klavier. In der Inflationszeit unseligen Angedenkens wirkte ich im Orchester des Lobetheaters im “Peer Gynt” mit, der ungefähr 6 Wochen lang lief. Die “Millionen”, die Ich dadurch verdiente, reichten wohl grade für ein Käsebrot, aber ich war doch recht stolz auf mein erstes selbstverdientes Geld. Der “Maestro” damals war Dr. Nick, eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit. Ein nettes Buch, “Einladung nach Israel” (Fischer Bücherei) ist von Dagmar Nick, der Tochter des Maestro. Zusammenfassend ist zu sagen, dass Breslau zwar eine sehr anregende Musikkultur hatte, bezüglich violinistischer Schulung jedoch nicht zu viel zu bieten hatte. Nach meiner Auswanderung nach USA war ich mit meiner medizinischen Tätigkeit vollauf beschäftigt. Allmählich konnte ich auch mein Geigenspiel wieder aufnehmen, erhielt wertvolle Anregung durch das unerhört aktive New Yorker Musikleben. Jeden Sommer besuche ich auf eine Woche einen Platz in New England, in dem von morgens bis Mitternacht musiziert wird. Ich möchte jedoch betonen, dass die Anregungen, die mir in meiner Heimatstadt geboten wurden, für mich von unermesslichem Wert gewesen sind. Dr. Carl Sachs 606 Crescent Ave Plainfield, New Jersey 07060 WIR GRATULIEREN: Herrn GEORGE MILNER, 148/28-88 Ave. Apt. 2 K, Jamaica, N.Y. 11435, zu seinem 80ten Geburtstag, sowie seiner Gattin Hanna Milner geb. Preuss zum 75ten. Wir wünschen Beiden, die immer so interessiert an unserer Arbeit sind, recht viele gesunde, zufriedene Lebensjahre. Ad mea weesrim! 19 8

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