Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 34 (September 1973)
- Date
- 1973-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2079)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Arbeit i n Breslau Die Festtagswoeften bildeten den grossen Einschnitt in der jüdischen Arbeit des Jahres und erlauben eine kurze Pause des Rückblicks und Ausblicks. Der Sommer ist gegangen, die Aufgaben der Winterarbeit rücken näher. Die Synagogen und Zweiggottesdienste waren gefüllt. Nach wie vor steht die Synagogengemeinde Breslau mit 16.000 Seelen an hervorragender Stelle unter den jüdischen Gemeinden Deutschlands. Sie ist nach Wien, Berlin und Frankfurt a. M. die viertgrösste Gemeinde des Reiches. Im Juni 1933, zählte sie 19.800 Seelen, bis Juni 1936 war sie auf 18.000 Mitglieder zurückgegangen. Ausser in den beiden Gemeindesynagogen betete man dieses Jahr in acht Zweiggottesdiensten, die erstmalig in ausschliesslich jüdischen Räumen abgehalten wurden. Mehrere Kandidaten des Jüdisch-Theologischen Seminars wurden für einige der Gottesdienste aushilfsweise mit den Rabbinatsfunktionen betraut. Daneben waren wie von altersher viele Andächtige in den zahlreichen, eng mit dem Werden der Breslauer Gemeinde verbundenen, Privat Synagogen, u.a. Synagoge zum Tempel, Landschul, Sklowerschul, Alt-Glogauerschul, Pinchas- Schul und in den Betsälen des Krankenhauses und der Heime versammelt, von denen einige im vergangenen Jahr überholt, bzw. neugestaltet worden sind. Der grösste für die Zweiggottesdienste benutzte Saal, der grosse Saal in dem von der Gemeinde gemieteten Gebäude der "Gesellschaft der Freunde”, kurz der "Freunde-Saal” genannt, dient gewöhnlich den grossen kulturellen Veranstaltungen der Breslauer Juden. Die Gemeinde hat ihn im Sommer auf Vorschlag des Jüdischen Kulturbundes einer gründlichen Ereneuerung unterziehen lassen. An Stelle der früheren Stühle sind bequeme Klappsitze getreten, in deren dunkler Farbtönung auch das rund um den Saal laufende Paneel gehalten ist, während der obere Teil der Wände und die Decke eine helle Farbtönung erhielten. Ein über die ganze Breite des Saales reichender Vorhang aus kirschrotem Samt trennt die Bühne vom Zuschauerraum. An Stelle des bisherigen Podiums ist eine fahrbare Bühne eingerichtet worden, für die eine neue Beleuchtungsanlage geschaffen wurde. Die Garderobeneinrichtungen wurden so modernisiert, dass eine leichte Abwicklung ermöglicht wird. Bei musikalischen Veranstaltungen können Bühne u. Vorhang entfernt werden. Dann ist der Saal durch eine Orchestermuschel abgeschlossen, und alle tonhemmenden Hindernisse fallen fort. Auch organisatorisch trat mit dem 1. Oktober eine wichtige Änderung im Breslauer Jüdischen Kulturbund ein. Von diesem Zeitpunkt ist der Jüdische Musikverein eine reine Chor- und Orchestervereinigung geworden, der nur ausübende Mitglieder angehören. Die übrigen Mitglieder traten in den Kulturbund über, der nunmehr auch als Veranstalter der Konzerte auftritt, die er vom Musikverein übernimmt. Der Musikverein wird sich jetzt ausschliesslich den rein künstlerischen Aufgaben widmen können. Das Orchester hat trotz gewisser Abwanderungen, denen aber auch Neuzutritte gegenüberstehen, seinen Bestand nicht wesentlich verändert. Für die kommende Spielzeit hat der Kulturbund den Musikverein für zwei Orchesterkonzerte im November und März, die Berthold Sander (Berlin) und Intendant Dr. KurtSinger dirigieren werden, verpflichtet. Für Januar ist ein Chorkonzert unter Leitung von Werner Sander (Breslau) geplant, in dem