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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-09-01 · No. 32 (September 1972) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 32 (September 1972)
Date
1972-09-01
Page
Seite 7 (sequence 2025)
Language
German
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Die „Gesellschaft der Freunde“ in Breslau “Die Welt, die ist da draussen wo, Mag auf dem Kopf sie stehn, Sie interessiert uns garnicht sehr, Und wenn sie nicht vorhanden waer’, Würd’s auch noch weitergehn” liess in jenen glücklichen Zeiten Otto Julius Bierbaum seinen “Lustigen Ehemann” singen. Das war gewiss ein gutes Prinzip für die Gesellschaft. Aber war es auch gut für die Mitglieder? Die Vogel Strauss-Folitik war ein Charakteristikum der deutschen Assimilationszeit. Es hat zum Schlüsse die Hälfte der deutschen Juden etwa 275.000 Männer, Frauen und Kinder das Leben gekostet.- Schon Weltkrieg, Teuerung und Inflation haben das Bild der Gesellschaft sehr verändert. Es kam dazu, dass sich auch das soziologische Bild der Zusammensetzung typisch gewandelt hatte: noch 1879/71 waren von 492 Mitgliedern 470 — also fast alle — Kaufleute gewesen. 1920 aber sind von 612 Mitgliedern nur nach 390 Kaufleute. Alle Übrigen sind Akademiker verschiedener Art. Dieser Wandel war mehr als nur eine Aeusserlichkeit: es war auch ein Wandel im Charakter der Gesellschaft. — Das Ende der “Gesellschaft der Freunde” war schauerlich, wie das Ende der ganzen deutschen Assimilationszeit. Im Märzblatt der “Mitteilungen” fand sich eine Suchanzeige, die mich entsetzt hat und die der Verstand zu glauben sich weigerte. Sie ist der letzte Anstoss zur Abfassung dieses Artikels. Einer der wichtigsten Mitglieder der Gesellschaft in ihrer letzten Epoche, wenn nicht der wichtigste überhaupt, war der schon mehrfach erwähnte Dr. Georg Tarnowski. Er war Rechtsanwalt und Notar, hat als Schriftführer den gesellschaftlichen Teil der Festschrift zum 100. Jubiläum verfasst und sagt darin, dass er mit 16 Theaterstücken den Vogel abgeschossen habe. Er war sehr reich und der Gatte einer Kindheitsbekannten von mir: der Mieze Friedmann, dem einzigen Kinde eines schwerreichen Mannes. Ich kannte das Besitztum der Eltern: die luxurioese Villa, die Remisen mit den Equipagen und den Garten, der in dem spitzen Winkel lag, den Ahomallee und Kurfürstenstrasse in Kleinburg bildeten. Dr. Tarnowski war in den späteren 20er Jahren der erste Direktor der Gesellschaft; er war ein überaus selbstsicherer, selbstbewusster, selbstüberzeugter Mann, als solcher ein Prototyp der deutschen Assimilationszeit. Es ist ein absurder Gedanke, dass dieser reiche vielseitig begabte, sichere Herr und Freund samt seiner von Jugend auf AUF Dr. JOSEPH WALK, der sich in den letzte: Jahren vorwiegend mit der Geschichte der jü dischen Erziehung im Dritten Reich beschäftig» hat, ist zum Leiter des neu gegründeten Instituts zur Erforschung des Diasporajudentums an der Bar--Ilan-Universität, Ramat Gan, ernannt worden. In dieser Eigenschaft hat sich Dr. Walk an unseren Verband mit der Bitte gewandt, ihm beim Auffinden von Dokumenten zur Geschichte der Juden in Deutschland und anderen Ländern von 1918 an behilflich zu sein (Bücher und Broschüren, Zeitschriften und Informationsblätter, Aufzeichnungen und Briefe usw.). Wir schliessen uns dieser Aufforderung von ganzem Herzen an, da auch wir der Überzeugung sind, dass sich nicht selten geschichtlich wertvolles Material in Privatbesitz befindet und über kurz oder lang aus Unachtsamkeit oder mangelverwöhnten Gattin die letzte Nacht des Lebens auf Strohsäcken im Saale der “Gesellschaft der Freunde” verbracht hat, wo er einst Herr im Hause v/ar und wo 16 seiner lustigen Bierstücke produziert worden waren. Dass der Saal zur Konsignierung der zu Deportierenden benutzt wurde, dafür gibt es schriftliche und mündliche Berichte. Ich sprach nach dem Befreiungskriege mit der christlichen Frau eines Einwanderers. Sie erzählte mir, sie habe noch einmal ihre Schwiegereltern sehen wollen und sei deshalb zu der kleinen Loge hinaufgestiegen, die sich über der Eingangstür zum Saale befand und in der in besseren Zeiten die Musik aufspielte. Dort habe sie auf die Unglücklichen hinuntergeblickt und ihr Schicksal übrigens nicht bezweifelt. Wie konnte ein Mann wie Tarnowski so enden? Als er die anfangs zitierten Verse schrieb, existierten die “Grundlagen das 19. Jahrhunderts” samt ihrem berüchtigten Judenkapitel schon vier Jahre lang. Der Verfasser war der wahlldeutsche Engländer Houston Stewart Chamberlain, ein Freund Wilhelms II. und Hitlers und einer der ersten Nazis. Im gleichen Jahre 1897 hatte der erste Zionistenkongress in Basel getagt. Das alles liess man “draussen”, wenn man das Gesellschaftshaus betrat. Aber es bleibt nicht “draussen”, es kam nach. “Glücklich, wer sich vor der Welt Ohne Hass verschliesst, Einen Freund am Busen hält Und mit ihm geniesst.” Glücklich? 