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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1973-04-01 · No. 33 (April 1973) · p. Seite 5

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1973
Issue
No. 33 (April 1973)
Date
1973-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Das Unverlierbare im jüdischen Leben Ja, dem Schicksal sei’s gedankt, wieder und wieder und immer wieder — AM ISRAEL CHAI! Stets von neuem wird es einem glückhaft bewusst, dass, wenn man Europa auf der Suche nach jüdisch-kulturellen Dingen und Tatsachen durchstreift, sich immer nur das eine einzige Resultat ergibt: Das jüdische Geistesleben existiert ungebrochen weiter, hat viele neue Impulse erhalten und sich in der gesamten Gola hauptsächlich deshalb so gravierend entwickelt, weil es sich mit dem Heimland Israel im Rücken viel leichter und wirkungsvoller argumentieren lässt als dies in früheren Zeitläuften der Fall war. Selbst in Deutschland, in dem sich nach der furchtbaren Katastrophe unseres Jahrhunderts und nach Beendigung des zweiten Weltkrieges nur noch relativ wenig Juden befanden — sie rekrutierten sich damals fast ausnahmslos aus den sogen. DP’s oder Displaced persons — ist inzwischen eine neue jüdische Generation herangewachsen, die ihrerseits eng mit der israelischen Jugend verbunden ist. Und nicht nur mit der Jugend, sondern mit dem ganzen Völk und Land Israel bestehen die Kontakte, werden von beiden Seiten gepflegt: Barmizwoth und Hochzeiten, religiöse Feste und israelische Staatsfeiertage, alles bietet Anlass zum gedeihlichen Zusammenwirken! Schon die Kinder lernen heute allüberall das moderne Ivrith, studieren die altneue Historie ihres wirklichen Vaterlandes und tun dies alles schon mit dem Blick auf ihre Zukunft und eventuelle Einwanderung in Israel. WASSERMANN (Schluss von Seite 4) Tatsache, dass Wassermann gegen Ende seines Lebens auf den Waremme gekommen ist, was ihm viele Juden des Ostens, darunter auch Martin Buber, übel genommen haben. Das heisst: er hat sich der Schar der vielen deutschen Epiker angeschlossen, die seit Heinrich Heine Juden-Verspottung als ein billiges und wirksames Zugmittel benutzt haben. Ungefährlich waren diese Ausfälligkeiten ja auch, da sich niemals ein deutscher Jude gefunden hat, der schlagfertige Einsprache dagegen erhoben hätte. Tatsächlich war ja in der deutschen Epik der Jude dasselbe, was im Zirkus der dumme August war. Und das war noch der günstigere Fall. Der schlimmere Fall war, wenn der Jude, wie bei Wilhelm Raabe und Gustav Freytag, zu einer Art Teufel und Kinderschreck wurde. Damit hatte sich Wassermann eine zweite Gruppe von Gegnern geschaffen. Die erste war selbstverständlich die der Antisemiten gewesen; sie ist es auch heute noch'. Genutzt hat diese doppelte Gegnerschaft seinem Werke sicherlich nicht. Er hegte einen Hass gegen die Juden des Ostens, von denen er annahm, dass sie dem Antisemitismus in Deutschland itets neue Nahrung gäben. So ist das Gesamtbild Jakob Wassermanns als Juden ein äusserst fragwürdiges. Er glaubte, ein Vorläufer der General-Assimilation zu sein, er war de facto der Prototyp derjenigen Juden, die ihr Judentum für ein fragwürdiges Deutschtum aufgegeben hatten, kein Christ, wohl aber ein Mimikryst ersten Ranges. Er gehörte zu denjenigen deutschen Juden, die ein Abendrot für ein Morgenrot hielten. Es war für ihn selbst und für das ganze Judentum ein grosses Unglück, ein schwerer