Händels “Acis und Galathea” aufgeführt werden soll. Der Chor studiert ausserdem Hillers Oratorium “Die Zerstörung Jerusalems” ein. In der Theaterabteilung sind etwa fünf Auf- Von Kurt SCHWERIN führur.gen geplant. Die Theaterspielzeit wurde am 25. Oktober mit einem Gastspiel des Hamburger Kulturbundes (Fodors Lustspiel “Arm wie eine Kirchenmaus”) eröffnet. Weiter sind Solistenkonzerte, Vorträge und Kleinkunstabende geplant. Die Spielzeit eröffnete Alexander K i p n i s mit einem Liederabend am 6. Oktober. Für einen grossen Kreis von Bedürftigen sind die Abende der Toynbeehalle der “Sozialen Gruppe erwerbstätiger jüdischer Frauen und Mädchen” unentbehrlich geworden. Im letzten Winterhalbjahr fanden insgesamt 49 Veranstaltungen statt die durch künstlerische Darbietungen und Vorträge abwechslungsreich gestaltet werden konnten. Dem kulturellen Leben der Breslauer Juden dienen ferner die Vortragsreihen und Arbeitsgemeinschaften des Jüdischen Lehrhauses, das seine Winterarbeit vorbereitet, die reichhaltige Gemeindebibliothek und das weit über die Grenzen Breslaus bekannte Jüdische Museum. In ihm sind wertvolle Kultgeräte und Kunstgegenstände und zahlreiche Dokumente aus der jüdischen Geschichte aufbewahrt. Leider muss das Museum in Kürze seine bisherigen Räume in der Israelitischen Waisen-Verpflegungs-Anstalt aufgeben. Es wäre zu wünschen, dass sich Mittel und Wege finden, um dem Museum die im Interesse der jüdischen Kultur notwendige Weiterarbeit zu ermöglichen. Auch das Wirken der Schlesischen Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für jüdische Familienforschung in Breslau ist für alle Juden Deutschlands von Bedeutung. Sie veranstaltet regelmässige Vortragsabende und hat sich in den letzten Jahren mit besonderem Eifer der Inventarisierung alter jüdischer Friedhöfe in Schlesien angenommen. Hier arbeitet die Gruppe zum Teil mit dem Archiv derSynagogengemeinde zusammen (Archivleiter: Rabbiner Dr. Heppner, Archivar: Rabbiner Bernhard Brilling), das neben der vermehrten Arbeit, die durch die Beschaffung und Ausstellung von Urkunden und Verwandtenforschung entstanden ist, auch wissenschaftliche Arbeiten zur Geschichte der Juden in Schlesien leistet. Die Akten aller wichtigen Gemeinden Schlesiens — mit Ausnahme von Glogau — sind im Breslauer Archiv gesammelt und gesichtet. Auch die Friedhofsaufnahmen (bisher u.a. Breslau-Friedhof, Claassenstrasse, Zülz, Prausnitz, Festenberg) werden hier aufbewahrt. Gegenwärtig wird an der Inventarisierung des Friedhofes Städtel bei Namslau gearbeitet. Bei den Inventarisierungen steht dem Archiv die Mitarbeit der Studenten des Jüdisch- Theologischen Seminars (Fränckelsche Stiftung) zur Verfügung, dessen Wirken nach wie vor das gesamte jüdische Leben Breslaus befruchtet. Seine Dozenten und Lehrbeauftragten (Professor Dr. Heinemann Dr. Albert Lewkowitz, Dr. S. Ochs, Dr. Ephraim Urbach, Dr. N. Wahrmann, Dr. Willy Cohn u.a.) sind neben den Gemeinderabbinem (Dr. Vogelstein und Dr. Hoffmann) bei der Fortbildung der jüdischen Lehrkräfte tätig und haben an der Arbeit des Lehrhauses führenden Anteil. Dem Seminar sind die in Palästina anerkannten Vorbereitungskurse für die palästinensischen Lehrerseminare angegliedert u. sein schlichtes, stilles Gebäude beherbergt auch die Hebräische Sprachschule. