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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Touristen aus Deutschland vor 100 Jahren Im Frühjahr 1872 reisten drei deutsche Juden nach Palästina: Prof Hermann Graetz, der berühmte Historiker, und zwei Kaufleute: Gottschalk Lewy aus Berlin und Ascher Levy aus dem pommerschen Städtchen Polzin. Sie reisten kaum anders, wie man es noch zwei Generationen danach tat, um nach Palästina zu kommen, mit der Eisenbahn nach Triest und von dort mit einem österreichischen Schiff nach Alexandrien. Da dieser Dampfer keine koschere Küche führte, hatten sie sich mit eigenem Proviant, vor allem Fleisch - waren, versehen, und die verhalf ihnen auf dem Schiff zu einer interessanten Bekanntschaft. Ein Mitreisender war der Erzherzog?Thronfolger Rudolf; er wunderte sich über Pasasgiere, welche den Speisesaal mieden, suchte sie auf, liess sich von ihnen mit ihrer koscheren Wurst traktieren und fand diese so köstlich, dass er sich jeden Tag seine Portion holte. Nach fünftägiger Fahrt in Alexandrien angekommen, empfing der türkische Statthalter Graetz und seine Mitreisenden amtlich und bot ihnen seine eigene Yacht zur Weiterfahrt nach Jaffa an, was aber der hohen Bakschisch-Kosten halber abgelehnt wurde. Unsere Reisenden zogen es vielmehr vor, mit einem rusischen Schiff nach Jaffa zu fahren. Dort bestiegen sie noch am Tage ihrer Ankunft Pferde, um Charles Netter in Mikweh Israel, der ersten Institution des neuen Jischuw, zu besuchen. Von dort setzten sie ihre Reise über Ramleh, wo sie im Kloster übernachteten, Kirjath Jearim und Abu Gosch nach Jerusalem fort. Hier hielten sie sich über eine Woche auf, besuchten nicht nur alle damals zugänglichen jüdischen Erinnerungsstätten, sondern auch die moslemischen und christlichen, mit Ausnahme der Aksa-Moschee, ihrer Lage auf dem Tempelberg wegen. Ferner suchten sie die massgebenden Persönlichkeiten des Jischuw und der Stadt auf und wandten ihr besonders Interesse den Schulen und sozialen Institutionen zu. Auch Ausflüge in die Umgegend wurden gemacht. Jerusalem hatte damals nach den Aufzeichnungen im dem erhaltenen Tagebuch des Ascher Levy ca. 800 jüdische Einwohner, darunter 74 aus Deutschland und Holland. Heute haben wir Gelegenheit, unserem lb. Fritz Tau zu seinem 70ten Geburtstag von dieser Stelle aus unsere herzlichsten Glueckwuensche zu uebermitteln. Geboren am 23. März 1903 in Beuthen O/S besuchte er die dortige Ober-Realschule. Seine Absicht zu studieren konnte er nicht ausfuehren und wurde im Jahre 1922 ins vaeterliche Geschaeft nach Beuthen O/S zurueckgerufen. Der Umfang des Geschaeftes war sehr gross und Fritz Tau hate eine grosse Verantwortung uebernommen. Der Vater sagte Immer, es genüge ihm, wenn er einen Sohn an die “Literatur” verloren habe. (Max Tau, sein Bruder, ist der Nobel-Preistraeger für Literatur vom Jahre 1972, siehe Verbandsblatt Nr. 32, Seite 25). Trotz seiner ausserordentlichen grossen Beschaeftigung übernahm er im Jahre 1932 das Palaestina-Amt des Gruppenverbandes für Oberschlesien, das er bis zu seiner Auswanderung 1939 in vorbildlicher Weise leitete. Waehrend andere am Schabbat und Sonntag ihre Ruhetage