275.000 deutsche Juden hat die Vogel Strauss-Politik nicht glücklich gemacht. Der Fall Tarnowski ist nur einer von sechs Millionen aber ein schauerlicher, ein unbegreiflicher. Hat sich dieser Mann, der 1942 Mitte sechzig war, für den Rest der Gesellschaft geopfert, die nach dem Verkauf des Gesellschaftshauses, durch Auswanderungen und Deportationen geschwächt, in einer Wohnung auf der Ostseite der Kaiser Wilhelm Strasse zwischen Augusta- und Goethestr. (No. 82?) tagte? Oder glaubte er als Frontsoldat noch immer sicher zu sein? Nein, in einem Punkte hat Grossvater Hainauer nicht recht gehabt: es ist nicht in der Welt, ja auch ausserhalb derselben zu denken möglich, — nicht Ablenkung, nicht Freude, nicht Skatspiel — das dem Menschen erlauben dürfte, die Realität des Daseins “draussen” zu lassen. Erst kommt die Wirklichkeit unsres irdischen Lebens, und wäre sie noch so bitter, und dann erst, erst dann kommt “Freude, schöner Goetterfunken, Tochter aus Elysium...” W.B.G. RUF dem Interesse verloren gehen kann. Das Institut verpflichtet sich seinerseits, das ihm überlassene Material nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu ordnen u. es der Forschung und dem Studium zugänglich zu machen. Anschrift: The Institut for the Research of the Diaspora Jewry, Bar-Ilan University, Ramat Gan, (Israel). Rüstige, ältere Dame (Witwe: aus unseren Kreisen sucht Vollpension, möbliertes oder auch unmöbliertes Zimmer in deutschsprechender Familie (orthodox), möglichst mit Familienanschluss vor allem an Schabbath und Feiertagen. Gute Bezahlung. Verband der Breslauer, Ramat Gan, Mazada Str. 27 (Tel. 749754). GRÜNDUNG DES ZENTRUMS IN JERUSALEM (Fortsetzung von Seite 1) Deutscher Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich - Jüdische Zusammenarbeit, Frankfurt/Main (Herr Hoss) Padre Dr. Willehad Paul Eckert, Köln, d. katholische Präsident des Deutschen Koordinierungsrates Kölnische Gesellschaft für Christlich - Jüdische Zusammenarbeit, Köln Hans Walz, Ehrenvorsitzender des Hauses Bosch, Stuttgart (für ihn wurde ein Baum gepflanzt in der Allee der Gerechten bei Yad Vashem) Robert Bosch Stiftung, G.m.b.H., Stuttgart, Direktor Dr. Egon Bruen Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich Wien The Council of Christians and Jews, London Amicizia Ebraico-Cristiana, Firenze Erzbischof Loris F. Capovilla, Loreto (der frühere Sekretär von Papst Johannes XXIII) Prof. Yosef Colombo, Milano (Das Projekt wird in der Januar Nummer der RASSEGNA MENSILE ISRAEL veröffentlicht) U.D.A.I., Unione Democratica Amici Di Israele Milano Zions-Schwestern Milano Rabbi Dr. Max Nussbaum, bekannter Zionisten- Führer, Hollywood O A S, Organization American States, Commission on Human Rights, Washington Prof. Dr. Andrö Neher, Strasbourg—Jerusalem World Jewish Congress, Dr. Riegner, Genf Verschiedene Persönlichkeiten in einigen Ländern (Juden und Nicht-Juden). Mein Besuch in Jerusalem (24.12.1971 — 5.1.1972) und die Besprechungen betreffend die Errichtung des Zentrums in Jerusalem der Menschen guten Willens ohne Unterschied von Rasse, Religion, Nationalität, zwecks Förderung von allem, was mit Menschenliebe und Güte zu lun hat. Mein Besuch in Jerusalem war von meinem Cousin, Hillel Danzig, Journalist und Redakteur der Tageszeitung “Dawar” und von Herrn Avrech, Mitglied der Leitung der Histadruth, vorbereitet worden. lieh hatte Gelegenheit, von folgenden Persönlichkeiten empfangen zu werden, und mit ihnen das Projekt ausführlich zu besprechen. Zalman SHAZAR, Präsident des Staates Israel Reuven BARKAT, Präsident der Knesset (Israel Parlament) Dr. RIMALT, Präsident der Knesset Kommission für Kultur und Erziehung. Jacob SARID, Präsident des Yad Vashem. Dr. Chaim PAZNER, Direktor des Yad Vashem. Yehuda Leib BIALER, Direktor des Yad Vashem. Dr. Chaim COHEN, Richter des Obersten- Gerichtshofes. Sebulun HAMER, Mitglied der Knesset Dr. Yehuda BEN MEIR, Mitglied der Knesset Bruno HUSSAR, Dominikaner-Pater, Gründer von Neve Shalom Katholische Zions-Schwestern, Convent Ecco Homo. Bei allen hat das Projekt vollen Beifall gefunden und die Verwirklichung wird als wünschenswert betrachtet. Interessante Vorschläge wurden besprochen, u.a. wird es voraussichtlich möglich sein, dass sobald das Projekt verwirklicht werden kann, der Boden zur Verfügung gestellt wird. Ich bin gern bereit, auf Wunsch ausführlicher zu berichten. MANFRED DANZIG 20122 Milano Viale Beatrice D’este 22 Italien 7

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