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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 10 (sequence 2086)
Language
German
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Bekenntnis „Jüdische” Strassen in Breslau ^m ama mm ^m ^m mm tmt mm mm am imi ^m ^m mm amt mmr mk' mm sm ssm tsm am Ein weiser Mann sagte einst: Städte sind wie lebende Wesen. In ihren Strassen spielen sich Jugend und Alter, Werden und Vergehen ab. Sie besitzen eine Physionomie, jede Strasse hat ihre eigne Prägung, jede ihren Ton im Stadtbild. Es sei hier zunächst von der Karlstrasse gesprochen, die mit einem gewissen Teil jüdischen Lebens in Breslau eng verbunden war. Beherbergte sie doch in der Hauptsache jüdische Geschäfte, jüdische Kaufherren, sie vermittelte den merkantilen Austausch zwischen Stadt und Umgebung. An allen Werktagen drückten hier einst hochbeladene Rollwagen, von starken Rössern gezogen, diesem Stadtteil den Stempel auf. Pferd und Kutscher, nachdem abgeladen war, übernachteten in den zahlreichen geräumigen Höfen und Ausspannungen, um am nächsten Tage ihre neue Ladung zu den Güterbahnhöfen resp. in Orte der näheren Umgebung zu transportieren. Die Strasse im innersten Stadtkern Breslaus hat viele Jahre hindurch kaum einen Modernisierungsprozess durchgemacht. Sie blieb lange Zeit, so wie sie war, als Verbindungsstrasse zum Karlsplatz und seinen angrenzenden jüdischen Häuserblocks und Geschäften. Ebenso wie Berlin, war auch Breslau oft Durchgangsstation für Pogrom-Flüchtlinge aus Osteuropa. Ohne Hab und Gut, nur mit dem Allernötigsten versehen, kamen sie nach Breslau, wo ihnen die dafür zuständigen Organisationen zur Weiterreise nach Amerika u.s.w. verhalten. In Turnhallen, jüdischen Schulen und ähnlichen Gebäuden wurden sie zunächst untergebracht, die jüdische Gemeinde sorgte für Unterkünfte und Mahlzeiten bis zur Weiterreise. Auch im Hotel Blatt am Karlsplatz logierten manche von ihnen, bis alle notwendigen Papiere beschafft waren. Hier konnte man sie am Fenster vis ä vis sehen, frühzeitig beim Morgengebet. In den nahen Synagogen und Betstuben erschienen sie in ihrer heimatlichen Tracht oft resp. täglich zum Gebet. Dem Strassenbild der Gegend gaben sie auf diese Weise einen originellen Stempel. Hier, wo Breslau’s "Ghetto” war, fühlten auch sie sich irgendwie heimisch Dieses "Ghetto” war rund um den Karlsplatz, es umfasste weiter die Antonienstrasse, die Goldene Rade-Gasse, die Graupen- und die Wallstrasse. Eigentlich begann der jüdische Stadtteil schon an der Schweidnitzerstrasse, wo die Karlsstrasse abzweigte und wo sich ein Klavierlager jüdischer Inhaber befand. Stilistisch war die Bauart der Häuser und Gewölbe reichlich geschmacklos. Künstlerische Offenbarungen oder ein annähernd moderner Baustil waren nicht gegeben. Ein gewerbefleissiges Kleinbürgervolk, tüchtige Handwerker und rührige Geschäftsleute hatten sich hier eingerichtet. Dort florierten jüdische Geschäfte in grosser Zahl vornehmlich Textilläden. Hier reuessierten die Auslieferungsläger der schlesischen Textilindustrie (Meyer Kauffmann Textilwerke und andere), die jüdische Textilbranche hatte auf der Karlsstrasse namhafte Vertreter und Grossisten und endlich war der Einzelverkauf der Wäsche- und Stoffhändler hier meist in jüdischen Händen. Die ganze Provinz