Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Caffe Dieses Cafe war kein literarisches, es war mehr ein solches der Theaterleute. Es war ihr Warteraum, ihr Foyer. Wenn die Vorstellung im Stadttheater beendet, war, dann ging der Vorhang im Cafe Fahrig hoch, dann füllten sich noch einmal seine Räumlichkeiten am Zwingerplatz, etwa um 11 TJhr abends. Da sah man oft an den Tischen die Musikritiker, schon eifrig mit ihrer Premieren-Kritik beschäftigt. Hermann Matzke, Paul Mittmann, Paul Riesenfeld, Ernst Flügel,, Paul Plüddermann u. a. schrieben an ihren Opem-Berichten. Sie waren sämtlich Musikfachleute, Musikwissenschaftler, und ihr Urteil war massgebend im ganzen musikalischen Breslau. Noch in der gleichen Nacht wurde die Kritik in die jeweilige Redaktion gebracht und erschien in der Morgenausgabe. Während sie schrieben, füllte sich das Cafe mehr und mehr, es kamen u.a. Bürgermeister Trentin, Rechtsanwalt Bandmann, Stadtverordneter Bujakowski, alles “Leute vom Bau” resp. von der Theaterkommission, die dort nachts noch wichtige Besprechungen über das städtisch subventionierte Opernhaus hatten. Etwas später erschienen einige Künstlerinnen und Künstler der Opernbühne, es kam der Direktor Dr. Loewe mit seinem Stab, es erschien auch der Theaterarzt Dr. S., ferner Albert und Selma Hahn, der Kapellmeister Prüwer, der Opemregisseur Kirchner, Leo Slezak traf hier in Breslau mit seiner Gattin Elsa Werthelm (vom Lobetheater) — wie die Chronik berichtet — und eine Menge Opern-Abonnenten waren ebenfalls eingetroffen, die ihre Lieblinge in Zivil sehen und von ihnen Autogramme haben und mit ihnen “ungeschminkt” sprechen wollten. Etwas später fanden sich die Künstler vom Lobetheater und Schauspielhaus ein: Kapellmeister Rosenberg, der beliebte Operettendirigent, eskortiert von einer Schar junger reizender Verehrerinnen dann die Operettenstars, Jenni v. Groessl, die Hella Kuerty, Stoessl, der humorvolle Komiker — es gibt auch humorlose — mit seiner Frau (Lore Bim), es kam Intendant Paul Barnay mit einigen seiner Künstler vom Lobetheater und es gab Gespräche — mehr oder weniger erregt — über neue Stücke, neue Darsteller und manche Besprechung am Cafehaus-Tisch führte später zum erfolgreien Abschluss einer erfolgreichen Premiere. Wovon redete man? Von bestmöglichen Besetzungen, von Gastspielen und von Kritiken. Es wurde debattiert, es wurde spekuliert. Man sass und trank und ass. Der Stammkellner bestellte durch das Schiebefenster in die Küche: Ein Schock, ein Mok, ein Kak, womit Kakao gemeint war. Manche "Kaloriensünder” wollten Schnitzel, Haemandex (ham and egg), wie es der Kellner durchrief, und manche mochten Rühreier mit Spargel. Allmählich leerte sich das Cafe Fahrig, man nahm Hut und Schirm, bestellte eventuell eine “Droschke erster Güte”, um am nächsten Abend wieder hier zu erscheinen und Pläne von grösster Tragweite erneut durchzudiskutieren. Natürlich auch Theaterklatsch! Herr Spitzer und seine Frau — die Inhaber — hatten ihr Stammpublikum, ihre Nachtgestalten. Es war eben ein richtiges Theater-Cafö, das Fahrig. Und wie Spitzers erzählten, kamen einst mit dem Direktor Loewe nach ihrer Breslauer Premiere auch Berühmtheiten wie Mascagni, Kienzl, D’Albert, Gerhart Hauptmann, Oskar Blumenthal u.a. ins Fahrig, bevor sie den Abend später in dem Weinrestaurant Hansen beschlossen. — Die Devise lautete: Um 11 Uhr nachts im Fahrig. Denn immer war es interessant mit den Besuchern im “Fahrig” Kontakt zu haben. Wenn man dorthin kam “erlebte” man Theater. Es war ein Festival! Ja und eh, ich’s vergesse: Die Varietögrössen vom Liebig-Theater waren auch im Fahrig zu Gaste, allmonatlich andre, Zauberkünstler, Bauchredner, Imitatoren, Akrobaten, Dompteure, Feuerschlucker, dann Robert Steidl, Otto Reuter, und alle Grössen des Variötö-Himmels. Und mit seinem Couplet “In 50 Jahren ist alles vorbei” hat Otto Reuter wohl recht gehabt. Leider! Julius Sachs Fahrig katalogisierte Sammlung von Judaica und Hebraica darstellt, die jemals existiert hat. Es ist erstaunlich, dass es einem einzigen Menschen gelang, trotzdem er in seiner Tätigkeit als Arzt und, wie oben geschildert, in Erfüllung noch anderer Aufgaben voll beschäftigt war, in verhältnismässig kurzer Zeit eine so grosse Sammlung aufzubauen. Während der Katalog bereits im Druck war, kamen noch weitere 2.000 Bücher aus der Bibliothek von Prof. Porges hinzu. F. D. Pinczower, Buchhaendler Fachkreise erkannten in diesem Katalog eine bibliographische Leistung von höchster Bedeutung. Nicht nur die Bewertung der einzelnen Titel war interessant, sondern die vielen Gebiete, die klassifiziert waren. Bald gehörte der Katalog zu den “Rare Books” des internationalen Buchhandels. Der Schreiber dieser Zeilen besuchte im Jahre 1960 in Cambridge eine bekannte Buchhandlung und sah auf dem Schreibtisch des Direktors der Orient-Abteilung den “Katalog Pinczower” liegen. Auf die Frage, ob dieses Buch zu verkaufen sei erhielt er die bezeichnende Antwort “This book is not for sale, this is my Reference Book”. Dieses Werk, das vor 2 Jahren in einem Neudruck erschien, ist mehr als ein gewöhnlicher Katalog. Es ist gewissermassen eine Dokumentation eines grossen Bibliophilen, einer vergangenen Generation. Die Bücher sind zwar in alle Welt zerstreut worden und damit schien auch der Name des grossen Bibliophilen in Vergesenheit zu geraten. Es ist das uneingeschränkte Verdienst der beiden Firmen Harrassowitz und Dr. Martin Sändig, durch die Neuauflage das Andenken an Dr. Ephraim Pinczower zu erhalten. Der bereits hier zitierte jüdische Dichter Emanuel aus Rom schrieb: “Wenn ich auch sterbe, so sterben meine Bücher nicht”. Dieses Wort kann man auch auf diesen Katalog anwenden. DREI GENERATIONEN BÜCHERFREUNDE Die Liebe zum Buch blieb in der Familie Pinczower erhalten. Sein Neffe, der Schreiber dieser Zeilen, ist seit 1939 Inhaber der Buchhandlung Frau S. Langerman geb. Pinczower Bibliothekarin Pinczower in Tel-Aviv und dessen Tochter Frau Schoschanah Langermann war 10 Jahre lang Bibliothekarin an der National und Universitäts Bibliothek in Jerusalem, eine Position, die der Verstorbene für sich selbst erträumt hatte. 1