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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ft-— Aus dem Tagebuch (Schluss von Seite 6) vorwärts, aber man hat doch den Eindruck, als ob die Sondermeldungen vom Tage vorher grosse Vorschusslorbeeren gewesen wären! Immer noch gehört den Anderen die Welt! Aber in Russland wird man alles an den Juden abreagieren und in Kiew soll es schon ein grosses Blutbad gegeben haben. — In Prag tobt man sich auch gegen die Juden und Tschechen aus; die Synagogen sind geschlossen; auch die Tschechen dürfen Abends nach 8 nicht mehr ausgehen; viele Erschiessungen. So wirbt man um die Gunst in den besetzten Gebieten und spricht dabei über die Härte der Engländer. Jedenfalls nimmt der Krieg immer drohendere Formen an, dazu kommen die Lebensmittelschwierigkeiten. 12. Okt. 1941. Breslau, Sonntag Gestern früh das Kind bis zum Treffpunkt für den Kindergarten begleitet, dann zur Bank wo man bis um 9 Uhr gewesen sein muss; in der Mittagsstunde noch auf der Post gewesen, sonst zu Hause. Am Vormittag noch für die G. J. gearbeitet und einige Ordnungsarbeiten erledigt; am Nachmittag hatten wir Gäste: Herr und Frau Förder, Frau Alexander, R.-A. Jacob. — Ich las einiges aus dem Palästinahandbuch des Asterosus zur Erforschung P’s vor. — Abends einen sehr unangenehmen Kältezustand gehabt; es ist in solchen Augenblicken so, als ob das Herz nicht mehr arbeiten wollte. Im Bett dann mit einem Bettwärmer erwärmt und vor Erschöpfung sofort eingeschlafen. — Nachts grosser Sturm, der Winter naht; es ist heute auch eine sehr geringe Temperatur! — Ob der Feldzug im Osten noch vor Einbruch des russischen Winters wird beendigt werden können? Ich glaube es kaum, und meine Meinung über den Endausgang ist dieselbe. — Aber inzwischen werden noch genug Unschuldige daran glauben müssen. 12. Okt. 1941. Breslau, Sonntag Nachmittag Am Vormittag noch einiges für die G. J. gearbeitet und auch noch etliche Ordnungsarbeiten in der Bibliothek erledigt. Da gibt es immer etwas zu machen und zum freien Schaffen war mein Geist heute nicht so recht auf der Höhe. Später noch fortgewesen um mir eine Zeitung zu besorgen was jetzt auch nicht ganz einfach ist. — Schliesslich bekam ich eine auf der Viktoriastr. gegenüber dem jüdischen Krankenhaus. Man berichtet heute in ihr, dass die Schlacht im Donezbecken abgeschlossen sei. Aber mir scheinen diese Siegesnachrichten alle reichlich übertrieben. — Paul Lyon getroffen, der morgen auch nach Grüssau abfährt. Jeder versucht sich immer noch die beste seelisch Seite der Umsiedlung herauszusuchen und das ist gut so. — Als ich nach Hause kam, traf Ich Hugo Mamlok, der uns noch einen Abschiedsbesuch machte. Seine Haltung ist sehr würdig und fest. Er glaubt allerdings, dass wir dem Untergang geweiht sind, und wenn man unsere Lage im Augenblick überdenkt, so spricht ja viel für diese pessimistische Auffassung; man will es sich nur in der Regel nicht zugeben! Es sieht so aus, als ob es die Deutschen im gegenwärtigen Augenblick des Krieges ganz und gar auf unsere Melodien die Freude bereifen KLASSISCHE UND MODERNSTE SCHALLPLATTEN in grosser Auswahl warten auf Sie RADIO - UNION H. W. ROBERT (früher Breslau) Tel-Aviv, Dizengoff Str. 116, Tel. 248526 von Willi Cohn s.A. Vernichtung angelegt hätten. Man kann nur wünschen, dass ihnen dieser Plan misslingt. — Neben den allgemeinen Sorgen habe ich noch schwer mit meiner Atemnot zu kämpfen, ich habe das Gefühl, dass mein Herz augenblicklich in einem beson ders schwachen und kampffähigen Zustande ist. — Ich leide schwer beim Treppensteigen, und es dauert sehr lange bis ich Luft bekomme! Es kann mir da wohl niemand helfen!