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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 13 (sequence 2089)
Language
German
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Die Beziehungen der Breslauer Juden zum Schath Meine persönliche Kenntnis von Breslau umfasst nur meine Jugendjahre. Gleich nach der Absolvierung meines Abiturientenexamens am König Wilhelms Gymnasium 1904 ging ich nach Berlin um mich an der Technischen Hochschule dem Ingenieurstudium zu widmen, und kam dann nur ein- oder zweimal im Jahre nach Breslau während der Sommerferien. 1912 wurde ich von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in ihr Londoner Auslandsbüro versetzt, das mich bei Kriegsausbruch im Sommer 1914 entlassen musste. Dass es mir gelang dem Schicksal zu entgehen, das fast ausnahmslos alle sich damals in England aufhaltenden Deutschen als “alien enemies” zwang die Kriegsjahre in Konzentrationslagern zuzubringen, verdankte ich lediglich dem Hobby, dem ich in Breslau so ziemlich jede freie Minute zugewendet hatte, nämlich dem Schachspiel. Mein Vater hate es mir, als ich kaum 7 Jahre alt war gezeigt weil Emanuel Lasker, ein damals in New York lebender Namensvetter von uns, von dem wir gar nicht wussten ob er mit uns verwandt war, laut Zeitungsberichten den Schachweltmeister William Steinitz zu einem Wettkampf herausgefordert hatte. Ich war von dem Spiel völlig fasziniert, wurde imbestritten der stärkste Spieler meiner Schule, besiegte während meines Studiums in Berlin den Schachmeister Erich Cohn in einem Wettkampf um die Meisterschaft der Stadt, und gewann 1914, wenige Wochen vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, auch die englische Meisterschaft in einem Turnier im City of London Chess Club. Dass mir all dies jemals helfen würde aus scheinbar hoffnungslosen Situationen herauszukommen, in die ich ohne meine Schuld geraten war, hätte ich nie geahnt. z Mein erster Plan aus England wegzukommen und so der drohenden Einziehung in ein Konzentrationslager zu entgehen war ein Ausreisegesuch nach Amerika, wo ein Schachturnier um die Meisterschaft von New York in Aussicht stand. Ich brachte also ein solches Gesuch zur “Home Office”, dessen Leiter, Sir Haldane Porter, alle alien enemy Probleme unterstanden, wurde aber in dem zuständigen Bureau angewiesen dass Deutsche England nicht verlassen dürften. Da ich jedoch in der Eingangshalle des Gebäudes eine von zwei behelmten Soldaten bewachte breite Teppich-belegte Treppe wahrgenommen hatte, die meines Erachtens fraglos direkt zu Sir Haldane führen würde, ging ich nicht aus der Halle hinaus sondern fasste den schnellen Entschluss zu versuchen meinen Antrag dem hohen Herrn persönlich vorzulegen. Ich ging also zur Treppe hin, winkte den beiden Wachtsolaaten ein freundliches “Hailoh” zu, stieg die Treppe rasch herauf, und war oben ehe sie sich scheinbar darüber klar waren ob sie mich so ohne weiteres hätten passieren lassen sollen. Oben waren sechs grosse Türen, die aber alle keine Namenschilder hatten. Ich klopfte also aufs Geratewohl an eine von ihnen, und der unwahrscheinlichste Zufall erfüllte mein Vorhanden. Der Herr der mich hereinrief sah mich offensichtlich erstaunt an und sagte: “Helloh, Mr. Lasker, what gives me the pleasure? Is there anything I can do for you?” Und als er sah wie mein eigenes Erstaunen mich ganz sprachlos machte, lächelte er und fügte zu: “You don’t knonw me, I am sure. But I am a chess fan und was present when you won the championship a few weeks ago. I am Sir Haldane’s secretary. If I can be of any help, I shall be very happy.” Und das Endresultat war, dass, nachdem er angehört und mir die Schwierigkeit erklärt hatte bestehende Anordnungen betreffend alien enemies zu umgehen, sagte er er würde meinen Fall Sir Haldane vortragen. Er ging zu ihm und blieb zehn Minuten weg, was mir, ich weiss nicht warum, als etwas Gutes erschien. Aber ich glaubte ein leises Lächeln auf seinen Lippen meine Vorahnung bestätigen zu sehen, als er sagte: “Sir Haldane will see you,” und mich in dessen Privatbureau führte. Ich werde die Bekanntschaft mit diesem vorbildlichen Muster eines gentleman nie vergessen. Er unterhielt sich mit mir eine viertel Stunde lang über Schach und andere intellectuelle Ablenkungen, wohl um sich über meine Erziehung und meine Lebensauffassung ein Bild zu machen, und kam erst dann auf meine Bitte zurück mir die Ausreise nach Amerika zu gestatten. Er sagte er würde veranlassen, dass mit mir eine Ausnahme gemacht wird falls ich ihm mein Wort gäbe (1) während des Krieges keinen Versuch zu machen, nach Deutschland zurückzukehren (2) in Amerika keine Stimmung gegen England zu machen, und (3) keinem Deutschen in London zu erzählen, dass ich die Erlaubnis zur Ausreise habe. Das tat ich, fasste in Amerika allmählich Fuss, und wandte mich nach vier Jahren, in denen ich durch den Krieg keine Nachricht von meiner Mutter in Breslau hatte, noch einmal mit einer Bitte an Sir Haldane: Könnte er einen kurzen Brief an meine Mutter durchbringen und mir die Nachricht zukommen lassen ob sie in Sicherheit ist? So imglaublich es klingt, nach etwa vier Wochen erhielt ich tatsächlich von der Home Office die Nachricht dass meine Mutter meinen Brief bekommen