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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-09-01 · No. 34 (September 1973) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 34 (September 1973)
Date
1973-09-01
Page
Seite 7 (sequence 2083)
Language
German
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ein wenig graut, daneben die Jakobskirche, dann die Hofburg, den alten, wie neuen Teil, die spanische Reitschule, wo ich trotz der Ferien Morgenübungen graziösester vollkommener Art der Lippizaner, eins mit ihren traditionsgeschulten Reitern in ihren kostbaren Uniformen beiwohnen durfte, und machte mich dann mit dem Ringgürtel bekannt, von der “Burg” zur Oper und der so beliebten, bezaubernden Kärntnerstrasse mit ihren exquisiten Läden und blumenbestückten Fusspfaden, wo kein Auto fahren durfte, und dann zum Beethovenplatz mit Denkmal, Schubertring zum Stadtpark, um “Schani”, wie lebend geigen Zusehen, dann zur barocken Karlskirche (diesmal aber Karl VI. im Gegensatz zum böhmischen Heros Karl IV. und zum weiten weiten Schwarzenbergplatz mit Leuchtfontäne, Denkmal und Paläster ringsum, und von dort aus mit der Tram zum Südbahnhof (Prinz Eugen’s Belvedere). Ich glaube, das war genug in IVz Tagen für meinen ersten Besuch der Traumstadt, die es auch heute noch ist. Am letzten Vormittag aber kam der für mich Höhepunkt: Schönbrunn mit der Maria Theresia Gloriette mit dem Neptunbrunnen (bei uns daheeme “Gabeljürge” geheiligten Andenkens. Wie stolz schaut sie doch auf soviele Blumen-Beete herab! Nun hiess es am Westbahnhof Abschied zu nehmen, was mir mehr als schwer fiel. Zeit und Platz drängen nach Land 6, der Süden. Diese karge Beschreibung lediglich der xxx-Bädecker-Wichtigkeiten bitte ich mir zu verzeihen, da alles dies und noch weiteres dort nachgelesen werden kann und sicherlich die meisten unter unseren Breslauern in der “guten alten Zeit” oftmals den Katzensprung s.Zt. noch ohne Pass! in schneller Nachtfahrt ins Donauländle gemacht haben werden, um sich in der alten Kaiserstadt und deren phantastischer Umgebung (Wiener Wald, Semmering, Wachau) zu vegnügen und last not least den Heurigen in Grinzing oder Nussdorf zu probieren, damals, wo es noch "“e'ine Lust war zu leben”. Where is the snow from yesteryear?? — Nun aber der Donau entlang, die a) wirklich nicht blau ist; b) jetzt gar nicht mehr Wien durchfliesst, höchstens der Donau-Kanal zur Salzburger Seenplatte und dann von der liebreizenden Salzach-Mozartstadt direkt gen Süd, vorbei am weltberühmten Radonbad Gastein, durch den erstaunlichen Tauerntunnel, denn wir sind in den österreichischen Hochalpen gelandet, wo die einzige Möglichkeit sie zu durchdringen im Durchsprengen der Felsen bestand und zum bedeutenden Tunnel wurde, wo die Eisenbahn Immerfort lOOe von Autos neben den vielen Reisenden durchschleust, weil das eben der einzige Weg hindurch ist. Auf der Fahrt durch Kärnten bald nach dem Heraustreten in die so ganz andere Atmosphäre südlich der Alpen kann man von weitem den Grossglockner, den höchsten Berg österreichts erblicken, der in gleicher Weise zum Salzburgischen, wie zu Kärnten gehört. Ein Ausflug dorthin bis hinauf zur Pasterze (Gletcher) und der Franz Joseph’s Höhe bedeutet ein Kapitel für sich, das hier leider keinen Platz finden kann. Man muss ja nicht alles haben, und es bleiben mir noch 3 Länder übrig, die einige Zeit beanspruchen werden. Nun weichen die Hochalpen zurück und werden nur noch Kulisse, wir kommen ins Bereich der Kärntner Seen, Spittal/Millstadt am See (VS Std. Busfahrt dahin) ist erreicht, wo man in ein kleines Zügle umsteigt, das nach Osttirol mit seiner Hauptstadt Lienz langsam “rast”, wo man am besten über Nacht bleibt, um die kleinen, engen mit Lädchen verschiedenster Art ausstaffierten Gassen und Quergässchen auszukundschaften, um sich dann am “Bozener” Platz in einem der vielen Cafes und