Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 32 (September 1972)
- Date
- 1972-09-01
- Page
- Seite 19 (sequence 2037)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Curt Proskauer s.A. DER WISSENSCHAFTLER Am 20 März 1972 starb in New-York Dr. Curt Proskauer im 85. Lebensjahre. Er war in Breslau ein Vierteljahrhundert lang, von 1914 bis 1939, als einer der besten Zahnärzte seiner Zeit bekannt. Weniger verbreitet war die Tatsache, dass er einer der bedeutendsten Wissenschaftler auf seinem Gebiete und einer der ganz wenigen weltberühmten Historiker der Zahnheilkunde gewesen ist. — Er hatte im zahnärztlichen Institut in Breslau unter Prof. Partsch und in Berlin Zahnheilkunde studiert. Nach dem Staatsexamen war er v. 1909 bis 1911 Assistent bei Prof. Hesse in Jena. 1914 heiratete er meine Cousine Erna Cohn, die aus dem hochangesehenen Hause Trautner-Cohn stammte, und liess sich in Breslau als Zahnarzt nieder. Zu seinen aus allen Kreisen stammenden Patienten gehörten: Mitglieder des Landadels Schauspieler, Künstler, Architekten; so der berühmte expressionistische Maler Otto Müller, Lotte Hauptmann, die Schwester der Dichterbrüder Hauptmann, Prof. Aschheim und viele andere. Proskauer wurde der Begründer und Herausgeber der Serie “Kulturgeschichte der Zahnheilkunde”. Als vierten Band veröffentlichte er eines seiner Hauptwerke: Iconographia odontologica”, das erstmalig war und einmalig blieb, da es Ikonographie und Lexikon zugleich war. Prof. Dr. Dr. Paul Hauser sagt in dem langen Artikel, den er Curt Proskauer 1967 zu seinem 80. Geburtstage widmete: “Nicht zu Unrecht sprechen wir daher von ihm als dem “Proskauer”. Das Werk ist jetzt in einem Neudruck bei Georg Olms in Hildesheim neu erschienen. 1926 nahm Curt Proskauer als offizieller Delegierter am internationalen Zahnärztekongress in Philadelphia teil, bei dem er auch seine Sammlungen ausstellte, von denen noch die Rede sein wird. Ein grosser Teil seiner wissenschaftlichen Arbeiten stammt aus USA, wo er seit 1940 lebte. Erst hier wuchs er zur internationalen Kapazität auf seinem Gebiete, der Geschichte der Zahnheilkunde heran. Prof. Hauser zählt auswahlweise folgende Punkte auf: 1) Wissenschaftliches Mitglied der medizinischen Akademie in New York (Stipendium): 1940—42. 2) Forschungsarbeit für den Medizin-Historischen Kalender von William R. Warner 1942-47. 3) Beirat des “Journal of the History of Medicine and Allied Sciences” Yale-Universität seit hatte, war es mir unzweifelhaft, dass in seinen Adern Künstlerblut floss, dass er eine Künstlerpsyche hatte. Er hatte ja auch eine zeitlang Kunstgeschichte studiert. Da er aber kein ausübender Künstler war, so suchte sich die Inklination zur Kunst einen zwiefachen Ausweg in der Sammel-Leidenschaft. Er kaufte sich Bilder der damals modernen Expressionisten: Pechstein, Nolle, Franz Marc, Heckei, Kokoschka, Barlach. Jung wie ich war, wähnte ich damals noch, die Kunst habe es mit Aesthetik, mit der Schönheit zu tun! ich wusste damals noch nicht, dass die Künstler des 20. Jahrhunderts nur ihr Gefühl ausdrücken wollen, das eben meist verworren und unschön ist. Von heute aus gesehen aber steht es fest, dass diese Sammlung einen enormen Wert repräsentieren würde, wäre sie nicht im Verlauf der Auswanderung fast gänzlich verloren worden. Jedoch ist eine kostbare Bildersammlung