— Von allen Kämpfen, die der Mensch zu bestehen hat, ist der um den Atem der schlimmste. — Morgen um 9 Uhr geht also der Sonderzug nach Landshut; es werden ein paar 100 Menschen sein, die auf diese Weise umgesiedelt werden. Möchte es ihnen dort einigermassen gut gehen. — Viele die Jahrzehnte älter als ich sind, sind doch viel gesünder und werden es besser schaffen als ich es schaffen würde. — Überdies fühle ich mich jetzt oft sehr einsam, aber das ist wohl des Menschen Los, besonders derer, die sich ein Innenleben “leisten”. 13. Okt. 1941. Breslau, Montag Gestern Abend noch beim G”ttesdienst von Schemini Azereth gewesen; ich dachte sogar ich würde Ruth Gross treffen, worauf ich mich schon sehr gefreut hatte, es war aber leider nicht der Fall, sie war wohl offenbar nicht da, weil sie wohl nicht frei hatte. — Als ich von zu Hause fort war, war Frau Filek da, d. Pförtnerin des Domarchivs, sie hatte einige gute Sachen mitgebracht, sie ist mir ja auch sonst immer sehr behilflich. Wir haben ihr das Schränkchen geschenkt, das ich von Hugo Mamlok bekommen hatte.—Es ist jetzt schon wieder die Zeit, wo man Lebensmittel am besten auf dem Tauschwege bekommt. Abends war noch Frl. Liebe da, die sich schon sehr lange nicht hat bei uns sehen lassen. Gebetet, früh ins Bett, ich bin jetzt immer sehr rasch erschöpft und erwärme mich dann erst mit einem Bettwärmer. Nachts lan ge munter gelegen, am Morgen habe ich verschlafen, so dass ich dann mit Tamara zu gleicher Zeit fortgehen konnte und sie in den Kindergarten brachte; ich habe sie auch am Mittag abgeholt. — Früh in der Strassenbahn viele von den Umsiedlern getroffen; später auch auf der Sonnenstr., es war ja als Treffpunkt der Platz am Freiburger Bahnhof bestimmt worden; Zeit 9 Uhr; es war ein sehr ergreifender Anblick, die Austreibung dieser Glaubensgenossen mitansehen zu müssen. Die Menschen haben sich auch gut gehalten, aber man sah auch so manche traurige Gestalt. — Barbier, wo ich einigen Rassengenossen wegen ihrer Märchenerzählungen gründlich Bescheid sagte. — In def Zeitung heute eine bedeutsame Nachricht. In Prag ist von den Tschechen der Tschechische Schriftsteller, der sich für die Zusammenarbeit mit den Deutschen einsetzte, vergiftet worden. — In Prag scheint ja die Revolution nun permanent zu sein; auch in Berlin soll es schon sehr unruhig sein; mit Hilfe der SS soll man angeblich die Bevölkerung in Ruhe halten. — Auf der Goeppestr. meinte man auch, dass die angeblichen grossen Erfolge im Osten in dieser Form der Bevölkerung mitgeteilt wurden, tim zu beruhigen. Sicherlich wird aber, ehe alles zu Ende ist, noch viel Unheil angerichtet werden, mancher Unschuldige wird noch ins Gras beissen. Aber ich glaube, dass im Ganzen die Lage für Deutschland ziemlich kritisch ist. 14. Okt. 1941. Breslau, Dienstag Gestern noch einiges für die G. J. gemacht; später mit beiden Kindern zum Simchath Thora G”ttesdienst gefahren; Tamara war das erste Mal mit Bewusstsein