Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zwei wundersame Erignissewahrend und nach der Katastrophen Zeit Die zwei Vorkommnisse, die ich erzählen will, sind, so scheint es mir, nicht von lokalem, sondern auch von allgemeinem Interesse. In der Sued-Slovakei liegen die Dörfer in einer Entfernung von 2—3 Kilometern voneinander. In jedem dieser Dörfer wohnten 1—2 jüdische Familien in manchen 3—4. Eine oder zwei dieser Familien ernährten sich von dem in ihrem Besitz befindlichen Wirtshaus oder von der Gemischtwarenhandlung, es gab aber auch dort jüdische Landwirte und Grundbesitzer. Ein solches Dort war COLTOV. Mit Hilfe der umliegenden Dörfer hatte man dort ein kleines Bethaus und eine Wohnung für den Schochet gebaut. Am Schabbat und an Feiertagen wurde dort Gottesdienst gehalten, unter Beteiligung der Bewohner dieser Dörfer. Nach der Katastrophe und dem Ende des zweiten Weltkrieges kehrten der frühere Gastwirt und sein 18-jähriger Sohn nach Coltov zurück. Beide hatten sich in den Wäldern versteckt und den Partisanen angeschlossen, und mit Rücksicht auf ihre Verdienste als Partisanen gab man ihnen das Bethaus und die Schochet-Wohnung, wo sie ein Klubhaus und ein Vergnügungslokal eröffnen wollten. Ihre frühere Religiosität hatten sie in den schweren Kriegsjahren verloren. In unserer Gemeinde war damals das Centrum für das Judentum im Umkreis von 30 Kilometern. Nach der Wieder-Organisierung kam zu uns ein Raw, dessen frühere Gemeinde ohne Juden geblieben war. Er, seine Frau und sechs Kinder waren am Leben geblieben, weil der lutheranische Pfarrer sie mehr als 21/2 Jahre in seiner Wohnung versteckt hatte. Er war sehr fromm und aktiv, und als er erfuhr was in Coltov geschehen war, bestellte er den Vater mit dem Sohne zu sich — die aber weigerten sich zu kommen. Es gab damals keine öffentlichen Verkehrsmittel, aber ein Mitglied unserer Gemeinde besass Pferd und Wagen, und er fuhr mit dem Raw und einem anderen jüngeren Mann nach Coltov. Der Raw versuchte den Gastwirt davon zu überzeugen, dass sein Vorhaben ein Chilul Hashem (Entweihung des g”ttlichen Namens) bedeute, der aber wollte nichts davon wissen. Daraufhin versetzte der Raw in seiner Erregung dem Manne 2 Ohrfeigen. Den Begleitern blieb der Atem fort-so befürchteten sie einen Racheakt von seiten der beiden Dörfler, aber zu ihrer grossen Überraschung schwiegen beide, und versprachen sodann, das Lokal nicht zu eröffnen. Dieses Wort haben sie dann auch gehalten.... Das zweite Ereignis, das ich berichten will, begann im Jahre 1949, als nach dem Pressburger Progrom unser Raw attackiert wurde und daraufhin die Slovakei verliess. Unser neuer Rabbiner hatte früher in Dobsina fungiert, ein Ort der durch seine Eishöhle bekannt ist. Er war sehr fromm, ein grosser Talmudgelehrter, dabei auch ein ausgezeichneter Vorbeter, sowie Schochet und Mohel. Bei alledem war er ein aussergewöhnlicher naiver Mensch. Wie hatte er sich, seine Frau und sechs Kinder aus der Vernichtungskatastrophe gerettet? Ein Mitglied der Gemeinde Dobsina war in Bratislava (Pressburg) Mitglied des Judenrats und es gelang ihm, den Rabbiner im Jahre 1942 vor der Deportation zu bewahren. Im Dezember 1942 wurde auf Intervention des Papstes bei Tiso, selbst Von Dr. JACOV RAMON, Ramat-Chen ein katholischer Priester, die Deportation in der Slovakei eingestellt, der Rabbiner bekam eine gelbe Legitimationskarte als “wirtschaftlich wertvoller” Jude. Bis zu dem sogenannten Partisanen- Aufstand im August 1944 war das Leben der Juden in der Slovakei zwar schwer, aber irgendwie erträglich. Nach der Niederlage der Partisanen aber mussten die Juden flüchten und versteckten sich in den Wäldern und in Bunkern. Der Rabbiner, mit seiner Frau und 5 Kindern — das sechste war unterwegs — wurde in ein entlegenes Dorf in den Wäldern der Karpathen verbracht, wo er mit den Juden die dort wohnten, natürlich ohne Bart und Peoth und in entsprechender Kleidung, von befreundeten Bauern ernährt wurde. Das Geheimnis wurde jedoch bekannt, wahrscheinlich durch Verrat, und die Versteckten flüchteten in alle Richtungen. Der Rabbiner irrte im Walde umher und traf dort eine Patrouille der Deutschen Wehr- Das Jüdische Komitee für Theresienstadt (Dr. Georg Weis) 1020 Wien, Taborstr. 4-6 veröffentlichte einen Aufruf — auch im “Aufbau” — mit der Bitte, sich bereit zu erklären, bis zum DM 60.— zu zahlen, um eine genaue Liste der aus Deutschland nach Theresienstadt Deportierten zu veröffentlichen und über ihr weiteres Schicksal zu berichten. Diese DM 60.