schliesslich nur der Beweis für ein grosses Einkommen. — Einmalig und neue Werte schaffend, neue Wege weisend und bahnbrechend wurde diese Sehnsucht nach der Kunst erst, als sie sich mit Curt Proskauers beruflicher Wissenschaft verband. Als er Bilder und Zeichnungen zu sammeln begann, die sich auf'seinen Beruf bezogen; da wird er schwerlich geahnt haben, dass er im Begriffe sei, den Grundstock zu einem neuen Wissenschaftszweige zu legen: der Geschichte der Zahnheilkunde. Das war bisher ein völlig vernachlässigtes Gebiet gewesen, zu dessen Aufblühen Proskauer mehr als die Grundsteine gelegt hat. Aus dieser Sammlung nun wurde zweierlei: zunächst wurde sie 1928 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sie wurde an die damalige Standes - organisation der deutschen Zahnärzte in Berlin verkauft. Damit wurde sie zum Grundstock jener Sammlung, die sich heute — seitdem erheblich vermehrt — als berufsgeschichtliche Sammlung des Bundesverbandes der Deutschen Zahnärzte in Köln befindet. Proskauer wurde ihr Leiter. Ferner aber wurde daraus Proskauers — populär gesehen — bedeutendstes Werk: die grossartige “Bildgeschichte der Zahnheilkunde”, die er mit seinem Freunde P. H. Witt 1962 herausgab. Ich habe das kostbare Bildwerk einmal bei einer internationalen Buchmesse in Jerusalem in der Hand gehabt. Sie ist gleichzeitig deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch beschriftet und dürfte in Jahrhunderten kaum zu überholen sein. Nicht viele Wissenschaftszweige können sich einer solchen Geschichte ihrer Entwicklung rühmen. 1968 erhielt Curt Proskauer das grosse Verdienstkreuz der deutschen Bundesrepublik für seine wissenschaftlichen Verdienste und die Vermittlung von Verbindungen zwischen deutschen und amerikanischen Wissenschaftlern. 1969 erhielt er von der American Academy of the History of Dentistry den Hayden-Harris-Award in Form einer Plakette, d. bisher nur drei anderen Zahn-Historikern zuerteilt wurde. Das Smithonian Institut, eines der berühmtesten in Amerika, beabsichtigt, Erinnerungen an Proskauer auf tape aufzunehmen, die Gründung eines “Proskauer-Archivs” sowie die Herausgabe einer grösseren Schrift über ihn mit einer Bibliographie. DER MENSCH “Zu dem war er in Sonderheit stets voller Scherz und Lustbarkeit". In der Tat: der Vetter Curt war — zum mindesten in seiner Breslauer Zeit — das, was man einen Bruder Lustig nennt. Er nahm das Leben von der heitern Seite und hat mich eine ganze Behandlung lang mit Witzen zur Zeitgeschichte gefüttert, die mir alles andere als “witzig” erschien. Dass er Mitglied der “Schlaraffia” war, entsprach durchaus seinem Charakter. Er war ein hübscher, gross gewachsener Mann und hatte persönlich einen grossen Charme. Er war dadurch eine ideale Ergänzung zu seiner Frau Erna, die ihrerseits schwerlebig war und dem Leben eher ängstlich gegenüberstand. Dieser Optimismus hat auch bewirkt, dass Curt Proskauer die Hälfte des tausenjährigen Dritten Reiches, also sechs Jahre, in Deutschland verlebte. Erst 1939 nach einer Kur im Sanatorium Buchenwald ist er mit Frau und dem lungeren Sohne (jetzt Prof. Dr. Paul Proskauer) nach Italien ausgewandert. Der ältere Sohn (jetzt Architekt Henry G. Proskauer) befand sich in der Schweiz. In Rom bekam Proskauer Kontakt mit dem Zahnarzt des Papstes und Mussolinis und arbeitete in der Vatikan-Bibliothek. Es war auch der Vatikan, der ihm half, 1940 mit dem letzten Schiffe vor Ausbruch des italienischen Krieges nach U.S.A. weiter zu ziehen. Hier baute er, wie gesagt, seine internationale Karriere auf und wurde zu einer Koryphäe seines Faches: der Historie der Zahnheilkunde. 