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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1972-04-01 · No. 31 (März 1972) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1972
Issue
No. 31 (März 1972)
Date
1972-04-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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„In Memoriam Rechtsanwalt Kurt Wollt, Oppeln" Von Dr. ERNST WARSCHAUER Mein Kollege Kurt Wolff war in Gegensatz zur mir im Kriege 1914/18 ein Kriegsheld gewesen. Er ist an der Front schwer verwundet worden. Eine Granate hatte ihm das Gesicht zerfetzt. 30 Operationen waren nötig gewesen, um es einigermassen wieder zurechtzuflicken, aber natürlich blieb er ein “Gezeichneter” im besten Sinne dieses Wortes, denn er musste die Wunden und den Ersatz für verlorene Teile seines Gesichts immer zur Schau tragen als sichtbaren Beweis seiner Tapferkeit im Kriege, seines Heldentums. Immerhin wurde er schliesslich soweit wiederhergestellt, dass er seinen Beruf als Anwalt weiter ausüben konnte. Die Hitlerzeit kam heran, und als Kriegsteilnehmer durfte er wie alle anderen jüdischen Anwälte, die am Kriege teilgenommen hatten, seinen Beruf als Anwalt noch weiter ausüben. Erst etwa zur Zeit des Pogroms degradierte man auch diese jüdischen Vaterlandsverteidiger wegen ihrer Rasse zu Rechtskonsulenten. Beim Pogrom am 9. November 1938 verhaftete man unter allen oberschlesischen Juden, deren man habhaft werden konnte, zwar nicht den Kriegshelden Kurt Wollf, aber dessen Bruder, Stadtbaurat in Beuthen O/S. Alle diese oberschlesi sehen Juden sollten ins Konzentrationslager Buchenwald transportiert werden. Es gelang dem Baurat, seinen Oppelner Bruder noch rechtzeitig von der Gefahr, in der er schwebte, zu benachrichtigen. R-A Wolff begab sich zur Gestapo in Oppeln mit der Bitte, seinen Bruder freizugeben. Und siehe, die Verrohung grosser Massen des deutschen Volkes war damals noch nicht soweit fortgeschritten, dass die Oppelner Gestapo gefühllos genug war, die Bitte des Kriegshelden abzuschlagen. Man hielt den Zug, in dem man die oberschlesischen Juden für den Transport nach Buchenwald zusammengefercht hatte, in Oppeln an. Der Baurat wurde herausgeholt und seinem mit dem Mal der Kriegswunden behafteten Bruder als frei übergeben. Die Brüder feierten ein gerührtes Wiedersehen, bevor der Baurat wieder nach Beuthen zurückkehrte. Rechtsanwalt Wolff wurde als Konsulent der unermüdliche Berater und Helfer der oberschlesischen Juden, die seinen Beistand dringend brauchten, denn die Verrohung der Nazideutschen machte vom Pogrom ab erschreckende Fortschritte. Man erlaubte immerhin Kurt Wolff, nach England zu fahren, um dort Hilfe für seine bedrängten Glaubensgenossen zu erbitten und Auswanderungsmöglichkeiten für sie zu erörtern. Er hatte sich freilich der Gestapo feierlich verpflichten müssen, nach Oppeln aus England zurückzukommen. Seine englischen Freunde beschworen ihn, in England zu bleiben, um der Deportation mit allen ihren Folgen zu entgehen. Allen Warnungen zum Trotz fuhr er nach Oppeln zurück, weil er seine Glaubensgenossen nicht schädigen und im Stich lassen wollte. Im Zuge der Endlösung der Judenfrage war dann bald die Roheit der Nazideutschen so fortgeschritten, dass man auch R.