Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/7411685-7412337-7493573--0424-7412350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Prot Dr. Lehrmann aus der Bundesrepublik spricht in Die Dach-Organisation “CENTRA” der Einwanderer aus Deutschland hatte am 2. November 1972 in Tel Aviv zu einem Vortrag von Prof. Dr. Lehrmann eingeladen, der als Rabbiner für Hannover und Nieder-Sachsen amtiert und an der Universität Würzburg Vorlesungen hält. Er hielt auch vor einigen Jahren Vorlesungen als Gastprofessor an der Universität Bar-Illan, wo er auch jetzt noch von Zeit zu Zeit eingeladen ist, kennt also auch die israelischen Verhältnisse. Das Thema des Abends war dem Andenken Stephan Zweigs gewidmet, dessen Freitod 30 Jahre zurückliegt. Trotz des schrecklichen Geschehens ini der Zeit des 2. Weltkrieges löste Stephan Zweigs Selbstmord tiefe Erschütterung aus. In seinem Drama Jeremias hatte Zweig im 1. Weltkriege gegen die damals herrschende Kriegs-Begeisterung seine grosse Anklage geschleudert, und seine Dichtung gewann weltweiten Widerhall. In der prophetischen jüdischen Tradition hatte er die Kraft gefunden zu dichten: “Laut kündige ich meinem Volke. Besser Geld zahlen dem Feind, als Blut. Besser G”ttes Knecht sein, als Herr von Menschen, Heilig ist kein Krieg. Heilig ist nur das Leben.” Jedoch nach seiner Flucht in die fremde Umgebung versagten Zweigs Kräfte, er klagt über die Demütigungen, über das Schweigen, das ihm die Emigration auferlegt. Er war gezwungen in “einer geborgten Sprache” zu reden, für “Wesensfremde” sollte er schreiben. Das Ideal Europa — O, Europa, Wiege und Parthenon unserer abendländischen Zivilisation war verschwunden. Er war einmal Rhatenau begegnet und war von seiner unermesslichen Klugheit und Universalität stark beeindruckt. Aber er spürte, dass ihm der Boden fehlt. Auch Zweig fehlte der Boden. Stärke hatte er bei Herzl gefunden. Damals schrieb er dass er vor “seiner Persönlichkeit erzitterte”. Aber die Begegnung blieb nur Episode und gewann keine Bedeutung für sein Leben. Andere Dichter und Schriftsteller, die wie er, in der europäischen Kultur verwurzelt waren, haben die veränderte Situation innerlich bewältigt. Karl Wolfskehl z.B., der einst dem Kreise Stefan Georges angehört hatte, verkündete seinem Volke einen neuen Morgen: “Fortgehen ist Glück, schaut nicht zurück. “Else Lasker-Schüler fühlte sich im jüdischen Volke verwurzelt und konnte dich- Tel~Aviv ten: “Ich bin ein Baum im Walde Volk. “Zweig aber wurde gebrochen. Er empfand, dass seine Welt, “die Welt von Gestern” untergegangen war. Während er im 1. Weltkrieg das Drama Jeremias mit den Worten abschliessen konnte: ”Es gleiten die Völker ins Dunkel / wir aber schreiten in die ewige Kraft / die G”tt uns erschafft /”. — So war ihm im 2. Weltkrieg ein Erstarken durch das Judentum nicht mehr möglich. Prof. Dr. Lehrmann beschloss die Erinnerung an Zweig mit der Feststellung, dass der Drang zum Geistigen das Ziel des europäischen Judentums war. Wo jedoch heute das Streben nach Reichtum zum Selbstzweck geworden ist, da herrscht Dekadenz. Auf Wunsch der Veranstalter des Abends ging er im 2. Teil seines Vortrages auf die letzten Geschehnisse, auf die Freilassung der verhafteten Mörder von München ein. Ererinnerte in diesem Zusammenhang an die grossartigen Sympathie-Kundgebungen für Israel im 6 Tage