Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 9 (sequence 2085)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/7411685-7412337-7412364--0447-7412373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Grenze, bringt bekannten Orte, den Charakter einer mittelalterlichen Niederlassung. Von dort nach Larochette, dem “Felsen”-Dörfchen, heute ein vielbesuchter Fremdenort in einem geschützten Talkessel inmitten formreicher Felspartien; eine Doppelburg aus dem 11. bzw. 13. Jhdt. erhebt sich auf einem Bergvorsprung über dem Tal der weissen Ernz, auch hier Überreste eines römischen Lagers, prachtvolle Wälder ringsherum. Weiter nach Vianden, der “Perle der Ardennen” in wunderschöner Lage mit seiner aus dem 9. Jahrhundert stammenden gewaltigen Hofburg und seiner 1248 erbauten Trinitarier-Pfarrkirche. Victor Hugo lebte dort jahrelang im Exil, heute ist sein Haus ein Museum. Wieder umgeben ehemalige Stadtmauern mit Wachttürmchen das Städtchen, von der sich umherschlängelnden Our begleitet; in solch idyllischer Umgebung vergisst man wirklich den Trubel der Welt; ich musste sie leider verlassen, um gen Norden zurückzufahren, aber Clervaux, die historische Clervestadt im Zentrum der Ardenen, der letzte Eisenbahnpunkt vor der belgischen Grenze, hielt mich, teils weil sie so oben in den Bergen gelegenen war zur Bahn musste man weit hinunterklimmen — teils wegen seiner historischen Bedeutung mit seiner Benediktiner-Abtei und altem Schloss, das auch wieder während des letzten Krieges erheblichen Schaden gelitten hat und merkwürdigerweise logierte ich in dem gleichen Hotel, das gegen Ende des Krieges Eisenhowers Hauptquartier gewesen war, dicht unterm Felsen gelegen. Ausserdem goss es zum 1. Male während meiner bemerkenswerten Reise in Strömen. Aber mm, um die vordem erwähnte Schlange zu berücksichtigen, ging es wieder über Land 1.) zur Küste, auf welchem Wege ich doch noch, wie ich es mir schon lange gewünscht hatte, in Rodenbach’s Bruges la morte Station machte, um seine alten Strassen, Kanäle und vor allem den Beguinenhof zu erforschen, das heute zum Benediktinerkloster geworden ist, — oh, wie der Moder alter Jahrhunderte an diesen Wassern hängt — und dann natürlich nach Frauenart die luftigen duftigen dentelles — die Spitzenläden zu betrachten, zu denen ich wenn irgend möglich noch einmal zurückkehren will, um die Arbeiterinnen bei Ihrer Klöppelei zu beobachten, wozu weder Zeit noch Wetter annehmbar war. Blankenberghe und Ostende waren nur zu nahe, liebe schöne See, nun hiess es sie von “der anderen Seite her” zu sehen, dJi. die Überfahrt anzutreten. Waren 8 Länder mit ihren kurzen Beschreibungen zufriedenstellend? Zugegeben zwar, dass ich unterwegs neben vielen Deutschen auch eine Reihe engerer Landsleute traf, aber im Ganzen genommen schien mir der Anblick eines kleinen Ausschnittes europäischer Welt diesmal am wichtigsten zu sein; vielleicht wird der eine oder andere unter Ihnen sich trotz dieses evtl. Mankos daran erfreuen. Annette Mengel, Tochter von Justizrat Oswald Marcuse, Breslau, jetzt: 55 Gondar Gdns., London NW 6. Der VERBAND EHEMALIGER OBERSCHLESIER IN ISRAEL wünscht allen seinen Mitgliedern und Frennden in Israel und im Ausland EIN GESUNDES, ZUFRIEDENES NEUES JAHR Geschäftsstelle: Tel-Aviv, Schikun Dan, Lipastr. 