Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1972
- Issue
- No. 32 (September 1972)
- Date
- 1972-09-01
- Page
- Seite 17 (sequence 2035)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Presse in Breslau Von PAUL TREITEL, Montevideo. Uruguay RUDOLF LOEWY (RULO) 80 JAHRE Viele Breslauer, die heute hier im Lande oder in aller Welt verstreut leben, erinnern sich sicher haeufig und gern an ihre Taetigkeit im "Juedischen Turn — und Sportvereich Bar-Kochba, Breslau. "Vereinte er doch in sich weite Kreise der juedischen Jugend in Breslau, auch viele, die in den verschiedensten Jugendbewegungen organisiert waren (J.J.W.B. — Habonim, Esra-Bachat, Makkabi Hazair, Werkleute etc.) zu Turnen und Sport. Als zu Beginn dieses Jahrhunderts die Devise des “Muskeljudentums’ von Max Nordau formuliert begann, keine Kreise jüdischer Jugend in Deutschland zu erfassen, war Rulo einer von denen, die mit ganzem Einsatz sich diesen Gedanken als Ideal zu eigen machten. “Aus Judenjungen-junge Juden zu machen!”. Schon vor seiner Einberufung zum Militaer (1912) war er in der Makkabi-Bewegung als Tumwart im Bar-Kochba, Berlin, tätig gewesen. Als er 1921 nach Breslau kam, war er es, der sich besonders zur Entwicklung des “Bar Kochbas” (bereits 1903 gegruendet) einsetzte. Seiner unermüdlichen Tätigkeit, gemeinsam mit einer Reihe von Freunden, war es zu verdanken, dass noch in einer Zeit, bevor weite Kreise jüd. Jugend das für notwendig hielten, ein eigener juedischer Sportplatz in, Breslau geschaffen wurde und in Turnhallen-von Breslauer Schulen zur Verfuegung gestellt-Geraeteturnen und Freiuebungen 2-3mal die Woche von vielen jüdischen Jungens und Maedels regelmaessig betrieben wurden. “Zum Henker -das Kriechen und Buecken, und die Stirne zu Boden gesenkt; G”tt hat uns den geraden Ruecken und ein freies Auge geschenkt! Stets wollen wir aufrecht schreiten, in Treue für Juda streiten. “So ertoente der Gesang aus vielen Kehlen zum Beginn eines jeden Tumabends, den Rudolf leitete. Es war weitgehend sein Verdienst, dass beim Beginn der Nazi Herrschaft 1933 der “Bar Kochba Breslau“ so entwickelt war, dass viele Turnleiter, Vorturner und Riegenfuehrer als Mitarbeiter und Nachwuchs herangebildet waren, und dass somit hunderte von Jugendlichen in seinen Reihen aufgenömmen werden konnten, die bald auch in Kulturarbeit zum zionistischen Ideal mehr und mehr erzogen wurden. Für Rudolf Loewy war es bald selbstverstaendlich, dass er mit seiner Familie nicht in Deutchland bleiben würde, und natuerlich nur eine Auswanderung nach Erez Israel in Frage kaeme. Nachdem er sich in Breslau beruflich umgeschichtet hatte, ging er nach Erez Israel, wo er bald-gemeinsam mit seinem Bruder in Haifa die Waescherei “Judith” gruendete. In schwerer Arbeit, gemeinsam mit seiner Frau Edith (Judith) die ihm immer eine treue Stuetze, auch in der Bar Kochba, Arbeit gewesen war, baute er eine gut fundierte Existenz auf, die gleichzeitig auch Arbeitsplätze für andere bedeutete-aber nur, wer, wie er von früh bis spät unermüdlich tätig sein wollte, konnte dort seinen Platz finden. Als er dann die Möglichkeit, sah, setzte er sich auch in Kirjat Bialik, seinem neuen Wohnort, wieder für jüdisches Turnen und Sport