Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7411685-7412337-7493573--0430-7412356- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ludwig Stössl verstorben Dem Gedächtnis an meinen Freund Schaul B. Robinsohn s.A. Vor' einigen Monaten teilte mir Herr Elieser Lewin mit, dass mein ehemaliger Schulkollege Schaul Benjamin Robinsohn ploetzlich in Berlin verstorben sei. — Ich hatte in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr mit Schaul gehabt, nachdem er seinen Posten als paedagogischer Fachmann von der Unesco in Hamburg angetreten hatte. Von der 1. Grundschulklasse bis zur Untersecunda hatte ich mit ihm ueber 9 Jahre als guten, vielleicht besten Freund in der juedischen Volksschule am Rhedigerplatz in Breslau zusammen gelern.t Unser erster Klassenlehrer und Schulleiter war der unvergessliche, vorbildliche HEYMANN FEIL- CHENFELD s. A., dem wir alle die Basis zu unserer elementaren Bildung (Allgemeine und juedische) verdanken. In der hoeheren Schule war Rabbiner DR. GOLDSCHMIDT s.z.l. unser erster Direktor, dessen Unterschrift in einer unserer Buecherpraemien mich bis heute an seine kraftvolle Persoenlichkeit erinnert. Schaul war ein hochintelligenter Musterschueler, den selbst die schwersen Fragen und Aufgaben nie in Verlegenheit brachten. Meistens galt er als Klassenprimus, der sich stets des Vertrauens aller Lehrer erfreute. Sowohl in realen als auch in humanistischen Faechern brachte er fast immer die besten Zensuren nach Hause und seine Mutter, die frueh verwitwete Sekretaerin des Keren Hajessod, hatte grosse Freude an ihm sowie an seinem ebenfalls hochbegabten Bruder Abbi- Awraham (heute Professor fuer Mathematik im Ausland?) Schaul entstammte einer zionistischen Familie aus Niederschlesien. Sein Grossvater war der bekannte Prediger Baer aus Waldenburg i/Schlesien, der an der religioesen Erziehung der Enkel noch lange Jahre an Vatersstelle aktiv teilnahm. In unserer gemeinsamen gluecklichen Schulzeit diskutierten wir haeufig ueber aktuelle Zeitfragen: allgemeine Politik, Assimilation, Reform, Zionismus, Orthodoxie, Alijah u.dergl., und ich erinnere mich, mit welcher Sicherheit und ideologischer Grunedlichkeit Schaul die zionistische Sache vertrat, wenn wir bei Frl. Helft im Deutsch — oder Geschichts Unterricht eine Art “Parlamentsdebatte” inszenierten. Schaul nahm natuerlich am Gemarah Schiur unseres unvergesslichen, allgemein verehrten Rabbiners Dr. MAX MOSCHE SIMONSOHN s.z.l. teil, und es gelang ihm schnell, sich auf das Lernen "Irwrith beewrith” einzustellen. Dr. S. hatte ihn besonders gern. Nach dem “Einjaehrigen” trennten sich leider unsere Wege. Schaul trat in die Gerhard Hauptmannschule (Realschule) ein, waehrend ich das Reform Realgymnasium zum heiligen Geist bezog. Soweit ich mich erinnere, wanderte Schaul als guter Zionist kurz nach der Nazi- Revolution nach Erez Israel ein und legte sein Abiturienten- Examen im Rechavia — Gymnasium, Jerusalem ab. (Die schnelle Auswanderung der Familie war u.a. dem Einfluss unseres Iwrith Lehrers, dem hervorragenden Sprachforscher Dr. Max Speyer, zuzuschreiben). Ich traf Schaul 1940 in Jerusalem wieder als Bibliothekar bei Salmann Schocken (Talbie) nach beendigten erfolgreichen Universitätsstudium in Geschichte u. Sprachen. Wenn ich mich nicht taeusche, so lernte er auch im Lehrerseminar Beth Hakerem. Spaeter trafen wir uns in Haifa Schaul war inzwischen einer der fuehrenden Lehrer in der Biramschule geworden und gehoerte wohl auch zur allgemeinen Leitung. — Unter den Lehrern Haifas hatte er einen Namen als Paedagoge und Wissenschaftler. Ich erfuhr, dass er als Dozent fuer die Jerusalemer Universitaet kandidierte, doch aus mir unbekannten Gruenden zog er einen Posten als Fachmann fuer Erziehungswissenschaft von der Uneso vor und ging fuer einige Jahre nach Hamburg. Er leistete dort sicherlich wichtige Forschungsarbeit und vertrat Israel als internationaler Experte fuer Erziehungsfragen. Spaeter las ich den Namen von PROFFESOR SCHAUL B; ROBINSOHN in einer von einem Schweizer Paedagogen herausgegeben Broschuere. Er wird hier als Kapazitaet fuer Reformen in der Lehrerausbildung zitiert. Schaul war inzwischen ordentlicher Professor fuer Paedagogik an die freie Universitaet von Berlin berufen worden, eine Tatsache, die von der grossen Anerkennung zeugt, deren er sich in wissenschaftlichen Kreisen erfreute. Leider fehlen mir Daten und weitere Einzelheiten in seiner grossen Karriere, nachdem wir in den letzten Jahren keinerlei Kontakt hatten. Ich nehme an, dass Dr. Joseph Walk ihn auf seiner Forschungsreise in Deutschland getroffen hat und uns in der naechsten Ausgabe der Zeitung weitere Einzelheiten ueber das Leben und die