8 Karl — Heinz Kornfeld NEUERSCHEINUNG: Pie jüdischen Gemeinden Mittel-Schlesiens von Rabb. Dr. B. Brilling, Akad. Oberrat i. R. 44 Münster (Hollenbeckerstr. 23). Wir erlauben uns darauf hinzuweisen, dass unser Mitarbeiter der akadem. Oberrat i.R. Dr. B. Brilling, ehemaliger Archivar d. Breslauer Synagogengemeinde, seinem 1960 erschienene Buche “Geschichte der Juden in Breslau von 1454 bis 1702” eine weitere Arbeit auf dem Gebiete der Geschichte der Juden in Schlesien folgen liess. Soeben ist im Verlag Kohlhammer, Stuttgart, das Buch “Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens—Entstehung und Geschichte” erschienen. Der Verfasser schildert darin anhand archivalischer Unterlagen die Entwicklung der Geschichte folgender jüdischer Gemeinden und Niederlassungen in Mittelschlesien, bzw. im Regierungs-Bezirk Breslau: Auras — Bemstadt — Bralin — Breslau — Brieg — Dyhernfurth — Festenberg — Frankenstein — Freiburg )Krs. Schweidnitz) — Freyhan — Glatz — Goschütz — Gross-Wartenberg — Guhrau — Herrnstadt — Hundsfeld — Hünern — Juliusburg — Kanth — Karlsmarkt — Koben — Bad Landet* — Löwen — Militsch — Münsterberg — Namslau — Neumarkt — Neumittelwalde (Medzibor) — Nimptsch — Oels — Ohlau — Prausnitz — Raudten — Reichenbach im Eulengebirge — Reichthal — Bad Salzbrunn — Schweidnitz — Städtel (Dorfgemeinde im Krs. Namslau) — Steinau a.O. — Strehlen — Striegau — Sulau (Krs. Militsch) — Trachenberg — Trebnitz — Waldenburg — Winzig — Wohlau. Heute existieren keine jüdischen Gemeinden (mit Ausnahme von Breslau) in diesen Orten, deren Namen einstmals nicht nur unter den schlesischen Juden bekannt waren und heute bei den Enkeln bereits schon vergessen sein dürften. Ausser den Geschichten der einzelnen Gemeinden (bis zur NS-Zeit) enthält das Buch eine allgemeine Geschichte der Juden in Schlesien mit ausführlichen statistischen Tabellen, sowie Register der Ortsnamen, der Familiennamen und der von den Juden vor der Emanzipationszeit (ohne Familiennamen) geführten Namen. Die erste Fassung des Buches war bereits aufgrund der Forschungsarbeiten in den verschiedenen schlesischen Archiven jüdischer und nichtjüdischer Herkunft 1938 fertiggestellt. Sein Erscheinen wurde aber von den NS-Behörden “aus grundsätzlichen Erwägungen”, wie man dem damaligen Verleger Stefan Münz in Breslau mitteilte, abgelehnt. Man wollte nicht wahrhaben, dass die Juden, ebenso wie die Deutschen nach Schlesien eingewandert waren und dort bereits im Mittelalter gelebt haben. Man sollte nicht wissen, dass sie sich am wirtschaftlichen und kulturellen Leben Schlesiens beteiligt und wie viel sie zur Entwicklung Schlesiens bis zu ihrer gewaltsamen Vertreibung durch die Nazis beigetragen haben. Melodien die Freude bereiten KLASSISCHE UND MODERNSTE SCHALLPLATTEN in grosser Auswahl warten anf Sie RADIO - UNION H. W. ROBERT (früher Breslau) Tel-Aviv, Dizengoff Str. 116, TeL 248526 ninj n j v NOCH EINMAL Prof. OTTO LUMMER: Ergänzend zu den genauen Ausführungen des Herrn Dr. Wiliam Boss s.A. “Die Presse in Breslau” möchte ich noch hinzufügen, dass Prof Otto Lummer nicht nur ein guter Wissenschaftler und Physiker und ein wunderbarer Lehrer und Demonstrator war, sondern auch (er möge mir den Ausdruck verzeihen) das war was man bei uns ein (“Original” nannte. — Zu ihm kamen damals gerade nach dem ersten Weltkriege die gewesenen Offiziere, die