Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1973
- Issue
- No. 33 (April 1973)
- Date
- 1973-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dr. Ephraim Pinczower (Ports, von Seite 9) Dr. P. wurde als Arzt zum deutschen Militärdienst eingezogen und verbrachte mehrere Jahre in Frontlazaretten in Lettland und Polen. In der Festschrift für Prof. Moritz Schaffer; hat er seine Dienstzeit in einer kurzen Skizze beschrieben. AUFBAU EINER GROSSEN JUDAICA-SAMMLUNG Nach dem Kriege nahm er seine Tätigkeit als Arzt in Tempellhof wieder auf und in dieser Zeit setzten seine grossen Buchkäufe ein. Er war bei allen Buchhändlern des In- und Auslandes bestens bekannt, die ihm ihre Kataloge zusandten. Seine liebste Beschäftigung war es, diese Kataloge zu lesen. Seine Urlaubsreisen, die ihn in fast alle Teile Europas führten — er beherrschte 6 Sprachen in Wort und Schrift — benutzte er hauptsächlich dazu, seine Bibliothek zu erweitern und er suchte manchmal die entlegendsten Orte auf, wenn er annahm, dass dort seltene Bücher zu finden seien. Für ihn galt das Wort des jüdischen Dichters Emanuel aus Rom (1260-1328): “Spende dein Geld für teure Bücher und du wirst deren Gegenwert in goldenem Wissen erhalten”. Im Grossen und Ganzen kann man wohl sagen, dass seine Bibliothek am Ende der zwanziger Jahre die grösste Privatsammlung an Judaica und Hebraica in Berlin war u. eine Vielseitigkeit aufwies, die auch von öffentlichen Sammlungen in den grossen Bibliotheken nicht erreicht wurde. Dieser Katalog ist eine Fundgrube für alle jüdischen Bibliophilen. Er enthält u.a. 75 Handschriften teilweise aus dem 14. und 15. Jahrhundert, darunter, um nur eine zu nennen, die illuminierte Handschrift der “Mischne Thora’ 'von Maimonides. Ferner weist der Katalog 10 Inkunabeln auf, darunter einen Erstdruck von More Nebuchim sowie einen Kommentar zu Pirke Aboth von Maimonides. Ausserdem war vorhanden eine wohl einzig dastehende Sammlung von 178 jüdischen Nekrologen, die die Biographien namhafter Persönlichkeiten der letzten 100 Jahre umfasste. Daneben wären noch zu erwähnen komplette Reihen von jüdischen wissenschaftlichen Fach-Zeitschriften, die in ihrer Vollständigkeit heute eine Seltenheit darstellen. Ferner besass Ephraim P. eine wertvolle Autographen-Sammlung darunter eine Reihe Briefe von Theodor Herzl, mit dem er längere Zeit in Correspondence gestanden hat, die nicht zum Verkauf gelange und heute als verloren bezeichnet werden muss. Es ist daher kein Wunder, dass sein Haus ein Anziehungspunkt und Sammelpunkt führender jüdischer Wissenschaftler wurde und meistens drehten sich die Gespräche um seltene Bücher und bibliographische Fragen. Das war ein unerschöpfliches Thema. Seine Bibliothek befand sich stets in mustergültiger Ordnung. Trotzdem sie nicht katalogisiert war, konnte Dr. P. jedes gewünschte Buch innerhalb von wenigen Minuten finden. Einer Reihe junger ■ jüdischer Wissenschaftler stellte er seine Bücher zur Verfügung. Sie arbeiteten in seinem Hause ungestört wie in einer öffentlichen Bibliothek. Aber er gab nicht nur seine Bücher und seine grossen bibliographischen Kenntnisse diesen Leuten sondern, half Ihnen auch finanziell, wenn sie keinen Verleger fanden, um ihre Arbeiten drucken zu lassen. Zu seinen engeren Bekannten- und Freundes-Kreisen gehörte der Rabbiner der “Adass Jisrael Gemeinde” zu Berlin Dr. Meier Hildesheimer, Dr. S.A. Horodezky, Verfasser einer Reihe von Büchern über die Geschichte des Chassidismus, Lazarus Goldschmidt, der Übersetzer des babylonischen Talmud, der Arztj und Schriftsteller Dr. Felix A. Theihaber und der bekannte Philantrop Prof. Moritz Schäffer. Wie bereits oben erwähnt, riss die Verbindung mit