hatte und dass es ihr erträglich ginge. Ein Zusatz sagte dass es leider nicht möglich sein würde ein zweites Mal eine Anfrage von mir nach Deutschland zu leiten und mir eine Antwort zukommen zu lassen. Diese Erfahrung bewies mir dass man durch das Schachspiel Freundschaftsbande schmieden kann die stärker halten als Nationalität, Beruf, Herkunft, oder Religion. Und in dem halben Jahrhundert das ich hier in Amerika zugebracht habe, ist mir das noch mehrmals zum Bewusstsein gekommen. Am Schachbrett habe ich Bekanntschaften mit aussergewöhnlichen Menschen gemacht die intime Freunde von mir wurden, und die ich auf andere Weise nie Gelegenheit gehabt hätte kennen zu lernen. Es war mir immer klar dass ich meinen Aufstieg zur Schachmeisterschaft dem regen Schachleben verdanke das sich ln Breslau, der Heimatstadt Adolf Anderssens, des ersten Deutschen dem es gelang den Weltmeistertitel zu erringen, entwickelte. Anderssen war 1818 geboren, lernte das Schachspiel erst mit 16 Jahren, und seine Spielstärke nahm nur langsam zu, da es damals ln Breslau nur wenige erstklassige Spieler gab. Der einzige anerkannte Meister unter ihnen war der Jude Harrwitz der aber später nach London auswanderte und sich schliesslich in Paris niederliess, wo er zwar die Meisterschaft von Frankreich gewann und sich bei Besuchen in London auch dem englischen Meister Staunton mindestens ebenbürtig zeigte, der aber Anderssen als überlegenen Spieler anerkennen musste, als dieser sich zum führenden Meister von Deutschland entwickelt hatte und 1851 im ersten internationalen Turnier zu London teilnahm und den Weltmeistertitel nach Hause brachte. Die Breslauer Schachfreunde feierten das Ereignis durch die Gründung eines Schachklubs, dem sie Anderssens Namen gaben, und in dem er eine ganze Reihe von sehr starken Schülern heranbildete, unter denen Riemann und Schottländer selbst in ganz Deutschland anerkannte Meister wurden, und andere, wie Rosanes, Mannheimer, Landau, Vogt, und Mendelsohn viele Jahre hindurch führende Spieler des Klubs blieben. Dass die Namen dieser Mitglieder überwiegend jüdisch waren, war nicht zu verwundern, da ja von jeher intellektuelle Aktivitäten eine grosse Anziehungskraft auf Juden ausübten. Ich erinnere mich d. im Schachklub Morphy, der zu meiner Schulzeit in Breslau gewissermassen als Konkurrent zum Anderssen Schachklub gegründet wurde, und in dem ich aufgenommen wurde als ich in die Unter-Prima aufgerückt war,, nicht nur unter den stärkesten Spielern der Prozentsatz von Juden grösser war als der von Nichtjuden, sondern auch der Prozentsatz der gesamten Mitgliederschaft. Als Anderssen 1879 starb, wurde sein Thronfolger in Breslau Arnold Schottländer, der einer reichen Familie angehörte und so kein Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen brauchte sondern sich ganz der Organisation von Schachaktivitäten widmen konnte. Er tat dies auch in generöser Weise und" ermöglichte dem Anderssen Klub internationale Turniere zu finanzieren und führende Meister einzuladen die bereit waren Schachvorstellungen zu geben. Eine Sensation, der ich aktiv beiwohnte, war die Vorstellung zu der Schottländer im Jahre 1902 den grossen amerikanischen Meister Pillsbury hatte einladen lassen... Dieser demonstrierte seine fantastische Fähigkeit 16 Partien blindlings, dli. ohne Ansicht der Bretter, gleichzeitig zu spielen. Wenn ich mich recht erinnere, gewann er 13 (inklusive meiner eigenen) und machte drei unentschieden. Der grösste Schachmeister, den Breslau hervorbrachte, war Siegbert Tarrasch, der ebenfalls Jude war, was wahrscheinlich den Berliner antisemitisch angehauchten Redakteur des “Wochenschachs" dazu veranlasste ihm so lange wie möglich die ihm gebührende Anerkennung vorzuenthalten. Tarrasch war 1862 geboren und lernte das Spiel erst als er 15 Jahre alt war, studierte es aber mit solch fanatischem Eifer, dass er, obwohl er zu jung war um noch von Anderssen persönlich unterrichtet zu werden, schon drei Jahre nach Anderssens Tode dessen oben genannten Schülern überlegen zu sein bewies, mit Ausnahme von den Meistern Riemann u. Schottländer. Tarrasch siedelte damals (wie so viele Breslauer) nach Berlin um, wo er Medizin studierte, aber weiter dem Schach die meiste seiner freien Zeit widmete. Neun Jahre später, 1889, feierte er den grössten Triumph seines Lebens als er sich an dem internationalen Turnier beteiligte, das in seiner Heimat Breslau stattfand und in dem er den ersten Preis vor allen Ausländern gewann. Seit Anderssens Tode war dies das erste Mal dass wieder ein Deutscher in einem internationalen Wettkampf die Palme des Sieges errang. Das Deutsche Wochenschach brachte es fertig dieses sensationelle Ereignisse als stolze Genugtuung für deutsche Schachfreunde in einem langen Artikel zu beschreiben, in welchem es nicht ein einziges Mal den Namen des Siegers erwähnte. War doch Tarrasch ein Jude! Leider hatte Tarrasch kein besonderes Talent für Bescheidenheit, ebenso wenig wie es Harrwitz nach seiner Auswanderung von Breslau gezeigt hatte. Aus diesem Grunde waren diese beiden Meister bei dem Publikum, das sie in Turnieren spielen sah, meist wenig beliebt, und die Aeusserun- (Forts. S. 15) 13

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