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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Breslau in der Encyklopedia Judaica Die Redaktoren des 1972 im Verlag KETKR, Jerusalem, in englischer Sprache erschienene Monumentalwerks ENCYKLOPEDIA JUDAICA (15 Bände, 8000 Illustrationen, 300 Redaktoren, 1800 Mitarbeiter) haben besonders Sorgfalt auf die Geschichte der jüdischen! Gemeinden in der Welt, grosse und kleine, verwendet. Breslau ist zunächst im dritten Bande (Spalte 353-56) ein grundlegender Beitrag gewidmet. Er schildert die Geschichte der jüdischen Niederlassung seit der ersten Erwähnung 1203, bis zur Neugründung einer jüdischen Gemeinschaft von etwa 1200 Familien nach der Nazi-Katastrophe (die meisten wanderten nach dem Sechstagekrieg nach Israel aus). Der Artikel erwähnt die mittelalterlichen Verfolgungen und Vertreibungen, sowie das kaiserliche Edikt, das Juden die Niederlassung versagte und bis 1744 in Kraft war, obwohl es in nicht wenigen Einzelfallen umgangen wurde. Im Jahre 1776 lebten etwa 2000 Juden in Breslau. Schon frühzeitig machten sich, besonders unter den privilegierten Familien, Tendenzen der Haskala und Reform geltend, die in den Jahzehnten nach der Preussischen Emanzipation (1812) zu Gegensätzen zwischen dem orthodoxen und Reformflügel führten, obwohl, wie bekannt, der Charakter der Einheits-Gemeinde bewahrt wurde. Die Rabbiner der Gemeinde, orthodoxe und liberale sind ebenso aufgeführt wie Schriftsteller, Dichter und andere bedeutende Persönlichkeiten der Periode, einigen unter ihnen sind besondere Beiträge gewidmet. Selbstverständlich ist das Jüdisch-Theologische Seminar (gegründet 1854) erwähnt, unter dem Namen seines Gründers Zacharia Frankel, sowohl als auch unter seinem eigenen Stichwort in besonderen Beiträgen ausführlich dargestellt. Erwähnung finden auch die in, Breslau erschienenen jüdischen Zeitschriften, wie die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, das Jüd. Volksblatt, später in Jüdische Zeitung für Ostdeutschland umbenannt und erschienen von, 1895 bis 1935, sowie das Breslauer Jüdische Gemeindeblatt (1924—1938). Auch das Schul- und Vereinswesen ist erwähnt. Von Interesse sind die Angaben über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerungsziffer: 3255 im Jahre 1810, 7384—1849, 13916—1871, 19743—1900, 20212—1910, 23240—1925, 20202—1933 und noch 10309 im Jahre 1939. Wie bei allen in der Nazizeit zerstörten Gemeinden, schildert die Encyclopaedy die Vorgänge des Untergangs und der Vertreibung nach Auschwitz, Sobibor, Riga und Theresienstadt. 190 hebräische Bücher wurden in der Periode 1719 bis zum'Ende des 19j Jahrhunderts in Breslau gedruckt, die verschiedenen Druckereien sind in dem Beitrag angegeben, sowie auch ein Literaturverzeichnis von, Werken, die dem Beitrag zu Grunde gelegen haben. Der Verfasser des Artikels ist “Dr. Bernhard Brilling, Lecturer in Jewish History, University of Münster, Germany”. Imi Band 3 (Spalte 381), im Beitrag über jüdische Archive, findet sich die Angabe, dass nach dem 2. Weltkrieg die Reste des Breslauer Gemeinde-Archivs, zusammen mit denen von hunderten anderen Gemeinden, dem Jüdisch - Historischen Institut in Warschau übergeben wurden, das jedoch im Jahre 1968 geschlossen wurde. Das Material wurde dann anderen Regierungs- und Munizipalarchiven einverleibt, und einiges davon in der Form von