-A. Wolff ins Konzentrationslager verschleppte und zwar in das sogen innte Musterghetto in Theresienstadt. Wenn es dort auch etwas weniger fürchterlich zuging als in Buchenwald oder Oranienburg, so war die Verbannung dorthin und das Leben dort hinter täuschenden Kullissen elend genug wie wir von den wenigen Überlebenden wissen. Die weitaus meisten der etwa 40.000 Insassen des Ghettos in Theresienstadt wurden nach Auschwitz zur Vergasung verschleppt. Die viehische Verrohung der Nazideutschen war inzwischen im Kriege soweit fortgeschritten, dass man auch Kurt Wolff in Auschwitz vergast hat; dasselbe Schicksal hat sein Bruder, der Beuthener Baurat, dessen Frau und ein Kind des Baurats erlitten. Kein Monument ist ihm zu Ehren errichtet worden, zumal Oppeln als solches nicht mehr existiert, sondern nur eine polnische Stadt mit anderem Namen an Oppelns Stelle. So sei dem Helden wenigstens als Ersatz für das Monument, das ihm gebührt hätte, dieses Gedenkblatt gewidmet. DR. THEO BRESLAUER UND FRAU FRIEDA (geb. BLASSE) Vor einigen Wochen sind in Ramat Gan (Israel) Herzlstrasse 38 die obengenannten innerhalb 10 Tagen verschieden. Wer in Breslau kannte nicht die beiden hochgeachteten Familien Breslauer und Blasse? Dr. Theo Breslauer, geboren in Kempen, das man das Frankfurt a/Main des Ostens genannt hat (s. Aufsatz Nr. 30 Verein der Kempner) enstammte einer tiefreligiösen Familie, die durch ihre grossen talmudischen Kenntnisse berühmt war. Sein Bruder Emil Breslauer war Rabbiner an der Sklower Synagoge in Breslau und hat hier im Lande mit seinem Bruder, Rabbiner Dr. Breslauer, in New York lebend, eine Neu-Ausgabe des Kizzur Schulchan Aruch mit vielen Kommentaren verfasst. Vor ca. 50 Jahren war der Unterzeichnete Patient in der grossen Praxis des Zahnarztes Dr. Theo Breslauer. Diese Praxis hat er in Tel-Aviv und später in Ramat Gan weiter ausgebaut und war durch seine tiefe Frömmigkeit, ausgezeichnete Arbeit in seinem Beruf überall bekannt. Seine Gattin Frieda entstammt dem bekannten Hause “Gustav Blasse”, das im Geschäftsleben Breslaus einen ausgezeichneten Ruf von Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit hatte. Mit dem Bruder der Heimgegangenen Max Blasse (ad Mea we Esrim) verbindet mich eine mehr als 50jährige Freundschaft. Frau Frieda Breslauer war leider in den letzten Jahren schwer leidend und auch Dr. Theo Breslauer konnte wegen eines Augenleidens nicht mehr seine Praxis ausüben. Beide wurden von ihren Kindern, insbesondere aber ihrer Tochter, Frau Frischmann und deren Mann, die in Wohngemeinschaft mit ihnen lebten, gehegt und gepflegt. Weit über das Mass des Gewöhnlichen sind beide bis zum letzten Atemzuge aufopfernd den Eltern zur Seite gestanden. Die grosse Zahl der Teilnehmer an den Lewajoth und der Schiwa, die tiefergreifenden Hespedim (Trauerreden), zeigten die grosse Liebe und Verehrung, die alle für die beiden Heimgegangenen hatten. Unsere Teilnahme gilt den Kindern, sowie der weiteren Familie. E. L. Herrn Rabbiner Teichner zum Abschied I Gar rasch ist uns die Botschaft nun gekommen. Doch wir, wir alle, glauben es wohl nimmer, Dass G”tt, der Herr, uns grade Dich genommen Und die beredten Lippen schloss für immer. Zu zeitig, will es uns mit Recht erscheinen, Bist in der Jahre Blüte Du von uns gegangen Und wir, wir steh’n nun ratlos da und weinen, Die wir gebannt an Deinem Wort gehangen. Wer Deiner Sprache Geist und Klang genossen, Wer Dich als Mensch gekannt, kennt den Verlusst, Drum sind beim Abschied