Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 34 (September 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 15 (sequence 2091)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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!-Besuch in Breslau 1973 — Ich weiss nicht, wie viele der ehemaligen Breslauer ihre alte Heimatstadt wieder besuchten. Für mich war es ein lang gehegter Traum, auf einer meiner vielen Reisen nach Europa das alte Breslau wiederzusehen, die Reuschestrasse 23, wo ich und meine Brüder geboren wurden. Die Plätze, wo wir als Kinder spielten, den Königsplatz mit seinem “riesigen” Löwenmonument — so riesig erschien es mir aus der Sicht der Kindertage, als wir dort “Versteckus” spielten —, die Storchsynagoge, wo ich Bar Mitzwa wurde, den Ring, die Liebigshöhe, den Käseboehm, die Holtelhöhe Elisabethkirche und Sandinsel, und... und... und... und auch das Grab meines sei. Vaters zu finden, der im Jahre 1930 verstorben und auf dem Friedhof Kosel beerdigt war. Dieses Mal gelang, was früher mehrere Male gescheitert war, wir erhielten innerhalb weniger Tage das Visum für eine 4 tägige Flugreise nach Wroclaw mit vorbezahltem Hotel und Verpflegung. Am 20. Juli flogen wir von Frankfurt/Main mit Lufthansa nach Warschau und weiter mit einer alten Hjuschin Propeller Maschine der “LOT” nach Wroclaw. Es Hesse sich stunden- und seitenlang über Breslau und unsere Eindrücke erzählen, doch das würde die Zeitung der ehemaligen Breslauer füllen, ohne für all die anderen wichtigen Berichte Platz zu lassen. Nur die allerwichtigsten Eindrücke sollen hier wiedergegeben werden, die vielen Einzelheiten vielleicht mal für einen Vortrag mit Filmen Vorbehalten bleiben. Als ich das erste Mal aus dem Hotel in die Stadt ging, Ring — Blücherplatz — Reuschestr. — Königsplatz, war es wie ein Traum. Meine lb. Frau sagte mir später, ich sei wie ein Nachtwandler gegangen. Die Innenstadt ist zum grossen Teil so weit restauriert, dass, wenn man sich die polnischen Namen wegdenkt, man fast 40 Jahre zurückversetzt wird. Barasch und Wertheim sind wieder Warenhäuser, das Monument am Königsplatz steht, nur die Konditorei von Hundeck und Appelt ist nicht mehr da. Die Schweidnitzer Strasse ist mit niedrigen Häusern auf gebaut, von ihrer einstigen Eleganz nichts geblieben, ausser dass sie an Sonn- und Feiertagen die Flanierstraasse geblieben ist. Mein Geburtshaus in der Reuschestrasse steht, und auch der Name ‘“Ruszka” war nicht schwer zu identifizieren. In der Weissgerbergasse — und Ohle sind die alten schmalen Häuser getreu den alten Plänen wieder aufgebaut, doch eben aber zu neu, um die alte Weissgerberohle zu sein. Ausser der Innenstadt ist fast alles neu, was man sieht. Strassenzüge sind oft umgelegt, ln der Friedrich-Wilhelm-Strasse z.B. stehen die neuen Häuser nicht mehr mit der Front zur Strasse, sondern im rechten Winkel dazu. Ungezählte Strassen sind einfach nicht mehr vorhanden. Der Wiederaufbau ist bei aller Anerkenntnis des Geschaffenen scheinbar nur sehr schleppend vor sich gegangen. Vielleicht war im Unterbewusstsein der neuen Besitzer Breslaus lange Zeit der Zweifel vorherrschend, ob die Oder-Neisse Grenze wirklich die endgültige ist. Unwillkürlich musste