Eis-Stüble zu erholen oder, was ja am beliebtesten ist, in einem Tiroler Weinstüble mehr oder weniger reichhaltige “Kostproben” zu versuchen. Mit einem Wagen kann und sollte man das alte ausgegrabene Römerkastel Aguntum aufsuchen, woraus später ein Bischofssitz mit berühmter Basilika wurde, den aber die eindringenden Slaven vernichteten. Dieses kleine isolierte “Ost-Tirol”-Ländchen hat schon viel Geschichte mitgemacht; von der Lienzer Klause aus wurden die eindringenden Franzosen 1809 zurückgeschlagen, ein Rachekampf der Tiroler für die schandhafte Ermordung Andreas Hofer’s, dem Nationalhelden eines Landes, das im Jahre 1918 unbesiegt einem fremden Lande zugewiesen wurde, kosten- und mühelos, genau wie es Schlesien, bzw. was davon geblieben war, im Jahre 1945 erging, als es lt. Potsdamer Beschlus sang- und klanglos polnisch wurde, wenn es auch offiziell “unter polnischer Verwaltung” hiess. Waarum soll man politisch d.h. bitter werden? Lieber besteigen wir ein weiteres Zügle, das uns nach Simian, der eigentlichen heutigen Grenze bringt, wo stolze italienische Zollbeamte zum “Revidieren” erscheinen, und von dort nach Innichen (San Candido), dem Eingangstor ins Märchenreich der Südtiroler Dolomiten. Durch den Unabhängigkeitsgeist ihrer neuen “Untertanen”, die durchaus ihre Autonomie behalten wollen, etwas bestürzt, haben die Italiener in die zweisprachige Benennung des Bezirkes, den sie Alto Adige (Oberetsch) nennen, mit seinen Bergen, Flüssen und Tälern einwilligen müssen, denn keine deutsch-tiroler Familie will italienisch sein oder genannt werden, das strahlende Land soll ihnen allein gehören; der Kampf hört nie auf, aber bis auf die sprachliche Konzession ist noch kaum etwas erreicht worden. Aber wenn auch Bozen heute als Boizane bekannt ist, so erfreuen uns doch, wie früher, seine tiefen “Lauben”, sein Dom und, wie viele andere Kirchen, seine Weinberge und seine südliche Sonne wärme am Tage und das Abendglühen des Rosengartens so überraschend freudig bis zur nächtlichen Dunkelheit. Mein Weg führte mich auf der grossartigen Dolomitenstrasse zum Karer See, in dem sich die seltsam geformte Latemargruppe von Felsen widerspiegelt, dieses Jahr indessen war er sichtlich zusammengeschrumpft wegen Wasserd.h., Schnee- und Regenmangel, aber man konnte wenigstens sehen, was gemeint war. Well, '/i loaf is better than none at all”; wozu hat der Mensch denn Phantasie? Da der Wettergott es gut meinte, machte ich sogar einen Ausflug auf die Seiser Alm, der grössten Alpenweide inmitten der grauen, so selten zerstückelter Dolomitenriesen, die erst am Abend Pracht entfalteten. Diese “Alpa di Siusi” ist kilometerlang, aufwärts, führend, sie ist auf der einen hohen Seite mit Drahtseilbahn, auf der anderen tiefen Strassenseite (stundenlang von einander entfernt) mit dem Autobus zu erreichen, viel Weidevieh, viele, sehr viele seltene Wildblumen. Es war eine sehr schöne, leider nur zu kurze Zeit, denn Land 7, die freie Schweiz, wartete noch, und ich musste den besten Weg hinüber finden, denn mein erträumter Plan des Uberkreuzens von Meran aus durch den Stelvier Pass, den höchsten Europas, fiel ins Wasser, oder sagen wir, Schnee, weil der Autobusverkehr Mitte September stoppt, und es war schon Ende dieses Monats. Aber da ich in meinem nicht ganz abenteuerlosen Leben wirklich schon schlimmere Enttäuschungen durchlebt hatte, so bestieg ich eben die Eisenbahn, deren Route mich über die Stätte Romeos & Julia’s (Verona) zum noch nie gesehenen aber schon lange erträumten Garda-See hinführte; mithin war die vermisste Passfahrt direkt ein “blessing in disguise”, wie wir hier sagen, und ich landete in Sirmlone, der merkwürdigen spitz weit in den See vordringenden, schon (u. ganz besonders) in der Römerzeit Halbinsel mit ihren Catullus-Grotten, seinem wuchtigen alten Kastell u. den vielen anmutigen Verkäufsständen, Ristorantes, Gärten