akademisch — wissenschaftliche Taetigkeit von Prof. S. Robinsohn mitteilen wird. Als ich die Nachricht von seinem Ableben erhielt, war ich schmerzlich getroffen vom Heimgange eines alten Jugendfreundes, eines bedeutenden Wissenschaftlers von internationalem Ruf, der leider so frueh — und auf fremder Erde — zum ewigen Leben abberufen wurde. DAVID PRI CHEN (THEODOR FREYHAN) Kfar Maimon — Israel Der Weggenosse von Max J. ist tragischerweise nach kurzer, schwerer Krankheit fast zu gleicher Zeit im 82,ten Lebensjahr, verschieden. Auch Dr. Boss gehörte in das Bild der einst blühenden Gemeinde, Breslau. Er1 war der Stolz des Gemeindelebens. Als bekannter Uruloge, ausgezeichneter Operateur, menschlicher Berater, war er trotz seiner starken Inanspruchnahme in seiner Praxis in den verschiedensten Ehrenämtern tätig. Als ausgezeichneter, hochmusikalischer Mensch hat er die G”ttesdienste der Gemeinde durch sein Vorbeten bereichert. Unvergessen bleiben die Jugend- G”ttesdienste an den “Hohen Feiertagen”, die er als Vorbeter und Chordirigent in Breslau leitete. Als Mohel war er berühmt. Sein Auftreten überall löste grosse Anerkennung aus. Sein feiner Humor, seine Schlagfertigkeit, seine ausgezeichnete Feder, die er gerne zum Schreiben von Artikeln über verschiedenste Gebiete benutzte, machten ihn zum Freunde Vieler. Auch in unserer heutigen Ausgabe erscheint seinem Wunsche gemäss, den er noch im Krankenhaus äusserte, ein lesenswerter Aufsatz. Fast täglich um 7 Uhr 15 früh erhielt der Unterzeichnete ein Telefon, in dem Dr. Boss Fragen stellte, das Neueste berichtete, wichtige Briefe vorlas, die ihn aus aller Welt von alten Breslauern erreichten. Uns ist eine wichtige Adresse verloren gegangen, bei der wir uns über die Geschichte Breslaus, Ludwig Stoessl ist kurz vor seinem 90. Geburtstag in USA verstorben. Er begann in jungen Jahren seine Laufbahn als Schauspieler in Czernowitz, an dessen Stadttheater er für billiges Geld debütierte. Sein Weg führte ihn dann nach Wien, wo erst bei dem Theaterdirektor Josef Jarno, dann bei Gabor Steiner ernste und heitere Rollen spielte, sowohl im Schauspiel wie auch in der Operette. Anschliessend ging Stössl auf Gastspielreisen und wurde von Direktor Loewe in Breslau für die Operette am dortigen Schauspielhaus engagiert, wo er in grossartigen Inszenierungen komische Rollen spielte. Hier war zunächst der Höhepunkt seiner Karriere. Er war ein glänzender Komiker der klassischen und modernen Operette, als Fideler Bauer. Jasomirgott, Frosch, Nussberger, Tsclioell, Ollendorf, Zsupan, in Operetten > von Zeller, Heuberger, Jones, Kalman, Lehar, Fall, Strauss — die Fülle der Rollen, denen Stoessl seine Erfahrung und seinen köstlichen Humor lieh, ist unübersehbar. Man amüsierte sich, man lachte über seine Gestalten, auch wenn er noch in der Kulisse stand! Wer kann das? Breslau war, wie er oft äusserte, seine glücklichste Zeit. Es gibt so wenig Menschen, die wissen, was echter Humor ist, wie wichtig er ist, wie heilsam und Menschen verbindend. Stoessl wusste es, er war ein lachender Philosoph, dabei ein Komödiant mit Herz. Mit all diesen schönen Eigenschaften machte er die Breslauer lachen, er brachte die knurrigsten Kaeuze zum Schmunzeln. Er war ein künstlerisch Gebender, ein künstlerisch Schaffender. Wer die Vielfältigkeit seiner Rollen erlebte, den hat er gefesselt, ja fasziniert. Weiter ging es nach Berlin, er spielte bei Reinhardt und Barnowsky, Gerhart Hauptmann, Moliere und vieles andere. 1933 flüchtete er mit seiner Gattin, der Sängerin Lore Birn nach Hollywood, wo er alsbald beim Fernsehen eine u. viele Rollen spielte und grösste Erfolge hatte. Ludwig Stoessl wird den ältern Theaterfreunden unvergessen bleiben. Julius Sachs das Gemeindeleben in seinen verschiedensten Sparten unterrichten konnten. Bei seiner Bestattung und auch am Jom Schloschim sprachen im Rahmen einer Gedenkfeier Rabb. Jehuda Ansbacher von Ichud Schiwat Zion, der Synagogengemeinde des mittel-europä*- ischen Judentums, der er viele Jahre seine besten Kräfte als Kultus-Referent widmete und der Sekretär des Verbandes ehemaliger Breslauer, Erich Lewin, der seine grosse Tätigkeit für die Breslauer Gemeinde hervorhob. Unvergessen bleibt uns allen der grosse Einsatz von Dr. Boss für die Entstehung der jüdischen Schule in Breslau, die mit grossen Aufregungen und Kampfstimmungen verbunden war. Rührend war seine Liebe zu seiner Gattin, die in den letzten Jahren sehr leidend war und vor ihm heimging, herzlich und fürsorgend sein Verhältnis zu seinen Kindern und Enkeln, die versuchten, seine Liebe ihm zu erwidern. Ein ausgefülltes, positives Leben hat seinen Abschluss gefunden. E. L. Dr. William (Seev) Boss s.A. 19