Krieg, die er selbst erlebte. Im Nacht-G”ttesdienst in der Berliner Gedächtnis-Kirche, zu dem ihn Eischof Scherf eingeladen hatte, wurde der Psalm: Schomer Israel, rette den Überrest Israels, hebräisch und deutsch gesprochen. Zwei Wochen später beteiligten sich am Dank-G”ttesdienst in der Synagoge Pestalozzistrasse in Berlin viele Christen. Während des Oekumene Treffens in Augsburg, noch vor wenigen Monaten, war die Beteiligung in der alten Synagoge am grössten. Dann erwähnte er die überwältigende Erfahrung der Volkstimme von Empörung und Entsetzen nach dem Attentat in München. Trotzdem sei es erlaubt zu fragen, ob sein Bild der israelfreundlichen Haltung nicht zu optimistisch geschildert war. Mit keinem Worte erwähnte er den Anti-Zionismus der studentischen Neuen Linken, die wachsenden Einfluss gewinnt. Für uns, hier in Israel, war es wertvoll einen der heute in der Bundesrepublik wirkenden Rabbiner kennenzulernen., die in schöpferischer Arbeit für das heute verringerte Judentum und seine Jugend wichtig sind und ihr ihre Selbstachtung erhalten und neu schaffen. Anni Loewenstein-Pribatsch, Ramat Chen, Haggaistrasse 12, Israel | Julius Sachs zum 80fen | Es ist uns eine besondere Freude, unserem rührigen Vorstandsmitglied, Herrn Julius Sachs, zu seinem 80ten Geburtstag von dieser Stelle aus unsere herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Wir brauchen unseren Lesern den Jubilar nicht vorzustellen. Er ist durch seine bemerkenswerten Artikel in den verschiedensten deutschsprachigen Zeitungen in Israel und in der Welt bekannt. Als Sohn des Sanitätsrats Dr. Albert Sachs, der der bekannte Theaterarzt in Breslau war und durch seine “Wasserkuren” berühmt gewesen ist, und seiner Mutter, Klara geb. Goldstein, hat er schon in frühester Jugend die Musik in sich aufgenommen. Sie ist es die ihm bei allem Schweren im Leben das Positive zeigt und ihn auf allen seinen Wegen begleitet. In seiner Musikalienhandlung in Breslau verkehrten nahmhafte Künstler und Schauspieler, die sich von ihm die Partituren holten und seinen Rat immer gern entgegennahmen. Nach seiner Einwanderung in das damalige Palästina hat Prof. Dr. Loewe ihn gebeten, die Musikabteilung der Stadtbibliothek einzurichten. Sein Haus ist Künstlern, Freunden und Bekannten immer offen. Man trifft dort namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die Frau des Hauses, Frau Sachs geb. Lubinski (alte zionistische Familie aus Posen) versteht es, jeden Gast mit rühriger Liebe zu umgeben. Es ist ein Genuss von Julius Sachs eine Anekdote, einen Witz oder Dinge aus dem Theaterleben zu hören. Einige Jahrzehnte hat der Jubilar unter ausserordentlich schwierigen Bedingungen die “Toynbehalle” jede Woche aufrechterhalten. Er hat damit vielen einsamen Menschen und der alten Generation schöne Stunden bereitet. Er hat es verstanden, Künstler, die später einen internationalen Ruhm erreichten, zu ihren ersten Schritten zu verhelfen, sei es durch Auftritte bei verschiedenen Veranstaltungen, sei es durch Hilfs Aktionen (Aufbringung von Geldmitteln). Seine Vorstellungen, die er mit den verschiedensten Künstlern in den Altersheimen der deutschsprachigen Landsmannschaft, sowie im Golden Age der verschiedensten Logen gegeben hat, sind allen gegenwärtig. Wir wünschen ihm, dass er trotz seiner Augenblicklich körperlichen Behinderung, sich seinen