Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 34 (September 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2088)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7411685-7412337-7412364--0450-7412376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Einstmals belebter Landstrich PERSÖNLICHKEITEN AUS SCHLESIEN UND OBERSCHLESIEN Rabbiner Dr. Saul Kaalz s.A. Wir wollen in unserem Verbandsblatte in jeder Ausgabe eine Persönlichkeit im öffentlichen jüdischen Leben aus der Zeit bis zur Auflösung der Gemeinden schildern. ' /M Rabb. SAUL KAATZ wurde am 5.1.1870 in Schwersenz bei Posen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Posen und lernte gleichzeitig bei dem bekannten und hochgeachteten Landes-Rabbiner Feilchenfeld Gemara. Im Jahre 1888 ging er an das Hildesheimer Rabbiner-Seminar, Berlin, und studierte an der Berliner Universität semitische Sprachen und Philosophie. Im Jahre 1891 promovierte er zum Dr. phil. und war später kurze Zeit als Rabbiner an der Berliner Privat-Synagoge in der Prinzenstrasse tätig. Im Jahre 1895 übernahm er das Rabbinat in der Gemeinde Hindenburg O/S. damals Zabrze, genannt. Im Jahre 1897 gehörte er neben Leo Baeck zu den Rabbinern, die im Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verband gegen die bekannte anti-zionistische Protest-Erklärung des Verbandsvorstandes stimmten. (Nur 2 Rabbiner). Er hat mehrere Arbeiten veröffentlicht: “Die mündliche Lehre und ihr Dogma”, “Das Wesen des prophetischen Judentums”, “Weltschöpfungsaera und Wissenschaft”, “Die Systematik des jüdischen Religions-Unterrichts”, "Der religiöse Charakter Abraham Geigers” und viele andere. Seine Aufsätze Im Jeschurun, im Israelit, in der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland und in anderen Zeitschriften waren immer sehr bewundert und tiefgründig. Wir finden ihn in der Encyclopaedia Judaica unter dem Buchstaben “K”. Seine menschlichen Eigenschaften waren hervorragend. Er war der Seelsorger, der Mittelpunkt, die leitende Hand seiner Gemeinde. Als ich vor wenigen Tagen einem früheren Hindenburger Mitglied der Gemeinde erzählte, dass in unserem Verbandsblatt ein Artikel über Rabb. Saul Kaatz erscheinen werde, antwortete er: Das war der “Liebling” unserer Gemeinde. Er war immer zur Stelle bei freudigen und traurigen Anlässen, Besuche von Kranken, Ratschläge, Aufrichtung schwergeprüfter Menschen, das war sein Weg. Sein ausserordentlich grosser Humor, seine Schlagfertigkeit waren Stadtgespräch. Seine Predigten und seine humorvollen Reden bei Feiern der Gemeinde, oder Familien, waren immer etwas Besonderes. Am 10. November 1938 wurde er mit den Mitgliedern seiner Gemeinde verhaftet und man wollte ihn seines Alters wegen freilassen. Er widersetzte sich mit dem Bemerken: “Dort wo meine Gemeinde ist, da bleibe ich”. Er hat das Schicksal der übriggebliebenen Hindenburger Gemeinde mit den 6 Millionen geteilt. Rabbiner Saul Kaatz bleibt uns Wegweiser und Vorbild eines Rabbiners. Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens. Entstehung und Geschichte. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart. 220 S. Dieser inhaltsschwere Band krönt Brillings Studien zur Geschichte der Juden in Schlesien. Wir könnten uns die Arbeit leicht machen und das vorliegende Werk einfach mit dem Prädikat grossartig taxieren, aber wir fühlen uns gehalten, etwas mehr darüber auszusagen. Ein Nichtfachgeschichtler, der bei mir in dem Buch gelesen hat, bezeichnete es ohne Umschweife als Meisterwerk, und vom fachlichen Gesichtspunkt aus kann man diese Einstufung freudig gelten lassen. Das Werk behandelt die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Mittelschlesien, d.h. im ehemaligen Regierungsbezirk Breslau, von deren Beginn bis zum Untergangsjahr 1938. Dabei wird die Entwicklung bis zum preussischen Emanzipationsedikt von 1812 ausführlicher dargestellt, während für die darauffolgende Zeit nur die für das Gemeindeleben wichtigsten Ereignisse verzeichnet werden. Die grösste und führende Gemeinde Breslau konnte in diesem Band nur kurz berücksichtigt werden, da ihre Geschichte einen eigenen Band füllen würde. Zum Editionsvorgang berichtet Brilling folgendes: “Zur Geschichte des Buches seien folgende Bemerkungen gestattet: Seine erste Fassung war bereits 1938 fertiggestellt. Auf den beim ‘Reichskulturwalter’ Hinkel eingereichten Antrag auf Druckgenehmigung erhielt der Breslauer Verleger Münz folgende Antwort: Ihren Antrag auf Herausgabe des Werkes Brilling, Geschichte der Judengemeinden in Schlesien, lehne ich aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Zum Glück gelang es mir, bei meiner Auswanderung nach Palästina im Jahre 1939 das Manuskript