Mikro-Filmen usw. auch an Jad We Schern in Jerusalem abgegeben. Die Tatsache, das ein Breslauer Jüdisches Museum existierte, ist im Band 12, Spalte 538 unter der Überschrift “Museums” erwähnt. Ein besonderer Beitrag ist im Band 14 (Spalte 1536/1538) der Geschichte der Juden in Schlesien (auf tschech Slezko, polnisch — Slask) gewidmet. Auch hier sind die Namen der bedeutenden Rabbiner sowie der Wissenschaftler (z.B. Graetz, Paul Ehrlich, Haber, Emin Pascha (Eduard Schnitzer), Dichter und Schriftsteller, Politiker (Lassalle) angeführt, die aus der Region stammten oder in ihr wirkten, vielen von ihnen sind unter den entsprechenden Stichworten Gegenstand spezieller Aufsätze. Auch für diesen Beitrag zeichnet Dr. Brilling verantwortlich, und eine Bibliographie ist beigefügt. Aus dem Tagebuch 6. Okt. 1941. Breslau, Montag Gestern früh. tüchtig am Artikel Magdeburg geschrieben, während Frl. Cohen abschrieb, später mit beiden Kindern und Susannes Freundin Jutta Marcus zum Friedhof Lohestr. Tamara hat unterwegs süss geplaudert. — Die Kinder haben tüchtig Kastanien gesucht; ich habe im Erbbegräbnis gesessen und gebetet; später auch noch bei Hedwig Bermann. Ingenieur Jokl gab mir einen erschütternden Brief seiner Schwägerin Frl. Dr. Gelsner zu lesen, 5 Juden sind unterwegs infolge schauriger sanitärer Zustände auf dem Schiff gestorben! Sie war noch in Quarantäne. — Am Nachmittag am Artikel Magdeburg weiter geschrieben; Synagoge-Abend Sukkoth. — Susanne hat sich ganz reizend auf dem Balkon unter einem Stück Leinwand eine Sukka gebaut und mit ihren Freundinnen gebetet; man freut sich sehr, wenn ein Kind so in das Judentum hieinwächst. — Vor der Synagoge Isidor Lichtenberg, dem jungen 69 jährigen Bräutigam gratuliert. — Heute früh im Domarchiv gearbeitet, Prof. Hoff mann gesprochen; plötzlich erschien auch Grotte, den Hut schämig vor dem Judenstern. Ich eröffnete ihm das Notwendige. Er will Bücherkisten in der Dombibliothek unterstellen. — Dem Reg. Rat Halpert soll Vermögen und Pension beschlagnahmt worden sein! Finanzamt Mitte wegen Umsatzsteuerformularen, Bank, wo mich der Vorsteher auch wegen dieser Massnahmen befragte. 7. Okt. 1941. Breslau, Dienstag Gestern Nachmittag noch tüchtig am Artikel Magdeburg geschrieben, von dem ich das Gefühl habe, dass er ganz ordentlich wird. — Frl. Silberstein war bei Trudi; ich sprach sie nur einen Augenblick. In die Synagoge gefahren; auf der Strassenbahn Dr. Latte getroffen. — Mit der Beschlagnahme der Pension bei Halpert muss es doch seine Bewandnis haben. — Die Verwaltung seines Vermögens war schon vorher von der Devisenstelle auf die Gestapo übertragen worden. — Susannchen hat am Nachmittag wieder mit ihren Freundinnen in der improvisierten Sukka auf dem Balkon gesessen! 8. Okt. 1941. Breslau, Mittwoch Gestern Vormittag fleissig im Domarchiv gearbeitet, ich habe jetzt sehr wertvolles Material für Erfurt; auch heute war ich dort. Gestern Nachmittag etwas mit Tamara spazierengegangen; Frl. Passia Bücher getauscht; wie ich herauskam, begegnete ich zu meiner Freude Ruth Gross, die ich schon lange nicht gesehen habe: wir hatten auch noch Spazierengehen können, aber leider zog wieder eine Herzschwäche herauf; ich war froh, als ich meine Wohnung wieder erreichte und Caramin nehmen konnte; es ist ein grässliches Gefühl, und es dauert dann immer eine Zeit, bis man seelisch damit fertig wird. — Heute auf der Dombiblothek einen Pfarrer Schreiber aus Weidenau, (Sudetengau). 