1964 starb Cousine Erna, seine Frau. Curt wurde seitdem von seinen beiden unverheirateten Söhnen in rührender, für die heutige Zeit ganz ungewöhnlicher Weise umsorgt und betreut. — Im Alter ähnelte der Kopf Curt Proskauer in erstaunlicher Weise dem Haupte Gerhart Hauptmanns, dessen Werke er einst in kostbaren Ausgaben gesammelt hatte. WALTER B. GOLDSTEIN SARA KEMP1NSKY 1946. 4) Berater der Bibliothek der Medizinischen Akademie in New-York seit 1949. 5) Auftrag zur Erstellung des Ciba Symposia Index, betreffend Band I bis X. 6) Auftrag zur Erstellung eines mit Anmerkungen versehenen Katalogs... an der Bibliothek des College of Dentistry, Universität New-York. 7) Curator des Museum of Dental and Oral Surgery... Columbia - Universität New-York, von 1951 bis 1965. 8) Ein Forschungsstipendium des U.S. Dept. of Health, Education and Welfare für die Abfassung einer “History of Oral Hygiene 1962/63. Zahlreich sind die Ehrenstellungen, die Proskauer als wissenschaftliches Mitglied von Organisationen einnahm. — Es liegen im ganzen gegen 100 Veröffentlichungen und 33 Buchbesprechungen von ihm vor, in Deutschland, Amerika und der Schweiz. DER KÜNSTLER In all den zwanzig Jahren (1914 bis 1934), die ich Curt Proskauer zu kennen die Freude Im hohen Alter ist Frau Sarah Kempinski in Haifa verschieden. Wer sie gekannt hat wird diesen Verlust bedauern. Bis ins hohe Alter geistig regsam, erfüllte sie die Unterhaltungsabende im Eltemheim mit ihren Vorträgen und launigen Sketchen. Die Familie Israel (Alusch) Kempinski mit ihren 6 Söhnen sind in Breslau ein Mittelpunkt des religiösen Lebens gewesen. Jeder der dieses Haus betrat, wurde von der echt-jüdischen Atmosphäre, der grossen Gastfreundschaft gefangen genommen. Die Heimgegangene stammt aus Wielun (Polen) und ist die letzte aus einem Geschlecht von grossen Talmudgelehrten. Es war für den Unterzeichneten immer ein Erlebnis, wenn er mit Alusch Kempinski S.A., der eine grosse Solinger Stahl-Vertretung hatte, wöchentlich von Rosenberg, O/S nach Zawisna fuhr. Die Unterhaltung drehte sich um Tagesereignisse und Sorgen um die religiöse Erziehung der Kinder. Sarah Kempinski streng religiös in ihrem Legeb. Lipschitz s.A. benswandel hat ein vorbildliches, jüdisches Haus mit ihrem Gatten, aufgebaut, aber sich den Forderungen des täglichen Lebens und der Moderne nicht verschlossen. 12 Enkel und 18 Urenkel, sowie ihre Söhne und Familien betrauern diese besondere Frau. Wir Breslauer werden sie nicht vergessen. E. L. WIR KONDOLIEREN: Frau JUDITH OELSNER geb. Scheftelowitz, Rischon le Zion (Israel) Rechow Tschernichowski 8 zum Hinscheiden ihres Gatten, Franz Oelsner, den guten, arbeitsamen, bescheidenen Menschen. Franz Oelsner ist der Sohn der bekannten Familie Kohlen-Oelsner, Breslau. Er hat hier im Lande schwer gearbeitet und war überall durch sein freundliches Wesen beliebt und geachtet. Sein Cousin, Rabb. Dr. Elchanan Scheftelowitz zeichnete den Heimgegangenen an seiner Bestattung und am Jom Schloschim in bewegten Worten. Verband ehemaliger Breslauer in Israel 19