und Dampfer — sowie viel Fischerbooten-Werften. Eine Dampferfahrt in die Garda-Riviera (Gardone, Malcesine) bringt uns gen Norden zum Anblick der näher kommenden Alpen, denn der See ist weit und durch die verschiedenste Szenerie so wunderbar; es war der erste und bei weitem nicht der einzige See in Oberitalien, den ich besuchen wollte und durfte. Wieder auf die Bahn, diesmal stieg ich in der letzten italienischen Stadt C o m o mit seinem so ganz anders gearteten ganz Bergsee, der einen so an die japanische Inlandsee erinnert, wo auch hohe Berge bis dicht an die Ufer herantreten und fast umspült werden, wo sich Dutzende kleiner und grösserer Ortschaften entwickelt haben, und das durch viele Jahrhunderte, denn Como’s Marmordom steht schon 600 Jahre und ist immer wieder als die herrlichste Kirche Italiens in seiner Blendung von Gothik und Renaissance-Stil gepriesen worden, auch hier wieder lOOe von sich kreuzenden und verflechtenden Strässchen, Torbogen und malerische Treppen, hinauf in die Berge, hinunter zum Platze Cavour, dem Mittelpunkt des See- und Landverkehrs, und alles führt zum Dom, — nach Rom, denn ein solch märchenhaft schönes lachendes Land kann nur katholisch sein. Natürlich ist nicht immer solch balsamische Luft, und nicht immer ist dort blütenreicher Frühling, der die Berghänge ganz violett, gelb und grau schimmern lasst mit rosa leuchtendem Schnee auf den Spitzen, nein, der Winter dort am Seegestade ist oft grausam, — wie schon oben erwähnt: Man kann eben nicht alles haben! Nun, Como liegt am südlichsten Zipfel des nach ihm benannten Sees, einiges vom Norden sah ich später von Lugano, meiner nächsten und heitersten Station, schon in No. 7, gelegen, da Chiasso, einige km von Como entfernt, Grenzstation in die Schweiz ist, wo man dann endlich aus der verwirrenden Italienischen Währung heraus und in solide Frankenwährung kommt. Lugano mit seiner subtropischen Umgebung, seinen Edelkastanienwäldern, seinen Weinbergen, Apfelsinen und Zitronenbäumen, mit lOOen von Villen mit herrlichen blühenden Gärten, von wo immer wieder der sonnige See mit seinen zahlreichen Buchten und Booten zu sehen, bzw. zu erspähen ist, macht einen so heiter, dass man nicht denken will, wie ungeheuer theatralisch die Szenerie ist und die Menschen wirken, denn, auch politisch schweizerisch, so sind wir doch in der ganz italienischen Schweiz mit italienischer Sprache, Bauart und ebensolcher Bevölkerung. Der Ort selbst (der Bahnhof der SBB liegt hoch oben am Berge), zieht sich von oben nach unten zum Seeufer, auf weiten Treppen abwärts steigend oder fallend meilenweit hin, und drunten am Quai, wo die meisten Hotels und Lokale sind, sieht man die Fahrdampfer direkt am Fenster vorbeifahren, genau wie in den — so oft als unnatürlich dargestellten “musicals” hier, wie ja auch Musik, Gesang und Drama allhier zu Hause sind. Man muss es bewundern und behält sich das nachsichtige Kopfschütteln für später, wenn man keinen der freundlichen, direkt liebenswerten Mitbewohner verletzen kann. Wenn man nun direkt in einem der zahlreichen “Au Lac” Hotel residiert, so verbringt man natürlich die meisten dieser glorreichen Stunden auf dem Wasser, da ja eben die Dampfer direkt vorbeifahren und landen, also erst auf dem zum Corner See, nach Porlezza, wo der Luganer See endet, von dort aus mit dem Auto oder Auto-Bus nach Tremezzo mit seirer Villa Carlotta, wo mir die Rosen- und Magnolia und Rhododendron-Büsche weit mehr an staunender Bewunderung einflössten als, z.B., Canova’s Amor und Psyche, die allenthalben so bewundert wird, dann nach Menagglo und von dort mit dem Fährboot nach Bellaggio der “Insel der Seligen”, ein Paradies von Gärten, Schloss und See-Promenade, wo sich na.- türlich, ein Luxushotel an das andere reiht und — bitte nicht zu vergessen — Ansichtkarten-Kioske, 7

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