Verlust. Walter B. Goldstein Unter diesen Aspekten gesehen, bietet heute auch ein längerer Aufenthalt in den Städten der Schweiz dem reisenden Israeli höchst positive Eindrücke in jüdischer Sicht: Vor allem Basel, eine für uns Juden historisch hoch bedeutende Stadt, seit damals, als 1897 der erste Zionistenkongress dort stattfand. Dort, in dem wunderschönen Kongresssaal auch nur eine Minute an jenem Rednerpult zu stehen, an dem der junge Theodor Herzl seinen “Judenstaat” skizzierte, damals von vielen der ehrenwerten Anwesenden mit skeptisch-ironischem Lächeln aufgenommen, ist faszinierend. Aber schon ein halbes Jahrhundert später — und was bedeutet schon eine solche Spanne in der Geschichte eines Volkes? — wurde der jüdische Staat in Tel-Aviv proklamiert. Aus dem Märchen war Wirklichkeit geworden, wer hätte es für möglich gehalten ausser diesem Propheten Herzl, der es leider nicht mehr miterleben durfte. Uns allen war es beschieden, zusammen mit Volk und Land dieses letzte Vierteljahrhundert durchzukämpfen, mitzuleiden und sich mit zu freuen — können wir eigentlich jemals genug dankbar dafür sein, auch dann, wenn wir glauben, dies oder jenes kritisieren zu müssen, weil eben “nicht alle Blütenträume reiften’”? Wo in aller Welt gäbe es nicht solche Probleme, sie sind normal. Zurück zum Thema. Vom Stadtkasino aus sind es nur wenige Minuten bis zu dem erst vor kurzen Jahren gegründeten Jüdischen Museum, dem einzigen seiner Art in der ganzen Schweiz. Es befindet sich in der Kornhausgasse 8 und gestattet seinen Besuchern freien Eintritt. — Wundersame, kostbare Sehenswürdigkeiten sind ausgestellt: Neben dem “Arbeitsplan” jenes ersten Zionistenkongresses beeindrucken natürlich an erster Stelle die Kultgegenstände aus jüdischer Vergangenheit; eine sehr alte Sefer-Thora aus Kairo, ein herrlicher Thorazeiger (Jad) aus dem 18. Jahrhundert, aus Gold und Silber gefertigter Thoraschmuck, Menoroth aus verschiedenen Epochen, auch ganz primitive, auf der oder für die Flucht rasch geschaffen (gab es denn nicht immer wieder Verfolgungen und Vertreibungen aus Ländern, in denen sich Ahasver vorübergehend gesichtert gefühlt und assimiliert hatte?) und ausser all diesem ein besonders schöner Thoramantel, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert: Bei näherem Hinsehen erkennt man hier, auf den beiden mit Löwen gezierten Säulen dargestellt, die rührende Erzählung von Jakobs Traum; er, der sein Haupt vertrauend auf einen Stein bettet, sieht träumend die Engel auf der Himmelsleiter auf und ab steigen! Allein diese märchenhafte Interpretation in ihren lebendigen Farben wäre Grund genug, das Museum aufzusuchen — neben noch vielem anderen, was hier nicht alles detailliert besprochen werden kann. Ein junger Madrich, damals war es ein Akiba-Schüler aus Jerusalem, erklärt, selbstverständlich für seine Landsleute in ivrith, die interessanten Dinge, meist in modernen Vitrinen konzentriert, und freut sich, von uralten Geschehnissen in Verbindung mit dem heutigen Israel berichten zu können. Die Freude ist beiderseits, weil ja auch der Israeli als Besucher sich hier im ersten Augenblick heimisch fühlt. Mit einem letzten Blick auf die Abbildung der einladenden ‘“Adartafel Ende des 19. Jahrhunderts” auf der man übrigens inmitten aller Wiedergabe von Tier und Pflanze zwei ausgestreckte Menschenhände mit den ganz klein gedruckten, aber grossen Worten “L’- chajim, Brüder” freudig entdeckt, verlässt