mitzunehmen. Dort hat es das kulturlose NS-System überlebt. Beim Lesen dieser überaus bedeutsamen Arbeit soll jeder daran denken, dass die Grundlagen, auf denen die Forschungsergebnisse basieren, zugrunde gegangen sind. Hätte Brilling die Akten nicht mühevoll abgeschrieben. — Photokopien Dr. Else Orbach s.A. Tel-Aviv — Jad Elijahu Ganz plötzlich ist Dr. Else Orbach geb. Heilborn, aus Breslau stammend, heimgegangen. Trotzdem sie keine direkten Verwandten hinterlassen hat, .war die Zahl der Freunde und Verehrer bei ihrer Bestattung ausserordentlich gross. In Berlin, wo sie mit ihrem Gatten zusammen eine bekannte zahnärztliche Praxis hatte, war ihr Haus ein Mittelpunkt zionistischer Arbeit. Studenten, Menschen auf Hachschara, Hilfsbedürftige, fanden im Hause Dr. Orbach Wohnung, Verpflegung, Rat und geldliche Unterstützung. Im zweiten Weltkriege flüchteten Orbachs mit Freunden in ein Gebirgsdorf in Italien, wo beide wieder, trotz schwerster Entbehrung, der ruhende Pol waren, der Allen beistand. In Italien verlor sie ihren Gatten. Nach dem damaligen Palästina eingewandert, waren schwere Zeiten der Einordnung. Ihre Liebe zu ihrer Schwester Recha Heilborn, die mit ihr in Israel zusammenwohnte, kannte keine Grenzen. Ihr Freudeskreis erweiterte sich auch hier. Alle, die mit ihr in Kontakt kamen, waren von ihrer Hilfsbereitschaf begeistert. Bei der Beerdigung gaben Dr. Unna u. E. Lewin, Sekretär d. Verbandes ehemaliger Breslauer in Israel, all diese Eigenschaften zum Ausdruck. Sie ruht an der Seite ihrer Schwester Recha. Wir sprechen den vielen Freunden und Bekannten unser tiefes Mitgefühl aus. Dies gilt insbesondere ihrer allerbesten Freunkonnte man damals noch nicht anfertigen-, wäre es unmöglich gewesen, den Stoff zu gestalten. Rabbiner Dr. Brilling war der letzte Archivar der Synagogengemeinde Breslau und hat als solcher in den ihm anvertrauten Beständen und in den öffentlichen Archiven von Breslau und Umgebung unzählige Abschriften angefertigt. Er war dauernd mit einer prall gefüllten Aktentasche unterwegs und berichtete, welche Schätze er entdeckt und sichergestellt habe, und das zu einer Zeit, da noch nicht allgemein angenommen wurde, dass das jüdische Kulturgut vernichtet würde. Schlesien gehört heute zu Polen, und von den hier vorgelegten Akten bestehen infolge der Kriegseinwirkungen keinerlei Originale mehr. In seiner intellektuellen Schlichtheit sagt Brilling: “Leider machten es die veränderten Verhältnisse unmöglich, das Material, soweit es noch vorhanden ist, an Ort und Stelle nochmals einzusehen und zu überprüfen. In dieser Hinsicht muss und darf das Verständnis aller derer erbeten werden, in deren Hände dieser Band kommt.” Wir hegen mehr als Verständnis, wir hegen bewundernden Dank und wünschen, dass dieser Band in möglichst viele Hände gelangt. Eröffnet wird er durch eine allgemeine Geschichte der Juden in Schlesien. Dann folgt eine Geschichte der einzelnen jüdischen Gemeinden; die wissenschaftlichen Register bilden den Abschluss. Da wir nicht in die Einzelheiten eintreten können, genüge der Hinweis, dass wunderbares Material in bewundernswerter Weise dargeboten wird. Viele Orte erinnern uns an Wanderungen, die wir im Seminaristenkreis von Breslau aus unternommen hazen. Erwähnt sei das durch seine Druckerei berühmte Dyhernfurth (S. 57 ff), wo wir wiederholt den ehrwürdigen Friedhof besuchten. Die schlesische Judenheit genoss historisch und kulturell eine hohe Bedeutung, die auch Leser, die nicht wie wir die Liebenswürdigkeit im schlesisch-jüdischen Gemeindeleben an Ort und Stelle kennen lernten, durch Brillings Würdigung in ihren Bann zieht. Rabbiner Dr. Lothar Rothschild, St. Gallen din, Frau Susanne Striem, die in jahrelanger Freundschaft mit ihr Verbunden war. Dr. Else Orbach wird uns Wegweiserin sein für das Positive im Leben. FRITZ LICHTENSTEIN S.A. Kirjat Bialik Der Heimgegangene hat die Hälfte seines Lebens in seiner Geburtsstadt Breslau und die andere Hälfte in Israel gelebt. Bereits 1933 ins Land gekommen, arbeitete er in den ersten Jahren sehr schwer bis er wieder in Haifa in der Textilbranche ein Geschäft eröffnete, das sich sehr einführte und insbesondere viele alte Breslauer als Kunden zählte. Seine Hilfsbereitschaft, sein Optimismus und seine Lebensfreude selbst in den kleinsten Dingen haben ihm viele Freunde geschaffen. Wir sprechen der Gattin, dem Sohn der Schwiegertochter und den 3 Enkeln auf die er immer sehr stolz gewesen ist, unsere herzlichste Anteilnahme aus. Am 11. Mai 1973 verschied plötzlich und unerwartet meine treue Lebensgefährtin EDITH WIENER geb. Weissenberg, früher Breslau In tiefer Trauer Ernest Wiener 61 W. 74th Str. New-York, N. Y. 10023 12