ein, wo er es ebenfalls fertig brachte, einen Makkabi- Sport und Turnverein für Jugendliche zu sportlicher Tätigkeit zu organisieren, solange es sein Gesundheitszustand erlaubte. Wir wuenschen ihm und seiner Frau noch viele Jahre in Freude mit seiner Familie und in geistiger Frische-Ad mea weesrim — (bis 120). Rabbi Avigdor Porath (Torry Foerder) Haifa, Wingate Ave. 17. Dank der Liebenswürdigkeit meines Freundes Julius Sachs erhalte ich gelegentlich die Mitteilungen ihres geschaezten Verbandes, die mich immer sehr interessieren, da ich einige Jahre in Breslau verlebt habe, die zu den schoensten meines Lebens gehören. Mit Freude lese ich, dass die verschiedenen Landsmannschaften sich unter dem Namen “Centra” zusammengeschlossen haben, ein Name, den ich seinerzeit hier für den Zusammenschluss der aus Mittel-Europa stammenden Gemeinden in Sued-Amerika erfunden hatte. Ich weiss nicht, ob über obiges Thema in diesen Blaettern schon gesprochen wurde, wenn nicht, will ich versuchen, aus dem Gedaechtnis heraus zu entwickeln, was in mir noch darüber haften geblieben ist. Da gab es die Schlesische Zeitung, das Blatt deutsch-nationaler Richtung, das auch in der Provinz in landwirtschaftlichen Kreisen viel gelesen wurde. Dann kam der Breslauer General Anzeiger, der mittags erschien, unter dem Chef- Redakteur Dr. Tugendhat. Dieses sehr gute Informationsblatt nahm keine bestimmt politische Richtung ein und wurde mehr in der Provinz als in Breslau selbst gelesen. Als Konzertkritiker arbeitete eine Weile Dr. Paul Riesenfeld, der spaeter in Israel lebte, aber ausschied, nachdem es zwischen ihm und dem Chef-Redakteur zu einem Krach kam. Die Ursache weiss ich nicht mehr. Für uns Juden war die Breslauer Zeitung das, was für die Berliner das Berliner Tageblatt war, eine liberale, demokratische Richtung, in dem auch die Familien Anzeigen aus unseren Kreisen zu lesen waren und ein Blatt, das stets unsere Interessen vertrat. Mir ist nicht bekannt, ob es eine sozialdemokratische, oder kommunistische Tageszeitung, obwohl ich glaube, dass es eine oertliche, Rote Fahne gab, wenn sie nicht ein Ableger der Berliner Ausgabe war. (Die Sozialdemokratische Zeitung in grosser Auflage die Rabbi Jeshaja ben Juda Loeb Berlin, geb. Eisenstadt 1725, gest. Breslau 1799, war einer der grössten talmudischen Autoritäten in Deutschland des 18. Jahrhunderts. Sein Lehrer war Hirsch Charif von Halberstadt. R. Berlin, auch bekannt als Jeshaja Pick, nach seinem Schwiegervater Wolf Loebel Pick, aus Breslau, wurde 1793 Raw in Breslau. Er schrieb kritische und anmerkende Glossen zur talmudischen Literatur, so zur Mishna, Gemarah, die bekannten Codices, Targum, Sefer he- Aruch etc. Von Bedeutung sind seine Versuche, Lesarten im Talmud auf Grund von Vergleichung verschiedener Texte zu verbessern. Solche textkritischen Anmerkungen sind in das bekannte “Schass Wilna” aufgenommen. In seinem Aufsatz (hebräisch) “In den Spuren der grossen Israels in Deutschland”, veröffentlicht in dem Buche (hebr.) “Rabbiner Samson Rafael Hirsch — seine Lehre und Methode” (Jerusalem, 1962) zitiert Jona Emanuel folgende interessante Stellen aus dem Werke Rabbi Jeshaja’s “Hossafoth Le’schilath Shalom”: “Es ist uns ausdrücklich