Schlesien und auch das anliegende Posen kam hierher zum Einkauf ihres beträchtlichen Bedarfs an Textilien. So sah man fachkundige Händler aus Oppeln, Beuthen, Rawitsch, Ostrowo, Lissa, Schönlanke, Pinne und wie die Orte alle hiessen, beim Einkauf von Stoffen, Leinen, Bettzeug, Decken, Wäsche und ähnlichem. Sie verkauften diese Waren an die Landbevölkerung weiter. Im Winter wurde der Weihnachtseinkauf gedeckt, die Männer kamen in Pelzmänteln und Pelzmützen, hohen Stiefeln. Oft waren es besonders ansehnliche Gestalten in der traditionellen Bart- und Haartracht. Wenn sie den Mantel ablegten, sah man oft die Schaufäden hervorlugen. Sogar die Anzüge mussten “koscher” sein und gespeist wurde nur in Restaurants, die unter Aufsicht standen. Die ganze Karlsstrasse entlang war ein jüdisches Textilgeschäft neben dem andern. Ganz verloren kam sich dazwischen ein Silberwarengeschäft vor, das jedoch auch viel jüdische Kundschaft besass, die sich für Schmuck und Geschenke aller Art interessierte. Eine Käsefabrik mit Riesenlager (No. 45) verbreitete viele Jahre hindurch “historische” Düfte. Auch eine ereste Hilfe-Station befand sich hier, vis ä vis der weltberühmten hebräischen Buchhandlung von Jacob B. Brandeis. In einem Haus war eine Postfiliale, Pferdeausspannung, ein Mazzot-Verkauf und eine jüdische Buchhandlung. Vor Jahren, als viele nach Amerika auswanderten, bestand hier eine Vertretung der Schiffahrtslinien. Als Kuriosum sei erwähnt, dass die Hinterfront des königlichen Schlosses ebenfalls hier auf dieser jüdischen Karlsstrasse lag, ebenso die Hofkirche. Der in dieser Umgebung malerisch wirkende Schlossbau (Hinterseite) bewies einstige vorzügliche Baukunst, Bauformen verschiedener Bau-Epochen offenbaren sich in der Hofkirche nach mehrfachen Renovationen. Am Karlsplatz selbst war das Geburtshaus von Ferdinand Lassalle. Ein zentraler Treffpunkt am Karlsplatz war das Cafe-Haus und Konditorei S. Hahn. Es fungierte als Klub, als Zweigbüro, als Zeitungs- Lesehalle und ein bisschen auch als Stätte des Tratschens und des Klatschens.- Die feinsten Torten und Wiener Kaffeesorten standen den Gästen zur Auswahl. Man täte ein Unrecht, wollte man die moderne Bäckerei von Siedner in der Antonienstrasse vergessen, die Köstliches an Broten, Semmeln, Hausmacherkuchen, Streusselkuchen, Mohn-, Nuss- und Sandtorten, Cröme-Schnitten, Sahnenrollen und Baisers feilbot. Ausser den Wurststuben in der Goldenen Rade Gasse waren im jüdischen Viertel keine koscheren Speisehäuser zu finden. Die Wurstgeschäfte boten schmackhafte Wiener Würstchen, Knochblauchu. Leberwurst und Rostwürstchen. Auch die “gutte Schlesische” war ein “kulinarisches Gedicht” — Erwähnenswert ist auch die Wallstrasse mit den Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde und den Wohnungen des Rabbiners Rosenthal und des Oberkantors H. Rosenthal. — Ecke Schloss-Ohle befand sich die Bank Hermann Loewy (früher Rawitsch Prov. Posen). Bis zum Nikolai-Stadtgraben zog sich das Breslauer “Ghetto” hin, in der Antonienstrasse waren Geschäfte jüdischer Inhaber, Bäckereien, Schlossereien, ein Speditionsgeschäft Matzdoff, und in der Goldenen Radegasse waren, wie gesagt, die jüdischen Fleischereien sesshaft. Was wäre von dort noch zu berichten? Dass es einen unterirdischen Gang von der Kirche in der