arbeitslos geworden waren und dann vielfach Medizin studierten. Sie kamen meistens in voller Uniform mit Orden und Ehrenzeichen und mit ihren Freundinnen und sassen oben in den höchsten Rängen des Hörsales im Physikalischen Institut, der wie ein Amphitheater gebaut war. Sie kamen dahin, wie ins Theater. Mir fällt da immer Goethes Faust, Vorspiel auf dem Theater, ein: Man eilt zerstreut zu uns wie zu den Maskenfesten — und Neugier nur beflügelt jeden Schritt — Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten — und spielen ohne Gage mit. — Man muss blos für “Damen" die “gewesenen Offiziere” einsetzen. Nun begann Otto Lummer, ein ziemlich kleines Männlein mit einem kleinen Bärtchen um das Kinn, seinen interessanten Vortrag, und am Ende kamen seine Demonstrationen, die von Fraeulein Dr. Cohn, seiner langjährigen Assistentin, vorbereitet waren. Zuweilen sprang er dann auf den Demonstrationstisch und deutete auf seine Lackschuhe, sagend: Da sehen Sie hier Jetzt gewiss auf meine “Lackpumps”, die habe Ich damals vor der Königin von England getragen, als ich vor ihr einen Vortrag mit Demonstrationen hielt. Er zeigte dann z.B. einen Film, in dem Kaiser Wilhelm mit seinem Gefolge zur Parade kam und die Soldaten im Parademarsch an ihm vorbeizogen. Nun liess er die Sache rückwärts laufen, Parademarsch rückwärts, Kaiser und Gefolge gingen rückwärts, und als die Musik rückwärts gedreht gespielt wurde, sagte Prof. Lummer: Klingt das nicht wie moderne Musiki? (Viele Hörer, und auch ich, trampelten Beifall) — Dann begannen die Geissler Röhren und die Teslos Ströme zu leuchten, zu funken und zu knallen, und nun sagte unser Professor ganz begeistert: “Ist das nicht wie bei Liebigi?” und alles trampelte begeistert vor Vergnügen. — Er war bestimmt ein grosser Wissenschaftler, und er wusste auch sicherlich, dass mancher Mediziner von der Physik nicht sehr viel Ahnung hatte, so war er auch meist ein sehr gnädiger Examinator. Dass er Fräulein Dr. Cohn als langjährige Assistentin hatte, beweist wohl, dass er auch kein Antisemit gewesen sein konnte, und über den Menschen Otto Lummer kann ich nur soviel sagen: Mein früherer Wirt an der Scheitniger Strasse war ein alter Schutzmann, von der sogenannten Breslauer blauen Polizei. Er erzählte, dass sie oft in der Nacht an der Dominsel Dienst machten. Da sahen sie gewöhnlich, dass das Licht im Institut oben bei Prof. Lummer spät nachts noch brannte. Im Winter, wenn es richtig kalt war, “trampsten” sie mit ihren Stiefeln extra stark auf. Da öffnete sich das Fenster oben, und Prof. Lummer fragte: Schutzmann ist.ihnen kalt?”-“Jawohl, Herr Geheimrat” war die Antwort. — “Na, da kommen Sie mal herauf!”, und er gab dem guten Schutzmann einen anständigen Schnaps. Als Physiker, Wissenschaftler und Lehrer war Prof. Otto Lummer eine anerkannte Grösse. Wie schon Dr. William Boss exact berichtete, waren seine grundlegenden Untersuchungen über Interferenzerscheinungen und über die Verteilung der Energie im Sonnen-spectrum wissenschaftlich anerkannt. Uns war Prof. Lummer als “Entdecker der flüssigen Kohle” bekannt. Als Mensch bleibt er uns in seiner Güte und Freundlichkeit, seinem Humor und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit in steter Erinnerung. Dr. Lowenstam - 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.