hatten, benuetzte Fritz Tau den Sonntag dazu, um in Beuthen und den Kleingemeinden Oberschlesiens durch Vortraege, Organisation und Aufbau von zionistischen Ortsgruppen taetig zu sein. Er scheute keine Arbeit, er fuhr herum, oft unter Anschliessend begaben sich unsere Touristen nach Hebron, dann nach Bethlehem und über das Kloster Mar Saba ans Tote Meer, weiter zum Einfluss des Jordan und über Jericho, einem “elenden Dorf”, wie es in dem Tagebuch heisst, zurück nach Jerusalem. Bald darauf verliessen sie die Stadt durch das Damaskus-Tor, um über Har Gerisim mit Besuch bei den Samaritanern, des Emek Jesreel und Har Tabor nach Tiberias zu gelangen. In dieser Stadt, die nach dem Tagebuch damals 2000 Juden und 500 Araber beherbergte, verlebten sie Purim, assen die Fische aus dem See, machten Ausflüge auf dem See und rund um ihn herum, besuchten aber vor allem die Grabstätte des Maimonides und alle anderen jüdischen und nichtjüdischen Denkwürdigkeiten. Dann ging es über Shafr Am weiter nach Akko und Haifa, schliesslich nach Jaffa zurück und von dort aus per Schiff nach Port Said. Intensives Sight-seeing in Ägypten schloss sich an, bis ein italienisches Schiff sie nach Triest zurückbrachte. Fast fünf Wochen waren die Touristen in Palästina und hatten es — mit Ausnahme des Oberen Galil — meist zu Pferde oder auf Eselsrücken in Begleitung eines arabischen Führers und Leibwächters bereist. Da sie die sozialen und erzieherischen Einrichtungen höchst verbesserungsbedürftig fanden, ergriffen sie sogleich nach ihrer Rückkehr die Initiative zur Gründung des “Komitees zur Gründung jüdischer Waisenhäuser in Palästina”. Dies führte schliesslich zur Errichtung eines Waisenhauses nebst Schule in Jerusalem, in welchem zum Entsetzen des damaligen Jerusalemer Rabbinats und gegen seinen Widerstand auch weltliche Fächer gelehrt wurden. R. A. Fritz Wolfsohn Tel-Ganim, Gideonstr. 16 (Israel) NACHTRAG In Israel leben 6 Urenkelinnen mit ihren Familien von ASCHER LEVY. Die 3 Touristen im Jahre 1872 haben sich nicht erträumt, dass ihre Familien einmal nach 100 Jahren im Staate Israel leben werden. den schwierigsten Verkehrsverbindungen, um in die kleinste der kleinen Gemeinden zu kommen. Der Unterzeichnete wird ihm nicht vergessen, dass er bei seiner grossen Arbeit fast jeden Monat in seiner Gemeinde erschienen ist und mit besonderem Takt verstanden hat, die nichtzionistischen Juden anzusprechen und ihnen den Emst der Lage zu schildern. Unvergessen bleiben die Bezirkstagungen in Beuthen, Gleiwitz. Gross-Strelitz und Kreuzburg. Es sind bestimmt viele andere vergessen worden. 1939 war Fritz Tau mit seiner Gattin der erste Siedler in Beth Jitzchak bei Natania, wo beide in schwerster Arbeit aus Sandduenen bluehendes Land machten. Als Beamter der Corporative und am Aufbau einer Huehner-Wirtschaft, die beide auch heute noch betreiben, haben sie Grosses geleistet. Fritz Tau, der “Zionist” seit fruehester Jugend, kann von sich sagen ich habe das Ideal, dem ich nachstrebte, verwirklicht. Wir wuenschen ihm und seiner Gattin Gesundheit, Freude an der Arbeit und denselben Elan, den sie bisher aufbrachten. Ad mea Weesrim! ERICH LEWIN Apotheker Ewald