Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 34 (September 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 2084)
- Language
- German
- Belongs to
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Italienische Schals ln allen Farben und Mustern des Regenbogens und moderne wie antike Schmucksachen. Dies alles gehört zur Italienischen Landschaft, wie der See und die so nahen Berge, sind wir doch im Lande der grande opöra. Die Berge umringen den grünen Lago di Como, wie Fassung den Diamanten und spiegelen sich in allen Farben je nach der Jahreszeit darin; in Lugano sind der Monte San Salvatore und Monte Br6, wie Kulissen einer Bühne liebevoll und heiter (meistens ist ja dort Sonnenwetter) aufgestellt, man kennt und liebt eben in der Hauptsache den lachenden See, in dem sich lOOOe von Sonnestrahlen eitrigst hineinsenken. Das war nun also See No. 3, der 4. erschien plötzlich auf einem Ausfluge halb bei Boot, halb bei Autobus nach Überschreiten der italienischen Grenze dort, wo der Lago Maggiore, also der grösste, bzw. längste den schweizerischen Nordzipfel verlassen hat, denn den letzten und allerschönsten Ausflugspunkt in Gestalt der Borromäisclien Inseln, wer würde sich den entgehen lassen? Vom lieblich gelegenen Stresa aus gelangt man in kürzester Frist zur wirklich einzigartigen Isola Bella, der Gründung des Grafen Karl Bor romäus, einem Grossneffen des so wohltätigen Kardinals und Heiligen, der für seine Frau aus einem nackten Felsenriffe eine phantastische Nachbildung eines Vergnügungsdampfers zu schaffen suchte, und zwar zur Hälfte den Palast mit umgebenden Gärten, zur anderen Hälfte mit Baulichkeiten. Die Gärten erheben sich über einander in 10 Terrassen angeähnelt den einstmals hängenden Gärten von Babylon. Kaum eine seltene tropische oder subtropische Baum- oder Pflanzenart, die es dort nicht gibt, Orangen und Zitronen, Kamelien, Magnolien, Buchsbaum, Stechpalme, Lorbeer, Zypressen, dazwischen herrliche Statuen, schmiedeeiserne Tore und Zäune und last not least die berühmten weissen Pfauen. Diese Gärten noch dazu auf einer der schönsten Inseln der Welt bieten vom Seeufer aus einen märchenhaften Anblick, den man nie vergisst. Wir besteigen wieder den Dampfer, der uns zur Isola Madre (der heiligen Mutter) führt, wo wiederum blühende, seltene Gärten uns begriissen mit ausländischen Vögeln, Tieren und Pflanzen, und wieder weiter zur Isola Pescatore, der Fischerinsel, wo alte Treppen und Durchgänge vom See zur Kirche, zum Friedhof und zur Hohe führen; fast alles sind Fischerhäuschen, und alles ist heiter und farbig, eben italienisch, musikalisch, romantisch. — Verzeihen Sie, liebe Leser, meine langen Ausführungen, die ein Buch leicht füllen könnten; ich mache schon Schluss und fahre fort aus dieser Märchenpracht (widerwillig, aber durch die leidigen Umstände gezwungen) gen Norden, also in und durch die so normale, nüchterne, streng geregelte Schweiz, also Land No. 7, wo man sich an den zahlreichen Naturwundern erbauen aber nicht von ihnen bezaubern lassen darf. — Wie das nun aber so manchmal geht! Ich besitze einen neuen Schweizer Kalender, der für den Januar zwar d. erhabene Winterschnee-Landschaft im Berner Oberland gebührend zeigte, dafür aber für den Februar, zu dem ich erst heute (aus Zeitmangel) umgeblättert bin, auf ihren italienischen Kanton Tessin zurückgriff, schon um den Gegensatz bei den dorten jetzt schon blühenden Mimosen, Rosen und Azaleen zu zeigen, nämlich wieder an den Ufern des wunderreichen Lagi Maggiore, diesmal jedoch eben den Schweizer Nordzipfel mit dem wirklich tropisch anmutenden Locarno-Orselina-Madonna del Sasso und seinen Nachbarorten, alle am See oder direkt oberhalb: Ascona mit seiner Maler und Künstlerkolonie Ronco oben am Berge, zu dem viele, viele Stufen, von Wein und Efeu bekränzt hinaufführen, und da erinnerte ich