Prof. Weizmann August 1914 ab, und wurde auch nach Beendigung des Krieges nicht wieder aufgenommen. Es war dem Schreiber dieser Zeilen nicht möglich, festzustellen, ob besondere Gründe hierfür Vorlagen. Möglicherweise waren in Palästina nach dem Kriege neue Kräfte am Werk, die auf dem Gebiete des Gesundheitswesen die angefangene Arbeit ohne die Hilfe des Auslandes fortsetzen konnten. Trotzdem habe ich das Gefühl, Dr. P. fühlte| sich verletzt, dass man ihn bei diesen Arbeiten vollkommen übergangen hatte. “OSE” UND SONCINO GESELLSCHAFT In seiner Tätigkeit als Arzt in Littauen und Polen während des 1. Weltkrieges hatte er die Not und primitiven Lebensverhältnisse seiner Glaubensgenossen kennen gelernt. Als im Jahre 1924 die “Ose” Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden, die vorher ihren Sitz in Russland hatte, nach Berlin verlegt wurde schloss er sich dieser Gesellschaft an. Der Name von P. erscheint wieder als Herausgeber der "Ose Rundschau” zusammen mit den Ärzten Dr. Blum, Bornstein u.a. Hier fand er wieder ein reiches Betätigungsfeld, das ihm zusagte. Der im Jahre 1924 gegründeten “Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches” trat er sofort als Mitglied bei und nahm an den Sitzungen dieser Gesellschaft stets regen Anteil. Als im Jahre 1925 die hebräische Universität in Jerusalem eröffnet wurde, sah er zu seiner Freude, dass seine Vorarbeiten für das Forschungsinstitut, das bereits vor dem 1. Weltkrieg geplant war, nicht umsonst gewesen waren und gab der Hoffnung Ausdruck, dass seine Bibliothek einmal nach Jerusalem kommen würde. Auf meine Frage, wie er sich das eigentlich vorstelle, antwortete er, "er gedenke mit Erreichung des 60. Lebensjahres seine Praxis aufzugeben und die Bibliothek der Universität in Jerusalem zu übergeben. Er hoffe, dann als Entgelt, an der Universität eine Anstellung als Bibliothekar bis an sein Lebensende zu erhalten”. Das war sein Traum. Doch leider kam es anders. In der Bibel heisst es: “Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, doch der Beschluss des Ewigen bleibt bestehen”. (Proverbia Kapitel XIX 21). Im Jahre 1929 wurde er im Anschluss an eine Grippe von einem schweren Herzleiden befallen und er war gezwungen, seine Tätigkeit als Arzt einzustellen. Um seiner Frau, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens aufopfernd pflegte, ein sorgenfreies Leben zu sichern, hinterliess er in seinem Testament, dass nach seinem Tode die Bibliothek geschlossen verkauft werden sollte. Er starb am 12.3.1930 und winde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin — Weissensee begraben. Er konnte allerdings nicht voraussehen, dass seine Frau 12 Jahre später nach Auschwitz deportiert und das traurige Schicksal von 6 Millionen Juden teilen würde. Es war zunächst schwer, für die Bibliothek, dievon Fachleuten auf 500.000 Mark geschätzt wurde, einen Käufer zu finden. Schliesslich gelang es seinem Freunde Lazarus Goldschmidt, die bekannte Antiquariatsbuchhandlung Otto Harrassowitz in Leipzig (heute Wiesbaden) dafür zu interessieren, die dann auch die Bibliothek erwarb. Unter Hinzuziehung namhafter Fachleute auf dem Gebiete der Judaica und Hebraica entstand in fast zweijähriger Arbeit, den Katalog Pinczower (siehe nachstehend reproduziertes Titelblatt) ein Buch mit 12.800 Titeln und 780 Seiten. DIE GROESSTE PRIVATE, KATALOGISIERTE JUDAICA - SAMMLUNG Aus dem neuesten Standardwerk “Shunami, Bibliography of Jewish Bibliagraphies” ergibt sich die geradezu sensationelle Feststellung, dass mit der Zahl von 12.800 Titeln die Bibliothek von Dr. Pinczower die grösste private. Dr. E. Pinczower in seiner Bibliothek nach einem Gemaelde des Malers Julius Rosenbaum 10