Dorotheengasse zum Rathaus gab, dass in dieser Dorotheengasse, die die Karlsstrasse kreuzte, die Schokoladenfabrik von Boese war. Ihre Erzeugnisse waren besonders gut. Dass die Weissgerber-Ohle, die vom Karlsplatz abzweigte, der Schauplatz einiger Scenen aus Gustav Freytags Roman” Soll und Haben” war. Dass die orthodoxe “Synagoge zum Tempel" sich in einem Hof der Antonienstrasse befand. Dass die berühmte “Synagoge zum Storch” auf der Wallstrasse von dieser Strasse her durch einen langen Gang zu erreichen war, ebenso das Rabbiner-Seminar. Jetzt fährt auf der verbreiterten Karlsstrasse die Strassenbahn. Diese Rückblende ist ein Spaziergang durch diese Strassen jüdischen Gewerbefleisses, sie hebt die Stimmung jenes typischen Stadtteils wirksam Es zog eine Seele beladen Und schweigend durch glühendes Land, Bis sie die erlösende Liebe An ihrem Wege fand. In festlicher Reinheit zu strahlen, Bekannte sie alles, gestand, Da hauchte die Liebe Vergebung und löste sich und schwand. Dr. ELSE MEIßNER London, NW 2 77th St. — Gabriels Road. TUCHOLSKY SPIELT KLAVIER In unsere Buchhandlung in Berlin-Charlottenburg — es war im Jahre etwa 1929 — kam ein sehr normal aussehender untersetzter, etwas dicklicher Herr und suchte unter den Neuerscheinungen einige Bände aus, die wir ihm zuschicken sollten. Nach seinem Namen befragt, sagte er “Kurt Tucholsky, Berlin... u.s.w.” Als ich erstaunt aufsah, lachte er: “Ja, es ist richtig, ich bin Tucholsky — ich seh’ nur nicht so aus!” Unser kleiner Lehling Hermann machte sich auf den Weg, um die Bücher abzuliefern. Es verging eine Stunde, es vergingen zwei Stunden — Hermann kam nicht wieder. Endlich erschien er freudestrahlend. “Wo bist du denn geblieben, Hermann?” — “Na, doch bei Tucholsky”. — “Was, so lange?” — “Ja. Als ich ihm die Bücher abgab. fragte er mich: “Was willst du lieber haben, ein Trinkgeld, oder, dass ich dir was auf dem Klavier Vorspiele?” Natürlich habe ich gesagt: “Was Vorspielen”. Da hat er mich auf einen Stuhl gesetzt und sich ans Klavier und hat bis jetzt vorgespielt. Es war wunderbar.” Käte Beutler BERICHTIGUNG: In dem Nachruf in Nr. 33 unseres Blattes auf Prof. Schaul B. Robinsohn, von unserem Freund David Pri Chen (Freyhan) ist ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Name des genannten Dr. Speyer war nicht Max, sondern Heinrich. Er starb plötzlich im 38.ten Lebensjahr am 7. Oktober 1935. Aus seiner Feder ist die bekannte Broschüre erschienen: Der Festtag bei den Propheten. Die Broschüre erschien am 3.12.1934. Gabriel Gabrieli (Grzebinasch) Ramat Chen, Israel. Wer hat Stadtplan von Breslau 1937/38? Zuschriften an den: Verband ehemaliger Breslauer in Israel Ramat-Gan, Mazadastr. 27. (Erich Lewin) SONDERSPENDE Zum Andenken an unseren Vater, den Zivilingenieur HANS JOKL früher Breslan, zur Wiederkehr seines 100 Geburtstages, von seinen Kindern. heraus. Man atmete den Inhalt der Ballen und Kisten, Wolle, Leinen, Kleidung, Eisen und andrer Materiale quasi ein. Wir wollen auch nicht vergessen, dass damals die dortigen jüdischen Kaufleute reiche Mittel für künstlerische Zwecke, Orchester, Museen gespendet haben. Und das sei ihnen gedankt. Von unsern einst dort ansässigen Freunden ist heute niemand mehr da! Es war einmal... Julius Sachs 10

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