ich den Vergleich mit den besetzten Gebieten bei uns ziehen — trotz aller historischen Unterschiede-, wo die Entscheidungen über grosse Investitionspläne wegen der Unsicherheit der endgültigen Regelung auch oft recht schwer fällt. In Polen scheint das Trauma nun überwunden und vielleicht geht man jetzt mal daran, die noch vorhandenen riesigen Trümmerhaufen in Wroclaw zu beseitigen. Ein Schock war die Begegnung mit unserer alten Storchsynagoge. Wie gross war die Freude, als ich sie von fern unzerstört stehen sah, und wie viel grösser die Enttäuschung, als wir näher kamen. Schnell verflog die Hoffnung, dass ich an diesem Schabbath, an dem ich vor 47 Jahren Bar Mitzwa wurde, wieder die Haftara sagen könnte, denn was wir sahen war eine Ruine, deren endgültiger Verfall ziemlich schnell voranzugehen schien. Fast alle Fenster zerschlagen, manchmal mit Brettern vernagelt, manchmal wie leere Augenhöhlen eines Totenschädels auf uns blickend, die Türen schief in den Angeln hängend, die Inneneinrichtung nicht mehr da — vielleicht wurden die Bänke in dem schweren Winter 1945—46 verheizt —, der Platz des Aron Hakodesch leer, all das konnte man auf Zehenspitzen stehend durch ein ausgeschlagenes Fenster sehen. Mich erfasste der Gedanke, das darf doch so nicht weitergehen, dieses letzte Zeugnins einer grossen blühenden jüdischen Gemeinde kann man nicht so untergehen lassen. Ich werde, so dachte ich, nach Amerika fliegen, von den vielen alten Breslauern Spenden erbitten, um unseren alten Storch wiederherzustellen, das soll meine Aufgabe für meine künftigen Jahre sein. Doch die Begeisterung kühlte schnell ab, als ich am Freitag Abend zum Beten in die Wochentagssynagoge ging und dort mit den Mitgliedern der heutigen jüdischen Kehilla zusammentraf. Es gibt keine früheren Bewohner Breslaus mehr in Wroclaw! Wer würde die Synagoge erhalten, wenn sie wiederhergestellt würde? Niemand! Der Verfall würde aufs neue beginnen und niemandem wäre geholfen. Die paar Dutzend Juden dort — zum grösstenn Teil alte Menschen — oder wenn es jüngere sind, in Mischehe lebend, würden nichts dazu tim, um einen restaurierten “Storch” zu pflegen. Bleibt der Besuch auf dem Friedhof Kosel. Ich fand das Grab meines sei. Vaters mit Hilfe der Beerdigungsbücher, die zum Teil noch in der Gemeinde vorhanden sind. Der Grabstein war von 4 Granaten getroffen, umgestütrzt und in 2 Teile zersprungen, aber jedes Wort darauf war lesbar. Es gibt einen jüdischen Steinmetz dort, denn im vorderen Teil des Friedhofs werden bis heute die Jüdischen Verstorbenen beerdigt. Bei ihm konnte ich einen neuen Grabstein bestellen mit der alten Inschrift und dem Zusatz. Erneuert von seinen Söhnen i.J. 1973. Das Kel Mole Rachamim und das Kaddisch, das ich nach 38 Jahren am Grabe meines sei. Vaters sagen konnte, gab dem Besuch In der alten Heimatstadt erst seinen wirklichen Sinn. Auf dem Rückflug, nach einem 5 stündigen Besuch in Warschau, einer wirklichen Metropole, bei deren Wiederaufbau niemand gezögert hat, überflogen wir noch einmal Wroclaw, das wirklich nicht mehr Breslau ist, höchstens in unseren wehmütigen Erinnerungen. CHAIM WEN GLOWITZ Herzlia Pituach. Alles für den Schreibtisch, Alles fürs Büro — Niemals bleibt es gleich sich, WAS du kaufst — und WO! ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery GIFTS FOR ALL OCCASIONS TEL-AVIV, RAMBAM ST. 24 TEL. 62 5420 Riesenauswahl in Geschenken für alle Gelegenheiten! na io nnn DIE BEZIEHUNGEN ZUM SCHACH (Fort, von Seite 13) gen von ihnen, die man ab und zu in der Schachliteratur wiederholt findet, sind zwar oft amüsant aber ihrem Charakter keinesfalls schmeichelnd. Harrwitz soll während einer Wettkampfpartie mit Staunton, als dieser durch einen Fehlzug in schwierige Lage kam und vernehmlich sein Unbehagen mit den Worten “Well, ich habe einen Zug verloren” kundgab, dem Kellner geklingelt und ihm zugerufen haben: “Herr Staunton hat einen Zug verloren! Bitte sehen Sie ob Sie ihn finden können”. Und von Tarrasch erzählt man, dass er, als er sich von Freunden am Tage seiner Abreise nach Düsseldorf verabschiedete wo sein Wettkampf mit Emanuel Lasker angesetzt war, auf die Frage ob er denn mit Lasker sprechen würde, trotzdem es bekannt war dass die beiden mündlich nicht mehr miteinander verkehrten, geantwortet haben soll: "Ich werde zu Lasker nur zwei Worte sagen: Schach! und Mat!”. Natürlich haben sich die meisten, die diesen Ausspruch hörten, sehr darüber gefreut dass Lasker diese Worte acht Mal und Tarrasch nur drei Mal Gelegenheit hatte anzuwenden. Die letzte Möglichkeit die ich hatte Breslau noch einmal wiederzusehen bot sich mir 1937, wo ich natürlich mit der unbeschreiblich traurigen Lage der deutschen Juden bekannt wurde die über sie durch Hitler hereingebrochen war. Ich hatte meinem Bruder meinen Besuch angekündigt u. er hatte im Schachklub veranlasst eine Simultanvorstellung zu arrangieren. Diesmal waren fast nur Juden zur Stelle, und ein Soldat war am Hause postiert, das dem Klub noch zur Verfügung stand. Der von Hitler geplante Massenmord war noch von niemanden wirklich geglaubt mit dem ich sprach. Leider auch nicht von meinem Bruder, der ihm wie die Mehrzahl meiner Familie und Freunde zum Opfer fiel. EDWARD LASKER, M.E.E.E. 5 Riverside Drive, New York, N.Y. 10023 DIE THORA-ROLLE (Fort, von Seite 14) Aufschrift der Namen meiner seligen Eltern, die im Jahre 1942 deportiert wurden. Doch den Höhepunkt der grossen und langen Reise erreichte die Sefer Thora vor einigen Wochen, am Shabbath “Nachamu”. Der Ur-Urenkel von Elieser Pinczower und Urenkel von, Yehudah Arjeh Pinczower, Josef Arjeh Langermann, lainte zu seiner Bar Mizwah die gesamte Sidrah aus dieser Sefer Thorah vor und der Schreiber dieser Zeilen wurde zur Thorah zu dem Abschnitt aufgerufen in dem die Zehn Gebote vorgelaint wurden. Die Sefer Thorah des Grossvaters — aus Oberschlesien stammend — hat nunmehr ihre Endstation erreicht. Weder mein Vater noch mein Gross-Vater hätten sich auch nur im Traume vorgestellt, dass das possle Sefer einmal nach Jerusalem kommen würde und dass ein Nachkomme seine Bar Mizwah Parscha daraus vorlainen würde. In den Psalmen heisst es: “Die mit Tränen säen werden in Jubel ernten. Schmerzerfüllt teilen wir das Ableben unseres lb. Bruders und Onkels KURT ROSENBAUM, London mit. Jehudit und Franz Rosenbaum, Cholon, Jean Jaures Str. 6 Rechtsanwalt Aron Badichi u. Frau Esther, geb Rosenbaum, nebst Familie Walter Rosenbaum u. Familie, Chicago, U.SA. 15