man das noch kleine Museum, das bezüglich seiner Weiterentwicklung zu grossen Hoffnungen berechtigt. Erst im Hinausgehen bemerkt man eine Anzahl sehr alter “Ketuvoth” (von denen noch nicht einmal ein Efraim Kishon damals wusste!), auf einer von ihnen ist zwischen den Textreihen in kleinstem Druck die gesamte “Megillath-Ester’! geschrieben — ein Meisterwerk! Und schliesslich neben einem echten “Chalizah-Schuh” und einer prächtigen, ganz in rot gehaltenen “Chuppah" aus Endingen (17 Jahrhundert), mit zwei zierlichen Stühlen für das Brautpaar, überraschen uns als Geschenk des hiesigen Israel-Museums Ausgrabungen aus neuester Zeit, ur-ur-alte Dinge aus jüdischem Leben und seinen Traditionen! Eine völlig andere Seite des jüdischen Basel repräsentiert das idyllisch gelegene Jüdische Altersheim in Riehen/Basel “La Charmille”, auch hierzulande sicher vielen bekannt. Wie einer Schilderung von Hanna Schüler “Das jüdische Heim “La Charmille” in Riehen” in einer vorliegenden umfassenden Broschüre zu entnehmen ist, wurde das Heim mitten im 2. Weltkrieg als ein jüdisches eröffnet, nachdem es schon jahrzehntelang als ärztlich geleitetes Sanatorium bestanden hatte. Schon 1943 gab es unter den Insassen fast 50% ältere Menschen, die sich während der Hitlerverfolgung hierher gerettet und in diesem ersten grösseren “Werk der Alphonse- und Eugönie-Levy-Stiftung” Zuflucht hatten. Hier, in dieser ruhigen und beruhigenden schönen Umgebung und ganz besonders in der warmen, streng traditionellen Atmosphäre des Hauses scheint es nicht schwer zu sein, zu altern, sondern bezeugen die Gespräche mit den Pensionären einhellig die Zufriedenheit darüber, den Lebensabend hier zu verbringen. — Da muss übrigens angemerkt werden, dass es hierzulande in unseren inzwischen entstandenen Älteren-Heimen ebenfalls relativ leicht gemacht wird, älter zu werden — dies besonders dann, wenn man sich entschliesst, innerlich jung zu bleiben!!- Mit zu erwähnen . bleibt unbedingt noch das Jüdische Altersheim in Lengnau (b. Baden) mit der ihm benachbarten sehr alten, jetzt restaurierten Synagoge, die heute leider nur noch zur Besichtigung aufgeschlossen wird — mangels ansässiger jüdischer Bevölkerung. Das Altersheim selbst hat eine eigene, zwar kleine, aber sehr stimmungsvolle Synagoge. Die Insassen kommen auch hier aus aller Welt, vereinzelt auch aus Israel, loben sehr das Haus und seine Atmosphäre; die offizielle Bezeichnung lautet “Schweizerisch-Jüdisches Altersheim”. Es erhält sich selbst, bekommt höchstens mal für einen Notfall einen Zuschuss von der sogen. “Schweizerisch-Jüdischen Flüchtlingshilfe” (Zürich), dies aber nur für Inlandsbürger, nie für Ausländer incl. Israelis. Es wäre noch manches zu berichten, vor allem von den Besuchen an Freitag-Abenden und am Schabbatt in den Synagogen von Zürich, Baden und Basel. Doch macht da wohl jeder Reisende seine individuellen Erfahrungen, es wäre ein Wagnis, hier persönliche Erlebnisse wiederzugeben, denn — es reisen ja so viele unserer Landsleute und Volksgenossen, auch dieses sei dem Schicksal gedankt! Aber auch zu uns hier nach Israel kommen mehr und mehr der Unseren, besonders in diesem Jahr, zum Pessach und gleichzeitig zum 25jährigen Staatsbestehen, nicht zuletzt aber auch im Gedenken an all das, was uns vor genau 40 Jahren alle auf die Wanderschaft brachte. Sie wurde zum Segen, auch dafür Dank! FRIEDA HEBEL 5

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