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird seit Gründung von Dozenten des Breslauer Seminars herausgegeben. Es steht an der Spitze der jüdischen Bildungsanstalten der Stadt, die der jüdi- ABDRUCK AUS DER C.V. ZEITUNG 3.11.1938 sehen Jugend vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten gewähren. Die Synagogengemeinde unterhält zwei Religion s-U nterrichtsanstalten. Am Rehdigerplatz sind die Schulen des 1920 gegründeten (alten Jüdischen Schulvereins untergebracht. Die Private Jüdische Oberschule (Leiter: Dr. Abt) ist voll ausgebaut besitzt alle Einrichtungen einer höheren Schule und hat die Berechtigung zur Ausstellung vollgültiger Reifezeugnisse. Die Anstalt hat erstmalig Ostern 1938 die Abiturientenprüfung in ihren Räumen abgehalten. Die von der Schule eingerichtete, gut ausgestattete Werkstatt für Mechanik ist Ostern von der Beratungsstelle der Synagogengemeinde als Lehrwerkstatt übernommen worden. Die Private Jüdische Volksschule, Rehdigerplatz und Wallstrasse, besitzt über die Normalklassen hinaus die bekannte Einrichtung des neunten Schuljahres. — Der Neue Jüdische Schulverein hat 1934 die Private Jüdische Volksschule am Anger (Leiter: Studienrat a.D. Dr. P o 11 a c k) errichtet. Das Bedürfnis nach einer über die Volksschulbildung hinausgehenden unterrichtlichen Bildung für begabte Schüler und Schülerinnen hatte zu der Einrichtung von sechs sog. Kursusklassen geführt, die sich an die Grundschule anschlossen. Nach der Neuordnung des mittleren Schulwesens durch den Ministerialerlass vom 1. Juli 1938 hat die Angerschule nunmehr die ministerielle Genehmigung zur Angliederung gehobener Klassen erhalten. Von Ostern 1939 ab tritt an die Stelle der bisherigen Kursusklassen ein geschlossener vierstufiger Aufbau auf dem sechsten Volksschuljahr mit dem Lehrziel der Mittelschule. Nach erfolgreichem Besuch dieser gehobenen Klassen erhalten die Schüler ein entsprechendes Schulzeugnis. Die verbindliche Fremdsprache in den gehobenen Klassen ist das Englische. Begabten Schülern ist somit die Möglichkeit gegeben, sich neben einer guten Allgemeinbildung die Schulkenntnisse anzueignen, die den Bedürfnissen der praktischen Berufe entsprechen. Die achtstufige Volks-Schule der Angerschule bleibt daneben nach wie vor bestehen. Alle Schüler der Angerschule haben die Möglichkeit, in Privatkursen Unterricht in westeuropäischen Fremdsprachen zu erhalten. Der Werkunterricht an der Angerschule ist auf eine neue Grundlage gestellt und ausgebaut worden. Neben diesen grossen Schulen besteht die kleinere achtstufige Privatschule Wohl, die Paula-011 e nd o r f-Haushaltungsschule bildet in allen Zweigen der Hauswirtschaft aus und besitzt auch eine als Aufbauklasse geltende Schneiderklasse. In den Schulen wird auch Gartenbau und wahlfrei Stenographie und Schreibmaschine getrieben. Fast alle jüdischen Lehrer Breslaus und Schlesiens sind im Verein jüdischer Lehrer in Schlesien zusammengefasst, der monatlich Vorträge, ferner Fortbildungskurse usw. veranstaltet. Der sportlichen Ertüchtigung der Jugend dienen die Max Nordau-Turnhalle des Bar Kochba, die auch für gottesdienstliche Zwecke und Vorträge Verwendung findet, die Turnhalle des Sportbundes “Schild”, sowie der Sportplatz des “Schild” in Krletern. Der Jüdische Schwimm verein hat im Sommer ein eigenes jüdisches Schwimmbad an der Oder betrieben, ausserdem kann er das Hallenschwimmbad benutzen. Der Berufsvorbildung dienen ausser der Lehrwerkstatt für Mechanik theoretische Handwerkerkurse für Auswanderer, die in den Räumen der Anger-Schule stattfinden. Diese ebenfalls von der Beratungsstelle betriebenen Kurse umfassen Maschinenkunde, Freihand-, Schrift-, Schnitt- und Modezeichnen, technisches Zeichnen, Stark- und Schwachstromlehre, Maurer- und Zim- (Fort. Seite 4) s