mich, dass auch ich aus Abenteuerlust zum Beschluss meines heiteren Seen-Aufenthaltes dorthin kurz hingepilgert war, um eine weitere Trauminsel BRISSAGO in nächster Nähe im See, wie eine Fata Morgana erscheinen zu sehen. Und der gleichnamige malerische Ort liegt weiter unten am See. Bei strahlendem Sonnenschein Kastanien und Trauben abzupflücken, heisst alle Sorgen und Mühen zu vergessen und nur den Moment zu gemessen, was d. Italiener so offensichtlich tun bei ihrem Espresso und vino, daran können südlich der Alpen auch nüchterne schweizer Gesetze und Vorschriften nichts ändern. Nächster Stop dann AIROLO südlich vom Gotthard, weil ich immer noch hoffte, die Fahrt über den Pass via Andermatt, Hospental machen zu können, aber wiederum war es zu spät im Jahre, als einzige Möglichkeit blieb natürlich die Eisenbahnfahrt durch den berühmten Tunnel, tief im Schosse der Erde, wieder eine Alpendurchschneidung, diesmal von Süd nach Nord. In Göschenen empfingen uns deutsche Laute, deutschschweizerische Ortsnamen und die Bergriesen des Vierwaldstättersees. Von Altdort aus ein Abstecher ins Tell-(Schächen) Tal nach Bürglen, des Sagenhelden Wohnort, tief (oder hoch) inmitten der Berge, vom Rauschen des Flüss-chens begleitet, ein malerisches Dörfchen mit Tellskirche, Museum, Apotheke, Hotel, Weinstübli usw., usw., warum soll man schliesslich nicht im. 20. Jahrhundert aus diesem berühmten, vielleicht nur legendären Schweizer Nationalhelden, den erst ein deutsches Drama den meisten bekannt gemacht haben wird, Kapital schlagen? Verständlich, wenngleich nicht unbedingt geschmackvoll; weitaus bedeutender war die Tellsplatte und dicht dabei erbaute Tellskapelle mit schönen Wandgemälden vom Apfelschuss, Rütlischwur und Gesslers Tod. Eine kurze Überkreuzung des Sees, der zu meiner Freude liebenswürdig lächelte, d.h., bei immer noch Sonnenschein, brachte uns nach Seelisberg und dem Rütli “der Matte heünlich im Gehölz, das Rütli heisst sie bei dem Volk der Hirten, weil dort die Waldung ausgereutet ward, dem Mythenstein grad über”, so ganz genau richtig beschrieben von einem kranken armen Dichter, der nie eine solche schwierige Reise hat unternehmen können, sondern alles nur aus Beschreibungen, wie Goethe’s Berichten entnahm. Heute ist diese kleine Matte fast am Seeufer noch genau so da, nur mit der eidgenössischen Flagge gekenntzeichnet und nicht weit davon der Schillerstein “in Dankbarkeit von den Waldstätten errichtet. Auf dem Wasser dann weiter gen Vitznau und dem uralten Luzern mit seinen weiten alten Holzbrücken, worin man den Totentanz in Holzschnitten sieht und auch die geschichtliche Entwicklung dieser jetzt so modernen Stadt des Fremdenverkehrs, durch die malerische Altstadt zum Schweizer Quai, an modernen Bank- und Hotelpalästen vorbei zum Löwendenkmal in Erinnerung an den Heldentod der Schweizer Garde des französischen Königs während der Revolution, ein unendlich tragischer Anblick und in den berühmten Gletschergarten, was für ein seltener Zeuge des Wandels von der jetzigen Palmenküste zur Eiszeit! Aber ja auch er sicher den Meisten unter Ihnen bekannt sein dürfte, so möchte ich mich hier wieder des Zeit- und Raummangels wegen nicht weiter damit befassen. Ich wiederhole, über diese meine interessante Reise ein Buch zu schreiben, wäre sehr viel einfacher. Der Hausberg von Luzern, König Pilatus, lag leider in dichtestem Nebel, sodass ich anstelle ihn zu “erklimmen” mich lieber wieder der so angenehmen elektrischen Eisenbahn anvertraute und nach der Bärenstadt, Bern, fuhr im Jahre 1191 von Berthold von Zähringen gegründet, nach seinem Willen und Plan als Feste in unsicheren Landen und als Kern einer Landschaft, und sie, die grosse und reiche Stadt hat bis heute ihre urpsrüngliche Anlage gewahrt. Wer heute die breiten, kühnen parallelen Gassen der Altstadt mit ihren stilsicheren