Schmidt, zum 75.ten Diesem ausserordentlich bescheidenen und geistig, sowie sportlich aufgeschlossenem Menschen wuenschen wir von dieser Stelle aus noch viele, viele Jahre in Regsamkeit und Arbeitsfreudigkeit. Ewald Schmidt ist der Sohn des Apothekers Alfred Schmidt, Besitzer der “Hohenzollern — Apotheke" in Breslau. Ewald Schmidt hat die Apotheke seines Vaters nicht übernommen, da er bereits im Mai 1933 nach Palaestina auswanderte. Als Teilnehmer des ersten Weltkrieges fuehlte er sich durch den 1. April 1933 (Boykott-Tag) schwer betroffen. Er eroeffnete in Haifa gemeinsam mit Herrn Apotheker Paul Bender aus Guttentag O/S die erste Drogerie nach europaeischem Muster. Nach Gruendung des Staates Israel verwandelte er die Drogerie in die bekannte Apotheke, Haifa, Herzlstr. 45. Er fuehlt sich mit dem Staate Israel stark verwachsen und stellte sich in den Tagen der Kriege als Sanitaeter zur Verfuegung. Sein Onkel, der bekannte Radierer Siegfried Laboschin hatte wesentlichen Einfluss auf seine geistigen Interessen. Seine Liebenswuerdigkeit und Hilfsbereitschaft sind sprichwoertlich. Seine Gattin Ruth Schmidt ist eine geborene Tockuss aus Oels ln Schlesien, wo das bekannte Kaufhaus “Tockuss am Ring” weit und breit bekannt und beliebt war. Ad mea Weesrim. Verband ehemaliger Breslauer ln Israel C E N T R A Koordinationsausschuss der Zentral — Europaeischen Landsmannschaften Im letzten halben Jahre fanden im Rahmen der “Centra” folgende Veranstaltungen statt: 1. Am 1/11. 1972 Vortrag von Professor Dr. Cuno Lehrmann, Hannover ueber “Stephan Zweig”. Leitung des Abends Herr Dr. Joseph Kaufmann, Vorsitzender der Centra. (siehe Aufsatz in unserem heutigen Blatte von Frau Anni Loewenstein-Priebatsch). 2. am 9/11. 72 Gedaechtnisstunde mit der Gemeinde “Ichud Schiwath Zion” in deren Synagoge. Redner Professor Dr. C. Lehrmann, amtierender Rabbiner der juedischen Gemeinde Hannover und Nieder Sachsen. Liturgischer Teil: Oberkantor Jacob Samek der Gemeinde Ichud Schiwath Zion. 3. am 3/12. 1972 Channuka Feier. Entzuenden d. Lichter Oberkantor Jacob Samek, Festansprache Rabbiner Israel Loewensj;ein, Jerusalem. 4. am 18/1. 73 Tu Bischwath Feier. Ansprache Rabbiner Israel Loewenstein, Jerusalem. Im musikalischen Teil die vorzuegliche und vielseitige Saengerin Sara Lipton. 5. am 18/2. 73 Lichtbildervortrag des Herrn Max Danziger ueber Griechenland, Rhodos und Creta. 5. am 4/3. 73 Symposium ueber aktuelle Fragen der Wiedergutmachung. Leitung Dr. Joseph Kaufmann. Hauptreferat Herr Diwon sowie Erklaerungen des Herrn Levy vom Rentnerbund Discussion. 7. am 18/3. 73 Purimfeier unter Mitwirkung der Herren Looser Kornfeld und Getz Kapelle unter Leitung von Fred Hauser. Teilnahme etwa 400 Personen. Leitung Herr Egra. Alle Veranstaltungen waren als gelungen zu bezeichnen und waren gut besucht. In der “Centra” sind zusammengeschlossen die Verbaende: ehemalige Berliner, Breslauer u. Schlesier, Halberstaedter, Hannoveraner u. Umgebung, Kasseler, Karlsruher u. Badenser, Koelner u. Hheinlaender, Leipziger u. Umgebung, Ludwigshafener und Rheinpfalz, Oberschlesier. Fritz Tau, Beth-Jitzchak zum 70ten 15

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