— sollten jedoch erst gezahlt werden, wenn diese Dokumentation zustande kommen kann und ihre Drucklegung gesichert wäre. Nun bekam ich die Antwort, dass sich nur 120 Subscriptionen für diese Liste bereit erklärt haben und daher an eine Veröffentlichung nicht zu denken ist. Wie das Hauptstaatsarchiv Stuttgart mitteilt, wurden aus verschiedenen Quellen 389,841 Namen von jüdischen Bürgern erfasst, die in der heutigen Bundesrepublik bezw. in Berlin geboren waren und deportiert wurden. Es ist ein trauriges Ergebnis, dass sich nur 120 Interessenten für die Liste gefunden haben, damit dieses Gedenkbuch der deutschen Juden in Theresienstadt erscheinen kann. Unter diesen Umständen kann es nicht bearbeitet und veröffentlicht werden. Vielleicht hilft dieser Brief, das Interesse zu wecken und sich an die obengenannte Adresse in Wien mit Spenden oder Bereiterklärung der Kosten zu wenden. Grete Loewenstein-de Vries Kiriat Bialik, Israel TOTENBUCH THERESIENSTADT Aus einer Kopie der Prager Karthotek jener Verfolgten, die nach Theresienstadt deportiert wurden, hat das Jüdische Komitee für Theresienstadt Listen erstellt, die nach den Herkunftsländern geordnet wurden. Die Liste der aus Österreich Deportierten (mit Geburtsdatum, Nummer des Transportes nach und aus Theresienstadt oder Datum des Todes in Theresienstadt) ist als würdig ausgestattetes Gedenkbuch soeben erschienen. Ein gleichartiges Buch für die aus Deutschland nach Theresienstadt Deportierten kann nur gedruckt werden, wenn die Selbstkosten durch Subskription von mindestens 3000 Bänden a IL 60.— gedeckt sind. Bei Mehrbestellungen würde sich der angeführte Subskriptionspreis verringern. macht. Aufgefordert, sich auszuweisen, zeigte er naiverweise seine jüdische Legitimationskarte vor. Gefragt, wohin er denn wolle, gab er wahrheitsgemäss an, dass er seine Familie in dem Dorf — -aufsuchen wolle, und damit hatte er deren Aufenthalt und den eine Paares alter Leute, die mit ihnen wohnten, verraten. Er fügte noch hinzu, dass seine Frau dort bald ein Kind bekommen wollte. “In Ordnung”, sagten die Soldaten, “Du kommst mit uns in das Dorf, und wenn du die Wahrheit gesagt hast, so wird dir nichts geschehen, hast du uns aber angelogen, so müssen wir dich umbringen.” Und so geschah es — die Patrouille überzeugte sich von der Wahrheit des Erzählten und zog ab — und die Zahl der so Geretteten hatte sich inzwischen um ein neugeborenes, sechstes Kind vermehrt. Ein Wunder? Die Familie befindet sich jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Interessenten werden gebeten, den angeführten Coupon ausgefüllt einzusenden. Jüdisches Komitee für Theresienstadt An das Jüdische Komitee für Theresienstadt Taborstrasse 4—6 1021 Wien, Postfach 151 Ich bin bereit, ein Buch mit der Liste der aus Deutschland nach Therehienstadt Deportierten zum Preis von höchsten IL 60.— zu kaufen. Name: (in Blockschrift) Adresse: LESERBRIEF An den Verband ehemaliger Breslauer in Israel. Unsere letzte Korrespondenz war im Sommer dieses Jahres. Indessen habe ich, zu einem erheblichen Teil gestützt auf Ihre Informationen und Ratschläge, in der von mir bearbeiteten persönlichen Sache wesentliche Fortschritte gemacht. Die Aufgabe der Suchanzeige im Schlesier, Recklingshausen, hat zur Auffindung des Gesuchten und damit zu ausreichender Information geführt. Auf Grund dieser Information konnte ich das von Ihnen erwähnte Ersuchungsverfahren bei den Wrozlawer Behörden über das hiesige Auswärtige Amt, Konsular Abteilung, einleiten und hoffe, in absehbarer Zeit in den! Besitz der beantragten standesamtlichen Dokumente zu kommen. Ich habe noch andere Stellen entdeckt, die bei Auffindung von Sterbedaten (insbesondere Kriegsgefallenen) hilfreich waren! Versorgungsamt Hamburg, Landesversorgungsamt Berlin (Krankenbuchlager), Zentralrat der deutschen Juden, Düsseldorf (durch Photocopien aus dem Buch: “Die jüdischen Gefallenen im Weltkrieg I”), das Internationale Kommitee des Roten Kreuz, Zentraler Suchdienst, Genf. Ich wäre unseren Lesern dankbar, die evtl, nach Wrozlaw (früher Breslau) fahren, — und dies ist gerade auch heute noch sehr oft der Fall-, wenn Sie den Weg zur jüdischen Gemeinde zwecks Feststestellung einer Tatsache fänden. Meldungen bitte an den Verband ehemaliger Breslauer, Ramat Gan, Mazadastrasse 27. (Israel). Besten Dank im Voraus Ihr Dr. Ch. P. Kein Theresiensfaedfer Totenbuch für Opfer aus Deutschland 18