0 Unter dem oben erwähnten Stichwort “Breslau” (Band 4-1354) erscheint eine Photographie der Sklower Synagoge (erbaut ca. 1790, teilweise zerstört, November 1938, später als Weinkeller und Lager benützt). Von Interesse ist auch die verhältnismässig grosse Zahl der jüdischen Persönlichkeiten, denen in der Enziklopädie Beiträge gewidmet sind, deren Familien-Namen an Breslau erinnert, wie1 Breslau (6), Breslauer, Breslaw, Bresselau (6 Persönlichkeiten) . Manfred Noy (Neuberger) Ramat Chen, Israel von Willi Cohn s.A. 9. Okt. 1941. Breslau, Donnerstag Gestern noch fleissig mit Frl. Cohn gearbeitet; der Artikel Magdeburg, der sehr umfangreich geworden ist, ist ferJlg geworden. — Onkel Hugo war da um sich vor seiner Aussiedlung nach Grüssau zu verabschieden, es war sehr aufregend. Heute Vormittag Gemeindearchiv. 9. Okt. 1941. Am Nachmittag Die Arbeit im Gemeindearchiv strengt mich immer sehr an, weil so viel Unterhaltung ist, ganz anders als in Domesarchiv! Es wäre mir im Grunde lieber, wenn ich dort ganz alleine da wäre. R. A. Jakob redet auch gern und Lucker, der uns heute wieder eine Visite gemacht hat, ist immer beleidigt, wenn man ihm nichts Neues erzählt. — Am Nachmittag war ich jetzt noch bei der Trauung von Frieda Laband mit Dr. Walter Redlich. Die Feier hat mich ziemlich aufgeregt, das mi adir geht sehr zu Herzen. Für Frieda Laband war ich auch ein Gruss aus längst vergangener Zeit. — Dann Tamara vom Kindergarten abgeholt. Wir müssen jetzt in der Strassenbahn stehen, was eine sehr grosse Anstrengung bedeutet. In U.S.A. müssen die Deutschen ein Hakenkreuz tragen und eine Binde mit der Aufschrift Nazi, aber letzten Endes bezahlen wir das alles. — Heute grosse Sondermeldung! Die Hauptentscheidungsschlacht im Osten hat begonnen! Ein Erlass des Führers bringt verstärkte Judenhetze, Anscheinen wollen die Deutschen mit letzten Einsatz die Entscheidung in diesem Winter erzwingen, und wenn man auch ihren Meldungen noch so skeptisch gegenüber steht, zunächst sind gebietsmässige Erfolge zu verzeichnen; wenn ich trotzdem auch nicht glaube, dass sie den Krieg gewinnen werden! 11. Okt. 1941. Breslau, Sonnabend Gestern. Vormittag mit Frl. Cohn gearbeitet; Post und für die Lehranstalt. — Ich habe auch an Lotte nach Tirentsin geschrieben, dass sie sich um eine Nachricht von Ruth bemühen möchte. Am Nachmittag Ordnungsarbeiten in meiner Bibliothek gemacht, die mich leider wie alles Körperliche ziemlich anstrengen. Gestern sind die ersten Transporte nach Grüssau mit Auto abgerollt, bei jedem war ein Kommissar der Staatspolizei dabei. Es soll ein sehr trauriger Anblick gewesen sein, diese alten Leute. Ein richtiger Jeziath mizrajim; heute gehen wieder Transporte; auch unsere Edith Rös'.er ist dabei. — Der Vater musste sie gestern von der Arbeit abholen, sie hatten für heute um sieben den Reisebefehl bekommen! — Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen, wie oft hat man nichtschon Abschied genommen! Ich habe das Mädl sehr lieb gehabt! — Für die jungen Menschen ist diese Verbannung sehr schwer.— Abends beim Barbier Nothmann Koll. Freund gesprochen; er will liebenswürdigerweise Susanne Geigenstunden geben. — Lage: Die Deutschen kommen wohl im Osten (Forts. Seite 7) 6

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