im G”tteshaus, und es hat grossen Eindruck auf sie gemacht! Beim Umzug ist sie allerdings von den grossen Kindern etwas gedrückt worden. — Ich hatte die 16. Thorarolle zu tragen. Nun feiern wir das Thorafreudenfest schon das 9. Mal im 3. Reich! Vielleicht feiern wir es das nächste Mal schon in Freiheit. IAn unsere Mitglieder jf [ und Freunde | Wir beabsichtigen Auszüge aus dem Tagebuch, bezw. aus den Tagebüchern von Studienrat Dr. Willy Cohn, sei. And. unter dem Titel “Die jüdische Gemeinde Breslau in den Jahren 1939—1941” im Druck zu veröffentlichen. Um die Herausgabe der Veröffentlichung sicher zu stellen und die Höhe der Auflage festlegen zu können bitten wir unsere Leser uns den Subscriptionspreis von IL 15.— (israel. L.) einzusenden, bezw. Gegenwert in ausländischer Währung von unseren Auslands-Abonnenten einzusenden. Wir hoffen, das Buch bezw. die Broschüre bis Januar 1974 herauszubringen. Verband ehemaliger Breslauer in Israel Ramat-Gan, Mazada Str. 27 (Israel) DIE JÜDISCHE RELIGIONSSCHULE DES RABBINERS Dr. F. ROSENTHAL IN BRESLAU Vor 70 Jahren befand sich die Jüd. Religionsschule des Rabb. Dr. Ferdinand Rosenthal in einer Parterre-Wohnung, Höfchen, Ecke Gartenstrasse. Es waren 3 enge Zimmer, in denen in übervollen Klassen Unterricht erteilt wurde. Wenn ich mich recht erinnere, fungierten als Lehrer die Herren Dr. Kaelter, Dr. Lazarus und Herr Graf. Die Notwendigkeit für einen speziellen Religions-Unterricht ergab sich aus verschiedenen Gründen! Der jüd. Religions Unterricht an den Breslauer Gymnasien und Realschulen war ungünstig geregelt und vermutlich auch unzureichend, was nicht an dem Lehrer lag (in meinem Falle Rabb. Dr. Fabian, Elisabeth Gymnasium). Bald zog man um. Im Gemeindehaus, Wallstrasse fand unsere Religionsschule ein neues, modernes Quartier. Im westlichen Flügel des Hauses, der durch einen grossen Hof von der Storch- Synagoge getrennt war, waren in dem ersten und zweiten Stock die Schulräume. Es unterrichteten die Herren Rabb. Dr. Rosenthal, Rabb. Dr. Hamburger, die Lehrer Herr A. Berlinger und Herr Graf, sowie ardere, deren Namen mir nicht mehr so geläufig sind. Die Räume waren gross und hell, die Baenke standen so zu den Fenstern, dass ' von links her das Tageslicht hereinkam. Es waren ausreichend Schulzimmer vorhanden. Selbstverständlich wurden Knaben und Mädchen gesondert unterrichtet. Da meine Schwester ebenfalls diese Religionsschule besuchte, fragte bei der Anmeldung der eine Lehrer! Bist du die Schwester von Deinem Bruder? Es wurde hebräisch schreiben und lesen gelehrt, biblische Geschichte, Pentateuch, Segenssprüche, Festgebräuche usw., jedenfalls alles, damit sich die Kinder im Leben als wahrhaft jüdisch gebildete Menschen und als gläubige Juden und Bürger bewähren. Verschiedene Gelegenheiten wie Mozae Schabbat u.a. wurden gemeinsam begangen. Es gab auch Unterweisung in Chorgesang für den G”ttesdienst an Schabbat und Festtagen durch Oberkartor Hermann Josef Rosenthal. Das Lehrmaterial bezog man in den Buchhandlungen von Brandes, Karlstrasse, Wwe. Mayer Karlsplatz und Roth, Gartenstr. Mit der Lehre von den ewigen Wahrheiten des Judentums wurde in dieser Schule begonnen, Jedenfalls schuf sie die Grundlage hierfür. Julius Sachs, Tel-Aviv, Mazestr. 51 7

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