Tränen reich geflossen, Und mancher Schmerz entrang sich mancher Brust. Wie uns Dein Wesen und Dein Tun ergötzt, Das wollen wir in goldenen Lettern schreiben, Wer Dich gekannt, hat Dich gar hoch geschätzt, Und jedem wirst Du unvergessen bleiben. Dr. Arthur A. Löwenstam Vorstehendes Gedicht ist uns von Herrn Dr. Arthur Löwenstamm übersandt worden und wir knüpfen anschliessend eine Beschreibung des Lebens von Rabbiner Willi Teichner an. Er ist am 4. Juni 1909 als zweiter Sohn des Klempnermeisters Adolf Teichner und seiner Ehefrau geb. Ucko in Kreuzburg O/S geboren, absolvierte das Gymnasium in Kreuzburg als Klassenprimus und da er aus streng religiösem Hause stammte, begann er unter dem Einfluss des in Kreuzburg amtierenden Predigers Rawitscher im Breslauer Rabbiner Seminar sich auf das Rabblnat vorzubereiten. Schon als Student zeichnete er sich durch besondere Rednergabe aus, die sich mit einem warmen aufgeschlossenen Herzen paarte. über Hirschberg i/Schlesien ging er als Bezirksrabbiner nach Stolp i/Pommern, von wo aus er dann im Jahre 1939 nach Shanghat aus wander - te. In Shanghai am Broadway verstand er mit dem Kantor Warschauer und dem Chordirigenten Heinrich Markt aus Bresalu einen niemals zu vergessenden G’ttesdienst abzuhalten, der den vielen Flüchtlingen Hilfe und Stütze in ihrer Not gewesen ist. Seine seelsorgerische Tätigkeit war unbeschreiblich. Ein warmes jüdisches mitfühlendes Herz verstand Brücken zu schlagen zu den Herzen der schwer Betroffenen. Ich selbst habe im Jahre 1932 mit Rabbiner Teichner in Kreuzburg bei der Beerdigung seines Lehrers Prediger Rawitscher amtiert und seine Persönlichkeit und seine Worte machten einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden insbesondere bei den Behörden der Stadt und des Landes. Seine Gattin war Edith Kahn aus Halberstadt aus streng religiösem Hause, die leider auch vor 4 Jahren in U.S.A. verstarb. Rabbiner Willi Teichner ist einem Typhus im Jahre 1942 in Shanghai erlegen. Wir können ihn nicht vergessen. E. L. N.B. Eine Schule ist in Shanghai auf seinen Namen genannt worden. DR. MEYER FALK Vor einigen Wochen ist ganz plötzlich Dr. Meyer Falk, der bekannte und so beliebte Kinderarzt in Jerusalem gestorben. Aus der bekannten Bresluer Familie Falk stammend, hat er die Tradition dieser grossen Familie in strengster Observanz gewahrt. Seine besonders schöne Statur zeichnete sich durch ein feingeschnittenes Gesicht aus, das Herzensgüte und Wärme ausstrahlte. Seine medizinischen Fähigkeiten waren bereits in Breslau bekannt, wo er auch als Kinderarzt wirkte, immer sorgend für seine kleinen Patienten, die er nicht fragen konnte, was ihnen fehlt, immer die Eltern beruhigend durch seine besondere Art. Ich sehe ihn in seiner Offiziersuniform im 1. Weltkriege in die “Sklower Schul” zum Beten kommen, die Schul der Falks, Gluskinos und Breslauer, ich sehe ihn beim Schiur, wie er lernbegierig horchte und fragte, ein besonderer Mensch und dabei ganz bescheiden, seine Worte waren immer abgewogen. Seiner Gattin, die aus der bekannten Familie David aus Posen stammt, seinen Kindern, die in seinen Wegen gehen und die hohe Positionen in Israel einnehmen, darunter Universitätsprofessoren, Männer im Wirtschaftsleben unsere innigste Teilnahme. Verband ehemaliger Breslauer in Israel i. A. ERICH LEWIN 21

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