Bürgerhäusern, prächtigen Brunnen und Denkmälern durchschreitet und betrachtet, der erkennt sogleich, dass Berns Wille und Macht im Laufe der Jahrhunderte eine wesentliche Rolle in der Geschichte Europas gespielt haben muss. Zudem lag die Stadt im Schnittpunkt alemannischer und romanischer Kultur, sodass Weltoffenheit zu den Traditionen ihrer Bürger gehörte, die häufig als Diplomaten oder Soldaten fremden Fürsten dienten, ohne dabei ihre “bernische” Eigenständigkeit zu verlieren. Somit ward diese vornehme europäische Stadt im Jahre 1848 zur Bundeshauptstadt und beherbergt die diplomatischen Vertreter aller Völker der Erde, ist hochentwickelte Universitäts- und Industriestadt mit Weltgeltung, ferner aber auch eine Hochburg modernen sportlichen Lebens. Auch der Geschmack und die erlesene Eleganz der Schaufenster ln den berühmten Laubengängen, die alle “Gassen” umsäumen, zum Herumwandeln bei allen Wettern bestens geeignet, beeindruckt und erfreut einen jeden, wonach immer er ausschaut, Antiquitäten oder Modeartikeln, Schweizer Uhren beileibe nicht zu vergessen. Gepflegte Gaststätten aller Länder tragen ihr übriges dazu bei die Besucher zu erfreuen. Der “Moses-Brunnen” dem evangelischen Münster gegenüber durfte Sie wohl besonders interessieren. Schade, wie schade, dass auch meine Zeit drängte, denn ich musste über Land 8.) bald zurückfahren, nicht ohne das Basler Kunstmuseum mit Rodin’s "Bürgern von Calais” und seinem einen, aber unvergesslichen El Greco, dem Apostel Jakobus, wieder anzustaunen. Und von dort nach — Luxembourg —, dem kleinsten Mitgliede der EWG mit seinen kaum 400.000 Einwohnern, das aber doch im Völkerrat eine nicht imwichtige Rolle spielt, denn auf dem Kirchberg führt die rote stählerne “Europa-Brücke zum Gerichtshöfe der Europäischen Gemeinschaften und dem Sekretariat des europäischen Parlaments. Das Europa-Centre beherrscht mit seinen 22 Stockwerken das Bild dieser uralten Festungsstadt mit ihren 20 km langen unterirdischen Galerien und Kasematten, der Überreste der alten “Lützelburg”, seinen 91, darunter die bedeutende Adolphe, Brükken, seinen herrlichen Parks und der ausserordentlichen "Comiche”, der Wallpromenade, die durch und um die malerischen Unterstädte führt. Das ist die Stadt, die Hauptstadt, das frühere Gibraltar des Nordens, eines so unendlich lieblichen Ländchens, dem die Geschichte immer wieder Wunden schlug, und die schlimmsten in der allerjüngsten Zeit, die so klaffend waren, dass die Luxembourger darob ihre Sprache geändert haben, ein in der europäischen Geschichte wohl einmaliger Vorgang, denn heute ist die offizielle Sprache des Landes französisch geworden, bis in die dreissiger Jahre hinein wäre es unmöglich gewesen, jemanden aufzutreiben, der lieber Französisch als Deutsch gesprochen hätte. Heute ist es wie gesagt umgekehrt, und unter psychologischem und sozialem Druck wird kaum ein Einheimischer an einer deutschen Universität studieren, sondern zieht selbstverständlich Brüssel oder Paris vor. Zu Hause sprechen die Luxembourger ihren eigenen Dialekt, das “Letzeburgische”, das aber seine Ähnlichkeit zur moselfränkischen Mundart doch nicht verleugnen kann. Anstelle mich zum südlichen Stahlgebiete zu begeben, nahm ich mir ein Rundbillet auf das so ausgedehnte, perfekte Autobus- Netz und fuhr nach all den anmutigen Punkten längs der Ardennentaler und Flüss-chen, dem Ourtal, dem Obersauertal und an die Mosel, nach Echternach mit seiner vom heil. Willibrord im 7. Jahrhundert gegründeten Benediktiner-Abtei, wo die Basilika seinen weissen Marmor-Sarg birgt; die alte Pfarrkirche St. Peter und Paul inmitten der Stadt erhebt sich auf einem früheren römischen Kastell. Teile der starken alten Ringmauer verleihen dem durch die berühmte Pfingstprozession, die lOOOe von Besuchern jedes Jahr zu dem verträumten Sauerstädtchen, unweit der deutschen 8