anbefohlen, Nichtjuden nicht zu übervorteilen, weder mit Worten, und gewiss nicht mit Geldeswert. So lesen wir im Sefer Chassidim des R. Jehuda Hechassid: Es ist verboten, einen Irrtum, den ein Volkswacht, Chefredakteur Paul Lobe, Anmerk, der Redaktion) Dagegen gab es unter den Wochenzeitungen die kommun. Tribuene mit Gruschwitz als Leiter, die Freie Meinung von Hans Hanteda-Fleischmann, an der spaeter Dr. Paul Riesenfeld mitarbeitete, auch ich gehoerte zeitweise zum kleinen Redaktionsstab, ein stark republikarisch eingestelltes Blatt, das gern gelesen wurde, und schliesslich die Nachtpost, meines ehemaligen Schulfreundes Hans Golland aus Buk, der spaeter ein boeses Ende nahm, das er seinem ehemaligen Zechbruder Heidrych zu verdanken hatte. Spaeter gab es noch ein Montagsblatt, Herausgeber Walter Kiel, der mit einer geborenen Guttman verheiratet war, die dann das Land verlassen musste, während er dank seiner Figur und Gesinnung immer hoeher hinaufstieg, bis er es zum Presse-Chef von Dr. Ley dem nation. Sozial. Arbeitsminister, brachte, über den er sogar ein Buch schrieb. Es ist möglich, dass er heute noch lebt und diese Zeilen liesst, wir waren befreundet, als es noch harmlos war. Seine Frau brachte er zur Auswanderung noch aufs Schiff nach Australien, ein Schwager von ihm lebt hier. Die Presse-Konferenzen der Freien Meinung fanden täglich im Cafe Fahrig statt, wo die Titel und Texte für den kommenden Freitag an dem die Ausgabe erschien, besprochen wurden. Wenn der Herausgeber verreist oder krank war, musste ich auch die technische Seite in der Druckerei erledigen und dadurch lernte ich den “Umbruch” etc. und konnte mit diesen Kenntnissen hier am Gemeindeblat so manchesmal unseren Chef-Redakteur, den von mir sehr geschaetzten Herrn Georg Freund, frueher Berlin, voriges Jahr mit fast 90 Jahren in Frankfurt gestorben, vertreten. Vielleicht finden sich Landsleute, die diese Ausfuehrungen ergaenzen koennen, damit wir ein vollständiges Bild von der Breslauer Presse erhalten. Nichtjude begeht, auszunützen, wenn er etwas verloren hat, muss man es ihm zurückgeben, man darf ihn nicht verächtlich machen, und soll ihn ehren mehr als einen Juden der sich nicht an die Thora hält, (es ist dabei die Rede von einem “Nichtjuden der die sieben noachidischen Gebote einhält). Andere von R. Jeshaja in diesem Zusammenhang nachdrücklich zitierte Stellen aus den Werken halachischer Autoritäten sagen “Wir sind verpflichtet, auch die Toten der Nichtjuden zu begraben und ihre Hinterbliebenen zu trösten, und wenn ein frommer Nichtjude stirbt, so soll man seinen Leichenzug eine Strecke Weges geleiten, denn solche Gerechte haben nach d. Lehre unserer Weisen Anteil an der künftigen, Welt. — “Es hat sich schon der Gebrauch eingebürgert, dass die Führer der Kehilloth aufpassen, dass den Nichtjuden kein Unrecht geschieht, und sie haben das Recht, Nichtjuden vor solchen Juden zu warnen, die Kredite verlangen oder Geld leihen mit der Absicht, nichts zurückzuzahlen...” Aus der Ausführlichkeit, mit der Rabbi Jeshaja Berlin dieses Thema behandelt, darf geschlossen werden, dass er den guten Beziehungen zu Nichtjuden grossen Wert beimass. (Mitgeteilt von Mordechai Noy, Ramat Chen) Loeb Berlin 17