wachen Geist erhalte und die Kraft habe, so weiter zu arbeiten, wie er es im Verband ehemaliger Breslauer und anderen Organisationen tut. Wir erwarten ihn wieder in voller Rüstigkeit in unserem Kreise. Das ist unser aufrichtiger Wunsch für die nächsten Lebensjahre. Verband ehern. Breslauer in Israel FÜR WIEDERGUTMACHUNG - LASTEN¬ AUSGLEICH, benötige ich Angaben über Umfang Leistung, Ruf, Bonität, etc, etc, der Bürstenfabrik London & Co. Breslau Oderstr. fünftes Haus vom Ringe, wo der Detailverkauf stattfand. In Wilhelmstal (Glatzer-Gebirge) befand sich die Hauptfabrikation von Bürsten, Besen etc. statt. Der Verkauf einschlägiger Artikel, die zur Reinigung von Haus und Personen notwendig waren, wurde engros durch Firmeneigene Reisende, detail in der Oder Str. 5. vorgenommen. Einige zwanzig Angestellte versorgten Verkauf und Versand. Die Zeit bis 1930 ist die vom W.G.A. gefragte. 1935 wurde Herrn London, die von ihm 1839 gegründete Firma verboten zu betreten, 1938 wurde die L & Co. ohne jegliche Entschädigung arisiert. Zweckdienliche Angaben an Rudolph Loewy 27000 Kiriat Bialik Keren Kajemet Str. 51. Erbeten. Entstehende Kosten werden vergütet. Rabbiner Dr. Paul Holzer - Achtzig Jahre Am 18. Dezember 1972 feierte in London seinen 80. Geburtstag Rabbiner Dr. Paul Holzer, der mit Breslau und Schlesien vielfach verbunden war. Holzer wurde in Krotoschin (Posen) geboren, wuchs aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Königshütte O/S auf. Nach seinem Abitur bezog er im Jahre 1914 das jüdisch-theologische Seminar und die Universität in Breslau. Auch seinen Militärdienst als Sanitätssoldat absolvierte er in Breslau. Während der letzten Jahre seines Studiums am Seminar arbeitete er bereits als akademischer Religionlehrer an der konservativen Religionsschule in der Wallstrasse. Anfang 1923 wurde er als Rabbiner an die Neue Dammtorsynagoge in Hamburg berufen. Dieses Amt bekleidete er sechzehn Jahre lang, und seine liebevolle Seelsorge ist noch vielen seiner ehemaligen Gemeindemitglieder und Schüler in dankbarer Erinnerung. In der Stille betreute er auch Menschen, die nicht zu seiner Gemeinde gehörten, bisweilen auch solche, die sich weit vom Judentum entfernt hatten. Das gilt besonders von seiner Gefängnisseelsorge in der Nazizeit, als er sich auch Antifaschisten mit Hingebung widmete — wozu ja damals nicht wenig Mut gehörte. Die tragischen Ereignisse des November 1938 zwangen ihn mit seiner Frau und den drei Töchtern zur Auswanderung. Er fand in England vorübergehend rabbinische Betätigung in Epsom und später Lehrtätigkeit in London. 1951 ging Holzer als Landesrabbiner für die gesamte britische Besatzungszone nach Dortmund. Von dort reiste er unermüdlich zu den von Aachen bis Lübeck verstreuten Resten ehemals bedeutender Gemeinden, um den vereinsamten Juden Mut zuzusprechen und für ihre religiösen Bedürfnisse zu sorgen. Nach siebenjähriger aufopfernder Tätigkeit im chaotischen Nachkriegs-Deutschland kehrte Holzer, von der Bundesregierung geehrt, nach London zurück und lebt dort im endgültigen Ruhestand. Sein 80ter Geburtstag gab seiner grossen Familie und seinen vielen Freunden und Verehrern erwünschte Gelegenheit, dem gütigen Menschen und Rabbiner ihre Zuneigung zu beweisen und ihm noch viele gesunde Jahre zu -wünschen. S. R. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.