Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Blick Zurück! In den ersten Januartagen richten sich die Gedanken der Vertriebenen besonders intensiv an die alte Heimat. Wehe Erinnerungen werden wieder vor unseren geistigen Augen wach. Ich will aber heute einmal nicht von diesem allgemeinen Geschehen berichten, sondern ich will von mir selbst, erzählen, wie ich es schon mal in unserer Heimatzeitung getan habe. Dabei habe ich mir zwei Gebiete erwählt, denen mein Interesse gilt. Die Wahl meines jetzigen Berufes geht auf den Besuch in verschiedenen Apotheken unserer Heimatstadt Breslau zurück, die ich durch verschiedene Krankheitsfälle in der Familie oft aufsuchen musste. Da steht ganz deutlich die Storch Apotheke im Odertor vor mir, die damals Herrn Peyser gehörte. Das Wahrzeichen der Apotheke war über der Eingangstür als vergoldete Figur schon weithin sichtbar. Da man in der Zeit vor 1933 noch Medikamente in grösserer Menge anfertigte — also die Rezeptur noch im Mittelpunkt der Arbeit des Apothekers stand — hatte ich oft Gelegenheit, mich in dem Raum umzusehen. Der Handverkaufstisch war hell beleuchtet, während es ansonsten ein wenig dunkler war, so dass man all die für mich damals noch unverständlichen Aufschriften auf den Gefässen staunend betrachten konnte. In der Zwischenzeit konnte man geschäftiges Hin- und Her hinter dem Verkaufstisch bemerken. Auch konnte ich kurz vor Geschäftsschluss die Vorbereitungen für den Nachtdienst aus den Gesprächen der Angestellten mit dem Apothker entnehmen. Ich fasste damals spontan den Entschluss bei einem Aufenthalt in dieser Apotheke, den Beruf zu ergreifen. Nach der verhängnisvollen Kristallnacht wechselte der Besitzer; zum Glück aber wurde das Innere nicht zerstört, sondern es standen nur zwei braune Posten davor. Der Nachfolger — es war ein älterer Herr — Herr Seiffert — war in kurzer Zeit auch sehr beliebt. Bei ihm hat dann meine jetzige Frau in ihrer Studentenzeit Vertretungen gemacht. Von der Moltkestrasse im Odertor möchte ich zur Hummerei Apotheke kommen, die mir aus der Zeit vor 1933 noch sehr gut in Erinnerung ist. Der Besitzer war ein kleiner netter Herr, der immer ein freundliches Gesicht machte. Wie ich übrigens nach der Kristalnacht festgestelt habe, musste er auch seine Apotheke aufgeben. Jedenfalls war meine Mutter eine Grossverbraucherin in homöopathischen Mitteln, die man dort stets vorrätig hatte. Da meine Mutter eine frische Gesichtsfarbe hatte, glaubte der Apotheker immer, es handle sich bei ihr um eine Gutsbsitzerfrau aus der Umgebung, denn er fragte: “Gnädige Frau, in welches Hotel darf ich es Ihnen schicken.’ Meist handelte es sich um 2 oder 3 Tablettendöschen oder Fläschchen, die damals vieileichet insgesamt 2 R. M. kosteten. Ja, das war noch Kundendienst! Ob sich unsere Leser noch an die Apotheke auf der Schweidnitzer Strasse erinnern, die gegenüber dem Palast Kino war? Sie hatte über der Offizin einen Rundgang, wo wahrscheinlich Vorräte untergebracht waren. Aber es gab dort auch ein Aquarium, was für die damalige Zeit ja selten war. Die Wartenden beruhigtedies aber bestimmt. Meine Lehrapotheke war die Naschmarkt Apotheke am Ring der Nordseite. Sie ist mir ja besonders gut im Gedächtnis geblieben, denn dort lernte ich meine Frau kennen. So gibt es aber noch eine Apotheke, an die ich mich wegen der altertümlichen Innenu. Aussenansicht gut erinnere. Es ist die Apotheke am Hintermarkt an der einen Barraschseite. Diese Apotheke war spezialisiert auf die Anfertigung auch der seltensten homöopatischen Mischungen. Nun will ich das Gebiet des Berufes verlassen, um mich auf das Gebiet der Kunst zu begeben. Wie es wohl heute viele Anhänger von Funk- und Filmdarstellern gibt, so waren es zur Zeit um 1938/41 die Mitglieder der Breslauer Oper und Operette. Wenn ich nun von dieser Zeit ein wenig plaudern möchte, so verheimliche ich nicht, dass ich sehr stolz war, wenn man ein Mitglied von Bühne oder Schauspiel mal “ausserdienstlich” sah, oder ein Bild mit Autogramm von ihm erhielt. Ich hatte damals heraus bekommen, dass Herr Born vom Opernhaus im Südpark hinter dem Bahndamm ein Haus hatte, an dem ich so ganz zufällig mal vorbei ging und... ihn im Liegestuhl sah. Frau Lieselotte Ammermann hatte wie alle Bühnenmitglieder Telefon, aber sie war bei Autogrammwünschen sehr hartnäckig still. So fasste ich einmal den Mut ihre Telefonnummer zu wählen: Nachdem sie sich mit tiefer Stimme: Ammermann einstellte, fehlte mir der Mut, sie an meine Autogrammbitte zu erinnern. Der Bariton Kurt Gester wohnte in der Nähe des Hauptbahnhofes in einem düsteren Haus neben einem Hotel. Meinen Autogrammwunsch steckte ich dort persönlich ein. Dabei war der stille Wunsch nach einer Begegnung mit dem beliebten Sänger vorhanden, aber er blieb unerfüllt. Wenn man Ausdauer hatte, konnte man seine Lieblinge jeweils vor dem Bühneneingang gegenüber dem Hotel Monopol sehen, wenn man l/0 bis 1 Stunde vor Beginn der Vorstellung dort ein wenig auf und ab ging. Die Kapellmeister Klugmann, Schmidt- Belchen, Lindner und Chefdirigent Phillipp Wüst werden unseren Lesern ebenso bekannt sein wie Heinz Graumann, Herma Kaltner, Hilde Längauer, Fred Roland, Franz Hahnenfurt — er wohnte auf der Höfchenstrasse, während das Ehepaar Graumann/Längauer auf der Kaiser Wilhelmstrasse wohnte. Manfred Schäfer/Gräfner als Paar bei Paul Linkes Operetten wollen wir nicht vergessen. Ebenfalls Else Meinhardt. Es gab noch andere Künstler, deren Namen mir nicht mehr einfallen. Man konnte aber all diese Künstler in Veranstaltungen im Konzerthaus .ohne Maske sehen, wenn die beliebten bunten Abende veranstaltet wurden. Dass diese Veranstaltungen sowie die Vorstellungen im Opernhaus besonders immer schnellstens ausverkauft waren, versteht sich. Dabei wird vielleicht vielen Opernhausbesuchern die blondierte Kassiererin in Erinnerung sein, bei der man ohne Beziehung höchstens Sitzgallerie bekam. War es Mitte, dann konnte man glücklich sein. Wer etwas auf sich hielt und ein wenig forsch mit Gegenmitteln auftreten konnte — es versteht sich ja, dass es in der Kriegs- und Markenzeit auch Tauschobjekte gab, — der rutschte dann tiefer und gepolsterter. KARL HEINZ MENZEL 46 Dortmund Asselu Postfach 130262 Deutsche Bundesrepublik Richtigstellung: In Nr. 32 unseres Verbandsblattes unter dem Titel: NAHARIA, wo die Ausstellung des bekannen Breslauer Malers, Heinrich Tischler, bekanntgegeben wird, ist zu betonen, dass Heinrich Tischler nicht in England, sondern in Breslau im Debember 1938, an den Folgen des Konz entrationslagers Buchenwald, verstorben ist. Erster Seder in Amerika 1948 Pessach-Abend, Seder-Nacht — Juden sitzen wieder um den Tisch vereint, Und der Hausherr preist die Gottes-Macht, Die es trotzdem gut mit uns noch meint. In Ilagadah und in alten Scripten Finden wir Bericht aus alter Zeit: Juden zogen einstens aus, Ägypten, Von der Knechtschaft und von schwerem Joch befreit Und auch wir, wir zogen kreuz und quer Aus dem Lande, das uns schnoed’ vertrieb, Und durehkreutzten mehr als das rote Meer Weil uns keine andre Wahl sonst blieb. — Vor uns steht ein Bild aus Kindheitstagen, Seder, Mazzo, Moraur, Ei und Knochen, Und man hört “Ho lachmo anjo” sagen, Segenssprüche werden laut gesprochen. Und am Tisch steht noch ein Becher Wein, Für’nen Gast, der mit zum Tisch gebeten Und doch nie erschien. Wer mag das sein? s'ist für Elijahu, den Propheten! — Christen bleibt der Glaube unbenommen, Der “Redeemer” sei schon lange da. — Wir fragen: “Wann wird Moschiach kommen?” Antwortend: may be le schana habah. Juden mit jahrtausend altem Glauben Denken stets an die Vergangenheit, Doch die Hoffnung auf Erlösung kann nie rauben Igendwer trotz Knechtschaft, Schmerz und Leid. Seder, der Gedanke des Messias, Geben neue Kraft uns und den Halt. — Wir erwarten ständig den Prophet Elias, Und wir hoffen, dass er kommen mög’ recht bald! ) 1408 S.O. Barry Ave. Los Angeles 90025 Dr. Arthuh Lowenstam, Lustige Erinnerung In meiner Kindheit brachte der “Ulk”, die Witzbeilage des “Berliner Tageblattes” das folgende kleine Gedicht, das ich nicht vergessen habe: “Wer will unter die Soldaten, Der muss haben die Gewaehr, Dass er Arier hat zu Paten; Denn sonst passt er nicht ins Heer. Bueblein wirst du ein Rekrut, Sei gar sehr auf deiner Hut! Hopp-hopp-hopp Hopp-hopp-hopp. Sonst bist du ein fauler Kopp. Wenn der Vater und die Mutter Nicht von reinen Ariern stammt, Sei’s auch aus der Zeit vor Luther, Wirst als Fremdling du verdammt. Bueblein wirst du ein Rekrut, Acht’ auf deiner Ahnen Blut! Hopp-hopp-hopp. Hopp-hopp-hopp. Rasseroesslein lauf Galopp!” Das muss so um 1905 herum gewesen sein. Stand da nicht eigentlich schon alles drin? Man las es und sagte, wie der Herr, der, aus dem “Tristan” kommend, gefragt wurde, wie es gewesen sei: “Nu — me lacht.” W.B. G. 14